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Tachau, B. (2005). Ist das Strafrecht strenger als das Zivilrecht?. Zur Problematik des § 241a BGB. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-51979-8
Tachau, Benjamin. Ist das Strafrecht strenger als das Zivilrecht?: Zur Problematik des § 241a BGB. Duncker & Humblot, 2005. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-51979-8
Tachau, B, (2005): Ist das Strafrecht strenger als das Zivilrecht?: Zur Problematik des § 241a BGB, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-51979-8

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Ist das Strafrecht strenger als das Zivilrecht?

Zur Problematik des § 241a BGB

Tachau, Benjamin

Strafrechtliche Abhandlungen. Neue Folge, Vol. 169

(2005)

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Abstract

Der neue § 241a BGB schafft eine gesetzliche Regelung für das seit langem diskutierte Problem der Zusendung unbestellter Sachen. Die zivilrechtlich in vielerlei Hinsicht umstrittene Vorschrift schließt jegliche Ansprüche des Versenders gegen den Empfänger aus. Dabei lässt sie die formalen Eigentumsverhältnisse unangetastet und bewirkt daher die zivilrechtliche Ausnahmekonstellation des dauerhaften Auseinanderfallens von Eigentum und Besitz.

Der strafrechtlichen Tragweite des § 241a BGB wurde bislang wenig Aufmerksamkeit zuteil. Problematisch ist, dass der Empfänger Gefahr zu laufen scheint, sich wegen Eigentumsdelikten strafbar zu machen, obwohl solche Handlungen zivilrechtlich folgenlos sind. Da die Beantwortung dieser Kernfrage der Arbeit nur auf einem soliden zivilrechtlichen Fundament erfolgen kann, besteht die Arbeit aus einem zivilrechtlichen und einem strafrechtlichen Teil. Ersterer untersucht eingehend die zivilrechtliche Wirkungsweise der Vorschrift und widmet sich dabei auch bisher in der Literatur nicht erörterten Problemen.

