Menu Expand

Der Krieg in den Köpfen

Cite BOOK

Style

Sack, H. (2008). Der Krieg in den Köpfen. Die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg in der deutschen Krisenerfahrung zwischen Julirevolution und deutschem Krieg. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-52655-0
Sack, Hilmar. Der Krieg in den Köpfen: Die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg in der deutschen Krisenerfahrung zwischen Julirevolution und deutschem Krieg. Duncker & Humblot, 2008. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-52655-0
Sack, H (2008): Der Krieg in den Köpfen: Die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg in der deutschen Krisenerfahrung zwischen Julirevolution und deutschem Krieg, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-52655-0

Format

Der Krieg in den Köpfen

Die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg in der deutschen Krisenerfahrung zwischen Julirevolution und deutschem Krieg

Sack, Hilmar

Historische Forschungen, Vol. 87

(2008)

Additional Information

Book Details

Pricing

Abstract

Trotz der Beachtung, die der Dreißigjährige Krieg seit jeher in der Geschichtswissenschaft gefunden hat, wurde sein lang anhaltender Einfluss auf das politische Denken und Handeln in Deutschland bisher kaum quellennah untersucht. Hilmar Sack zeigt mit besonderem Fokus auf die Revolution von 1848/49 und den deutschen Krieg von 1866, dass die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg in der Epoche deutscher Nationalstaatsfindung zu den wesentlichen geschichtspolitischen Deutungs- und Argumentationsmustern zählte, um Krisenerfahrungen zu verarbeiten und nationalpolitische Zukunftsentwürfe zu begründen. Beim "Krieg in den Köpfen" handelte es sich nicht nur um den erinnerten Dreißigjährigen Krieg der Vergangenheit, sondern auch um den imaginierten Krieg der Zukunft. Dies war unter den Bedingungen von Partikularismus und Konfessionalismus ein spezifisch deutscher Bürgerkriegsdiskurs, in dem Einkreisungsängste durch ein feindliches Ausland virulent wurden.

Das aus dem "Trauma" des Dreißigjährigen Krieges bezogene deutsche Selbstwertgefühl kam einem "Tragikstolz" gleich. Die historische Opferrolle erklärte die realpolitische Schwäche in der Gegenwart. Zugleich schlossen die tradierten Demütigungserfahrungen im "Martyrium" von Reformation und Glaubenskriegen den Erlösergedanken ein: den "deutschen Beruf" als gemeinsame Mission. Der Dreißigjährige Krieg wurde jedoch nicht allein als Unglück verstanden, sondern immer auch als selbst verschuldet. Dies machte ihn zum argumentativen Steinbruch für politische Partizipations- und Führungsansprüche. So legitimierte sich 1848 der bürgerliche Mitgestaltungsanspruch gegenüber der absoluten Fürstengewalt auch darin, 200 Jahre nach dem "falschen" Westfälischen nun in der Paulskirche den "wahren" Frankfurter Frieden zu begründen. Im Dualismus zwischen Preußen und Österreich, der mit historischen Schuldfragen durchsetzt war, unterlief die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg nationalreligiöse Integrationsversuche und zog konfessionelle Frontlinien. Sie kamen in der geschichtlich begründeten Sinnhaftigkeit des Waffengangs von 1866 zum Ausdruck, vor allem in der Interpretation der Schlacht von Königgrätz als Ende des Dreißigjährigen Krieges.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
A. Einleitung 9
I. Theoretischer Bezugsrahmen 13
II. Forschungsprogramm 16
B. Die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg im Wandel vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis 22
I. Die Rezeption des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens zwischen Reichsstaatsrecht, Nationalstaatsidee und deutschem Dualismus 22
II. Die konkurrierenden Deutungsmuster der Epoche der Glaubenskämpfe 30
1. Sieg- und Niederlagenerzählungen in der groß- und kleindeutschen Geschichtsschreibung: „Triumph von 1629“ versus „Translatio nationis“ 30
2. Zeugen der Anklage: Das „Verbrechen“ an den Deutschen und die Erzählungen von Held und Antiheld im Dreißigjährigen Krieg 35
C. Geschichtspolitik mit dem Dreißigjährigen Krieg 43
I. Zur Semantik der Krise – Der Dreißigjährige Krieg als Gegenstand von Revolutions- und Kriegserfahrung 43
1. Reformation, Reich und Partikularismus – Das historische Erbe im deutschen Nations- und Revolutionsdiskurs 44
a) Reformation und Revolution 44
b) Reich und Nation 51
2. Der „bewaffnete Frieden“ und die Gewaltbereitschaft der Nation 57
a) Der „Prinzipienkrieg“ und die deutschen Bürgerkriegsängste 59
b) Bürgerlicher Bellizismus zwischen Revolutions- und Nationalkrieg 65
3. Zwischenfazit 74
II. Die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg und die deutsche Revolution 76
1. 1648 –1848: Ein vergessenes Jubiläum? 76
2. 1648 als nationalpolitischer Mythos der Märzrevolution 83
a) „Wie Zenith und Nadir, wie Anfang und Ende“: Der Westfälische Frieden und die nationale Legitimationsstiftung der Revolution 83
b) Vom Westfälischen zum „Frankfurter Frieden“ – Die Verfassungsdebatte der Paulskirche zum Verhältnis von Staat und Kirche 88
3. Jenseits der nationalen Einheitsrhetorik: Der Dreißigjährige Krieg und die inneren Konflikte der Nation 93
a) Der Westfälische Frieden als Gegenstand konfessioneller Polemik und konservativer Revolutionskritik 93
b) Parlamentspartikularismus und der ideologische Grabenkampf zwischen konstitutionellem Liberalismus und radikalen Demokraten 101
4. Gescheiterte Revolution von unten – Das Aufbrechen des kleindeutsch-großdeutschen Konflikts 110
5. Gescheiterte „Revolution von oben“: Die Unionspolitik Preußens 124
6. Verfestigung der Argumentationsmuster und Ausblickbis zur Epoche der Einigungskriege 132
III. Die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg und der innerdeutsche Krieg 147
1. Der „komplexe“ Krieg von 1866 147
2. Vor der Schlacht von Königgrätz: Der Krieg als territorialer Macht- und als ideologischer Kulturkampf 156
a) Die Kriegserwartung zwischen lokalisiertem Duell, enthegtem Bruderkrieg und Rassenkrieg 156
b) Die Angst vor dem konfessionellen Bürgerkrieg und der Prinzipienkrieg von 1866 173
3. Nach der Schlacht von Königgrätz: Siegerpathos und Niederlagenverarbeitung 188
a) Der „dreißigtägige Krieg“ und die nationale Revolution 189
b) 1866 – Ende des Dreißigjährigen Kriegs oder Beginn der protestantischen Reformation? 202
D. Schlussbetrachtung: Der Dreißigjährige Krieg als Trauma deutscher Zwietracht 211
I. Fazit: Deutscher ‚Tragikstolz‘ 211
II. Ausblick 220
Quellen- und Literaturverzeichnis 230
I. Zeitgenössische Periodika 230
II. Zeitgenössische Literatur und Quelleneditionen 231
III. Forschungsliteratur 242
Personenregister 270
Sachregister 274