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Richten, Strafen und Vertragen

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Bubach, B. (2005). Richten, Strafen und Vertragen. Rechtspflege der Universität Freiburg im 16. Jahrhundert. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-51458-8
Bubach, Bettina. Richten, Strafen und Vertragen: Rechtspflege der Universität Freiburg im 16. Jahrhundert. Duncker & Humblot, 2005. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-51458-8
Bubach, B (2005): Richten, Strafen und Vertragen: Rechtspflege der Universität Freiburg im 16. Jahrhundert, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-51458-8

Format

Richten, Strafen und Vertragen

Rechtspflege der Universität Freiburg im 16. Jahrhundert

Bubach, Bettina

Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen. N. F., Vol. 47

(2005)

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Abstract

Über die Verfahrensweise und die Methoden der Konfliktlösung frühneuzeitlicher Untergerichte ist noch recht wenig bekannt. Wie die praktische Rechtspflege eines Universitätsgerichts aussah, untersucht die Autorin an Hand von Gerichtsakten der Freiburger Universität aus dem 16. Jahrhundert. Neben der Gerichtsorganisation und der Kompetenzaufteilung zwischen den verschiedenen Gremien behandelt Bettina Bubach auf der Basis einer umfangreichen Quellenauswertung alle Bereiche der universitären Rechtspraxis: Zum einen die Straf- und Disziplinargewalt, die Rektor und Senat ausübten, zum anderen die Entscheidung privater Streitigkeiten durch das Consistorium, wobei Verfahrensablauf und Streitgegenstände untersucht werden.

