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Hartmann, L (2021). Fehlerfolgen: Ist die verfassungsgerichtliche Ultra-vires- und Identitätskontrolle aus verfassungsrechtlichen Gründen rechtlich wirkungslos?. Der Staat, 60(3), 387-431. https://doi.org/10.3790/staa.60.3.387
Hartmann, Lucas (2021). "Fehlerfolgen: Ist die verfassungsgerichtliche Ultra-vires- und Identitätskontrolle aus verfassungsrechtlichen Gründen rechtlich wirkungslos?" Der Staat, vol. 60no. 3, 2021 pp. 387-431. https://doi.org/10.3790/staa.60.3.387
Hartmann, L (2021). Fehlerfolgen: Ist die verfassungsgerichtliche Ultra-vires- und Identitätskontrolle aus verfassungsrechtlichen Gründen rechtlich wirkungslos?. Der Staat, Vol. 60 (Issue 3), pp 387-431. https://doi.org/10.3790/staa.60.3.387

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Fehlerfolgen: Ist die verfassungsgerichtliche Ultra-vires- und Identitätskontrolle aus verfassungsrechtlichen Gründen rechtlich wirkungslos?

Rechtstheoretische Analyse eines Scheinriesen

Hartmann, Lucas

Der Staat, Vol. 60 (2021), Iss. 3 : pp. 387–431

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Dr. Lucas Hartmann, Institut für Staatswissenschaft und Rechtsphilosophie, Abteilung 3 – Rechtstheorie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 79085 Freiburg i. Br.

Abstract

Unionales Sekundärrecht, das ultra vires erzeugt wird oder gegen die Verfassungsidentität verstößt, ist nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts in Deutschland unanwendbar und entfaltet für deutsche Verfassungsorgane, Behörden und Gerichte keine Rechtswirkungen. Was so zunächst jedenfalls im Ergebnis klar zu sein scheint – die Fehlerfolge des Ultra-vires-Fehlers bzw. Identitätsverstoßes – ist es beim Abgleich mit der herkömmlichen Fehlerfolgenlehre nicht: Ist die Sekundärrechtsnorm nichtig, unanwendbar oder zwar gültig, aber aufhebbar? Im Gegenteil: Nimmt man das bundesverfassungsgerichtliche Konzept ernst und analysiert man die Rechtswirkungen, die ihm zufolge entstehen oder nicht entstehen, so ist der Fehler in Deutschland weitgehend unbeachtlich – und zwar aus verfassungsrechtlichen Gründen. Mit anderen Worten: Paradoxerweise ist es nicht die Sekundärrechtsnorm, die in Deutschland keine Rechtswirkungen entfaltet, sondern die verfassungsgerichtliche Feststellung des Vorliegens eines Ultra-vires-Akts bzw. Identitätsverstoßes, die von den deutschen Verfassungsorganen, Behörden und Gerichten außer Acht zu lassen ist.

According to the case law of the Federal Constitutional Court, EU secondary law that is created ultra vires or violates constitutional identity cannot be applied in Germany and has no binding effect on German constitutional bodies, administrative authorities, and courts. What seems evident at first – the error effects of the ultra vires act or of the violation of constitutional identity – is not evident when considered in relation to the customary doctrine of error effects: Is the act of secondary law null and void, not to be applied, or valid but voidable? On the contrary: if one takes the Federal Constitutional Court's concept seriously and analyses the binding effects to which it does or does not give rise, the error is largely irrelevant in Germany – for constitutional reasons. In other words: Paradoxically, it is not the act of secondary law that does not produce binding effects in Germany; rather, it is the constitutional court's declaration of an ultra vires act or violation of constitutional identity that must be disregarded by the German constitutional bodies, administrative authorities, and courts.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Lucas Hartmann: Fehlerfolgen: Ist die verfassungsgerichtliche Ultra-vires- und Identitätskontrolle aus verfassungsrechtlichen Gründen rechtlich wirkungslos? 387
Rechtstheoretische Analyse eines Scheinriesen 387
I. Einleitung 387
II. Das dogmatische Problem: Fehlerfolge ungeklärt 390
1. Kernelemente der Fehlerfolgendogmatik 390
2. Die Aussagen des Bundesverfassungsgerichts zur Fehlerfolge 391
3. Stellungnahmen in der Literatur 393
4. „Verwirrspiel” um die Fehlerfolge 394
III. Der Weg zur Lösung: Rechtstheoretische Reflexion der Rechtserzeugungs- und -vernichtungsstrukturen 387
IV. Die rechtstheoretische Analyse 1: Elemente des verfassungsgerichtlichen Ultra-vires- und Identitätskonzepts im Lichte der Struktur der Sekundärrechtserzeugung 387
1. Stufenbau nach der rechtlichen Bedingtheit und Fehlerkalkül: Rechtserzeugungszusammenhang 387
2. Struktur der Sekundärrechtserzeugung 387
3. Deutung im Hinblick auf die Erzeugung von Rechtsfolgen für/in Deutschland durch Ultra-vires- bzw. identitätswidrige Sekundärrechtsakte 387
4. Ergebnis 388
V. Die rechtstheoretische Analyse 2: Elemente des verfassungsgerichtlichen Ultra-vires- und Identitätskonzepts im Lichte der Struktur der Sekundärrechtsvernichtung 388
1. Stufenbau nach der derogatorischen Kraft: Rechtsvernichtungszusammenhang 388
2. Struktur der Sekundärrechtsvernichtung aus der Perspektive des Bundesverfassungsgerichts 388
3. Struktur der Sekundärrechtsvernichtung aus der Perspektive der deutschen Verfassungsorgane, Behörden und Gerichte 389
4. Ergebnis 389
VI. Die dogmatische Lösung: Weitgehende Unbeachtlichkeit als Fehlerfolge 389
VII. Varianten einer dogmatischen Neukonzeption: Effektivierung oder Abschaffung der Ultra-vires- und Identitätskontrolle 390
1. Effektivierung der Ultra-vires- und Identitätskontrolle 390
2. Beschränkung auf die Vorabkontrolle des Zustimmungsgesetzes 390
VIII. Schluss 390