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Tauschringe als besondere Bewertungssysteme in der Schattenwirtschaft

Eine theoretische und empirische Analyse

Meier, Daniela

Beiträge zur Verhaltensforschung, Vol. 41

(2001)

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Abstract

Peanuts, Talente oder Tiden: So oder ähnlich heißen die lokalen Währungen, die seit Mitte der neunziger Jahre in Deutschland entstanden sind. Die Mitglieder von Tauschringen nutzen sie, um Waren und Dienstleistungen auszutauschen. Ziel der Tauschringe ist es, eine neue Form erweiterter Nachbarschaftshilfe zu etablieren und damit die Möglichkeiten privater Selbstversorgung auszudehnen. In welchen Fällen sind die Leistungen im Tauschring anderen Versorgungsmöglichkeiten überlegen? Warum wird eine eigene Währung benötigt?

Mit Hilfe einer theoretischen Analyse, die auf institutionenökonomische, soziologische und sozialpsychologische Erklärungsansätze zurückgreift, wird gezeigt, daß der Tauschring vorteilhaft ist für das Angebot von Laiendiensten, die nur gelegentlich und in geringem Umfang erbracht werden. Im Gegensatz zu Nachbarschafts- oder Freundschaftsdiensten setzt der Tausch im Ring kein Vertrauen in eine persönliche Bindung voraus, weil die lokalen Währungen sofortige Reziprozität ermöglichen. Sie sind zudem auch in Tauschbeziehungen einsetzbar, in denen eine Geldzahlung unangemessen erscheint. Damit begegnen die Tauschringe institutionellen Grenzen des Geldes. Durch eine empirische Untersuchung von sechs deutschen Tauschringen werden die theoretischen Ergebnisse überprüft. Es wird zudem gezeigt, daß insbesondere der soziale Kontakt ein Motiv ist, im Tauschring aktiv zu sein.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 11
Abkürzungsverzeichnis 13
Symbolverzeichnis 14
Α. Einführung 15
Β. Tauschringe - einige Grundlagen 20
I. Was Tauschringe sind und wie sie funktionieren 20
1. Abgrenzung und Begriffsdefinitionen 20
a) Tauschring 20
b) Verrechnungseinheiten 22
2. Funktionsprinzip und verschiedene Ausprägungen 23
a) Rechtsform 25
b) Überziehungslimits 25
c) Umlaufsicherungsgebühr 26
d) Preisbildung und Wert der Tauschwährung 27
3. Tauschangebote 27
II. Geschichte und neuere Entwicklung der Tauschringe 28
1. Vorläufer 29
a) Owens Arbeitsbörsen und Proudhons Tauschbank 29
b) Wörgl und andere Freigeldexperimente 30
c) Arbeitsgemeinschaften und Ausgleichskassen 33
d) Tauschringe im Nachkriegsdeutschland 34
2. Die Entwicklung der modernen Tauschringe 34
a) Das erste LETS in Kanada 34
b) Die weitere Entwicklung im Ausland 36
c) Verbreitung und aktuelle Entwicklung in Deutschland 38
III. Ziele, Probleme und Möglichkeiten der Tauschringe 39
1. Die Ziele 40
2. Mangelnde Aktivität als Hauptproblem 42
3. Potential und Kritik 44
IV. Rechtsfragen 46
1. Die Rechtslage 46
a) Münzmonopol und Kreditwesengesetz 46
b) Bestimmungen der Gewerbe- und Handwerksordnung 48
c) Tausch und Schwarzarbeit 48
d) Werbung für Tauschangebote 49
e) Sozialrecht 50
f) Einkommen- und Umsatzsteuerpflicht 51
g) Zivilrecht 51
h) Zusammenfassung 52
2. Rechtspraxis, Probleme und politische Forderungen 52
V. Zusammenfassung 54
C. Tauschringe: neue Organisationen in der Schattenwirtschaft 55
I. Begriffe und Erklärungsansatz 55
1. Schattenwirtschaft 55
2. Einordnung der Tauschringe 58
3. Erklärungsansatz: Institutionenökonomik 60
a) Institutionen und Organisationen 60
b) Funktionen von Institutionen und Organisationen 61
c) Institutioneller Wandel 63
d) Anwendung auf die Tauschringe 63
II. Überlegungen zur Aktivität im informellen Sektor 64
1. Ursachen der Schattenwirtschaft 65
a) Staatsversagen 65
b) Marktversagen 66
c) Strukturelle Veränderungen am Arbeitsmarkt 68
d) Wertewandel 70
2. Übertragbarkeit der Ursachen auf die Arbeit im Tauschring 71
3. Tauschen als Problem der Zeitallokation 73
a) Ein einfaches Modell 74
b) Inhaltliche Diskussion 78
c) Grenzen des Modells 80
III. Versorgungslücken: Anstoß zum Wandel 81
1. Versorgung durch den Haushalt und durch soziale Netzwerke 82
