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Österreichs Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)

Eine europäische Privatrechtskodifikation. Band I: Entstehung und Entwicklung des ABGB bis 1900. Von Wilhelm Brauneder

Brauneder, Wilhelm

Schriften zur Europäischen Rechts- und Verfassungsgeschichte, Vol. 60

(2014)

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Abstract

Österreichs Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) von 1811 stellt unter Einschluß eines Vorläufers von 1797 für die Provinz Galizien die älteste Privatrechtskodifikation überhaupt dar. Anlage und Inhalt bestimmen das Naturrecht. Daraus ergab sich auch, daß nur jene Bestimmungen Aufnahme fanden, die als logisch immer und überall geltend angesehen wurden, während wandelbares Recht außerhalb des Gesetzbuches verblieb wie etwa das bäuerliche Erbrecht und zahlreiche Detailregelungen. Dies ermöglichte nicht nur seine Anwendung in den unterschiedlichsten Teilen der Habsburgermonarchie zwischen Rhein und Bug, sondern seine bis zu Kopien reichende Einflußnahme auf Privatrechtskodifikationen in Schweizer Kantonen wie in Balkanstaaten. Dies und seine zahlreichen Übersetzungen verliehen dem ABGB den Rang einer europäischen Privatrechtskodifikation.

Das Buch beschreibt in umfassender Weise Entstehung und ursprünglichen Charakter, Publikationen und Übersetzungen, die Stellung in der Gesamtrechtsordnung und die weitere Entwicklung, schließlich Umdeutungen durch die Rechtswissenschaft bis an die Schwelle der tiefgreifenden Erneuerung 1914–1916. Der zweite, sich aktuell in Vorbereitung befindene Band der Reihe »Österreichs Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB)« wird hieran ebenso anschließen, wie der bereits 2010 erschienene und von Elisabeth Berger herausgegebene dritte Band »Das ABGB außerhalb Österreichs«.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 15
Vorgeschichte: Vom Rechtsbuch über das Gesetzbuch zur Kodifikation 17
1. Kapitel: Die Entstehung 23
A. Allgemeine Bedingungen und Umfeld 23
I. Bis zum Teil-ABGB 1786 23
II. Bis zum ABGB 1811 24
B. Der institutionelle Rahmen 25
I. Verfassungsrechtliches 25
II. Gesetzgebungskommissionen und ähnliche Gremien 27
1. Bis zum Teil-ABGB 1786 27
2. Bis zum ABGB 1811 29
C. Der äußere Ablauf 32
I. Der erste Entwurf: „Codex Theresianus“ 32
II. Der zweite Entwurf: Entwurf Horten 36
III. Das erste legislative Ergebnis: Das Erbfolgepatent 1786 37
IV. Die erste Kodifikation: Das Teil-ABGB 1786 38
V. Die erste vollständige Kodifikation: Das Bürgerliche Gesetzbuch für Galizien 1797 40
VI. Das ABGB von 1811 45
D. Das Gebiet der Rechtsvereinheitlichung 48
E. Entwicklungstendenzen 51
I. Kompilation oder Kodifikation 51
1. Festlegung des Kodifikationscharakters 51
2. Landes- und Provinzialgesetze 54
3. Gewohnheitsrecht 57
4. Auslegung 58
II. Grundlagen 59
1. Die Kodifikationsgrundsätze 1753 59
2. Die allgemeine Gesetzgebungspraxis 61
3. Die Gesetzgebungslehre 63
4. Die Stellungnahmen 65
III. Einflüsse des Naturrechts 66
