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Was die Satire darf

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Gärtner, S. (2009). Was die Satire darf. Eine Gesamtbetrachtung zu den rechtlichen Grenzen einer Kunstform. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-52669-7
Gärtner, Sebastian. Was die Satire darf: Eine Gesamtbetrachtung zu den rechtlichen Grenzen einer Kunstform. Duncker & Humblot, 2009. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-52669-7
Gärtner, S (2009): Was die Satire darf: Eine Gesamtbetrachtung zu den rechtlichen Grenzen einer Kunstform, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-52669-7

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Was die Satire darf

Eine Gesamtbetrachtung zu den rechtlichen Grenzen einer Kunstform

Gärtner, Sebastian

Schriften zum Öffentlichen Recht, Vol. 1119

(2009)

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Abstract

Satire und Karikatur sind als Rechtsproblem nicht ohne Weiteres zu fassen. Sie provozieren Prozesse wegen Beleidigung, Volksverhetzung und der Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen, ihren Urhebern wird die Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole vorgeworfen. Vor den Zivilgerichten wird beklagt, dass Satiren das Persönlichkeitsrecht Dritter, ihr Recht am eigenen Wort und am eigenen Bild verletzen. Selbst das Urheber- und Markenrecht oder das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb wird gegen die Satire in Stellung gebracht. Tatsächlich ist der Satire wegen ihres aggressiven Charakters der Konflikt mit Rechtsgütern Dritter immanent. Sie zielt darauf ab, Personen und Zustände zu kritisieren und deren Fehlerhaftigkeit freizulegen. Dabei müssen die satiretypischen Stilmittel der Verfremdung und Übertreibung, mit denen die Satire ihren Standpunkt gleichsam verschlüsselt artikuliert, zusätzlich Missverständnisse provozieren.

