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Goeckenjan, I. (2005). Neuere Tendenzen in der Diversion. Exemplarisch dargestellt anhand des Berliner Diversionsmodells - Zurückdrängung staatsanwaltschaftlicher Entscheidungskompetenz?. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-51748-0
Goeckenjan, Ingke. Neuere Tendenzen in der Diversion: Exemplarisch dargestellt anhand des Berliner Diversionsmodells - Zurückdrängung staatsanwaltschaftlicher Entscheidungskompetenz?. Duncker & Humblot, 2005. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-51748-0
Goeckenjan, I, (2005): Neuere Tendenzen in der Diversion: Exemplarisch dargestellt anhand des Berliner Diversionsmodells - Zurückdrängung staatsanwaltschaftlicher Entscheidungskompetenz?, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-51748-0

Format

Neuere Tendenzen in der Diversion

Exemplarisch dargestellt anhand des Berliner Diversionsmodells - Zurückdrängung staatsanwaltschaftlicher Entscheidungskompetenz?

Goeckenjan, Ingke

Strafrechtliche Abhandlungen. Neue Folge, Vol. 165

(2005)

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Abstract

In Berlin wird die Praxis der Verfahrenseinstellungen im Jugendstrafrecht maßgeblich durch die sog. Diversionsrichtlinie geregelt, die - anders als die Vorschriften in den übrigen Bundesländern - die Einschaltung von Sozialarbeitern bzw. Sozialpädagogen als Vermittlungspersonen (sog. Diversionsmittler) vorsieht. Die Richtlinie hat in Wissenschaft und Praxis teilweise vehemente Kritik hervorgerufen. Diese Kritik auf ihre Berechtigung zu überprüfen, ist das zentrale Anliegen der Autorin.

Nach einer einführenden Darlegung des aktuellen Standes der jugendstrafrechtlichen Forschung und Judikatur zur Diversion beschreibt Ingke Goeckenjan den Ablauf des Berliner Diversionsverfahrens unter spezieller Berücksichtigung der einzelnen beteiligten Institutionen (Polizei, Diversionsmittler, Staatsanwaltschaft). Dabei bezieht sie sich auf empirische Erkenntnisse, die sie insbesondere anhand von Beobachtungen sog. Diversionsgespräche sowie durch Interviews mit Verfahrensbeteiligten gewinnen konnte. Auf dieser rechtstatsächlichen Grundlage untersucht sie die Richtlinie auf ihre Vereinbarkeit mit den einfachgesetzlichen und verfassungsrechtlichen Regelungen.