1. Naturrechtliche Grundhaltung 66
2. Naturrechtliche Grundbestimmungen 68
3. Materielles Naturrecht 73
IV. Einflüsse regional-lokaler Rechte 76
1. Kommissionen und Personen im Gesetzgebungsprozeß 76
2. Die Vorarbeiten und ihre Materialien 81
3. Die Stellungnahmen 84
4. Die Methode der Materialverwertung 86
5. Folgerungen 87
V. Einflüsse des Deutschen Rechts 88
1. Allgemeines 88
2. Symbolik 90
3. Materielle Regelungen 92
VI. Einflüsse des Gemeinen Rechts 93
1. Allgemeines 93
2. Materielle Regelungen 96
VII. Einflüsse ausländischer Kodifikationen 99
1. Das ALR 99
a) Das ALR im Gesetzgebungsverfahren 99
b) Die ALR-Kenntnisse Zeillers 102
c) Konkrete ALR-Einflüsse ab 1800 104
d) ABGB und ALR im Vergleich bei Zeiller 106
e) Das ALR als Auslegungshilfe 107
2. Code Civil 108
a) Der Code Civil im Gesetzgebungsverfahren 108
b) Die Code-Civil-Kenntnisse Zeillers 109
c) ABGB und Code Civil im Vergleich bei Zeiller 110
d) Konkrete Einflüsse des Code Civil 110
e) Exkurs: Der Code Civil in Österreich 111
3. Weitere Gesetzbücher 111
VIII. Einflüsse der Rechtsprechung 112
IX. Bezeichnung 112
X. Gliederung 114
XI. Hauptinhalt: Materielles Zivilrecht 117
1. Ausscheiden des Zivilprozeßrechts 117
2. Allgemeine Rechtsregeln 118
3. Abgrenzung zum Öffentlichen Recht 118
4. Verbindungen mit dem Öffentlichen Recht 119
5. Ersatz des Kanonischen Rechts: Eherecht 120
XII. Umfang 121
F. Nutznießer, Adressaten und Konsumenten des Gesetzes 123
I. Nutznießer 123
II. Adressaten 124
III. Konsumenten 126
G. Die Verbreitung der Gesetzeskenntnis 129
I. Die Ausgangssituation 129
II. Gehörige Kundmachung 131
III. Verpflichtung zur Rechtskenntnis 136
IV. Besondere Erschließung des Gesetzestextes 138
1. Die Kodifikation als Rechtslexikon 138
2. Marginalrubriken (Randschriften) 140
3. Sachregister 141
V. Populäre Erläuterungen 143
H. Die Gesetzessprache 144
I. Die Lehre von der Gesetzessprache 144
II. Die Sprachgestaltung der Gesetze 145
III. Die Übersetzungen 149
1. Übersetzungen im allgemeinen 149
2. Deutsch – Latein 152
3. Übersetzungen bis zum ABGB 153
4. Übersetzungen des ABGB 154
a) Die ersten Übersetzungen 154
b) Die „offiziellen“ Übersetzungen 156
c) Weitere Übersetzungen 157
5. Zur Bedeutung der Übersetzungen 159
IV. Die Institutionalisierung der Sprachgestaltung 160
J. Die Publikationen 162
I. Das Teil-ABGB 1786 162
II. Bürgerliches Gesetzbuch für Galizien 1797 163
1. Die Versionen „für Westgalizien“ 163
2. Die Versionen „für Ostgalizien“ und „für Galizien“ 165
3. Gesetzessammlungen und Urentwurf 165
4. Ergebnis 166
III. Das ABGB 1811 167
1. Die ersten deutschen Ausgaben 167
2. Der authentische „Urtext“ 169
3. Nichtamtliche Ausgaben 171
2. Kapitel: Das ABGB von 1811 172
A. Der Charakter 172
I. „Gesetzbuch“ 172
1. Gesetzbuch als Kodifikation 172
2. Gewohnheitsrecht 173
3. Provinzialrecht 174
II. „Bürgerliches“ Gesetzbuch 175
III. „Allgemeines“ Gesetzbuch 177
1. Allgemein – territorial 177
2. Allgemein – sachlich 178
IV. Gesetzbuch für die „deutschen Erbländer“ 179
1. Terminologie 179
