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Fröhlich, A. (2009). Von der Parlamentssouveränität zur Verfassungssouveränität. Der britische Verfassungswandel am Beispiel des Human Rights Act 1998. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-52764-9
Fröhlich, Almut Mareen. Von der Parlamentssouveränität zur Verfassungssouveränität: Der britische Verfassungswandel am Beispiel des Human Rights Act 1998. Duncker & Humblot, 2009. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-52764-9
Fröhlich, A, (2009): Von der Parlamentssouveränität zur Verfassungssouveränität: Der britische Verfassungswandel am Beispiel des Human Rights Act 1998, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-52764-9

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Von der Parlamentssouveränität zur Verfassungssouveränität

Der britische Verfassungswandel am Beispiel des Human Rights Act 1998

Fröhlich, Almut Mareen

Schriften zum Internationalen Recht, Vol. 177

(2009)

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Abstract

ßbritannien durchläuft seit einigen Jahren einen tiefgreifenden Verfassungswandel, der mit konzeptionellen Veränderungen im britischen Institutionengefüge einhergeht und die ehemals "politische Verfassung" Großbritanniens kaum noch erkennen lässt. Das traditionelle Verfassungssystem der Parlamentssouveränität, das im Wesentlichen durch das Fehlen rechtlicher Bindungen des Gesetzgebers gekennzeichnet war, wird materiellrechtlich angereichert und zunehmend wertzentrierter. Elemente und Diskussionen, die aus dem deutschen oder US-amerikanischen Verfassungssystem bekannt sind, finden Eingang in britisches Verfassungsdenken. Ist Großbritannien auf dem Weg zu einem System der "Verfassungssouveränität"?

