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Kramer, R. (1990). Umgang mit der Armut. Eine sozialethische Analyse. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-46818-8
Kramer, Rolf. Umgang mit der Armut: Eine sozialethische Analyse. Duncker & Humblot, 1990. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-46818-8
Kramer, R (1990): Umgang mit der Armut: Eine sozialethische Analyse, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-46818-8

Format

Umgang mit der Armut

Eine sozialethische Analyse

Kramer, Rolf

Sozialwissenschaftliche Schriften, Vol. 16

(1990)

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Abstract

Die Festlegung der Armut ist abhängig vom angelegten Maßstab. Sie wird unterschiedlich definiert, je nachdem sie von Beteiligten oder nur von Außenstehenden festgelegt wird. Armut kann ebenso auf das leibliche Wohl wie auch auf die immateriellen Güter der Menschen bezogen werden. Wenn mit ihr eine Mißachtung des Menschseins verbunden ist, widerspricht sie der Würde des Menschen. Wo das geschieht, versündigt sich der Mensch seinem Mitmenschen gegenüber. Darum kann sich in der Armut auch die Sünde des Menschen zeigen. Zwar ist Armut nicht gleichzusetzen mit Sünde. Aber der Arme ist auch nicht sündlos! Sollte sich in der Armut die Mißachtung des Armen und die Selbstrechtfertigung und Selbsterhöhung des nicht Betroffenen zeigen, tritt in ihr das Kennzeichen der Sünde hervor. Die unfreiwillige Armut kann dadurch hervorgerufen sein, daß der einzelne seine Armut unwillentlich selbstverschuldet hat oder aber nur unfähig ist, sie zu überwinden. Die freiwillige Armut steht der unfreiwilligen Armut gegenüber. Sie verzichtet auf leibliche Güter oder auf die Ausübung eigener Rechte und eigener Macht. Im übertragenen Sinn ist der Demütige gerade der Arme! Die freiwillige Armut ist oft eine selbstverschuldete. Der Mensch nimmt bewußt in Kauf, durch eigenes Verschulden in Armut zu fallen. Er wäre in der Lage, die Armut zu überwinden, tut aber nichts dagegen. Die Armut berührt nicht nur die Menschenwürde, sondern auch andere Rechte des Menschen. Sie beeinflußt ihrerseits die Freiheit, Gerechtigkeit und auch das Recht auf Eigentum. Das Leben in Armut kann nämlich die Möglichkeit einschränken, Freiheit und Gerechtigkeit in der Gesellschaft wahrzunehmen. Die vielfachen Armutsbegriffe der biblischen Tradition, des Mittelalters und der Reformationszeit sollen in dieser sozialethischen und sozialwissenschaftlichen Untersuchung aufgegriffen werden. Der Behandlung der Armut in der evangelischen und katholischen Kirche wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Theologien beider Kirchen werden herausgearbeitet. Die Option für die Armen in der lateinamerikanischen Befreiungstheologie hat ihre Eigenart und ihren spezifischen Charakter. Sie muß deshalb im Blick auf ihre besonderen Akzente ebenfalls untersucht werden. Der Begriff der Armut ist zum Charakteristikum der Dritten Welt geworden. Es gilt darum, die dortigen Armutsprobleme und vor allem die durch die Armut entstandenen Schuldenfragen aufzugreifen. Gesucht wird dabei nach handfesten praktikablen Regelungen. Auch hier hat sich in der Vergangenheit wiederholt jede der beiden Kirchen zu Wort gemeldet. Die Armutsfrage ist in den siebziger Jahren - und auch heute wieder - als Folge der massiven Arbeitslosigkeit in den Industrienationen des Westens und auch besonders der Bundesrepublik aufgetaucht. Man spricht von einer »Neuen Armut«, die man - allerdings in bestimmten ideologisch ausgerichteten Gruppen - mit dem Pauperismus des 19. Jahrhunderts in einen engen Zusammenhang bringt. Aber es ist zu fragen, ob dieser Zuordnung nicht von vornherein Grenzen zu setzen sind. Kann man die Erscheinungen der gegenwärtigen sozialen Problematik unter dem Stichwort der Armut des Pauperismus erfassen? Inwieweit ist eine Lösung des Armutsproblems an die Forderung nach der Wiederherstellung der Vollbeschäftigung zu knüpfen? Hat die gegenwärtige Armutsproblematik nicht auch ganz andere Strukturen und Implikationen? Um die Behandlung aller dieser Fragen in sozialethischer und sozialwissenschaftlicher Hinsicht geht es in dieser Untersuchung.

