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Die Universalität der Menschenrechte

Philosophische Grundlagen - Nationale Gewährleistungen - Internationale Garantien. Hrsg. von Christian Koenig / Ralph Alexander Lorz

Riedel, Eibe H.

Editors: Koenig, Christian | Lorz, Ralph Alexander

Veröffentlichungen des Walther-Schücking-Instituts für Internationales Recht an der Universität Kiel, Vol. 143

(2003)

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Abstract

Die Entwicklung und immer weiter zunehmende Bedeutung der Menschenrechte als Parameter der nationalen und internationalen Politik gehört zu den großen Erfolgsgeschichten des Völkerrechts. Doch soviel auch in diesem Bereich an Positivem geschehen ist, soviel bleibt angesichts der fortdauernden systematischen Mißachtung von Menschenrechten in vielen Teilen der Welt noch zu tun. Oft geschehen diese Menschenrechtsverletzungen heimlich und werfen dann in erster Linie Probleme der Beweisführung und einer effektiven strafrechtlichen Ahndung auf. Für die Menschenrechtsidee als solche sind jedoch jene Tendenzen gefährlicher, die auf eine inhaltliche Relativierung der Menschenrechte abzielen. Sie präsentieren sich in vielerlei Gestalt: zum Teil als bloße Überfrachtung des Menschenrechtsgedankens, indem jede als wünschenswert betrachtete Entwicklung zur menschenrechtlichen Forderung verklärt und das einzelne Menschenrecht dadurch entwertet wird; zum Teil als gezielte Instrumentalisierung des Menschenrechtsbegriffs im Dienste politischer oder ideologischer Erfolgsstrategien; zum Teil in der Formulierung weitgefaßter Ausnahmetatbestände, die die Menschenrechte von innen her auszuhöhlen drohen; und schließlich in der Gestalt eines "kulturellen Relativismus", der ihren Inhalt vom Ort ihrer Anwendung abhängig macht.

