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Die rechtzeitige Unterrichtung betrieblicher Arbeitnehmervertretungen

Eine interdisziplinäre Untersuchung im Lichte der deskriptiven Entscheidungstheorie

Rentsch, Robert

Schriften zum Sozial- und Arbeitsrecht, Vol. 326

(2015)

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About The Author

Robert Rentsch studierte Rechtswissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen und legte dort im Jahre 2009 sein erstes juristisches Staatsexamen ab. Im Anschluss war er bis zum Jahre 2012 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeitsrecht der Universität Göttingen für Prof. Dr. Rüdiger Krause und zudem in der Personalabteilung des Universitätsklinikums Göttingen tätig. Seinen juristischen Vorbereitungsdienst absolvierte er von 2012 bis 2014 in Frankfurt a. M. und London. Seit 2015 ist er als Rechtsanwalt für Arbeitsrecht bei der Sozietät Hengeler Mueller in Frankfurt a. M. tätig.

Abstract

Robert Rentsch widmet sich der interdisziplinären Konkretisierung des unbestimmten Rechtsbegriffs »rechtzeitig« und damit der Frage, wann betriebliche Arbeitnehmervertretungen unterrichtet werden müssen, um eine Entscheidung des Arbeitgebers noch beeinflussen zu können. Ein besonderes Augenmerk legt der Autor dabei auf die betriebliche Realität, deren Strukturen er anhand neuester verhaltensökonomischer Forschungsergebnisse analysiert. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse entwickelt der Autor im Rahmen des Allgemeinen Teils der Arbeit zunächst ohne Ansehung der konkreten Beteiligungsvorschriften eine grundlegende Definition des Unterrichtungszeitpunktes, die an den Entscheidungsprozess des Arbeitgebers anknüpft. Im Besonderen Teil stellt Rentsch die im Allgemeinen Teil gewonnenen Erkenntnisse dann der existierenden Rechtsprechung und Literatur gegenüber und entwickelt für jede existierende Beteiligungsvorschrift eine gesonderte Definition, die dem jeweiligen Rechtsrahmen Rechnung trägt. »The Timely Information of Workplace Employee Representatives«

