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Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen

Mehr Chancengleichheit und allokative Effizienz durch Umverteilung intergenerativer Transfers?

Wilke, Thomas

Duisburger Volkswirtschaftliche Schriften, Vol. 36

(2001)

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Abstract

Das Konzept einer redistributiven Sozialpolitik scheint schon seit längerem in Deutschland an seine Grenzen gestoßen zu sein: Die durchgehend mit einer erheblichen Umverteilungskomponente versehenen sozialen Sicherungssysteme haben einerseits zu unerträglichen Belastungen insbesondere der laufenden Arbeitseinkommen geführt, ohne jedoch andererseits den Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit nachhaltig erfüllen zu können. Ironischerweise scheint es sogar so zu sein, daß die Unzufriedenheit mit dem Sozialstaat aus einer wie auch immer definierten "Gerechtigkeitsperspektive" mit dem Ausmaß der Umverteilung wächst. Dieses ernüchternde Ergebnis hat in der Vergangenheit immer wieder zu wirtschaftswissenschaftlichen und -politischen Diskussionen darüber geführt, ob die traditionelle Umverteilungspolitik mit laufenden Einkommen als Zielgröße und Aktionsparameter redistributiver Maßnahmen nicht schon vom Ansatz her verfehlt ist.

In diese Diskussion reiht sich die Dissertation von Thomas Wilke ein. Der Autor geht von der in einem theoretischen Teil abgeleiteten Hypothese aus, daß nicht das Arbeitseinkommen als Ergebnis der individuellen Leistungsfähigkeit und Leistungswilligkeit Gegenstand der Umverteilung sein darf, sondern vielmehr die individuellen Einkommenserzielungschancen, die durch das beim einzelnen gebildete Humankapital und gegebenenfalls geerbte oder geschenkte Vermögen maßgeblich beeinflußt werden. Chancengleichheit und nicht Egalität von Arbeitseinkommen ist folglich das durch eine Redistributionspolitik zu verfolgende Ziel. Damit aber rücken intergenerative Transfers und ihre umverteilende Besteuerung als Alternative zur Einkommensumverteilung in den Blickpunkt.

Thomas Wilke beschäftigt sich intensiv mit einer theoretischen Diskussion unterschiedlicher Motive bezüglich intergenerativer Transfers. Durch eine sich auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels und des Europäischen Haushaltspanels stützende empirische Untersuchung wird daran anschließend der Frage nachgegangen, ob und inwieweit man mit einer Erbschaft- und Schenkungsteuer die vom Staat wahrzunehmende Umverteilungsfunktion effizienter und gerechter ausfüllen kann. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, daß dies nur dann gelingt, wenn ausschließlich Erbschaften, nicht aber Schenkungen zwischen Generationen besteuert werden.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Geleitwort 5
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abbildungsverzeichnis 12
Tabellenverzeichnis 14
Abkürzungsverzeichnis 16
Erster Teil: Theoretische Grundlagen 19
A. Traditionelle Sozialpolitik versus Umverteilung intergenerativer Transfers 19
B. Intergenerative Transfers aus gerechtigkeitstheoretischer und ökonomischer Sicht 25
I. Kontrakttheoretische Argumentation 26
II. Diskussion anhand liberal-marktwirtschaftlicher Positionen 36
III. Kritik einer Besteuerung intergenerativer Transfers 38
IV. Besteuerung aus Sicht einer sozialen Wohlfahrtsfunktion 40
V. Umverteilung intergenerativer Transfers im Kontext gerechtigkeitstheoretischer und ökonomischer Überlegungen 50
C. Erbschaften im Rahmen der Lebenszyklustheorie des Sparens 57
I. Fester Vermögensbestand ohne die Existenz von Annuitätenmärkten 57
II. Fester Vermögensbestand bei Existenz von Annuitätenmärkten 61
III. Unterschiedliche Periodeneinkommen 65
IV. Kritik an der Lebenszyklustheorie 68
V. Empirische Eigenschaften von Lebenszykluserbschaften und ihre Besteuerung 69
D. Intergenerative Transfers aus altruistischen Motiven 72
I. Altruistische Transfers im Rahmen des Lebenszyklussparens 72
II. Einbeziehung der Wohlfahrt der Kinder in die elterliche Nutzenfunktion 75
III. Unterschiedliche Renditen altruistischer Transfers 79
IV. Transfers bei Liquiditätsbeschränkungen 85
V. Kritik an altruistischen Transfermodellen 95
VI. Besteuerung intergenerativer altruistischer Transfers 104
VII. Implikationen altruistischer Transfermodelle 110
E. Intergenerative Transfers aus Tausch- und strategischen Motiven 114
I. Tauschbeziehungen zwischen Eltern und einem aktiven Kind 115
II. Tausch von Leistungen gegen Transfers bei mehreren Kindern 122
III. Alternative Leistungen von Kindern als Gegenstand von Tauschbeziehungen 125
IV. Empirische Implikationen des Tausch- bzw. strategischen Transfermodells und die Besteuerung intergenerativer Transfers 127
Zweiter Teil: Empirische Ergebnisse 135
F. Intergenerative Mobilität 135
I. Definition und Messung 136
II. Empirische Erkenntnisse 140
III. Einfluß von Erbschaften und Schenkungen auf die intergenerative Mobilität: Die „Nature versus Nurture\"-Debatte 147
IV. Implikationen für eine Umverteilung intergenerativer Transfers 155
G. Intergenerative Transfers 158
I. Verwendete Datenquellen 159
II. Erbschaften und Schenkungen in Deutschland - ein Überblick 159
1. Das Europäische Haushaltspanel 160
2. Das Sozio-Ökonomische Panel 163
III. Richtung intergenerativer Transfers 169
IV. Höhe intergenerativer Transfers 172
Η. Konkurrierende Transfertheorien 180
I. Implikationen unterschiedlicher Transfermodelle 180
II. Lebenszykluserklärung von Erbschaften 182
1. Entsparen von Haushalten mit älteren Haushalts vorständen 182
2. Analyse von Sparquoten 191
3. Informationen über Annuitäten 195
III. Direkte Motivbefragung 201
IV. Test des altruistischen Modells und des Tauschmodells 204
1. Evidenz anhand existierender Untersuchungen 205
2. SOEP- und EHP-Daten 212
a) Transfermodelle im Europäischen Haushaltspanel 213
b) Transfermodelle im Sozio-Ökonomischen Panel 222
3. Interpretation der Ergebnisse 231
I. Die Konzeption einer chancenorientierten Umverteilungspolitik 241
Mathematischer Anhang 250
Statistischer Anhang 261
Literaturverzeichnis 277
Sachwortregister 293