Auf dieser Grundlage belegt der Autor im strafrechtlichen Teil zunächst, dass eine Strafbarkeit des Empfängers aus Eigentumsdelikten aus verfassungsrechtlichen Gründen ausscheiden muss. Er entwickelt sodann ein Lösungsmodell, das die zivilrechtlichen Wertungen im Bereich der Einwilligungsdogmatik berücksichtigt und spricht dem Empfänger die Befugnis zu, rechtfertigend in jede Eigentumsverletzung einwilligen zu können, obwohl er nicht Inhaber dieses Rechtsguts ist. Dieser Ansatz soll dem Anliegen der Arbeit Rechnung tragen, § 241a BGB zivilrechtlich und strafrechtlich widerspruchsfrei einzuordnen. Dabei soll ein Beitrag zur Klärung des noch mit vielen Zweifelsfragen behafteten Verhältnisses von Zivilrecht und Strafrecht geleistet werden.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 12
Einleitung 17
1. Teil: Zivilrechtliche Rechtslage 19
A. Rechtslage außerhalb des Geltungsbereiches des § 241a BGB 19
I. Ansprüche des Versenders 19
1. Vertragliche Ansprüche 19
a) Ansprüche aus Kaufvertrag 19
aa) Kaufvertragsangebot 19
bb) Annahme des Kaufvertragsangebotes 23
(1) Rechtsnatur und Irrtumsfragen 23
(2) Fallgruppen der Annahme des Kaufvertragsangebotes 27
(3) Kritik und Ergebnis 31
cc) Ablehnung des Kaufvertragsangebotes, § 146 BGB 35
dd) Die Dauer der Gebundenheit an das Kaufvertragsangebot 36
ee) Nichtigkeit des Kaufvertrages gemäß §§ 134, 138 BGB? 37
b) Ansprüche aus subsidiärem Verwahrungsvertrag? 38
c) Reichweite des Anwendungsbereiches 39
2. Gesetzliche Ansprüche 39
a) Herausgabeansprüche 39
aa) § 985 BGB 39
(1) Eigentum des Versenders 39
(2) Besitz des Empfängers 40
(3) Kein Recht zum Besitz, § 986 I 1 BGB 42
(4) Ergebnis zu aa) 45
bb) § 812 I BGB 45
cc) §§ 823 I, 249 I BGB 48
b) Schadensersatzansprüche 49
aa) Culpa in contrahendo 49
bb) PVV einer berechtigten GoA 52
cc) §§ 989, 990 I BGB 52
(1) Bösgläubigkeit des Empfängers? 53
(2) Haftungsmaßstab 54
(3) Rechtfertigung 57
(a) Preisgaberecht? 58
(b) § 859 I BGB 59
(aa) Verbotene Eigenmacht 59
(α) durch Zusendung 59
(β) durch Belassen der Sache beim Empfänger 60
(bb) Weitere Voraussetzungen des § 859 I BGB 67
(cc) Ergebnis zu (b) 69
(c) § 227 BGB 69
(d) Einwilligung 76
(e) Mutmaßliche Einwilligung 76
c) Ansprüche auf Nutzungsherausgabe bzw. Ersatz nicht gezogener Nutzungen 77
d) Ansprüche auf Erlösherausgabe 78
II. Ansprüche des Empfängers 79
1. Ansprüche auf Unterlassung/Beseitigung 79
2. Schadensersatzansprüche 79
3. Ansprüche auf Verwendungsersatz 80
B. Rechtslage innerhalb des Geltungsbereiches des § 241a BGB 80
I. Entstehung des § 241a BGB 80
II. Voraussetzungen des § 241a BGB 82
1. Unternehmer an Verbraucher 82
2. Handlung des Unternehmers 84
3. Unbestellt 91
III. Rechtsfolgen des § 241a BGB 96
1. Anspruchsausschluss 96
a) Herausgabeansprüche 96
aa) Auslegung des § 241a BGB 97
(1) Grammatikalische Auslegung 97
(2) Systematische Auslegung 97
(a) Verfassungskonforme Auslegung 97
(b) Richtlinienkonforme Auslegung 101
(3) Historische Auslegung 102
(4) Teleologische Auslegung 102
bb) Ergebnis zu aa) 105
b) Schadensersatzansprüche 105
c) Nutzungsherausgabe- und -ersatzansprüche 107
d) Erlösherausgabeansprüche 108
e) Vertragliche Ansprüche 110
f) Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch, § 1004 BGB 115
g) Der Ausnahmetatbestand des § 241a II BGB 115
2. Dogmatische Einordnung der Rechtsfolgen des § 241a I BGB 116
a) Anspruchsausschluss 116
b) § 241a I BGB als gesetzlicher Eigentumsübergang 117
c) Eigentumsaufgabe durch den Versender 118
d) Übereignungsanspruch analog §§ 886, 1169, 1254 BGB 118
3. Einzelfragen 119
a) § 241a I BGB als Recht zum Besitz, Verfügungsbefugnis und Begründung der Einwilligungsbefugnis 119
b) § 241a I BGB als zivilrechtlicher Rechtfertigungsgrund 123
c) § 241a I BGB und seine Auswirkung auf Schadensfragen 127
d) § 241a I BGB und die Zuständigkeit für ein Geschäft i. S. der §§ 677 ff. BGB 132
e) § 241a I BGB und die Eingriffskondiktion 134
f) § 241a I BGB und seine Auswirkungen auf Eigenbesitz und Ersitzung 135
4. Wirkung des § 241a I BGB außerhalb des Verhältnisses Versender–Empfänger 136
5. Schutz der Position des Empfängers 139
2. Teil: Strafrechtliche Rechtslage 140
A. Strafbarkeit des Empfängers aus Eigentumsdelikten 140
I. Prima-facie-Folgen der zivilrechtlichen Rechtslage für das Strafrecht 140
II. Richtigkeit der prima-facie-Folgen 141
1. Bestehende Lösungsmodelle 143
2. Straflosigkeit als Verfassungserfordernis 148
a) Verhältnismäßigkeitsgrundsatz 148
b) Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung und Systemgerechtigkeit 152
c) Adressat des Verfassungserfordernisses 154
III. Umsetzung des Ergebnisses 154
1. Lösungsansätze auf Tatbestandsebene 156
a) Die nur scheinbare Rechtsgutsverletzung als Tatbestandselement 156
b) Tatobjekt „fremde Sache“ 159
aa) Verneinung der Sachqualität bei gänzlich fehlendem Eigentümerinteresse 159
bb) Unterschreitung der „Bagatellgrenze“ 162
cc) Der wirtschaftliche Fremdheitsbegriff 163
c) Tathandlungen 166
aa) Sozialadäquanz 166
bb) Beschädigungshandlungen (§ 303 StGB), insbesondere Brauchbarkeitsminderungen 168
cc) Zueignung (§ 246 StGB) bzw. Zueignungsabsicht (§ 242 StGB) 173
dd) Ergebnis zu c) 177
d) Exkurs: Beschützergarantenstellung und Veruntreuung (§ 246 II StGB) 177
2. Lösungsansätze auf Rechtswidrigkeitsebene 178
a) Rechtfertigung durch zivilrechtliche Rechtfertigungsgründe 178
aa) Grundsätzliche Anwendbarkeit der zivilrechtlichen Rechtfertigungsgründe im Strafrecht 179
(1) Die Übernahme der zivilrechtlichen Rechtfertigungsgründe im Strafrecht zur Wahrung der „Einheit der Rechtsordnung“ 179
(2) Eigene Strafrechtswidrigkeit 180
(a) Die unmittelbare Anwendbarkeit der zivilrechtlichen Rechtfertigungsgründe als Folge eines Stufenverhältnisses zwischen Zivilrecht und Strafrecht (Günther) 181
(b) Die Strafrechtswidrigkeit als aliud zur Zivilrechtswidrigkeit (Hellmann) 182
(c) Die unmittelbare Anwendbarkeit der zivilrechtlichen Rechtfertigungsgründe als Verfassungserfordernis (Fisch) 183
bb) Stellungnahme 183
b) Rechtfertigung durch strafrechtliche Rechtfertigungsgründe 186
aa) Notwehr (§ 32 StGB) 186
bb) Einwilligung 187
(1) Einwilligungsbefugnis 187
(a) Nochmals: zivilrechtliche Einwilligungsbefugnis 187
(b) Strafrechtliche Einwilligungsbefugnis 190
(aa) Objektive Einwilligungsbeschränkung durch Drittinteressen begünstigende Zivilrechtsnorm 191
(bb) Verlagerung der Einwilligungsbefugnis auf den Empfänger 193
(2) Ergebnis zu bb) 198
c) Rechtfertigung durch § 241a BGB? 199
B. Strafbarkeit des Empfängers aus Vermögensdelikten? 202
C. Strafrechtlicher Schutz des Empfängers 203
I. Pfandkehr (§ 289 StGB) 203
II. Mittelbarer Schutz des Empfängers durch Eigentumsdelikte 206
III. Schutz des Empfängers durch Vermögensdelikte 211
IV. Strafantragsrecht 212
1. Geringwertigkeit der Sache 212
2. Der Empfänger als Verletzter bei Eigentumsdelikten 213
Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse 218
Literaturverzeichnis 223
Sachwortverzeichnis 240