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Der deutsche Schuldenabbau im europäischen Vergleich: glückliche Umstände oder starke Leistung?

Cite JOURNAL ARTICLE

Style

Büttner, D., Meurers, M. Der deutsche Schuldenabbau im europäischen Vergleich: glückliche Umstände oder starke Leistung?. Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, 88(4), 51-66. https://doi.org/10.3790/vjh.88.4.51
Büttner, David and Meurers, Martin "Der deutsche Schuldenabbau im europäischen Vergleich: glückliche Umstände oder starke Leistung?" Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 88.4, , 51-66. https://doi.org/10.3790/vjh.88.4.51
Büttner, David/Meurers, Martin: Der deutsche Schuldenabbau im europäischen Vergleich: glückliche Umstände oder starke Leistung?, in: Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, vol. 88, iss. 4, 51-66, [online] https://doi.org/10.3790/vjh.88.4.51

Format

Der deutsche Schuldenabbau im europäischen Vergleich: glückliche Umstände oder starke Leistung?

Büttner, David | Meurers, Martin

Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung, Vol. 88 (2019), Iss. 4 : pp. 51–66

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Article Details

Author Details

David Büttner, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, E-Mail: david.buettner@bmwi.bund.de

Martin Meurers, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, E-Mail: martin.meurers@bmwi.bund.de

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Abstract

Zusammenfassung: Der Rückgang der deutschen Staatsverschuldung auf rd. 60 % des BIP in diesem Jahr ist ein Erfolg für die deutsche Haushaltspolitik. Eine Zerlegung der Entwicklung der Staatsverschuldung seit dem Jahr 2010 zeigt, dass der Schuldenabbau in Deutschland im Wesentlichen durch ein über weite Strecken stabiles nominales Wachstum und niedrige Zinsen begünstigt wurde, also durch Faktoren, die zunächst nur mittelbar von der Haushaltspolitik beeinflusst werden können. Eine sichtbare Leistung der deutschen Finanzpolitik ist, dass sie nach der Finanzkrise sehr frühzeitig mit dem Abbau des strukturellen Haushaltsdefizits begonnen hat. Seit 2012 sind keine besonderen Konsolidierungsbemühungen mehr zu verzeichnen, allerdings auch keine besonders expansive Ausrichtung. Insgesamt sind also weder das hierzulande gepflegte Bild der sprichwörtlichen „schwäbischen Hausfrau“ noch der Vorwurf, Deutschland sei nur auf Haushaltsdisziplin „versessen“, wirklich zutreffend.

Die Entwicklungen in den übrigen Euroländern verliefen dagegen ungünstiger. Unsere Zerlegung für den Durchschnitt der übrigen Euroländer zeigt, dass der hohe Ausgangsschuldenstand, aber auch die schwächere Konjunkturerholung, die wiederum eine stärkere aktive Konsolidierung erschwerte, wesentliche Faktoren für den langsameren Schuldenabbau nach der Krise waren.

Mit der erfolgreichen Konsolidierung bei gleichzeitig hohem Wirtschaftswachstum – also einem sog. „expansionary fiscal adjustment“ – stellt Deutschland einen Ausnahmefall in Europa dar. Eine Regressionsanalyse für den Querschnitt der EU-Länder zeigt, dass die negativen Nachfrageeffekte eines Abbaus des strukturellen Primärdefizits tendenziell in solchen Ländern milde ausfielen bzw. ausblieben, die Euro-Gründungsmitglied sind, die über flexible Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt verfügen und die eine effektive Konjunkturpolitik in der Krise betrieben haben.