Insgesamt stellt die Verfasserin die universitäre Rechtspflege in den Kontext der frühneuzeitlichen Untergerichtsbarkeit und deren Formen der Konfliktbeilegung. Sie zeigt den umwälzenden Vorgang der Rezeption nicht aus Sicht der höchsten Reichsgerichte, sondern aus Perspektive eines Untergerichts. Mit der Berücksichtigung von zivil- und strafrechtlichen Quellen kommt sie einem schon lange erhobenen Forschungsdesiderat nach und kann so - bislang oft nur vermutete - Verknüpfungen zwischen den Rechtsgebieten aufdecken. Diese belegen die wichtige Rolle, die gütliche Einigungen im komplexen System der damaligen Konfliktlösungsmechanismen spielten.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhalt 9
Abkürzungsverzeichnis 16
Einführung 17
§ 1 Forschungsziel und Methode 17
I. Forschungsziel 17
II. Methodische Grundsatzfragen 19
1. Die Quellenauswahl 19
2. Die Interpretation 21
a) Begriffsbildung: Leitbilder gestern und heute 21
b) Methoden und Theorien 22
§ 2 Grundlagen 24
I. Geschichte der Universitäten und ihrer Gerichtsbarkeit 24
1. Die Ursprünge der Hohen Schulen 24
2. Die Universitäten des Spätmittelalters 27
II. Literaturübersicht und Wissenschaftsgeschichte 28
1. Grundlegende Werke 29
2. Wissenschaftsgeschichte: Der Streit um den „klerikalen“ Charakter 30
3. Weitere Werke im Überblick 36
III. Rahmenbedingungen des 16. Jahrhunderts 38
1. Freiburg und Vorderösterreich 38
2. Academia Friburgensis Brisgoiae 40
a) Größe und Geschichte der Freiburger Universität 40
b) Fächer, Lehrer, Schüler 49
3. Münzen und Geldwerte im Breisgau des 16. Jahrhunderts 53
Erster Teil: Die Gerichtsorganisation der Universität 56
§ 1 Quellen und Editionen 56
I. Bestände des Universitätsarchivs 56
1. Urkunden der Universität 56
2. Statuten 56
3. Beschreibende Privatarbeiten 60
4. Senatsprotokolle 61
II. Editionen 62
§ 2 Gerichtsbarkeit nach dem Stiftungsbrief und den Verträgen 63
I. Stiftungsbrief 63
1. Kontext 64
2. Die Einleitung und die ersten drei Artikel 65
3. Der vierte Artikel: Wir wellen auch vnd gebieten ernstlich ... 68
a) Festnahmeverbot 68
b) Ledig lassen on entgelten 70
c) Wer aber die vrsach als groß ... 72
d) Auslieferung an den Bischof 73
4. Der zwölfte Artikel: So geben wir auch eim yetlichen Rector ... 75
5. Der dreizehnte Artikel: WIr haben auch alle freyheit ... 79
6. Exkurs: Der „Kleriker“ im Stiftungsbrief 80
7. Schluß 81
II. Verträge zwischen Stadt und Universität 81
1. Der Vertragsentwurf von 1494 82
2. Die Verträge des 16. Jahrhunderts 83
a) Recht geben und nehmen: Artikel zwölf in den Verträgen des 16. Jahrhunderts 83
b) Das Malefitz berührend: Artikel vier 85
III. Ergebnis und Ausblick 87
§ 3 Gerichtsorganisation in der Praxis 88
I. Das Consistorium 88
1. Das Consistorium im Gefüge der Ausschüsse und Beiräte 88
a) Anfänge der Universitätsverwaltung 88
b) Die Gremien im 16. Jahrhundert 94
2. Aufgabe und Kompetenz des Consistoriums 96
a) Die sachliche Zuständigkeit 97
b) Persönliche Zuständigkeit (Gerichtsstand) 101
3. Zusammensetzung 113
a) Die Herren Consistoriales 113
b) Iudex 114
c) Notar und Pedell 115
II. Senat, Convocatio, Universitas 116
1. Zusammensetzung 116
2. Gerichtliche Aufgaben des Senats 117
a) In der Anfangszeit der Universität 118
b) Im 16. Jahrhundert 120
aa) Verlesung der Verhöre 120
bb) De Poenis delinquentium 123
cc) Das Ius incarcerendi 128
3. Exkurs: Grenzen der Zuständigkeit 130
III. Der Rektor 132
IV. Schlußfrage: Wer war das „Universitätsgericht“? 134
§ 4 Zwang und Zusammenhalt 136
I. Zwang durch Selbstbindung: der Eid 136
1. Eid und Obrigkeit 137
a) Immatrikulation 137
b) Funktionen des Eids 138
c) Verhöre beim Eid 138
2. Die Gefahr des Meineids 141
a) Eid und Wahrheitssicherung 141
b) Eid und Strafe 143
II. Zwang von Außen: Haft und Arrest 144
1. Inhaftierung in carcer und Kollegium 144