Ausgehend von einer Analyse des traditionellen Verfassungsverständnisses untersucht die Autorin die aktuellen Veränderungen im Verhältnis der Judikative zur Legislative exemplarisch anhand des Human Rights Act 1998, der die Grundrechte der EMRK in britisches Recht transformiert und die Gerichte im Blick auf die Grundrechtskonformität von Parlamentsgesetzen mit einem Prüfungsrecht (wenngleich nicht mit einer Verwerfungskompetenz) ausstattet. Hierbei wird deutlich, wieviel legitimatorische Kraft das Konzept der Parlamentssouveränität trotz fortschreitender Verrechtlichung der britischen Verfassung weiterhin entfaltet.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 15
Einleitung 17
§ 1 Einführung in die Thematik der Arbeit 17
I. Thema 17
II. Vorgehensweise 28
§ 2 Parlamentssouveränität und Verfassungssouveränität 30
§ 3 Einführung in Besonderheiten der britischen Verfassungsordnung 35
I. Fehlen einer formalisierten Verfassungsurkunde 36
II. Hat Großbritannien eine Verfassung? 40
1. Teil: Das traditionelle Verfassungsverständnis – Die Zeit der richterlichen Unterwürfigkeit 43
§ 4 Prägende Komponenten des traditionellen Verfassungsverständnisses 44
I. Die britische Doktrin der Parlamentssouveränität 44
1. Albert Venn Dicey – Vater der Doktrin der Parlamentssouveränität 45
2. Inhalt der Doktrin der Parlamentssouveränität 50
3. Positive und negative Parlamentssouveränität 51
4. Juristische und politische Souveränität 52
5. „Parliament cannot bind its successor“ 54
6. Relativierende Merkmale der Parlamentssouveränität 56
a) Die parlamentarische Trias von Monarch, Ober- und Unterhaus 56
b) Das common law 57
II. Das traditionelle Demokratieverständnis 61
1. Albert Venn Dicey und die Idee der Volksherrschaft 61
2. Albert Venn Dicey und die Mehrheitsdemokratie 68
III. Das rechtstheoretische Verständnis 70
IV. Rule of law 73
1. Die rule of law als formales Prinzip 77
2. Die rule of law als materielles Prinzip 78
3. Diceys Konzeption der rule of law 79
a) Rechtmäßigkeit der Verwaltung 81
b) Gleichheit vor dem Recht (sei es geschriebener oder ungeschriebener Natur) 82
c) Freiheit des Individuums 84
d) Formelle oder materielle Konzeption? 85
4. Das Verhältnis der rule of law zur Parlamentssouveränität 87
a) Auswirkungen der Doktrin der Parlamentssouveränität auf die rule of law 87
b) Auswirkungen der rule of law auf die Parlamentssouveränität 89
c) Fazit 90
V. Freiheitsschutz unter Dicey: Das Konzept der self-correcting democracy 90
1. Tatsächliche Prämissen des Dicey’schen Konzepts 91
2. Plausibilität seiner Schlussfolgerungen 93
a) Freiheitsschutz durch Gesetzesrecht 93
b) Freiheitsschutz durch extrajuristische Grenzen der Parlamentssouveränität 94
c) Freiheitsschutz durch common law 94
aa) Unmittelbar-negativer Schutz 95
bb) Mittelbar-positiver Schutz 99
d) Fazit 100
§ 5 Das traditionelle Verfassungsverständnis und das Verhältnis der Judikative zur Legislative 101
I. Die institutionellen Auswirkungen – keine Verfassungsgerichtsbarkeit 102
II. Die verfahrensmäßigen Auswirkungen – keine Normenkontrolle 102
1. Keine Möglichkeit der Überprüfung formeller Verfassungsmäßigkeit eines Gesetzes 103
2. Keine Möglichkeit der Überprüfung materieller Verfassungsmäßigkeit eines Gesetzes 104
III. Die methodischen Auswirkungen – die literal rule 105
1. Grundlagen der statutory interpretation und ihre Anwendungspraxis 106
a) Die Wortlautauslegung oder literal rule 108
b) Die historische Auslegung 110
c) Die systematische Auslegung 110
d) Die teleologische Auslegung 112
2. Fazit 113
a) Das Verhältnis der Auslegungskriterien zueinander 113
b) Gründe für die Auslegungspraxis 114
c) Vorboten einer Veränderung der Auslegungspraxis 119
§ 6 Zusammenfassende Betrachtung zum „traditionellen Verfassungsverständnis“ 119
2. Teil: Die Einführung des Human Rights Act 1998 – Großbritannien auf dem Weg zur Verfassungssouveränität? 122
§ 7 Der Human Rights Act 1998 122
I. Die Inkorporierungskampagne 124
II. Regelungsinhalt des Human Rights Act 1998 129
1. Adressaten der Konventionsrechte 129
2. Antragsbefugnis 131
3. Die Durchsetzung der Konventionsrechte vor nationalen Gerichten 131
a) Die Auslegungsregel (rule of construction) – section 3 132
b) Die Inkompatibilitätserklärung – section 4 132
c) Die „fast track procedure“ – section 10 133
d) Die Kompatibilitätserklärung (statement of compatibility) – section 19 134
III. ZumWesen des Human Rights Act 1998 als Fremdkörper im britischen Verfassungssystem und Katalysator des Verfassungswandels 135
1. Der Human Rights Act 1998 als legal irritant 135
