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Franchise-Netzwerke im deutsch-englischen Rechtsvergleich

Lubitzsch, Katharina

Schriften zum Internationalen Recht, Vol. 207

(2016)

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Katharina Lubitzsch studierte Rechtswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, (1. Staatsexamen 2009) sowie den Universitäten Aberdeen und Cape Town (LL.M. 2011). Nach dem Referendariat beim Kammergericht Berlin – mit Stationen beim BMWi, Referat Prozessführung vor den Europäischen Gerichten, sowie in New York, Ständige Vertretung Deutschlands bei den VN – legte sie 2013 ihr 2. Staatsexamen ab. Sie promovierte bei Professor Dr. Dr. Stefan Grundmann an der Humboldt-Universität zu Berlin rechtsvergleichend zu Franchise-Netzwerken. Seit 2014 ist Katharina Lubitzsch in Berlin als Rechtsanwältin zugelassen und berät zum Öffentlichen Wirtschaftsrecht.

Abstract

Die Erscheinungsform eines Vertrags-Netzwerkes, d.h. der Abschluss einer Mehrheit von Verträgen, die bewusst – jedoch ohne Errichtung einer Gesellschaft – miteinander verknüpft sind, ist im Wirtschaftsleben ubiquitär; beispielhaft herausgegriffen wurden für die Arbeit Franchise-Arrangements, bestehend aus einer Vielzahl dem äußeren Erscheinungsbild sowie dem Angebot nach gleichen, rechtlich aber unabhängigen Betrieben. Das Netzwerk stellt die Grundlage für den Erfolg jedes einzelnen Systempartners dar – und wirft, da als solches der Rechtsdogmatik unbekannt, spezifische Fragen auf: Wie können Franchisenehmer vorgehen, die aufgrund von Qualitätsunterschreitungen eines anderen Teilnehmers Umsatzeinbußen erleiden? Wem sind Erträge zuzuordnen, die auch aufgrund der Größe des Netzwerkes generiert worden sind? Die Arbeit behandelt rechtsvergleichend das Konstrukt eines Franchise-Netzwerkes und die wichtigsten damit verbundenen Problemstellungen vor dem Hintergrund des deutschen Rechts, sowie des englischen, als bedeutendste europäische Common-Law-Rechtsordnung. Networks of contracts are ubiquitous in everyday business life. Of these, this dissertation singles out Franchise-Arrangements, consisting of numerous units which equal each other in external appearance but are, however, not branches but legally independent firms. The network is the basis for their success – and simultaneously the source of specific difficulties which are analysed under German as well as English Law. One example is the problem of free-riding which is of enormous practical relevance.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
A. Einleitung 13
B. Franchise-Arrangements 15
I. Entstehung und Charakterisierung des Franchising als Vertriebsform 15
1. Herkunft und Entwicklung 15
a) Ursprung des Begriffs und „Straight Product Franchising“ 15
b) „Business Format Franchising“ 16
2. Arten des Franchising 18
3. Abgrenzung des Franchising von anderen Vertriebssystemen 18
a) Vertrieb durch eigene Filialen 18
b) Vertrieb durch Absatzmittler 20
aa) Handelsvertreter – Commercial Agent 21
bb) Vertragshändler – Distributor 22
4. Begriffsbestimmung „Franchising“ 24
5. Wesentliche Regelungen eines typischen Franchisevertrages 26
a) Subordinations- und Partnerschaftsfranchising 26
b) Konkrete Pflichtenausgestaltung 27
6. Zusammenfassung 29
II. Der Franchisevertrag als ‚Langzeitvertragˋ 30
1. Dauerschuldverhältnis und Long-term contract 30
a) Deutsches Recht 30
aa) Charakterisierung von Dauerschuldverhältnissen 30
bb) Kategorie der personenbezogenen Dauerschuldverhältnisse 32
b) Englisches Recht 33
2. Längerfristige Zusammenarbeit in den Sozialwissenschaften 35
a) Spieltheoretische Erklärung von Kooperation in der Soziologie 35
b) Ökonomische Analyse des Rechts im Hinblick auf Langzeitverträge 38
c) Nichtgebrauch von Recht bzw. Unvollständigkeit von Verträgen bei längerfristiger Zusammenarbeit 39
3. Fiduciary relationship und Treupflichten 41