a) Haft vor und während eines rechtlichen Verfahrens 144
b) Haft und Strafe 146
c) Haft nach Schuldanerkenntnis 147
d) Haftkosten 149
2. Arrest und Sicherung 151
a) Inhalt des Arrestgebots 152
b) Arrestgründe 156
c) Voraussetzungen 158
Zweiter Teil: Die Ausübung der Strafgewalt 160
§ 1 Literatur und Quellen 160
I. Literaturübersicht und Forschungsstand 160
II. Die Quellen und ihre Erfassung 162
§ 2 Ermittlung und Aburteilung der Delinquenz 165
I. Verfahrensregeln? 165
1. Elemente von Akkusationsverfahren und Inquisitionsverfahren 165
2. Ergebnis 172
II. Die Verhöre 172
1. Ablauf 172
a) Wahrheitssicherung 173
b) Generalinquisition 174
c) Die Befragung zur Sache 175
2. Strategien der Befragten 176
a) Gestehen 176
b) Rechtfertigung und Schutzbehauptungen 177
c) Juristische Verteidigung 180
III. Die Delikte in den Statuten und Protokollen 181
1. Vergehen mit individuellem Geschädigten 182
a) Verletzung des Körpers 182
b) Verletzung der Ehre 184
c) Delikte mit Eigentumsbezug 187
aa) Wegnahmedelikte 187
bb) Sachbeschädigung 188
cc) Schuldenmachen 188
2. Vergehen ohne individuellen Geschädigten 189
a) Noctivagi und nächtlicher Tumult 189
b) Wirtshausbesuch und Alkoholkonsum 190
c) Religionsvergehen 191
d) Sexualdelikte 192
e) Weitere Verstöße gegen die akademische Lebensordnung 193
aa) Allgemein: Unvleiß und Übelhalten 193
bb) Sonstige Delikte 194
IV. Die Entscheidungen von Rektor und Senat 196
1. Decretum – Strafe ohne Urteil 196
2. Poena und mulcta 197
a) Strafrechtsgeschichtliche Einordnung 197
b) Penis a iure communi institutis 199
c) Strafzwecke – Parallelen zu städtischen Gerichten 200
§ 3 Behandlung malefitzischer Sachen 201
I. Auslieferung an den Bischof von Konstanz 201
II. Konfliktbeilegung in Freiburg 203
1. Flucht und Asyl 203
2. Strafe, Einigung und Fürbitte 206
Dritter Teil: Das Verfahren vor dem Consistorium 212
§ 1 Literatur und Quellen 212
I. Literaturübersicht 212
II. Quellenbericht und Quellenerfassung 214
§ 2 Rahmenbedingungen des Verfahrens 216
I. Vorbilder und Quellen des Verfahrensrechts 216
1. Formen des gelehrten Prozesses in der frühen Neuzeit 217
a) Ordo solennis iudiciarius im kanonischen Prozeßrecht 217
b) Clementina Saepe und Summarischer Prozeß 217
c) Älterer Kameralprozeß (bis zum Jüngsten Reichsabschied 1654) 219
2. Normative Quellen zum universitären Verfahrensrecht 220
a) Freiburger Quellen 220
b) Tübinger normative Quellen 222
II. Merkmale des Verfahrens in der Praxis 224
1. Schriftliches oder mündliches Verfahren? 224
2. Sitzungsablauf: Die Audienz 226
3. Auftreten von Sachwaltern 229
a) Gewalthaber und Prokuratoren 229
b) Advokaten 231
c) Der Sachverstand der Sachwalter 232
III. Ergebnis 233
§ 3 Von der Verfahrenseinleitung bis zur litis contestatio 234
I. Ladung und Ladungsungehorsam 234
1. In der Anfangszeit der Universität: Citatus per rectorem 235
2. Im 16. Jahrhundert 236
a) Ladungen durch den Pedell 236
b) Bei Gericht beantragte, schriftliche Citationen 242
c) Ursprung und Funktion der beiden Ladungsformen 254
II. Klage 256
III. Anerkenntnis vor der Litiskontestation: Terminus Juris 257
1. Fristsetzung nach Anerkennung der Schuld 257
2. Vollstreckung nach terminum iuris 258
3. Parallelen 259
IV. Sachwalter und Sicherheiten 260
1. Sachwalter 260
a) Prokuratorenbestellung 260
b) Sicherheitsleistungen der Sachwalter und Prokuratoren 262
2. Sicherheitsleistungen der Parteien 263
§ 4 Von der litis contestatio bis zur sententia definitiva 264
I. Litis contestatio 264
1. Vorkommen 264
2. Einreden vor und nach der Litiskontestation 266
II. Iuramentum calumniae 267
III. Beweisverfahren 269
1. Zuständigkeit zum Beweis 269
2. Die Beweismittel 271
a) Zeugen 271
aa) Eidliche Bekräftigung der Aussage 272
bb) Interrogatoria generalia, gemeine fragstück 274
