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Investitionen und ihre Risiken

Zur Lage nicht geschäftsführender Anleger in Unternehmen des Späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Italien und Deutschland

Butzert, Clemens

Schriften zur Rechtsgeschichte, Vol. 177

(2016)

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About The Author

Clemens Butzert studierte ab 2005 mit dem Schwerpunkt »Grundlagen des Rechts« Rechtswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und bestand 2009 die erste juristische Staatsprüfung. Im Anschluss absolvierte er am Landgericht Darmstadt das Rechtsreferendariat inklusive eines Aufenthalts an der Verwaltungshochschule Speyer. Die zweite Staatsprüfung bestand Butzert im Jahr 2012. Unterstützt durch die International Max Planck Research School for Comparative Legal History promovierte er ab 2013 bei Prof. Dr. Albrecht Cordes an der Goethe-Universität Frankfurt am Main zu Anlagerisiken nicht geschäftsführender Investoren in Unternehmen des Späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Italien und Deutschland. Seit 2015 ist Butzert als Rechtsanwalt tätig.

Abstract

Untersucht wurde die Risikogestaltung für nicht geschäftsführende Investoren in Unternehmen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, die auf Personenzusammenschlüssen basierten. Das betrifft insbesondere Darlehensgeber und nicht geschäftsführende Teilhaber in Unternehmensformen der sogenannten $acommenda$z und in Familiengesellschaften sowie deren Haftungsverhältnisse. Besonders beachtet wurden die relevanten Handelsräume Italiens und Süddeutschlands inklusive deren Verknüpfungen.

Das Anlagerisiko war stets mit der Höhe der Gewinnaussicht und dem Grad der Unternehmenseinbindung verbunden, wobei das Risiko in Darlehensverhältnissen am geringsten ausfiel. Im Rahmen von Formen einer $acommenda$z waren Anleger bereits etwas in das Unternehmen des Kapitalempfängers eingebunden, verloren jedoch höchstens ihre Investition. Nicht geschäftsführenden Gesellschaftern drohten dagegen wegen ihrer Mithaftung für Gesellschaftsverluste weitere Verluste, wozu man aber bald Haftungsbeschränkungen entwickelte.
»Investment and its Risks«