Aus dem Vorwort

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Erstes Kapitel: Die Bedeutung der Armut in der Bibel 11
I. Die Armen im Alten Testament 11
a) Arm im sozial-ökonomischen Sinn 11
b) Arm im nicht-sozial-ökonomischen Sinn 12
c) Die Armutsproblematik im Deuteronomium und bei den Propheten 12
II. Der Begriff Armut im Neuen Testament 15
a) Armut im Evangelium nach Markus 15
b) Armut im Evangelium nach Matthäus 15
c) Armut im Evangelium nach Lukas 16
d) Arm und reich in der Theologie des Apostels Paulus 17
e) Das Verhältnis von Armut und Nachfolge 18
f) Die Beziehung von Armut zum Eigentum 19
Zweites Kapitel: Armut im Mittelalter und in der Reformation 21
I. Die Armut im Mittelalter 21
II. Luthers Stellung zur Armutsfrage 25
a) Luthers Kritik am Armutsideal des Mönchtums 25
b) Luthers Stellung zur Humilitas 26
c) Luthers Stellung zum Eigentum 28
d) Luthers Stellung zur Armenpflege 29
e) Luthers Stellung zum Zins 31
III. Calvins Einstellung zur Armut 32
a) Der Erwählungsgedanke 32
b) Calvins „Lehre“ vom Zins 33
c) Die Aufgabe der Gemeinde gegenüber dem Reichen 34
d) Calvins Einstellung zum Eigentum 34
IV. Zwinglis Stellung zur Armut 34
a) Zwinglis Lehre vom Eigentum 34
b) Zwinglis Einstellung zum Zins 36
c) Zwinglis Einstellung zur Armut 37
Drittes Kapitel: Neuzeitliche evangelische Stellungnahme zur Problematik der Armut 38
I. Die Denkschriften der Evangelischen Kirche in Deutschland 38
a) “Eigentumsbildung in sozialer Verantwortung” (1962) 38
b) “Die soziale Sicherung im Industriezeitalter” (1973) 39
c) “Der Entwicklungsdienst der Kirche – Ein Beitrag für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt” (1973) 41
II. Die ökumenische Auseinandersetzung mit der Armut 42
a) Die geschichtliche Entwicklung 42
b) Solidarität mit den Armen 43
aa) Der Kampf der Armen 44
bb) Die Forderungen an die Theologie 45
cc) Aktionen zur Solidarität mit den Armen 46
III. Die evangelische Theologie und die Armut 47
a) Der Wohlfahrtsstaat 48
aa) Die Entstehung der Massengesellschaft 48
bb) Die „Machbarkeit“ aller Dinge 49
b) Thielickes Stellung zum Eigentum 51
Viertes Kapitel: Die Stellung der Armen in der katholischen Kirche 54
I. Die Kirche der Armen in der katholischen Soziallehre 54
II. Die Option für die Armen im Hirtenbrief der amerikanischen Bischofskonferenz 59
III. Das Eigentum und die Eigentumsordnung 64
a) Der Vorrang der Gemeinbestimmung des Eigentums 64
b) Die Individual- und Sozialfunktion des Eigentums 67
c) Das Verhältnis von Arbeit und Eigentum 70
d) Das Eigentum an Grund und Boden 72
IV. Das Streben nach sozialer Gerechtigkeit 73
a) Die Botschaft von der Gerechtigkeit 73
b) Die soziale Gerechtigkeit als neue Dimension der Gerechtigkeit 74
c) Der Zusammenhang von Entwicklung, Evangelisierung und Gerechtigkeit 77
aa) Entwicklung 77
bb) Evangelisierung 78
cc) Gerechtigkeit und Erbarmen 80
Fünftes Kapitel: Die Theologie der Befreiung 82
I. Die Entstehung der Theologie der Befreiung 82
a) Die Befreiung als soziale Revolution 83
b) Die generelle Befreiung von Abhängigkeiten 83
c) Die theologische Befreiung 84
II. Das Verhältnis von Befreiung und Erlösung 85
a) Grundsätzliches 85
b) Jesus Christus der Befreier 86
III. Die Solidarität mit den Armen 89
IV. Die Basisgemeinde 91
V. Die Option für den Marxismus in der Theologie der Befreiung 96
VI. Innerkirchliche Kritik an der Theologie der Befreiung 98
a) Die Veränderung des hermeneutischen Zirkels 99
b) Das Problem einer Option für die Armen 100
c) Die marxistische Analyse 101
Sechstes Kapitel: Die internationale Schuldenkrise 104
I. Die Ursachen der Schuldenkrise 104
II. Merkmale der Schuldenproblematik 106
III. Die Lösung des Schuldenproblems 107
IV. Eine Ethik des Überlebens: Verantwortung aus internationaler Solidarität 111
V. Menschenwürdige Bedingungen in den Entwicklungsländern 115
VI. Die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung 119
Siebentes Kapitel: Armut – Pauperismus – Neue soziale Frage 122
I. Die Unterscheidung von absoluter und virtueller Armut bei Karl Marx 122
II. Die Neue Soziale Frage 124
a) Die neue Armut 124
b) Lösung der Armutsproblematik 127
aa) Die relative Armut 128
bb) Die absolute Armut 129
Achtes Kapitel: Rückblick und Ausblick in Thesen 131
I. 131
II. 132
III. 134
IV. 135
V. 137
VI. 139
VII. 141
Literaturverzeichnis 144