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Warum sind Hauptstädte so groß?

Eine ökonomische Interpretation und ein Beitrag zur Geographie der Politik

Dascher, Kristof

Volkswirtschaftliche Schriften, Vol. 502

(2000)

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Abstract

Mit dem Umzug von Bundestag und Bundesregierung an die Spree ist Berlin endgültig Hauptstadt. Jetzt würden wir gerne mehr über die regionalpolitischen Folgen dieser Hauptstadtrolle wissen: Wird diese Rolle Berlin zugute kommen? Und wird ihr Verlust Bonn schaden? Die Versuchung ist groß, einen Blick auf andere Staaten zu werfen. Er zeigt, dass Hauptstädte in der Regel die größte Stadt ihres Landes sind - prominenten Ausnahmen wie etwa Ankara und Brasilia zum Trotz. Sollen wir also die $.Dominanz$- der Hauptstadt im nationalen Städtesystem als einen mittelbaren Hinweis auf positive Impulse der Hauptstadtrolle verstehen?

Diese Frage steht im Mittelpunkt der Arbeit. Im $.theoretischen$- Teil der Arbeit stellt der Autor verschiedene "Lokomotivmechanismen" vor, die der Hauptstadtrolle tatsächlich positive Impulse für die Entwicklung der Hauptstadt zuschreiben. Solche positiven Impulse schlagen sich langfristig in Zuwanderung aus der Peripherie des Landes nieder.

Der $.empirische$- Teil der Arbeit soll zeigen, ob diese Lokomotivmechanismen das Wachstum von Hauptstädten erklären können. Dabei sind drei methodische Probleme zu lösen. Erstens könnten Hauptstädte heute groß sein, weil sie schon $avor$z ihrer "Krönung" zur Hauptstadt groß waren. Zweitens könnten Hauptstädte zwar seit ihrer Krönung zur größten Stadt ihres Landes aufgestiegen sein. Aber sie könnten ja auch $atrotz$z - und nicht etwa wegen - ihrer Hauptstadtrolle gewachsen sein. Und drittens: Selbst wenn die Hauptstadtfunktion positive Impulse auf die Hauptstadt ausübt, müssen diese nicht unbedingt auch für $aBerlin$z gelten: Das Wachstum von Hauptstädten in der dritten Welt etwa hat andere Ursachen als das von Hauptstädten in der industrialisierten Welt.

Um diesen methodischen Problemen des internationalen Querschnittvergleichs aus dem Weg zu gehen, machen wir uns ein $.natürliches Experiment$- zunutze, in dem wir die Rahmenbedingungen genauer kontrollieren können. In den 70er Jahren fanden in Westdeutschland die $aKreisgebietsreformen$z statt. Im Zuge dieser Reformen verlor etwa die Hälfte der alten Kreissitze ihre Kreissitzeigenschaft, die andere Hälfte behielt sie. Wir vergleichen die Beschäftigungsentwicklung der darauffolgenden Jahre in den "Noch-Kreissitzen" mit der in den "Nicht-mehr-Kreissitzen". Und wir diskutieren, ob die Ergebnisse zur regionalen Hauptstadteigenschaft auf "echte" Hauptstädte wie Berlin und Bonn übertragbar sind.

In dem so markierten Spielfeld finden weitere, $.verwandte Fragestellungen$- Platz. Dazu zählt die Frage nach möglichen $aCrowding-Out-$zEffekten der Hauptstadtfunktion, der $aWettbewerb$z der Städte um die Hauptstadtrolle und die Rolle des $aFöderalismus$z für die Stellung der Hauptstadt.

Die Arbeit wurde ausgezeichnet mit dem August-Lösch-Preis für Regionalwissenschaften 1998 der Stadt Heidenheim (Brenz).

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 10
Tabellenverzeichnis 11
Abbildungsverzeichnis 12
Symbolverzeichnis 13
A. Einleitung 17
I. Hauptstadtdominanz: Ein stilisiertes Faktum 18
II. Zum Aufbau der Arbeit 21
B. Lokomotivmechanismen 25
I. Lokomotivmechanismen in der Demokratie? 27
1. Ein Grundgerüst und die Rolle der Mobilität 28
2. Mehrheitswahl 31
3. Einstimmigkeit 36
4. Zusammenfassung 39
II. Ein theoretisches Konzept für die Empirie: Das Hauptstadtgut 40
1. Anknüpfungspunkte für Lokomotivmechanismen 40
a) Lokomotiveffekte über die Bereitstellung von Hauptstadtgütern 41
b) Lokomotiveffekte über die Produktion von Hauptstadtgütern 43
2. Hauptstadtgüter: Eine Definition und ihre Motivation 45
3. Gibt es auch regionale Hauptstadtgüter? 50
4. Sind Hauptstadtgüter relevant? 53
5. Exkurs: Lokomotiveffekte kollektiv finanzierter privater Güter 57
6. Zusammenfassung 59
III. Zentrale Produktion öffentlicher Hauptstadtgüter 60
1. Regionale Marktgröße und regionale Wohlfahrt 61
2. Interaktion des Hauptstadtguts mit dem privaten Sektor 69
3. Lösungen in der kurzen Frist 74
4. Interregionale Migration 81
5. Zusammenfassung und Schlußfolgerungen 87
C. Empirische Analyse der Lokomotivmechanismen 91
I. Sind Kreissitze ein geeignetes Hauptstadt-Sample? 91
1. Der Kreissitz als regionale Hauptstadt 92
2. Ein Analyserahmen 97
3. Viele Vorzüge und ein Nachteil des Kreissitz-Samples 100
a) Vorteile der „Homogenität“ 100
b) Nachteil der engen Nachbarschaft 104
4. Zum Datensatz: Merkmalsträger 107
5. Zum Datensatz: Variablen und ihre Beobachtungen 109
6. Ein deskriptiver Überblick 115
II. Statistische Analyse der Kreissitzeigenschaft 118
1. Die zentrale Frage: Wachsen Noch-Kreissitze c. p. schneller? 118
2. Sektoraler Wandel? 122
3. Implikationen der empirischen Analyse 125
D. Zur Krönung von Hauptstädten 128
I. Die allmähliche Krönung 128
1. Einige Vorbemerkungen zur Lokalisierung von Hauptstadtfunktionen 129
2. Ursachen der Lokalisierung 131
3. Hauptorte, Landesgrenzen und Hauptstädte 135
4. Lokalisierung - Empirie 140
5. Zusammenfassung 143
II. Hauptstadtwahl 144
1. Hauptstadteigenschaften in der Politischen Geographie 144
2. Warum sind Hauptstadtverlegungen so selten? 148
3. Interessengruppen 151
4. Ein empirischer Exkurs: Zur Auswahl der Kreissitze 155
5. Hauptstadtwahl - Eine normative Perspektive 157
6. Zusammenfassung 164
III. Fallstudie: Der Regierungsumzug von Bonn nach Berlin 165
1. Hauptstadtgüter in Bonn und Berlin 166
2. Lokomotiveffekte zentraler Produktion? 169
3. Erlaubt die Kreisgebietsreform Rückschlüsse auf Berlin und Bonn? 172
4. Zur Krönung Berlins 175
5. Zusammenfassung 182
E. Schluß 183
I. Überblick über die zentralen Ergebnisse der Arbeit 183
II. Interaktion zwischen dem Land Berlin und dem Bund 185
III. Ausblick 188
Literaturverzeichnis 190
Schlagwortverzeichnis 199