All diesen Tendenzen zum Trotz weiterhin die Idee von der Universalität der Menschenrechte zu vertreten, hat sich unter diesen Umständen als ebenso schwierig wie erforderlich erwiesen. Eibe Riedel hat sich dieser Aufgabe immer mit unermüdlichem Eifer angenommen und dabei praktisches Engagement - zuletzt als Mitglied im UN-Ausschuß für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte - und theoretische Durchdringung in beeindruckender Weise zur Deckung gebracht. Die vorliegende Auswahl von Beiträgen aus seiner Feder, die seine Schüler aus Anlaß seines 60. Geburtstages zusammengestellt haben, dokumentiert das auf überzeugende Art. Ihre Inhalte, die sämtlich um die Aufrechterhaltung und Durchsetzung des universalen Geltungsanspruchs der Menschenrechte kreisen, haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Inhaltsverzeichnis 7
I. Der Universalitätsanspruch des Rechts als Grundlage menschenrechtlicher Forderungen 15
Standards and Sources. Farewell to the Exclusivity of the Sources Triad in International Law? 17
A. The Changing Structure of Sources 19
B. Norm Varieties in International Law 24
C. The Nature of Standards 31
I. Standards at Common Law 32
II. Standards in the German \"Topics\" Debate 34
III. Standards in International Law 36
D. Conclusion: The Utility and Limits of Standards 41
Recht, Zwang, Effektivität - Muß Recht justizförmig sein? 43
A. Das Beispiel Gentechnik 45
B. Zur Verankerung eines Staatszieles „Umweltschutz\" im Grundgesetz 53
I. Leistungsfähigkeit der erfolgten Grundgesetzänderung 53
II. Recht, Politik und Moral: Verrechtlichung der Politik, Politisierung des Rechts 54
III. Die Entscheidung für das Staatsziel Umweltschutz 55
C. Anstöße aus dem Völkerrecht 59
I. Das Jugoslawien-Tribunal 59
II. Der Lockerbie-Fall 64
D. Fazit 67
International Environmental Law - A Law to Serve the Public Interest? - An Analysis of the Scope of the Binding Effect of Basic Principles (Public Interest Norms) 71
A. Introduction 71
B. Environment and International Law 73
C. The Stock of Existing International Environment Law 76
I. Treaties 76
II. Customary International Law 79
III. General Principles of Law as Basic Principles of Common Interest 85
D. Third Generation Rights and the Right to an Environment Worth Living in 87
E. The Rio Process 90
F. Public Interest Norms of the World Community 96
G. Conclusion 104
Universeller Menschenrechtsschutz - Vom Anspruch zur Durchsetzung 105
A. Der Kontext internationaler Menschenrechtsverpflichtungen 105
B. Standardsetting 106
C. Verpflichtungsarten und -intensität 114
I. Vertragliche Verpflichtungssysteme („treaty-based systems\") 114
1. Individualbeschwerdeverfahren 116
2. Staatenberichte 119
II. Außervertragliche Schutzverpflichtungen („Charter-based systems\") 122
D. Verpflichtungsdurchsetzung 126
I. Folgemaßnahmen („follow up measures\") 127
II. Vor-Ort-Besuche 127
III. Beteiligung von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) 128
IV. Verletzung der Berichtspflichten 129
V. Monitoring, Assessments und Benchmarking 131
E. Ausblick 134
Universality of Human Rights and Cultural Pluralism 139
A. Introduction 139
B. Normative Universality 141
C. Relativistic Theories 143
I. Extreme Relativism 143
1. Traditional Conception 143
2. Huntington's Theory of the Clash of Cultures 143
II. Modified Relativism 144
D. Universality of the UN-human Rights System 144
I. The UN-system of Human Rights as a \"Western\" System 145
1. Historical Non-Consideration of Non-Western States 145
2. Western Origin of Human Rights 147
II. Compatibility of Human Rights with Non-Western Cultures 150
1. Human Dignity as the Basis of all Human Rights 150
2. The State and Human Rights 151
3. Main Arguments Against the Universality of UN-Human Rights 151
a) Secularity of Human Rights, Cultural Divergence and Islamic States 151
b) Human Rights and the Reproach of Individualism 154
c) The \"Trade-off' Argument 156
d) Are Universal Human Rights Reserved to Civil and Political Rights? 157
E. Guaranteeing Pluralism 158
F. Concluding Remarks 162
II. Nationale Gewährleistungen universeller Menschenrechtsgedanken 163
Die Habeas Corpus-Akte - 300 Jahre Tradition und Praxis einer britischen Freiheitsgarantie 165
A. Geschichtlicher Überblick 165
I. Gesetzliche Absicherungen 167
II. Richterliches Präjudizienrecht 169
III. Verfassungsrechtliche Bedeutung 172
Β. Moderne Bedeutung des Verfahrens 174
C. Habeas Corpus auf dem „europäischen Prüfstand 175
I. Würdigung der britischen Rechtslage 177
II. Würdigung des Falles anhand Art. 5 Abs. 4 EMRK 180
D. Fazit 184
Die Eigentumsgarantie als Problem des Verfassungsrechts und der Allgemeinen Staatslehre am Beispiel Großbritanniens 187
A. Einleitung 187
B. Die Garantie des Eigentums in der britischen Rechtsordnung 188