cc) Interrogatoria specialia, spezielle oder sondere fragstück 276
b) Sachverständige 277
c) Urkunden 278
d) Eid und Treu an Eidesstatt 280
3. Exceptiones gegen Beweise 282
IV. Verhandlung 283
1. Verhandlungsleitung und Contumacia 283
2. Rechtliches Vorbringen der Parteien und Conclusio in Causa 284
§ 5 Der Abschluß des Verfahrens 285
I. Urteil und Appellation 285
1. Sententiae interlocutoriae 285
2. Sententiae definitivae 286
II. Kosten 290
1. Umfang der Kosten 290
2. Gerichtskosten 291
a) Gebühren 291
b) Sondersitzungen auf Antrag der Parteien 293
3. Kostenentscheidungen in Endurteilen 294
III. Vollstreckung 295
1. Vollstreckung durch Zugriff auf den Verurteilten und seinen Besitz 295
2. Vollstreckung in Sicherheiten 297
IV. Alternativen zum Urteil: Vergleich, Vertragung, Aufhebung 298
Vierter Teil: Die Konfliktstoffe vor dem Consistorium 300
§ 1 Schulden 301
I. Möglichkeiten der Gläubiger 302
1. Abwesende Schuldner: Schriftliche, bei Gericht beantragte Citationen 302
2. Anerkannte Schulden: Terminus Juris 304
3. Bestrittene Schulden: Normales Verfahren 305
II. Ausschluß der Schuld durch Schutzbestimmungen 306
§ 2 Auslegung und Abwicklung von Verträgen 309
I. Mietverträge 309
II. Weitere Verträge 312
1. Bürgschaft 312
2. Kaufverträge 312
§ 3 Beeinträchtigung von Ehre, Körper und Eigentum 314
I. Ehrverletzungen 315
1. Zivile Injurienklagen vor dem Consistorium 316
a) Die Klagen: Formel und Inhalt 316
aa) Schätzung und Taxierung 317
bb) Gegenklagen 318
cc) Die geforderten Summen 320
dd) Schilderung der Ehrverletzung 322
ee) Widerruf 322
b) Urteile in Injuriensachen 323
c) Fallbeispiel: Die Injurienklage der Stadt gegen Stephan von Lalosch 323
2. Streitbeilegung ohne Urteil 326
a) Einigung und einverständliche Aufhebung 326
b) Aufhebung ex officio 328
3. Kriminalklage und Bestrafung durch die Universität 329
4. Ergebnis: Funktion der Injurienklagen bei Ehrverletzung 330
II. Körperverletzungen 333
1. Zivile Klagen vor dem Consistorium 333
a) Inhalt der Klagen 334
aa) Wollt er lieber verloren haben, dann solchen Schaden empfangen 336
bb) Das er sein handtwerck wie zuovor nit treiben könne ... 337
cc) Daran tat er unrecht ... 338
dd) Sampt abtrag costens und schadens 339
b) Die Sententiae definitivae des Consistoriums 340
c) Wertung der Urteilselemente 346
aa) Theorie und Praxis 346
bb) Die Bestandteile der Consistoriumsurteile 348
cc) Verhältnis der Urteilsbestandteile zueinander 353
2. Einigungen 354
a) Gerichtlicher Vergleich 354
b) Private Einigung 356
c) Exkurs zur Bedeutung der Asyle 366
d) Wertung und Gründe der Einigungen 367
III. Tötungen 369
1. Keine Klagen vor dem Consistorium 369
2. Private Einigung bei Totschlag 371
IV. Beschädigungen an Sachen 372
1. Zivile Klagen auf Schadensersatz 373
a) Klagen 373
b) Urteile 379
2. Einigungen 379
§ 4 Sonstige Streitstoffe 380
I. Erbschaftssachen 380
II. Verführung und Kindesunterhalt 382
1. Zivile Klage 383
2. Einigung 387
§ 5 Einfluß des Erziehungsauftrags im Zivilrecht 388
Schluß 391
§ 1 Konfliktlösungsmodelle 391
I. Beschleunigung und Effizienz 391
II. Konfliktlösung zwischen Urteil und Vertrag 393
1. Einverständliche oder einseitige Streitbeilegung? 394
2. Effektivität des Vergleichs 395
§ 2 Rechtsverständnis 397
I. Zivilrecht und Strafrecht 397
1. Trennung und Überschneidung 397
2. Vergleich und gerichtliches Selbstverständnis 400
II. Recht und Norm 402
Anhang 406
Häufigkeit der Inquisitionsfälle und der Prozesse vor dem Consistorium 406
Verteilung der Delikte in den Verhörprotokollen 407
Verteilung der Verfahren in den Consistorialprotokollen 410
Quellenreproduktionen 412
Quellen und Literatur 414
I. Quellen 414
Gedruckte Quellen 414
Ungedruckte Quellen 415
II. Literatur 416
Monographien und Aufsätze 416
Sammelwerke und Lexika 430
Sachverzeichnis 432