2. Der Human Rights Act 1998 als Teil eines fundamentalen Verfassungswandels 137
§ 8 Die Wandlung des traditionellen Verfassungsverständnisses durch den Human Rights Act 1998 142
I. Substanzverlust der Doktrin der Parlamentssouveränität 143
1. Faktische Modifikation des positiven Bedeutungsgehalts der Parlamentssouveränität 144
2. Aushöhlung des negativen Bedeutungsgehalts der Parlamentssouveränität 147
3. Einschränkungen des Grundsatzes „Parliament cannot bind its successors“ 148
4. Einschränkungen der „rule of implied repeal“ 149
5. Herausbildung einer Normenhierarchie 152
6. Fazit 155
II. Materielle Aufladung der rule of law 158
1. Unmittelbare Folgen des Human Rights Act 1998 158
2. Am weiteren Kontext des fundamentalen Verfassungswandels orientierte Betrachtungsweise 160
3. Fazit 163
III. „Konstitutionalisierung“ des Individualrechtsschutzes – Von residual freedoms zu positive rights 163
1. Die Pre-Human-Rights-Act-Phase 165
2. Die Bedeutung des Human Rights Act 1998 168
IV. Das moderne Demokratieverständnis – Von majority rule zu einer rights based democracy 170
1. Zur Einführungsdebatte des Human Rights Act 1998 170
2. Der politikwissenschaftliche Kontext – unterschiedliche Demokraktieverständnisse 172
a) Die liberalen Positionen 173
aa) Die liberal democratic position 173
bb) Die bourgeois liberal position 174
b) Die republikanischen Positionen 174
aa) Die communitarian position 175
bb) Die Position des liberal republicanism 175
c) Der Human Rights Act und die Veränderungen im demokratietheoretischen Denken 175
V. Die Abkehr vom Rechtspositivismus 178
VI. Zwischenbetrachtung: Auf demWeg zu einem (neuen) öffentlichen Recht 181
§ 9 Verschiebungen in der Gewaltenteilung zwischen Judikative und Legislative durch den Human Rights Act 1998 185
I. Institutionelle Auswirkungen – die Einführung eines Supreme Court 186
1. Einführung von Normenkontrollmaßstäben 186
2. Einführung eines Supreme Court 187
II. Verfahrensmäßige Auswirkungen 191
1. Einführung einer parlamentarisch legitimierten Normenkontrolle 191
2. Die judicial review in Großbritannien – Von judicial review zur constitutional judicial review 196
a) Entstehungsgeschichte der judicial review 197
b) Legitimationsgrundlage der judicial review – die „Ultra-Vires-Debatte“ 202
aa) Die traditionelle Ultra-Vires-Schule 203
bb) Das Common-Law-Modell 203
cc) Das General-legislative-Intent-Modell 204
dd) Diskussion 205
III. Methodische Auswirkungen 207
1. Zur Methode der Verfassungsinterpretation 207
a) Der generous approach 209
b) Der purposive approach 209
c) Der realistic approach 210
d) Fazit 210
2. Zur Methode der Gesetzesinterpretation – section 3 Human Rights Act 1998 211
a) Die Abkehr von einer wortlautdominierten Auslegung 211
b) Struktur einer section 3 Prüfung 214
c) Zum Verhältnismäßigkeitsgrundsatz 215
d) Fazit 220
§ 10 Zwischenbetrachtung: Das neue Verfassungsverständnis und das Konzept des constitutional dialogue 220
3. Teil: Die Gegenbewegung der judicial deference? – Der Human Rights Act 1998 in der praktischen Anwendung 225
§ 11 Zur Entwicklungsgeschichte der judicial deference 227
I. Margin-of-Appreciation-Doktrin 227
II. Nationales Konzept der deference 229
III. Zusammenfassende Betrachtung 231
§ 12 Judicial deference in der jüngeren obergerichtlichen Rechtsprechung 232
I. Der 1. Schritt: Überprüfung eines herkömmlich ausgelegten Gesetzes am Maßstab der Konvention 232
1. R (on the application of Pretty) v Director of Public Prosecutions (HL 2001) 233
a) Die Entscheidung des House of Lords 233
b) Anmerkung 235
2. Poplar Housing & Regeneration Community Association Ltd v Donoghue (CA 2001) 236
a) Die Entscheidung des Court of Appeal 236
b) Anmerkung 237
3. R (on the application of ProLife Alliance) v BBC (HL 2003) 237
a) Die Entscheidung des House of Lords 237
b) Lord Hoffmann und judicial deference 239
c) Anmerkung 241
4. A v Secretary of State for the Home Department (HL 2004) 242
a) Die Vorgeschichte des Falls 243
Zusammenfassung und Ausblick 283
§ 14 Zusammenfassung 283
§ 15 Ausblick 286
I. Ein Blick ins Ausland 286
1. Das Commonwealth Model of Constitutionalism – Kanada, Neuseeland und Australien 286
a) Kanada 286
b) Neuseeland 287
c) Australien 289
d) Das Commonwealth Model of Constitutionalism 289
2. Anfälligkeiten des Commonwealth Model of Constitutionalism 290
a) Kanada 290
b) Neuseeland 290
c) Fazit 292
II. Die Entwicklung in Großbritannien 292
1. Die Judikative 292
2. Legislative und Exekutive 295
3. Schlusswort 298
Anhang 300
Literaturverzeichnis 316
Sach- und Personenregister 349