The purpose of the thesis is a profound interpretation of the legal term ›timely‹. In an interdisciplinary approach Robert Rentsch analyses at what point in time the workplace employee representatives have to be informed about a decision of their employer in order to be able to influence this decision. In consideration of recent behavioural economic research and for every existing statutory provision, the author develops a definition of ›timely‹ which takes account of the reality of economic decision processes.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
§ 1 Einleitung 15
A. Problemaufriss 15
B. Zentrale Aspekte und Eingrenzung der Thematik 17
C. Gang der Untersuchung 19
§ 2 Allgemeiner Teil 21
A. Methodische Grundlagen der Konkretisierung unbestimmter Rechtsbegriffe 21
I. Juristische Methodenlehre als Fachhermeneutik 23
II. Rechtserkenntnis und Rechtschöpfung 25
III. Die Rationalität der Normkonkretisierung 28
1. Der Wissenschaftscharakter der Jurisprudenz 29
2. Die Legitimation richterlicher Entscheidungen 32
3. Objektive Werterkenntnis und ihre Grenzen 36
IV. Wirklichkeit in der Rechtsfindung 41
1. „Normtatsachen“ im Obersatz 44
2. Grenzen der Wirklichkeitsrezeption bei der Normbildung 47
3. Exkurs: Prozessuale Rahmenbedingungen von Normtatsachen 48
a) Amtsermittlungsgrundsatz 49
b) Freibeweisverfahren 50
V. Zusammenfassung der methodischen Grundlagen 52
B. Konkretisierung nach dem klassischen Kanon 53
I. Grammatikalische und systematische Auslegung 53
II. Historische Auslegung 55
III. Teleologische Auslegung 58
1. Zweck der rechtzeitigen Unterrichtung 59
2. Konkretisierung der grundlegenden Definition 61
3. Entgegenstehende Interessen des Arbeitgebers 64
4. Normtatsachen: Entscheidungsprozesse aus betriebswirtschaftlicher und psychologischer Perspektive 65
a) Eingrenzung der relevanten Forschungsergebnisse 65
b) Grundstruktur unternehmerischer Entscheidungsprozesse 67
aa) Entscheidungen als kognitive Prozesse 67
bb) Empirische Validität 70
cc) Kennzeichnung des Unterrichtungszeitpunktes 72
dd) Zwischenergebnis 75
c) Betriebswirtschaftliche Planungsforschung 75
d) Deskriptive Entscheidungstheorie 80
aa) Gegenstand der deskriptiven Entscheidungstheorie 80
(1) Entwicklung 81
(2) Abgrenzung: Behavioral Law and Economics 83
(3) Gesetzgeberisches Verhaltensmodell und Fokus der weiteren Untersuchung 84
bb) Theoretischer Hintergrund und empirische Nachweise 86
(1) Individualentscheidungen 87
(a) Dissonanzphänomene 87
(aa) Post decisional dissonance 90
(bb) Dissonanz vor der Entscheidung 90
(cc) Selektive Informationssuche 92
(dd) Verzerrte Informationsbewertung 94
(b) Sunk-cost-effect 95
(c) Urteilsheuristiken 98
(2) Gruppenentscheidungen 100
(a) Kollektive Defensivstrategien: groupthink 101
(b) Gescheiterte Integration verteilten Wissens: hidden profile 104
(c) Zwischenergebnis 106
(3) Symptomatik im Entscheidungsprozess 106
(4) Arbeitsteilige Entscheidungsprozesse 109
(a) „Atomisierung“ von Entscheidungsprozessen 110
(b) Interdependenz der Subprozesse 111
(c) Determinierung des Finalentschlusses 112
cc) Gesamtschau: Hindernisse für die Einflussnahme auf unternehmerische Entscheidungen 114
(1) Defensivstrategien 114
(2) Betriebswirtschaftliche Hindernisse 115
e) Zusammenfassung 116
5. Schlussfolgerung 117
a) Unterrichtung nach dem Entschluss 118
b) Nach der Alternativenbewertung 120
c) Vor der Alternativenbewertung 121
d) Unterrichtung vor der Alternativenermittlung 121
e) Beginn der Alternativenermittlung 124
aa) Entschluss zur Planung 124
bb) Arbeitgeberinteressen 126
IV. Ergebnis 128
§ 3 Besonderer Teil 129
A. Betriebsverfassungsrechtliche Mitwirkungsvorschriften 129
I. Die Rahmenrichtlinie 2002/14/EG 129
1. Beschäftigungspolitische Konzeption 131
a) Mitbestimmung als Instrument der Wirtschaftsförderung 131
b) Normative Schlussfolgerungen 133
2. Normtext und Erwägungsgründe 134
3. Gesetzesmaterialien 136
4. Ergebnis 136
II. Die Unterrichtung des Wirtschaftsausschusses gemäß § 106 Abs. 2 S. 1 BetrVG 137
1. Funktion des Wirtschaftsausschusses 137
2. Der Einfluss der Rahmenrichtlinie 2002/14/EG 139
a) Anwendungsbereich 139
b) Umsetzungsdefizite 141
c) Ergebnis 143
3. Unterrichtungszeitpunkt 143
a) Meinungsstand zum Unterrichtungszeitpunkt 143
aa) Terminologie 143
bb) Rechtsprechung 144
(1) Strafgerichte 144
(2) Bundesarbeitsgericht 146
(a) Entscheidungstyp 146