a) Englisches Recht 41
b) Deutsches Recht 42
aa) Gesellschaftsrechtliche Treupflicht 42
bb) Der Treuhandvertrag nach Grundmann 44
4. Vertragliche Qualifikation des Franchisevertrages im deutschen Recht 47
a) Gesellschaftsvertrag – § 705 BGB 47
b) Arbeitsvertrag – § 611 BGB 48
c) Pacht- und Geschäftsbesorgungsvertrag 49
aa) Pachtvertrag – § 581 BGB 50
bb) Geschäftsbesorgungsvertrag – § 675 BGB 51
cc) Eigenartiger Mischvertrag 52
dd) Stellungnahme 53
5. Einordnung des Franchisevertrages im englischen Recht 54
a) Licence 54
b) Distributorship und sales agreement 55
c) Contract of employment 55
d) Fiduciary relationship 56
aa) Agency 56
bb) Partnership 58
e) Stellungnahme 60
6. Zusammenfassung 61
III. Das Franchisesystem als ‚Netzwerkˋ 62
1. Vom einzelnen Vertrag zum Franchisesystem 62
2. Zu den Begriffen Netz/net und Netzwerk/network 63
3. Netzwerke in der Soziologie und Ethnologie 66
a) Entwicklung der Netzwerkforschung 66
b) Stränge in der Netzwerkforschung und Definition 69
4. Netzwerke in der Betriebswirtschaftslehre 71
a) Ökonomische Analyse des Rechts 71
aa) Begründung durch Ronald H. Coase 71
bb) Weiterentwicklung durch Oliver E. Williamson 73
cc) Einordnung von Netzwerken als Organisationsform 76
b) Interorganisationale Netzwerke 80
aa) Charakterisierung und Einteilung 80
bb) Franchisesysteme als strategische Netzwerke 82
5. Netzwerke in der Rechtswissenschaft 86
a) Rechtliche Einordnung im deutschen Recht 86
aa) ‚Kein nennenswerter Erkenntnisgewinnˋ 86
bb) Die Lehre von den Vertragsverbindungen nach Gernhuber 86
cc) Vernetzung von Verträgen 87
b) Netzwerke im englischen Recht 89
aa) Entgegenstehen von Privity of contract 89
bb) ‚Networkˋ is not a legal concept 90
c) Verhältnis zur sozialwissenschaftlichen Begriffsbildung und Interessenstruktur im Netzwerk 91
aa) Institutionen zwischen Vertrag und Gesellschaft 91
bb) Interessengegensatz, Interessenwahrung, Interessenverbindung 93
cc) Interessenlage im Franchise-Netzwerk 95
6. Zusammenfassung 97
C. Neue Konzepte für Langzeitverträge und Vertragsnetzwerke 99
I. Langzeitverträge – Relational contracts – Fiduciary relationships 99
1. Englisches Recht 99
a) Macneil: Relational contract theory 99
b) Rezeption und Fortentwicklung der Relational contract theory in England 102
aa) McKendrick: Kein rechtlicher Anpassungsbedarf 102
bb) Campbell: Relational constitution of discrete contract 103
cc) Collins: Competing norms of contractual behaviour 105
dd) Brownsword: Contract of co-operation 107
c) Erweiterung der Fiduciary relationships 110
aa) Common law und Equity 110
bb) Ad hoc – fiduciary relationships 111
cc) Fiduciary relationships in commercial transactions 112
2. Deutsches Recht 114
a) Rezeption und Fortentwicklung der Relational contract theory in Deutschland 114
aa) Nicklisch: Komplexer Langzeitvertrag 114
bb) Schanze: Symbiotischer Vertrag 115
cc) Joerges: Statusvertrag 116
b) Wellenhofer: Treupflichtverhältnis 119
3. Zusammenfassung 120
II. Vertragsnetzwerke 122
1. Deutsches Recht 122
a) Teubner: Netzwerk als Vertragsverbund 122
aa) Phänomen des hybriden Netzwerks 122
bb) Rechtliche Behandlung von Netzwerken 124
b) Heermann: Synallagmatisches Triallagma 127
c) Rohe: Netzvertrag 128
d) Wellenhofer: Netzzweck und Schutzpflichten 131
e) Grundmann: Dogmatik der Vertragsnetze 132
aa) Keine Direktansprüche 133
bb) Berücksichtigung im Einzelvertrag über Generalklauseln 134
2. Englisches Recht 136
a) Brownsword/Adams: Network contract 136
aa) Privity of contract und consideration 136
bb) Network contract 138
b) Collins: Network architecture of supply chains 139
3. Zusammenfassung 141
III. Langzeit- und Netzwerkcharakter: Der Organisationsvertrag 142
D. Ausgewählte Probleme von Franchise-Arrangements 144
I. Direktansprüche in Vertragsnetzwerken am Beispiel des Free Riding 144
1. Darstellung des Problems 144