2. Gründe für Versorgungsmängel in Haushalten und sozialen Netzen 84
a) Individualisierung 85
b) Die „Modernisierungsfalle“ 86
3. Versorgung durch Schwarzarbeit 87
4. Versorgung durch Freiwilligenarbeit 89
IV. Die Wahlentscheidung für den Tauschring 91
1. Die Entscheidung unter Präferenzaspekten 91
2. Die Entscheidung unter Transaktionskosten-Gesichtspunkten 93
a) Informationskosten 94
b) Verhandlungs- und Entscheidungskosten 96
c) Kontroll- und Durchsetzungskosten 98
d) Zusammenfassende Bewertung 102
V. Zusammenfassung, Hypothesen, weiterführende Überlegungen 103
D. Geld und seine Grenzen im sozialen Tausch 107
I. Ansichten vom Gelde 108
1. Die ökonomische Bedeutung des Geldes 109
2. Die soziale Bedeutung des Geldes 111
3. Die Psychologie des Geldes 115
a) Geld als generalisierter Verstärker 116
b) Geld als Ressource im sozialen Tausch 117
c) Geld als Symbolkomplex 118
4. Geld- und Zinskritik 121
5. Zusammenfassung: Verrechnungseinheiten als Geld 124
II. Sozialer Tausch und Reziprozität 125
1. Soziale Interaktion als Austausch unter Gerechtigkeitserwartungen 125
2. Die Norm der Reziprozität 129
3. Das Problem der Verschuldung 131
4. Zusammenfassung: Reziprozität und Schuld in Verrechnungs- und Gemeinschaftsbeziehungen 134
III. Grenzen des Geldes als Tauschmittel 135
1. Empirische Grenzen des Geldes 135
2. Gründe für die Grenzen des Geldes 138
a) Empirische Untersuchungen 138
b) Geld als ineffizientes Signal 140
c) Das Verbot monetärer Bewertung zur Vermeidung von Streit 142
d) Synthese 146
3. Zusammenfassung: Probleme der Verwendung von Geld in Gemeinschaftsbeziehungen 147
IV. Probleme des Bewertungstabus und der Beitrag der Tauschringe 147
1. Bewertungsverbot und Ausgleichsproblem 147
2. Das lokale Geld und die besondere Bewertung im Tauschring 150
a) Leistungsbewertung im Tauschring 151
b) Verrechnungseinheiten und ihre Symbolik 151
3. Zusammenfassung: Tauschringe lösen das Ausgleichsproblem 152
V. Zusammenfassung und Hypothesen 153
E. Empirische Ergebnisse - Tauschringe in der Praxis 155
I. Methodik und Untersuchungsgegenstand 156
1. Die Untersuchungsteilnehmer 156
2. Durchführung der postalischen Befragung 158
3. Fragebogen und Inhalt der Studie 159
4. Die Interviews 161
II. Allgemeine Ergebnisse 162
1. Rücklaufquote und Repräsentativität 162
2. Mitgliederstrukturen 165
3. Zusammenfassung und Diskussion 168
III. Der Tauschring als neue Versorgungsmöglichkeit 168
1. Vorteile des Tauschrings 168
2. Tauschumfang und Art der Leistungen 170
3. Der Tauschring als besonderer Markt 174
a) Substitution und Ergänzung anderer Versorgungswege 174
b) Besonderheit des Angebots im Tauschring 175
c) Die Bedeutung des sozialen Kontakts 176
4. Chancen für Arbeitslose 178
5. Tauschhemmnisse 180
6. Zusammenfassung und Diskussion 183
IV. Logit-Schätzungen zu den Determinanten der Aktivität im Tauschring 184
1. Nutzentheoretische Fundierung und Eigenschaften des Logit-Modells 184
2. Auswahl der erklärenden Variablen 188
3. Ergebnisse der Parameterschätzungen 191
4. Beurteilung der Gesamtgüte des Modells 193
5. Zusammenfassung und Diskussion 195
V. Besonderheiten im Umgang mit der Tauschwährung 196
1. Die Bewertung von Freundschaftsleistungen 197
a) Müssen auch Freunde für Tauschleistungen bezahlen? 197
b) Werden Freunde außerhalb des Rings mit Geld bezahlt? 198
c) Unterschiede in der Bezahlung innerhalb und außerhalb des Tauschrings 198
d) Interview-Ergebnisse 200
2. Die Symbolik der Verrechnungseinheiten 201
3. Verrechnungseinheiten als „special purpose money“ 204
4. Zusammenfassung und Diskussion 205
VI. Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse 207
F. Fazit und Ausblick 209
Anhang 213
I. Adressen 213
II. Begleitbrief 213
III. Fragebögen 215
1. Köln 215
2. Göppingen 219
IV. Codierungs-Liste für die Leistungen im Tauschring 223
V. Ergebnisse der postalischen Befragung 224
Literaturverzeichnis 246
Verzeichnis der Rechtsquellen 267
Rechtsprechungsverzeichnis 268
Sach- und Personenregister 269