Ingke Goeckenjan kommt zu dem Ergebnis, dass das Berliner Diversionsverfahren an gravierenden rechtlichen und rechtstatsächlichen Mängeln leidet. So weist sie u. a. nach, dass die Weichen stellende Rolle der Polizei innerhalb des Verfahrens die gesetzlich verankerte Entscheidungskompetenz der Staatsanwaltschaft unzulässig einschränkt. Aus diesen Erkenntnissen leitet die Verfasserin schließlich konkrete Empfehlungen für künftige Diversionsregelungen ab.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
A. Einleitung 13
B. Grundlagen 15
I. Begriffsbestimmung Diversion 15
1. Allgemeines 15
2. Umlenkung um das förmliche Strafverfahren durch Verfahrenseinstellung 17
3. Intervenierende Diversion 18
4. Zusammenfassung 19
II. Die Rechtslage betreffend Diversion im Jugendstrafrecht 19
1. § 45 JGG 20
a) § 45 Abs. 1 JGG i.V. m. § 153 StPO 20
b) § 45 Abs. 2 JGG 22
aa) Allgemeines 22
bb) Geständniserfordernis 22
cc) Erzieherische Maßnahmen 24
dd) Befugnisse der Staatsanwaltschaft 24
ee) Zustimmungserfordernisse 27
c) § 45 Abs. 3 JGG 28
aa) Allgemeines 28
bb) Geständnis 29
cc) Beschränkte Rechtskraftwirkung 29
dd) Zustimmungserfordernisse 30
2. § 47 JGG 31
a) Allgemeines 31
b) Zustimmungserfordernisse 32
c) Anwendbarkeit auf Heranwachsende 33
3. Vorschriften des allgemeinen Strafverfahrensrechts 34
a) § 153 StPO 35
aa) § 153 Abs. 1 StPO 35
(1) Allgemeines 35
(2) Ausnahmsweise Anwendung des § 153 Abs. 1 StPO? 36
bb) § 153 Abs. 2 StPO 47
b) § 153a StPO 47
aa) § 153a Abs. 1 StPO 48
(1) Schlechterstellung 48
(2) Andere Ansicht 48
(3) Verfassungskonforme Auslegung? 49
(4) Ergebnis 52
bb) § 153a Abs. 2 StPO 52
c) § 153b StPO 52
d) §§ 153c bis f, 154b StPO 53
e) § 154 und § 154a StPO 53
f) §§ 154c bis e StPO 53
4. Betäubungsmittelrechtliche Vorschriften 53
a) § 31a BtMG 53
b) § 38 Abs. 2 i.V.m. § 37 BtMG 54
III. Diversionsrichtlinien 55
1. Regelungsbedarf 55
2. Rechtsnatur 57
3. Neuere Tendenzen in anderen Bundesländern 59
a) Polizeidiversion 59
b) Einschränkung von Diversionsmöglichkeiten 62
IV. Die Berliner Diversionsrichtlinie 63
1. Entstehungsgeschichte 63
2. Zielsetzung 63
3. Besonderheiten der Berliner Vorgehensweise 64
4. Institutionelle Gegebenheiten 65
a) Polizei 65
b) Staatsanwaltschaft 66
C. Methodisches Vorgehen 67
I. Ursprünglich geplante empirische Untersuchung 67
1. Untersuchungsplan und sein Scheitern 67
a) Ausgangssituation 67
b) Methodische Einwände gegen die vorgeschlagenen Fragestellungen 68
c) Weitere Ereignisse 70
d) Ergebnis 73
2. Erklärungsansätze 73
a) Ausrichtung kriminologischer Forschung 73
b) Auswirkungen behördlicher Strategien auf Forschungsvorhaben 74
c) Ansätze zur Erklärung der konkreten Ereignisse 75
II. Tatsächlich angewandte Erhebungsmethoden 75
1. Beobachtungen bei den Mittlern 76
a) Fragestellung 76
b) Vorgehensweise 76
2. Beobachtungen bei der Polizei 79
a) Fragestellungen 79
b) Vorgehensweise 79
3. Interviews zum Stand der Implementation 80
a) Fragestellung 80
b) Vorgehensweise 80
4. Auswertung internen Datenmaterials 81
E. Rechtliche Bedenken gegenüber der Diversionsrichtlinie 128
I. Die neue „Entscheidungsinstanz“ Polizei 129
1. Anregung von Diversion und Vorauswahl diversionsgeeigneter Verfahren 129
a) Gewaltenteilungsgrundsatz und Richtervorbehalt 129
aa) Vereinbarkeit von § 45 Abs. 2 JGG mit dem Gewaltenteilungsgrundsatz 130
bb) Vereinbarkeit der Richtlinie mit dem Gewaltenteilungsgrundsatz 131
b) Einschränkung der Verteidigungsrechte 132
aa) Verteidigungsrechte 133
bb) Auswirkungen der Richtlinie 134
cc) Freiwilligkeit 135
c) Unschuldsvermutung 137
d) Gleichbehandlungsgrundsatz 139
e) Vorschriften des JGG 141
2. Normverdeutlichendes Gespräch 142
II. Die neue „Reaktionsinstanz“ Diversionsmittler 143
1. Verstoß gegen Kompetenzregelungen des § 45 JGG 144
2. Beschneidung der Kompetenzen der Jugendgerichtshilfe 144
III. Weitere Bedenken 146
1. Bestimmtheitsgrundsatz und Gesetzesvorbehalt 146
a) Bestimmtheit der Richtlinie selbst 146
b) Verstoß gegen den Gesetzesvorbehalt durch Regelung in einer Verwaltungsvorschrift 147
2. Umgehung von (milderen) Einstellungsmöglichkeiten auch außerhalb des JGG und Verletzung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes 148
a) Ausweitung des Netzes sozialer Kontrolle 148
b) Adäquanz zwischen Tatvorwurf und Rechtsfolge 151
3. Einschränkung der gesetzlichen Voraussetzungen 151
4. Vorenthaltung ausreichenden Rechtsschutzes 152
F. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 156
I. Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse 156
D. Verfahrensablauf gemäß der Diversionsrichtlinie 82
I. Polizei als „Selektionsinstanz“ im Diversionsverfahren 82