a) Goodwill, Markenzeichen und die Bedeutung von Standardisierung 144
b) Das Free Riding-Problem in der ökonomischen Theorie 145
aa) Prinzipal-Agent-Theorie 145
bb) Free Riding 147
c) Vertragliche Gestaltung und Direktanspruch 149
2. Deutsches Recht 151
a) Deliktsrechtliche Lösung 151
aa) §§ 823 Abs. 1, 826 BGB 152
bb) Abgrenzung Vertrags-/Deliktsrecht 154
b) Vertragsrechtliche Lösung 155
aa) Pflichtencharakter und Vertragsprinzip 155
bb) Vertrag zugunsten Dritter 159
cc) Vertrag mit Schutzwirkung für Dritte 159
dd) Culpa in Contrahendo, § 311 Abs. 2, 3 BGB 167
c) Lösung nach neuen Theorien zu Vertragsnetzwerken 168
aa) Netzwerk als Vertragsverbund 168
bb) Netzvertrag 171
cc) Netzzweck und Schutzpflichten 172
dd) Vertragsnetz 172
d) Neue Theorie zu Direkthaftung 174
e) Ergebnis, Verallgemeinerung und Stellungnahme 177
aa) Ergebnis nach klassischem Recht und neuen Theorien 177
bb) Verallgemeinerung durch Anwendung auf die Warnpflicht 179
cc) Bewertung der Netzwerktheorien 181
dd) Vorschlag 184
3. Englisches Recht 186
a) Vertragsrechtliche Lösung 186
aa) Contracts (Rights of Third Parties) Act 1999 186
bb) Sonstige Ausnahmen zur privity-Doktrin 187
b) Deliktsrechtliche Lösung unter der tort of negligence 189
aa) Grundlagen der tort of negligence 189
bb) Ersatz reiner Vermögensschäden im Rahmen der Berufshaftung 190
cc) Ersatz reiner Vermögensschäden innerhalb von Vertragsketten 194
dd) Abkehr von der Ersatzfähigkeit reiner Vermögensschäden jenseits der Berufshaftung 197
ee) Abgrenzung Vertrags-/Deliktsrecht 198
ff) Anspruch des Franchisenehmers aus der tort of negligence? 199
c) Lösung nach neuen Theorien zu Vertragsnetzwerken 200
aa) Network contract 200
bb) Network architecture of supply chains 201
d) Ergebnis, Verallgemeinerung und Stellungnahme 201
4. Rechtsvergleichung und Bewertung 204
II. Modifikationen des Einzelvertrags am Beispiel der Teilung von Vorteilen 206
1. Darstellung des Problems 206
a) Mengenrabatte durch Nachfragemacht 206
b) Exkurs: Kartellrechtliche Zulässigkeit einer Warenbezugsbindung 208
aa) Wettbewerbsbeschränkende Vereinbarungen 208
bb) Sonstiges wettbewerbsbeschränkendes Verhalten 210
2. Deutsches Recht 212
a) Weiterleitung bei entsprechender Vereinbarung 212
b) Anspruch auf Herausgabe gemäß §§ 675 Abs. 1, 667 BGB 214
aa) Anspruch bei Bezugsbindung an den Franchisegeber 214
bb) Anspruch bei Bezugsbindung an bestimmte Lieferanten 214
cc) Ausschluss des Anspruchs möglich? 217
c) Anspruch auf Schadensersatz gemäß §§ 33 Abs. 3 Satz 1, 20 Abs. 1 Satz 1 GWB 221
d) Lösung nach neuen Theorien zu Vertragsnetzwerken und Langzeitverträgen 223
aa) Netzwerk als Vertragsverbund 223
bb) Netzvertrag 225
cc) Netzzweck und Schutzpflichten 227
dd) Vertragsnetz 227
ee) Symbiotischer Vertrag, Statusvertrag und Treupflichtverhältnis 229
e) Ergebnis, Verallgemeinerung und Stellungnahme 230
aa) Ergebnis nach klassischem Recht und neuen Theorien 230
bb) Netzwerkbedingte Modifikation bei der Kündigung 231
cc) Langzeitvertragsbedingte Modifikation bei der Kündigung 233
dd) Bewertung 237
ee) Vorschlag 238
3. Englisches Recht 242
a) Weiterleitung bei entsprechender Vereinbarung 242
b) Ausschluss der Weiterleitung 243
c) Implied term 244
d) Agency 245
e) Lösung nach neuen Theorien zu Vertragsnetzwerken und Langzeitverträgen 246
aa) Relational contract theory und deren englische Fortentwicklung 246
bb) Network contract und Contract of co-operation 248
cc) Erweiterung der Fiduciary relationships 250
f) Ergebnis, Verallgemeinerung und Vorschlag 255
aa) Ergebnis nach klassischem Recht und neuen Theorien 255
bb) Netzwerkbedingte Modifikation bei der Kündigung 256
cc) Langzeitvertragsbedingte Modifikation bei der Kündigung 258
dd) Bewertung und Vorschlag 260
4. Rechtsvergleichung und Bewertung 265
E. Schlussteil 267
Literaturverzeichnis 270
Rechtsprechungsverzeichnis 280
Stichwortverzeichnis 284