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Christliche Geschichtsdeutung in der Moderne

Eine Untersuchung zum Geschichtsdenken von Juan Donoso Cortés, Ernst von Lasaulx und Vladimir Solov'ev in der Zusammenschau christlicher Historiographieentwicklung

Schwaiger, Axel

Philosophische Schriften, Vol. 41

(2001)

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Abstract

Jahrhundertelang war die biblisch-christliche Geschichtssicht bestimmend für die Deutung der Universalhistorie. Heute thematisiert die Forschung sie meist nur noch als Ausdruck eines überkommenen mittelalterlichen Weltbildes. Dabei werden jedoch diejenigen Entwürfe übersehen, die die Weltgeschichte auch auf dem Boden der Moderne mit theologischen Kategorien zu deuten versuchen.

Einleitend zeigt der Autor die spezifischen biblischen Kategorien zur Deutung von Geschichte auf und gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Ausdrucksformen christlicher Universalgeschichtsschreibung - dabei veranschaulicht er Kontinuität und Diskontinuität biblisch-christlichen Geschichtsdenkens. Im Hauptteil untersucht Axel Schwaiger das Werk dreier Geschichtsdenker des 19. Jahrhunderts - des Spaniers Juan Donoso Cortés (1809-1853), des Rheinländers Ernst von Lasaulx (1805-1861) und des Russen Vladimir Solov'ev (1853-1900) - gezielt auf ihre geschichtstheologischen Anteile hin. Inwieweit standen diese Männer in Kontinuität zu klassischem offenbarungsbegründetem Geschichtsdenken? Und wie setzten sie dieses unter den Vorzeichen der Moderne in ihren Werken um? Dem Autor geht es vor allem um die unveränderlichen Deutungselemente, die sich im Geschichtsverständnis der drei behandelten Denker wiederfinden. Ihre Aussagen zu Geschichte, Politik und Gesellschaft werden nur dann recht verstanden, wenn ihre spezifische Anwendung biblisch-christlicher Deutungskategorien Berücksichtigung findet. Unter Einbeziehung neuerer naturwissenschaftlicher, soziologischer und historischer Kenntnisse entfalteten sie eine »moderne« christliche Geschichtssicht, die ohne auf rationale Argumentation zu verzichten, in unterschiedlicher Intensität Grundelemente offenbarungsbegründeter Historienschau beinhaltete.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abbildungen 13
Abkürzungen 14
Abkürzungen biblischer Bücher 18
Einleitung: Untersuchungsanliegen und Forschungsstand 19
Teil I: Die Grundkategorien biblisch-christlicher Geschichtsschau 31
1. Geschichte im AT: Die Erfahrung von Heils- und Unheilszusammenhängen, von Verheißung und Erfüllung 32
a) Der Tun-Ergehen-Zusammenhang 34
b) Die Entfaltung einer heilsgeschichtlichen Teleologie 35
c) Die Apokalyptik als kosmische Erweiterung des historischen Horizonts 39
2. Der eschatologische und christozentrische Charakter der Geschichtssicht im NT 42
a) Zwischen ‚schon‘ und ‚noch nicht‘ 43
b) Die Zwischenzeit der Kirche und das Ende 46
3. Zusammenfassung 48
Teil II: Die Entwicklung christlicher Geschichtsbetrachtung bis zum 18. Jahrhundert 54
1. Die Spätantike: Christliche Geschichtsschau als Apologetik 54
a) Erste geschichtstheologische Ansätze der Apologeten und die frühe Weltgeschichtsschreibung 54
aa) Zusammenfassung 68
b) Geschichte von der Ewigkeit her: Augustin und die Begründung christlicher Geschichtsphilosophie 70
bb) Zusammenfassung 78
2. Das Mittelalter: Christliche Geschichtsschreibung als Chronographie 79
aa) Zusammenfassung 91
3. Die Hochzeit christlicher Geschichtsdeutung: Otto von Freising 93
4. Erste Zäsur: Scholastik, Symbolismus und Nominalismus 102
5. Verwerfung, Erneuerung und Säkularisierung christlicher Weltgeschichtssicht als paralleles Geschehen der frühen Neuzeit 111
a) Statt Vorsehung Beherrschbarkeit des Schicksals: Niccolò Machiavelli 111
b) Die Erneuerung christlicher Geschichtsbetrachtung: Philipp Melanchthon 115
c) Die Verbannung theologischer Deutungselemente aus der Geschichte: Jean Bodin 127
