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Von der Gleichbehandlung der „Rassen“ zum Verbot rassistischer Diskriminierung

Tabbara, Tarik

Der Staat, Vol. 60 (2021), Iss. 4: pp. 577–607

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Prof. Dr. Tarik Tabbara, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Fachbereich 5 – Polizei und Sicherheitsmanagement, Professur für Öffentliches Recht, insbesondere deutsches und europäisches Sicherheitsrecht, Alt-Friedrichsfelde 60, 10315 Berlin

Abstract

Es ist nach wie vor befremdlich, dass das in Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG garantierte Verbot der Diskriminierung „wegen seiner Rasse“ so lange in der Rechtspraxis und Rechtswissenschaft so wenig Aufmerksamkeit erfahren hat. Dies hängt offensichtlich mit dessen paradoxer Formulierung zusammen, die eine Einteilung der Menschheit in „Rassen“ zumindest nahelegt, obwohl dieses Verbot eigentlich genau dagegen Schutz bieten soll. In der Rechtswissenschaft hat dies zu Konzeptionen mit problematischer, biologischer Schlagseite geführt, und die Rechtsprechung zeigt eine bemerkenswerte Unsicherheit im Umgang mit diesem Diskriminierungsverbot. Eine Ersetzung des Rassebegriffs durch ein ausdrückliches Verbot rassistischer Diskriminierung könnte dagegen die Voraussetzungen für eine tatsächliche wirkungsvolle Entfaltung des Diskriminierungsschutzes schaffen. Um aber auch strukturellen rassistischen Diskriminierungen effektiv begegnen zu können, wäre zugleich die Schaffung eines verfassungsrechtlichen Gewährleistungs- und Förderauftrages für gleichberechtigte Teilhabe erforderlich.

It remains disconcerting that the prohibition of discrimination "because of one's race" guaranteed in the first sentence of Article 3(3) of the Basic Law has received so little attention in legal practice and jurisprudence for so long. This is obviously related to its paradoxical formulation, which at least suggests a division of humanity into "races", although this prohibition is actually intended to provide protection precisely against this. In jurisprudence, this has led to conceptions with a problematic, biological slant, and case law shows a remarkable uncertainty in dealing with this prohibition of discrimination. Replacing the concept of race with an explicit prohibition of racist discrimination, on the other hand, could create the conditions for an actual effective unfolding of the protection against discrimination. However, in order to be able to effectively counter structural racist discrimination, it would at the same time be necessary to create a constitutional guarantee and mandate to promote equal participation.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Tarik Tabbara: Von der Gleichbehandlung der „Rassen“ zum Verbot rassistischer Diskriminierung 577
I. Einleitung 577
II. Die paradoxe Formulierung des Diskriminierungsverbotes „wegen seiner Rasse” 580
1. „Rasse” ist kein unschuldiger Begriff 580
2. Die nur vereinzelte Anwendung des Diskriminierungsverbotes „wegen seiner Rasse” 583
III. Zur Ersetzung von „wegen seiner Rasse” durch rassistisch 577
1. Auflösung der Paradoxie des Diskriminierungsverbotes „wegen seiner Rasse” 577
2. Zur Kritik an einer Ersetzung des Rassebegriffs 578
IV. Einführung eines Gewährleistungs- und Förderauftrags zum Schutz vor Diskriminierung 578
V. Ausblick 579