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Entwicklung der Leistungsempfängerzahlen in der Gesetzlichen Pflegeversicherung – Zum Einfluss unterschiedlicher Morbiditätsannahmen auf die Entwicklung der sozialrechtlich anerkannten Pflegebedürftigkeit in Deutschland

Bowles, David | Zuchandke, Andy | Greiner, Wolfgang | von der Schulenburg, J.-Matthias Graf

Journal of Contextual Economics – Schmollers Jahrbuch, Vol. 134 (2014), Iss. 2: pp. 209–236

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David Bowles, Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement, Universitätsstraße 25, 33501 Bielefeld

Andy Zuchandke, Leibniz Universität Hannover, Institut für Versicherungsbetriebslehre, Otto-Brenner-Straße 1, 30159 Hannover

Wolfgang Greiner, Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement, Universitätsstraße 25, 33501 Bielefeld

J.-Matthias Graf von der Schulenburg, Leibniz Universität Hannover, Institut für Versicherungsbetriebslehre, Otto-Brenner-Straße 1, 30159 Hannover

Abstract

Demographic change in Germany will lead to a higher number of people in need of long-term care and an increasing demand for Long-term Care Insurance (LTCI) services. While the general rise in beneficiaries is not controversial, there is uncertainty about the magnitude of change, which also depends on the development of morbidity patterns. Simulations show that the number of LTCI beneficiaries is likely to double through 2080 if age- and sex-specific prevalence rates are held constant; following this scenario, life expectancy spend in long-term care is going to rise in absolute as well as relative terms. Even in scenarios simulating a compression of need for long-term care a general increase in the number of beneficiaries is unavoidable. Beside the number of LTCI beneficiaries other factors like the number of informal caregivers or the adjustment of LTCI benefit levels also influence the financial development of LTCI.

Zusammenfassung

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland wird zu einer zukünftig steigenden Zahl an Leistungsempfängern in der Gesetzlichen Pflegeversicherung (GPV) führen. Während ein grundsätzlicher Anstieg unstrittig ist, besteht Unsicherheit über das genaue Ausmaß der Veränderung. Verschiedene Einflussfaktoren sind hier zu berücksichtigen, unter anderem die Entwicklung der Morbidität. Modellrechnungen auf Basis einer eigenen Bevölkerungsprojektion zeigen, dass sich die Zahl Pflegebedürftiger (i.S. SGB XI) unter der Annahme konstanter Pflegequoten bis 2080 nahezu verdoppeln wird. Die in Pflegebedürftigkeit verbrachte Lebenszeit nimmt in diesem Szenario sowohl absolut als auch relativ zur Gesamtlebenszeit zu. Die Simulation einer relativen Kompression der Morbidität führt hingegen zu substanziell niedrigeren GPV-Leistungsempfängerzahlen, wobei ein Anstieg nicht generell vermieden werden kann. Je nach Morbiditätsszenario ergeben sich unterschiedliche Implikationen für die Finanzentwicklung der GPV und die Pflegeinfrastruktur. Das Ausmaß der Effekte hängt jedoch noch von weiteren Faktoren ab, beispielsweise von der Entwicklung des informellen Pflegepotenzials und der konkreten Ausgestaltung des Leistungsrechts.

JEL-Klassifikation: C63, I13, J111.