1. Vorfilterung der für eine Einstellung nach § 45 Abs. 1 und 2 JGG geeigneten Verfahren 82
a) Voraussetzungen für eine Einstellung nach § 45 Abs. 1 JGG 82
aa) Tatvorwurf 82
bb) Strafrechtliche Vorbelastung 84
cc) Kein Bedarf für erzieherische Maßnahmen 84
dd) Geständnis 85
b) Voraussetzungen für eine Einstellung nach § 45 Abs. 2 JGG 85
aa) Tatvorwurf 85
bb) Erzieherische Maßnahmen 86
cc) Geständnis 87
dd) Zustimmungserfordernisse 88
c) Praktische Umsetzung 88
aa) Schwere des Tatvorwurfs 88
bb) Strafrechtliche Vorbelastung 89
cc) Anwendung von materiellem Jugendstrafrecht auf Heranwachsende 90
2. Vernehmung 91
a) Inhalt 91
b) Schulung 91
3. Weichenstellung für das Absehen von der Verfolgung nach § 45 Abs. 1 JGG 92
4. Weichenstellung für das Absehen von der Verfolgung nach § 45 Abs. 2 JGG 93
a) Normverdeutlichendes Gespräch 93
b) Weichenstellung für die Einschaltung eines Diversionsmittlers 93
aa) Telefonat mit dem Ansprechpartner bei der Staatsanwaltschaft 94
bb) Entscheidung des Ansprechpartners bei der Staatsanwaltschaft 95
c) Vereinbarung mit dem Jugendlichen 95
II. Einschaltung der vermittelnden Institution: „Diversionsmittler“ 96
1. Wer sind die Diversionsmittler? 96
2. Wie arbeiten sie? 97
a) Vorgaben der Diversionsrichtlinie 97
b) Sicht des Berliner Büros für Diversionsberatung und -vermittlung 98
c) Theoretische Grundlagen 100
d) Ergebnisse der Beobachtung 102
aa) Formale Merkmale der beobachteten Verfahren 103
(1) Anzahl der in das jeweilige Diversionsverfahren einbezogenen Jugendlichen 103
(2) Persönliche Merkmale der Jugendlichen 103
(3) Tatvorwurf 104
(4) Strafrechtliche Vorerfassung 104
(5) Dauer des Verfahrens bis zur Einschaltung des Mittlers 106
bb) Gesprächsinhalte 106
(1) Einwilligung in meine Anwesenheit und Videoaufzeichnung 107
(2) Erklärungen zum Diversionsverfahren 107
(3) Mutmaßliches Tatgeschehen, Umstände der mutmaßlichen Tat 108
(4) Gründe für die Begehung der (mutmaßlichen) Tat 110
(5) Bisheriges Verfahren, insbesondere Kontakt mit der Polizei 111
(6) Durch die mutmaßliche Tat hervorgerufener Schaden; andere Auswirkungen der mutmaßlichen Tat beim Geschädigten 112
(7) Reaktionen auf die mutmaßliche Tat und ihre Entdeckung im sozialen Umfeld 114
(8) Mögliche „Wiedergutmachung“ des Schadens 114
(9) Getroffene Vereinbarungen 117
(10) Weitere Themen 119
cc) Gesprächssituation 120
dd) Probleme bei der praktischen Umsetzung 121
(1) Unabhängigkeit der Mittler versus Ausrichtung auf die staatsanwaltschaftliche Erledigung 121
(2) Unsicherheiten bezüglich des Vorliegens der Voraussetzungen 121
(3) Freiwilligkeit 123
3. Statistische Angaben 123
III. Staatsanwaltschaft als Entscheidungsträgerin? 124
1. Vorwegnahme der staatsanwaltschaftlichen Entscheidung durch die Polizei? 124
a) Zuständiger Dezernent hält Maßnahme für unzureichend 124
b) Zuständiger Dezernent hält erfolgte Maßnahme für zu weitgehend 125
c) Keine erzieherische Maßnahme erfolgt, zuständiger Dezernent hält dies jedoch für angezeigt 126
d) Fazit 126
2. Weiteres Vorgehen 127
1. Rechtstatsächliche Aspekte 157
a) Polizei als „Selektionsinstanz“ im Diversionsverfahren 157
b) Freiwilligkeit der Maßnahmen 157
c) Tätigkeit der Mittler zwischen pädagogischer Ausrichtung und Erwartung der Staatsanwaltschaft 158
d) Unzureichende Informationslage 158
aa) Polizei 158
bb) Staatsanwaltschaft 159
cc) Mittler 159
2. Rechtliche Aspekte 159
a) Gewaltenteilung 159
b) Einschränkung der Verteidigungsrechte 160
c) Unschuldsvermutung 160
d) Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz 160
e) Bestimmtheitsgebot und Gesetzesvorbehalt 160
f) Verhältnismäßigkeit und Umgehung von weniger eingriffsintensiven Vorschriften 161
g) Vorenthaltung ausreichenden Rechtsschutzes 161
h) Verletzung der gesetzlichen Regelungen in § 45 JGG 162
aa) Einschränkungen der gesetzlichen Voraussetzungen 162
bb) Filternde Funktion der Polizei 162
cc) Befugnis der Polizei zur Durchführung normverdeutlichender Gespräche 162
dd) Tätigkeit der Diversionsmittler 163
i) Beschneidung der Kompetenzen der Jugendgerichtshilfe 163
II. Schlussfolgerungen 163
1. Empfehlungen zur Ausgestaltung von Diversionsrichtlinien im Allgemeinen 163
a) Positive Ansätze der bestehenden Berliner Diversionsrichtlinie 163
b) Empfehlungen für zukünftige Richtlinien 164
2. Empfehlungen für die Gesetzgebung 165
a) Registerrechtliche Regelungen 165
b) Gesetzliche Ausgestaltung der Diversion 165
III. Ausblick 166
G. Anlagen 167
I. Übersicht über das Berliner Diversionsmodell 167
II. Beobachtungsbogen Diversionsgespräche 168
III. Beobachtungsleitfaden Diversionsgespräche 169
IV. Interviewleitfaden 169
Literaturverzeichnis 171
Sachwortverzeichnis 178