Um Satire als Rechtsproblem zu erfassen, definiert Sebastian Gärtner in der vorliegenden Publikation zunächst den Begriff »Satire« und beantwortet die Frage nach ihrer grundrechtlichen Verortung. Es wird zu beweisen sein, dass Satiren unter die Kunstfreiheitsgarantie des Art. 5 III GG fallen, sobald gemäß des klassischen Satire-Begriffs das Regelwidrige gerade durch die Verfremdung fassbar gemacht wird. Nachfolgend konzentriert sich der Autor auf den für die Bewertung von Satiren maßgeblichen Rechtsanwendungsschritt, und zwar den ihrer werkgerechten Rezeption. Dabei gilt es die verfassungsgerichtliche Interpretationsmaxime, wonach neben dem satirischen Aussagekern auch das ästhetische Gewand einer selbstständigen rechtlichen Bewertung unterzogen werden müsse, als unhaltbar zu entlarven. Vor diesem Hintergrund werden abschließend die Normen des Straf- und Zivilrechts, mit denen Satiren regelmäßig kollidieren, mit der dazu vorhandenen Rechtsprechung in den Blick genommen, um ein vollständiges Bild über die rechtlichen Grenzen der Satire zu gewinnen.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 9
Inhaltsverzeichnis 11
Einleitung 17
Kapitel 1: Grundrechtliche Gewährleistungen der Satire 19
A. Zum Begriff der Satire 19
I. Der literaturwissenschaftliche Satirebegriff 20
1. Die satirische Aggression 22
2. Der Normbezug 24
3. Die Indirektheit der Form 26
4. Die Karikatur als satirisches Ausdrucksmittel 29
5. Ergebnis 29
II. Der Satirebegriff des BVerfG 30
1. Die Reduktion der Satire auf das verfremdende Moment 31
2. Die Entdeckung des sozialen Moments 32
3. Das Verlachen als satiretypischer Effekt 33
4. Der verfassungsgerichtliche Begriff der Karikatur 34
5. Ergebnis 35
III. Das Satire-Verständnis der Instanzgerichte 37
B. Satire unter dem Schutz der Kommunikationsgrundrechte 38
I. Satire unter dem Schutz der Meinungsfreiheit, Art. 5 I 1 GG 39
1. Satire als Meinung im Sinne des Art. 5 I 1 GG 39
2. Tatsachenbehauptungen in Satiren 42
a) Der Begriff der Tatsachenbehauptung und ihr grundrechtlicher Schutz 42
b) Die Konsequenzen für die Satire 45
3. Ergebnis 47
II. Satire unter dem Schutz der Presse-, Rundfunk- und Filmfreiheit, Art. 5 I 2 GG 47
1. Die Relevanz der Mediengrundrechte für die Satire 48
2. Satire zwischen der Meinungsfreiheit und den Mediengrundrechten 49
a) Die Konkurrenz von Meinungsfreiheit und Mediengrundrechten 50
b) Die Konsequenzen für die Satire 51
3. Ergebnis 52
III. Satire unter dem Schutz der Kunstfreiheit, Art. 5 III GG 53
1. Der Schutzbereich der Kunstfreiheit nach dem BVerfG 54
a) Der verfassungsgerichtliche Begriff der Kunst 54
aa) Die Mephisto-Entscheidung 54
bb) Das Urteil zum „Anachronistischen Zug“ 60
cc) Ergebnis 62
b) Der „Naegeli-Beschluss“ 62
c) Der sachliche und personale Schutzbereich 66
2. „Satire kann Kunst sein, nicht jede Satire ist jedoch Kunst“ 67
a) Satire als Kunst unter dem (engen) literaturwissenschaftlichen Satirebegriff 68
aa) Satire unter dem materialen Kunstbegriff 68
bb) Satire unter dem formal-typologischen Kunstbegriff 72
cc) Satire unter dem zeichentheoretischen Kunstbegriff 72
dd) Ergebnis 75
b) Satire als Kunst nach dem (weiten) Satirebegriff des BVerfG 75
aa) Die Gültigkeit der verfassungsgerichtlichen Satire-Formel 76
bb) Die Abgrenzung der künstlerischen Satire zur satirischen Meinungsäußerung 78
(1) Die Differenzierung nach Qualitätsmaßstäben 78
(2) Der Grad der Verfremdung als das entscheidende Merkmal 79
(a) Die Münzen-Erna-Entscheidung 80
(b) Die FCKW-Entscheidung 81
(c) Die Bürgermeisterwahl-Entscheidung 83
cc) Das Schema der verfassungsgerichtlichen Satire-Rechtsprechung 84
dd) Das Schema der instanzgerichtlichen Satire-Rechtsprechung 85
c) Die unterschiedliche Geltung der Grundrechte für Kern und Kleid 88
d) Ergebnis 89
IV. Endergebnis 89
Kapitel 2: Die adäquate Rezeption satirischer Arbeiten 91
A. Die Entwicklung eines Rezeptionsmodells für Satire und Karikatur 91
I. Die Ermittlung des objektiven Sinns 92
1. Darstellung und Wert der verfassungsgerichtlichen Grundsätze 92
2. Das Gegenmodell – Die Absage an die Sinndeutung 95
II. Die Anlegung werkgerechter Maßstäbe bei Kunstwerken 97
1. Die Berücksichtigung der kunsttypischen Formensprachen 98
2. Die Kunst und die Wahrheitsfrage 99
a) Die grundsätzliche Freistellung der Kunst von der Wahrheitsfrage 99
b) Die Spannung zwischen Fiktion und Realität 100
c) Der Wahrheitsanspruch der Satire 104
aa) Der grundsätzlich fehlende Wahrheitsanspruch satirischer Äußerungen 106
bb) Die Dokumentarsatire 107
cc) Die satirische Modellstudie 108
III. Die (zusätzlichen) Besonderheiten bei der Rezeption von Satire und Karikatur 110
1. Die Finessen in der Freilegung des satirischen Aussagekerns 111
a) Der besondere Aktualitätsbezug der Satire 111
b) Verzerrung als Rückübersetzungssignal und die Momente der Identifikation 115
c) Die satirische Norm 122
d) Ergebnis 123
2. Die satirische Einkleidung als selbstständiger Anknüpfungspunkt 124
a) Die Einheit von Form und Inhalt 125
b) Die Trennung von Kern und Kleid in der (verfassungs-)gerichtlichen Judikatur 129