6. Der Prozeß der Säkularisierung und der Rückzug christlicher Geschichtsdeutung 134
a) Die Aufteilung von sakraler und profaner Geschichtsschreibung und die Eliminierung theologischer Deutungskategorien und biblizistischer Weltära 134
b) Bossuet und der Beginn säkularer Geschichtsphilosophie 140
c) Konfessionalisierte Kirchengeschichtsschreibung, Württemberger Pietismus und der Rückzug in theologisch-heilsgeschichtliche Verinnerlichung 149
Teil III: Christliches Geschichtsdenken im Jahrhundert der Moderne 157
Prolog: Das 19. Jahrhundert als geistesgeschichtliche Schlüsselzeit 157
A. Geschichte als Schauplatz von menschlicher Rebellion und göttlichem Eingreifen: die politische Theologie des Juan Donoso Cortés 162
1. Der Forschungsstand 164
2. Leben und Werk 170
3. Die Revolution und der Durchbruch zur eschatologischen Geschichtsdeutung 175
4. Donosos Geschichtstheologie als Ausdruck biblisch-christlicher Geschichtssicht 179
a) Theologie als Schlüssel zur Deutung von politisch-historischem Geschehen 179
b) Urgeschichte, historischer Verlauf und eschatologische Dynamik 184
c) Christozentrik, der Zusammenhang von religiösem Niveau und politischer Ordnung (‚Thermometergesetz‘) und die Rolle der Kirche 192
5. Donosos Geschichtstheologie in Anwendung auf die Politik 201
a) Der Kampf gegen den revolutionären Prozeß: die katholische gegen die philosophische Zivilisation 201
b) Deduktionismus als geschichtsphilosophische Methode 209
c) Proudhon und der Antichrist 212
d) Die Rolle der Regierungen und Völker und Donosos politische Prophetie 219
6. Zusammenfassende Bewertung 228
B. Geschichte als providentiell gedeuteter organischer Ablauf: Ernst von Lasaulx 236
1. Der Forschungsstand 238
2. Leben und Werk 240
3. Lasaulx’ Geschichtsphilosophie und ihre geschichtstheologischen Anteile 245
a) Der weltimmanente Erkenntnisansatz – oder: organische Analogie statt Offenbarung 245
b) Die Weltgeschichte als organische Entfaltung – oder: die Naturhaftigkeit der göttlichen Providenz 250
c) Der Antagonismus der Kräfte und der Fortschritt der Freiheit – oder: Ausschaltung geschichtstheologischer Kategorien 259
d) Die Heroen – oder: eine Christozentrik ohne Inhalt 269
e) Physiognomie des Verfalls – oder: die Verkürzung der Eschatologie 273
4. Zusammenfassende Bewertung 280
C. Geschichte als Prozeß zur All-Einheit. Vom Utopismus zur Apokalyptik: Vladimir Solov’ev 283
1. Leben und Werk 284
2. Wirkungsgeschichte und Forschungsstand 290
3. Grundanliegen und Wandel seines Geschichtsbildes 295
a) Die eschatologische Grundstimmung 295
b) Die Philosophie der All-Einheit und ihre utopische Verwirklichung 297
c) Solov’evs Christozentrik: Der Gottmensch als Erstling und Vollender der All-Einheit 300
d) Die Entdeckung des Bösen und der Übergang vom Utopismus zur Apokalyptik 303
4. Die ‚Kurze Erzählung vom Antichrist‘ als Ausdruck eines biblisch-dezisionistischen Geschichtsverständnisses 306
a) Die Erzählung 306
b) Der fiktive historio-politische Rahmen 309
c) Die biblischen, altkirchlichen und literarischen Antichrist-Anleihen 318
aa) Die Anlehnung an biblische Aussagen 318
bb) Die Anlehnung an kirchliche Tradition 320
cc) Literarische Vorbilder und Bezüge 324
d) Die Lösung der Kirchenfrage als endzeitliches Geschehen 327
5. Spurensuche eines geschichtstheologischen Aufrisses: Urgeschichte und historische Entfaltung 336
a) Solov’evs ästhetisches Entwicklungsverständnis und die Ersetzung der Urgeschichte durch den Prozeß 336
b) Der Geschichtsverlauf als Gott-Mensch-Prozeß 341
aa) Der Weg vom Tiermenschen zum Gottmenschen, von der Schöpfung bis Christus 341
bb) Der gottmenschliche Prozeß zwischen Auferstehung und Parusie 346
6. Zusammenfassende Bewertung 351
D. Zusammenfassung der Ergebnisse 357
Epilog: Ein kurzer Ausblick auf Ausdrucksformen christlichen Geschichtsdenkens im 20. Jahrhundert 364
Quellen- und Literaturverzeichnis 377
Personenverzeichnis 414
Sachverzeichnis 422