I. Der verfassungsrechtliche Eigentumsschutz 189
II. Der privatrechtliche Eigentumsschutz 192
C. Rekonstruktion der Eigentumskonzeption bei John Locke 194
I. Lockes Eigentumskonzeption 196
II. Lockes Trust-Konzeption 203
D. Die Bedeutung der britischen Eigentumskonzeption für das Begründungsproblem 207
The Bill of Rights Fallacy? 209
A. Introduction 209
B. The Existing Constitutional Settings 211
C. Advantages and Disadvantages of a Bill of Rights 212
I. The Advantages of a Bill of Rights 213
II. Disadvantages of a Bill of Rights 216
D. Democracy and Distrust 223
E. Concluding Remarks 230
Gentechnologie und Embryonenschutz als Verfassungsund Regelungsproblem 233
A. Der faktische Befund 233
B. Die verfassungsrechtlichen Problemebenen 238
I. Zur Forschungsfreiheit 239
II. Zur Würde des Menschen 243
III. Zur Anwendung des Verfassungsmaßstabes 250
C. Regelungsalternativen und Regelungsbedarf 255
D. Fazit 257
Die Grundrechtssaat ist aufgegangen - Zeit nachzusäen? 259
A. Einleitung 259
B. Grundrechte in der deutschen Verfassungsgeschichte 260
I. Die Paulskirchenverfassung 260
II. Die Weimarer Reichsverfassung 261
III. Das Grundgesetz 263
C. Zur Entwicklung des Grundrechtsschutzes 264
I. Allgemeines 264
II. Grundrechte im technologischen Fortschritt 264
III. Soziale Grundrechte 267
IV. Eine Gruppendimension der Grundrechte? 273
D. Fazit 279
III. Internationale Garantien universeller Menschenrechte 281
Die Meinungsfreiheit als Menschenrecht und ihre Verbürgung durch die Europäische Menschenrechtskonvention - Ansätze zu einer internationalen Menschenrechtsordnung 283
A. Vorbemerkungen zur völkerrechtlichen Schutzebene 283
B. Schutz der Meinungsfreiheit im europäischen Kontext 286
1. Der Schutzbereich des Art. 10 EMRK 291
2. Schranken des Artikel 10 EMRK 293
C. Die Wirkungen der Meinungsfreiheit gemäß Art. 10 EMRK 299
I. Der begrenzte Aktionsradius des EGMR 299
II. Der Stellenwert der EMRK im Grundrechtsraum 301
III. Der Stellenwert der EMRK im Common Law-System 302
D. Folgerungen aus der unterschiedlichen Wirkungsweise der EMRK im innerstaatlichen Recht 303
Assertion and Protection of Human Rights in International Treaties and Their Impact in the Basic Law 307
A. Introduction 307
B. The Notion of Human Rights in National and International Law 309
C. Convergence and Complementarity at the National and International Level 312
I. The Impact of the \"Universal Bill of Rights 312
II. The Impact of the European Convention on Human Rights (ECHR) 314
III. The Impact of the European Social Charter 324
D. Summary 326
Menschenrechte der dritten Dimension 329
A. Einleitung 329
B. Vom Wesen der Menschenrechte 330
C. Zur Dimensionalität der Menschenrechte 333
I. Die vier Wurzeln der Menschenrechte der ersten Dimension 334
II. Die Zweitdimensionsrechte 336
III. Die Rechte der dritten Dimension 337
1. Probleme der Menschenrechtsdurchsetzung 337
2. Strategien der Entwicklung und Menschenrechte 338
3. Zum Inhalt des Rechts auf Entwicklung als Drittdimensionsrecht 341
4. Das gemeinsame Menschheitserbe 344
5. Das Recht auf Frieden 347
D. Der Streit um die Rechtsqualität der Drittdimensionsrechte 350
E. Fazit 358
F. Thesen 359
Menschenrechte als Gruppenrechte auf der Grundlage kollektiver Unrechtserfahrungen 363
A. Minderheiten- und Gruppenschutz im Völkerrecht 363
I. Begriffsklärungen 363
II. Gruppenschutz in der Völkerbundära 364
III. Gruppenschutz in der frühen Nachkriegszeit (1945-1950) 366
IV. Gruppenschutz und Selbstbestimmungsrecht der Völker 368
V. Gruppenrechte als Menschenrechte bzw. menschenrechtliche Forderungen 370
B. Ursprung der Gruppenrechte 373
I. Unrechtserfahrung als Grundlage von Individualund Gruppenrechten 374
1. Gemeinsame Unrechtserfahrungen aller Minderheiten und Gruppen 374
2. Unrechtserfahrungen indigener Völker 376
II. Der Übergang von hingenommenen Leiden hin zu gruppenrechtlichen Forderungen 377
III. Anspruch, Anerkennung, Gewährleistung 378
C. Lösungen zur Bewältigung von Unrechtserfahrungen betroffener Gruppen 380
I. Politische und rechtliche Handlungsmöglichkeiten 380
II. Normenbestand und Spruchpraxis 382
III. Normierungsvorschläge de lege ferenda 385
D. Ausblick 386
Verhandlungslösungen im Rahmen des Sozialpakts der Vereinten Nationen 389
A. Der institutionelle Rahmen 389
B. Die sukzessive Erweiterung des institutionellen Rahmens durch den Ausschuß 391
I. Die Verabschiedung von allgemeinen Stellungnahmen 392
II. Die Technik des Benchmarking 393
III. Ergänzung durch scoping 394
C. Der konstruktive Dialog als Verhandlungslösung 395
I. Funktionsweise des konstruktiven Dialogs 395
II. Einordnung des konstruktiven Dialogs als Verhandlungsinstrument 396
D. Effektivität der Verhandlungslösung 398
E. Der universelle Menschenrechtsschutz als Verhandlungssystem 401