aa) Die Trennung von Kern und Kleid in der Judikatur des BVerfG 129
bb) Die Umsetzung der Vorgabe des BVerfG durch die Instanzgerichte 131
cc) Die (faktische) Ablehnung des verfassungsgerichtlichen Maßstabes 135
dd) Die Spezifizierung des verfassungsgerichtlichen Maßstabes 136
c) Ergebnis 138
IV. Der Durchschnittsleser als maßgeblicher Rezipient 139
V. Die „Variantenlehre“ 145
1. Darstellung und Kritik an der „Variantenlehre“ 145
2. Die Rechtfertigung der verfassungsgerichtlichen „Variantenlehre“ 149
VI. Endergebnis 152
B. Die Umsetzung des Rezeptionsmodells in der Satire-Judikatur des BVerfG 153
I. Die Kognitionskompetenz des BVerfG 153
II. Die (verfassungs-)gerichtlichen Entscheidungen im Einzelnen 157
Kapitel 3: Satire im Konflikt mit Rechtsgütern Dritter 166
A. Die verfassungsrechtlichen Grenzen der Satire 166
I. Die Schranken der Meinungs- und Kunstfreiheit 167
1. Schranken der Meinungsfreiheit 167
a) Die „allgemeinen Gesetze“ und die Wechselwirkungslehre 167
b) Die Gesetze zum Schutze der Jugend und der Ehre 170
c) Die verfassungsimmanenten Schranken 171
d) Ergebnis 172
2. Schranken der Kunstfreiheit 173
a) Der Gemeinschaftsvorbehalt 173
b) Art. 2 I GG 174
c) Art. 5 II GG analog 175
d) Die verfassungsimmanenten Schranken 176
e) Ergebnis 177
3. Die Kongruenz von Meinungs- und Kunstfreiheit im Abwägungsprozess 178
II. Die Drittwirkung der Grundrechte 181
B. Die Einordnung der verfassungsrechtlichen Vorgaben in den Deliktsaufbau 185
I. Die dogmatische Funktion von Tatbestand und Rechtswidrigkeitsebene 185
II. Die Grundrechte im Deliktsaufbau nach Judikatur (des BVerfG) 187
III. Die Standpunkte in der Literatur 190
IV. Die Doppelrelevanz der verfassungsrechtlichen Vorgaben 191
V. Art. 5 GG als eigenständiger Rechtfertigungsgrund? 194
VI. Endergebnis 196
C. Die einfachrechtlichen Grenzen der Satire 196
I. Die Kollision der Satire mit Normen des Strafrechts 197
1. Die Beleidigungsdelikte, §§ 185 ff. StGB 197
a) Der Tatbestand der §§ 185 ff. StGB 198
aa) Das geschützte Rechtsgut der Ehre 198
bb) Die Systematik der §§ 185 ff. StGB 201
cc) Satiren als tatbestandliche Handlungen gem. §§ 185 ff. StGB 202
b) Die Rechtswidrigkeit tatbestandlicher Satiren 207
aa) Vorab: §§ 185 ff. StGB als Schranken des Art. 5 GG 207
bb) Der Prozess der Abwägung 208
(1) Absolute Grenzen: Die Menschenwürde und der Schutz vor Schmähung 209
(2) Die Vermutungsformel 211
(3) Das Recht zum Gegenschlag 217
(4) Die Idee der Reizüberflutung 221
(5) Die Sphärentheorie 223
(6) Die Abwägungskriterien bei der Verbreitung von Tatsachen 224
(7) Ergebnis 227
cc) Der Rechtfertigungsgrund der Einwilligung 227
c) Schuld 228
2. Die Volksverhetzung, § 130 I StGB 229
a) Tatbestand 229
b) Rechtswidrigkeit 232
aa) Vorab: § 130 I StGB als Schranke des Art. 5 GG 232
bb) Der Prozess der Abwägung 235
3. Die Religionsbeschimpfung, § 166 StGB 236
a) Tatbestand 236
b) Rechtswidrigkeit 242
aa) Vorab: § 166 StGB als Schranke von Art. 5 GG 242
bb) Der Prozess der Abwägung 245
4. Die Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole, § 90a StGB 245
a) Tatbestand 246
b) Rechtswidrigkeit 250
aa) Vorab: § 90a StGB als Schranke von Art. 5 GG 250
bb) Der Prozess der Abwägung 253
5. Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, § 86a StGB 255
a) Tatbestand 255
b) Rechtswidrigkeit 259
aa) Vorab: § 86a StGB als Schranke von Art. 5 GG 260
bb) Der Prozess der Abwägung 261
II. Die zivilrechtlichen Grenzen der Satire 262
1. Die Verletzung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts 262
a) Tatbestand 263
aa) Der Ehrschutz 263
bb) Das Recht am eigenen Wort 266
cc) Das Recht am eigenen Bild 267
dd) Das Namensrecht 271
ee) Die Träger des Rechts 273
b) Rechtswidrigkeit 274
c) Rechtsfolge 277
aa) Ersatz des materiellen Schadens 277
bb) Ersatz des immateriellen Schadens 278
cc) Widerruf und Unterlassung, § 1004 I BGB analog 281
2. Die urheberrechtlichen Grenzen der Satire 282
a) Die für die Parodie relevanten Normen des UrhG 283
b) Die urheberrechtlichen Grenzen der Parodie in der Rechtsprechung 284
aa) Der geforderte „innere Abstand“ zwischen Parodie und Original 284
bb) Beispiele aus der Rechtsprechung 285
cc) Der Prozess der Abwägung zwischen den kollidierenden Rechtsgütern 287
3. Die rechtlichen Grenzen (satirischer) Markenparodien 288
a) Ansprüche aus dem Gesetz über den Schutz von Marken (MarkenG) 289
aa) Die markenmäßige Benutzung von Marken durch Parodien 289
bb) § 14 MarkenG als Anspruchsgrundlage des MarkenG 292
cc) Rechtswidrigkeit 294
b) Ansprüche aus dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) 295
aa) Wettbewerbshandlung und Wettbewerbsverhältnis 296
bb) Die Unlauterkeit der Handlung gem. § 3 UWG 297
c) Ansprüche aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch 299
aa) Verletzung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts 299
bb) Verletzung des Rechts am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb 301
cc) Verletzung des Namensrechts 302
d) Ergebnis 303
Resümee 304
Literaturverzeichnis 307
Sachwortverzeichnis 332