2. Territoriales Inkrafttreten 181
V. „Gleiches“ Gesetzbuch? – Neuständisches Gesetzbuch 182
1. Konservatives Gesetzbuch 183
2. Gleichheitsvorstellungen 184
3. Der Code Civil als Kontrast 186
4. Ungleiches Recht 189
5. Neuständische Kodifikation 192
VI. „Fundamentalgesetz“, „Verfassung“ 197
B. Das ABGB in der Gesamtrechtsordnung 201
I. Gemeinsamkeiten im Gesetzgebungsprozeß 201
II. Der kodifizierte Teil der Rechtsordnung 203
III. Verweisungen 205
1. Ausgangslage 205
2. Verweisungen im allgemeinen 207
3. Legistisch überflüssige Verweisungen 208
4. Materielle Öffnung 209
a) Verweisung zufolge einer Gesamtmaterie 210
b) Verweisung als Konkretisierung 211
c) Verweisung als Spezifikation 212
d) Ausnahmen kraft Verweisung 212
5. Das verwiesene Recht 213
a) Allgemeines 213
b) Verwiesenes Recht ohne Verweisung 213
6. Ständische Wirkungen 215
7. Örtliche Wirkungen 216
a) Differenzierungen im allgemeinen 216
b) Konkrete Länderunterschiede 217
8. Verweisungen auf das ABGB 218
IV. Konkretes Beispiel: Eigentums- und Gesamtrechtsordnung 219
1. Der Eigentumsbegriff des ABGB 219
2. Elemente der konkreten Eigentumsgestaltung 221
3. Eigentumsordnungen 222
4. Strukturwandel der Eigentumsordnungen 225
V. Konkretes Beispiel: Sklavereiverbot 226
C. Unmittelbare Wirkungen 228
I. Rechtsunterricht 228
II. Rechtswissenschaft 230
1. Die Exegetische Schule 230
2. Die italienisch-österreichische Jurisprudenz 239
3. Die Verknüpfungen mit dem Ausland 240
III. Rechtsprechung 246
IV. Vertragspraxis 247
V. Literarische Wahrnehmungen 250
VI. Bildliche Wahrnehmungen 254
3. Kapitel: Die Entwicklung im 19. Jahrhundert 256
A. Das Geltungsgebiet 256
I. Veränderungen durch Grenzziehungen 256
II. Veränderungen durch Verfassungsänderungen 256
III. Ausländisches Geltungsgebiet 257
B. Die Ausstrahlungen im Überblick 258
C. Änderungen 261
I. Authentische Interpretationen 261
II. Novellen 265
1. Änderungen allein im ABGB 266
2. Änderungen mit anderen Gesetzen 268
3. Änderungen durch Verfassungsgesetze 269
III. Nebengesetze 271
1. Chronologie 271
2. Das Erscheinungsbild des Bürgerlichen Rechts: ABGB und Nebengesetze 274
3. Das Verhältnis der Nebengesetze zum ABGB 274
a) Ergänzungen 274
b) Schaffung von Ausnahmefällen 275
c) Derogationen 276
4. Gründe für Nebengesetze 276
a) Personell-ständisches Sonderrecht 276
b) Veränderliches Recht 277
c) Ersatz einer ABGB-Reform 278
d) Sachliche Abweichung vom ABGB 279
e) Politisch veranlaßte Regelungen 280
f) Rechtstechnische Gründe 280
D. Einfluß der Rechtsprechung 281
E. Wissenschaftliche Umdeutung: die „Pandektisierung“ 282
F. Rückblick und Epilog 287
Anhang 289
I. ABGB-Beiträge des Verfassers, die in diesem Band aufgegegangen sind 289
II. Verwiesenes Recht 290
III. Art des verwiesenen Rechts 293
IV. Verordnungen ohne ausdrückliche Verweisung (nach Visini) 294
V. Örtliche Differenzierungen durch Verweisungen auf politische Vorschriften (nach Winiwarter und Visini) 295
Literatur- und Quellenverzeichnis 297
A. Quellen 297
B. Literatur 298
Stichwortverzeichnis 306