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›Conversio‹ im Zeitalter von Reformation und Konfessionalisierung

›Écrit de conversion‹ als neue literarische Form

Jakobs, Béatrice

Schriften zur Literaturwissenschaft, Vol. 37

(2015)

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Béatrice Jakobs studierte Geschichte, Französisch und Italienisch an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Im Anschluss an das erste Staatsexamen nahm sie gleichfalls in Kiel ein Promotionsstudium auf, das sie 2005 abschloss. Ihre Dissertation erschien 2006 unter dem Titel »Rhetorik des Lachens und Diätetik in Boccaccios Decameron« (SLI 28). Parallel zur Abfassung der Dissertation hatte sie eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar der Universität Kiel inne. Diese Lehrtätigkeit setzte sie nach der Promotion als wissenschaftliche Assistentin fort. 2012 habilitierte sie sich mit einer Arbeit zu französischen »écrits de conversion«. Aktuell arbeitet sie als Akademische Rätin in Kiel. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Novellistik, Frömmigkeitsliteratur und Musiktheater.

Abstract

»$aConversio$z in the Age of Reformation and Confessionalization. $aÉcrit de Conversion$z as a New Literary Form«

People who changed their religious community in the 16th and especially the 17th century, where – if they did not write about it of their own volition – often asked by church authorities to write down their motives and experience with this change. These $aécrits de conversion$z are analyzed in this study regarding their structural, stylistic and contextual characteristics and they are therefore defined as a new literary form.
Der Ruf zur Umkehr – $aconversio$z – ist im Christentum omnipräsent: In Bibel und Liturgie werden Gläubige seit jeher zur $aconversio$z und damit zur Hinwendung zu einem gottgefälligen Leben aufgerufen. Infolge der religiösen Erneuerung seit dem 16. Jahrhundert erhielt dieser Appell eine neue Färbung: $aconversio$z impliziert nun nicht mehr nur Umkehr zu einem Leben nach Gottes Gebot, sondern auch den Übertritt in eine andere Glaubensgemeinschaft. Wie anhand der im Zusammenhang mit einem solchen Konfessionswechsel entstandenen $aécrits de conversion$z aber deutlich wird, bedienten sich die Verfasser dieser Texte weiterhin der traditionellen (Vor)bilder. Auch erwiesen sie sich als Kinder ihrer Zeit, übernahmen sie doch die stilistischen Besonderheiten der zeitgenössischen Literatur. Die $aécrits de conversion$z sind somit als literarische Form zu definieren, die ihre Existenz den historischen Rahmenbedingungen zwischen 1570 und 1660 verdankt, ihren Fortbestand aber nur durch formale Wandlung sichern konnte.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Ein Wort zuvor 5
Inhalt 9
Einleitung: » ›Noch starbest als ein Christ du jetzt!‹ « 11
Conversio zwischen christlicher Spiritualität und Machtpolitik 39
1. Conversio ubique praesens: Konzepte von conversio 41
a) … in der Predigt 48
b) … in der Kirchenmusik 77
c) … in der religiösen Bildkunst 83
d) … im religiösen Drama 117
e) … in anderen Bereichen der litterae 158
2. Sujets hérétiques ou ›brebis égarées‹? 162
3. Entstehungsbedingungen einer literarischen Form 190
a) Institutionelle Grundlagen von conversio 190
b) Motivationen von conversio 206
aa) conversio aus Angst oder Zwang 207
bb) conversio aus Opportunismus oder Königstreue 215
cc) conversio aus spirituellem Bedürfnis 232
c) Ecrits de conversion als écrits de controverse 247
Conversio als Ausdruck spiritueller und konfessioneller Identität 271
4. Ecrits de conversion – Spezifika einer literarischen Form 273
a) »Ami lecteur chrestien …« – Struktur und Stil von écrits de conversion 278
b) Conversio ineffable: die verwendete Bildsprache 294
aa) Die Bilder vom brebis égarée und vom fils prodigue 317
bb) Paulus und Augustinus als Leitbilder 320
cc) Weitere rekurrente Bilder (z.B. Weg, Licht, Kampf, Genesung) 324
c) Bedürfnis oder Propaganda? Conversio als Abkehr von der Welt 329
d) Stärke zeigen: conversio als spectacle 340
5. Die andere Traditionslinie: conversio als Gegenstand religiöser Literatur 348
a) Jean de La Ceppède: »Reformer sa vie« 356
b) Odet de la Noue: se connaître pour connaître Dieu 359
c) Jean-Pierre Camus: »quelque profitable leçon« 363
Schluss und Ausblick: »Le Cavalier luy fit croire qu’il l’avoit vue plusieurs fois à Charenton« 366
Literaturverzeichnis 382
Anhang I: Liste der Bibelstellen 420
Anhang II: Abbildungen 425
Anhang III: Vollständige Abschrift zweier écrits de conversion 442
Anhang IV: Übersichtstabelle zu den verwendeten écrits de conversion 451