(b) Keine weitere Konkretisierung 147
(c) Kritik 150
(3) Zusammenfassung 153
cc) Literatur 153
(1) Ergebnisbezogene Mitbestimmung 154
(2) Prozessbezogene Mitbestimmung 155
b) Stellungnahme 155
aa) Argumente für eine ergebnisbezogene Mitbestimmung 155
bb) Unterrichtung nach dem „Abschluss der Vorüberlegungen“ 156
cc) Anforderungen an die Möglichkeit zur Einflussnahme 158
4. Ergebnis 160
III. Die Unterrichtung über Anteilsveräußerungen gemäß § 106 Abs. 3 Nr. 9a BetrVG 160
1. Hintergrund und Regelungsvorbild 160
2. Rechtslage vor der Reform 162
3. Problemaufriss 163
4. Einflusspotential des Wirtschaftsausschusses und Beratungspflicht 166
a) Inhabergeführte Unternehmen (Familienunternehmen) 166
b) Freiwillige Einbeziehung der Unternehmensleitung 167
c) Keine Einbeziehung der Unternehmensleitung 169
aa) Kenntniserlangung 170
bb) Beratung mit dem Wirtschaftsausschuss 173
d) Zusammenfassung und Schlussfolgerung 175
5. Unterrichtungszeitpunkt 175
a) Einbezogene Unternehmensleitung 175
aa) Bieterverfahren 176
(1) Meinungsstand 176
(2) Stellungnahme 177
(a) Interessenbekundungen 177
(b) Verhandlungsexklusivität 177
(c) Finale Verhandlungsphase 179
bb) Exklusivverhandlungen 181
b) Ausgeschlossene Unternehmensleitung 183
6. Ergebnis 184
IV. Unterrichtungszeitpunkt bezüglich geplanter Betriebsänderungen (§ 111 S. 1 BetrVG) 184
1. Meinungsstand 184
a) Rechtsprechung des BAG 184
aa) Rechtsprechung der sechziger und siebziger Jahre 185
bb) Rechtsprechung ab 1992 187
(1) Wechsel zur ergebnisbezogenen Mitbestimmung 187
(2) Umfang des erforderlichen Beteiligungsverfahrens 189
cc) Zusammenfassung 191
b) Literatur 191
aa) Ergebnisbezogene Mitbestimmung 191
bb) Prozessbezogene Mitbestimmung 193
2. Stellungnahme 193
a) Gegenstand der Unterrichtungspflicht 194
aa) Wortlaut 194
bb) Verhältnis zum Wirtschaftsausschuss 195
cc) Entscheidungsträger und Konkretisierungsgrad des Beschlusses 197
dd) Zwischenergebnis 197
b) Mindestzeitraum bis zur Umsetzung 197
aa) Zwei Wochen vor Umsetzung 198
bb) Orientierung an § 112 Abs. 2 BetrVG 198
cc) Zwischenergebnis 201
c) Unterrichtungszeitpunkt 201
aa) Grundlagen 201
bb) Mehrstufige Entscheidungsprozesse 202
d) Der Einfluss der Richtlinie 2002/14/EG 204
3. Ergebnis 207
V. Der Zeitpunkt der Unterrichtung des Betriebsrates gemäß § 80 Abs. 2 S. 1 BetrVG 207
VI. Die Unterrichtung des Betriebsrates gemäß § 90 Abs. 1 BetrVG 209
VII. Personalplanung und der Zeitpunkt der Betriebsratsunterrichtung (§ 92 BetrVG) 211
1. Personalplanung in betriebswirtschaftlicher Forschung und Praxis 212
2. Personalplanung im Sinne des § 92 BetrVG 213
3. Die Beratung im Sinne von § 92 Abs. 1 S. 2 BetrVG 215
4. Unterrichtungszeitpunkt 216
a) Unterrichtung nach dem Abschluss der Planung 217
b) Unterrichtung über den Entschluss zur Planung 218
5. Ergebnis 219
VIII. Die Unterrichtung des Betriebsrates gemäß § 105 BetrVG 219
B. Vorschriften außerhalb des Betriebsverfassungsgesetzes 221
I. Zeitpunkt der Unterrichtung über Massenentlassungen gemäß § 17 Abs. 2 S. 1 KSchG 221
1. Die Urteile des EuGH zum Beginn des Konsultationsverfahrens 222
a) Rechtssache „Junk“ 222
b) Rechtssache „Fujitsu Siemens“ 223
aa) Darstellung 224
bb) Analyse 226
2. Der Meinungsstand in der Literatur 229
3. Stellungnahme 230
4. Ergebnis 231
II. Die Unterrichtung Europäischer Betriebsräte gemäß §§ 29, 30 EBRG 231
1. Die Vorgaben der RL 2009/38/EG 232
2. Unterrichtungszeitpunkt 234
3. Ergebnis 236
III. Die Unterrichtung von SE und SCE-Betriebsräten (§§ 28, 29 SEBG und SCEBG) 236
C. Spannungsverhältnis mit der Kapitalmarktpublizität 238
I. Die Ad-hoc-Publizität nach § 15 Abs 1 WpHG 238
1. Kursbeeinflussungspotential arbeitsrechtlich relevanter Maßnahmen 239
2. Planungen als Insiderinformation i. S. v. § 13 Abs. 1 S. 1 WpHG 240
3. Befreiung von der Publizitätspflicht und Rechtsfolgen 241
II. Konflikte mit arbeitsrechtlichen Unterrichtungsvorschriften 243
III. Auflösung des Spannungsverhältnisses 243
1. Vorverlagerung des Beteiligungsverfahrens 244
2. Selbstbefreiung von der Publizitätspflicht 245
a) Berechtigte Interessen des Emittenten 245
b) Keine Irreführung der Öffentlichkeit 246
c) Gewährleistung der Vertraulichkeit 246
IV. Ergebnis 249
§ 4 Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse 250
A. Allgemeiner Teil 250
B. Besonderer Teil 251
Literaturverzeichnis 253
Stichwortverzeichnis 282