By this research project there have been analysed various formations of risks for non-operating investors in companies of the Late Middle Ages and the Early Modern Period in Italy and Germany. That especially concerns loaners and non-operating associates in companies of the Mediterranean $acommenda$z and in family-run companies and their liability.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
A. Einführung 15
I. Fragestellung 15
II. Quellenlage 20
III. Bisherige Forschung 22
B. Verlustrisiken in „Darlehensverhältnissen“ 25
I. Das auf das römische mutuum zurückgehende Darlehen 25
II. Der Rentenkauf 35
III. Das Seedarlehen 39
IV. Das depositum 45
V. Zwischenbetrachtung 52
C. Verlustrisiken in commenda-Verhältnissen 53
I. Grundsätzliches zur commenda 53
II. Einzelne Ausgestaltungen der commenda 55
1. Historische Einordnung von commenda-Unternehmen 57
2. Die Handlungsvereinigung aus dem Constitutum Usus (Pisa) 59
3. Die venezianische collegantia 63
4. Die Handlungsvereinigung der colonna (Tabula di Amalfi) 66
5. Die entega (Ragusa) 69
6. Die Handlungsvereinigung aus den Statuten von Piacenza 70
7. Die Handlungsvereinigung des Consolat de Mar 73
8. Ähnliche Unternehmensformen im deutschen Raum 78
9. Zwischenbetrachtung 80
a) Das Anlagerisiko 80
b) Besonderheiten in mehrseitigen commendae 83
c) Commenda-Unternehmen auf dem Land 84
d) Die Kapitalanleger 84
e) Der gesellschaftsrechtliche Status von commenda-Formen 85
f) Auseinandersetzung mit der älteren Forschung 86
D. Verlustrisiken in der compagnia Italiens 89
I. Die Vereinigung der compagnia 89
1. Gesellschaftsrechtliche Ausgestaltung und Entstehung 90
2. Gründe für die Entwicklung der compagnia auf dem Land 95
3. Rechtsperson und Haftungsverhältnisse 96
4. Vergleich der compagnia mit der commenda 101
II. Investitionen nicht Geschäftsführender als Darlehens- und Depositengeber 103
III. Investitionen nicht Geschäftsführender als Gesellschafter 103
1. Beispielfälle 104
2. Ursprüngliches Fehlen einer Beschränkung des Anlagerisikos 108
3. Die acomandigia (Florenz) 113
a) Gesetz über die accomandita 113
b) Gesetzessystematischer Ursprung der accomandita 118
c) Gründe und Absichten in der Einführung der accomandita 122
d) Hintergründige Situation in Florenz 127
e) Vergleich mit der Situation in Siena von 1298 130
f) Praktische Anwendung der accomandita 134
aa) Frühzeit der Anwendung 135
bb) Eintragungen im florentinischen Register 137
cc) Zwischenbetrachtung 145
4. Haftungsbeschränkungen in weiteren italienischen Städten 146
a) Lucca 146
b) Genua 148
c) Bologna 151
d) Rom 154
e) Siena 154
f) Fehlen von Haftungsbeschränkungen andernorts 155
5. Zwischenbetrachtung 156
E. Verlustrisiken in deutschen Handelsgesellschaften 159
I. Gesellschaften in Deutschland 159
1. Gesellschaftsrechtliche Ausgestaltung und Haftungsverhältnisse 159
2. Gesellschaften in Norddeutschland und Süddeutschland im Vergleich 163
II. Investitionen nicht geschäftsführender Gesellschafter 169
III. Anfänge von Haftungsbeschränkungen für nicht geschäftsführende Gesellschafter 170
1. Erste Risikobeschränkungen in Gesellschaften 171
2. Haftung in der Gesellschaft der Familie Meuting (Augsburg) 172
3. Haftung in der Halbysen-Gesellschaft (Basel) 176
4. Haftung in der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft 177
5. Haftung in der Gesellschaft der Popplau (Breslau) 179
6. Haftung in der Diesbach-Watt-Gesellschaft (St. Gallen) 180
7. Haftung in der Ruland-Gesellschaft (Ulm) 181
8. Zwischenbetrachtung 181
IV. Haftung gemäß dem kaiserlichen Privileg für Nürnberg von 1464 182
1. Die Regelungen und ihre Interpretation 183
a) Beteiligungsverhältnisse – Bedeutung des gedings 184
b) Haftungsumfang der nicht geschäftsführenden Gesellschafter 193
c) Außenhaftung der nicht geschäftsführenden Gesellschafter 197
d) Zwischenbetrachtung – Vergleich mit der florentinischen accomandita 202
2. Beweggründe und Interessen bezüglich der Haftungsbeschränkung 203
a) Einleitend zur wirtschaftlichen Situation in Nürnberg 203
b) Allgemeine Motive der Stadt Nürnberg zu einer Haftungsbeschränkung 206
c) Beeinflussung des Erlasses des Privilegs durch den Streit Arzt-Paumgartner 211
aa) Verlauf der Streitigkeit 211
bb) Bezug des Privilegs zur Streitigkeit 219
cc) Bestrebungen und Interessen der Beteiligten 223
(1) Bestrebungen und Interessen der Familie Paumgartner 224
(2) Bestrebungen und Interessen der Stadt Nürnberg 227
d) Zwischenbetrachtung – Vergleich mit der florentinischen accomandita 230
3. Herkunft der Regelung zur Haftungsbeschränkung 231
a) Mögliche unabhängige Entwicklung in Nürnberg 232
aa) Inhalt der Entwürfe und des späteren Privilegs 232
bb) Die Haftungsbeschränkung als situationsgemäßes Erfordernis und individuelle Idee 233
b) Möglicher Transfer des Gesellschaftsmodells aus Italien – Florenz 235
aa) Andere Rechtsübernahmen aus Italien 236
bb) Andere Rechtsübernahmen aus Florenz 238
cc) Mögliche Übernahme der beschränkten Haftung aus Florenz 239
(1) Wortlaut des Privilegs im Vergleich mit dem Gesetz aus Florenz von 1408 240
(2) Handelsverbindungen zwischen Süddeutschland und Norditalien – Florenz und Nürnberg 242
(a) Warenhandel 243
(b) Finanzgewerbe 248
(3) Verbindungen über die Ausbildung in Italien 251
(a) Ausbildung in Unternehmen 251
(b) Ausbildung in Universitäten 254
(4) Deutsche Handwerker in Norditalien 257
(5) Zwischenbetrachtung 259
(6) Beziehungen einzelner Nürnberger Ratsmitglieder zu Norditalienern – Florentinern 261
(a) Familien Rummel und Kress 262
(b) Familie Paumgartner 265
(c) Familie Imhof 267
(d) Familie Pirckheimer 268
(e) Familie Tetzel 269
(f) Familie Tucher 269
(g) Familie Mendel 270
(h) Andere Italienkaufleute aus dem Rat 271
(i) Nicht im Rat sitzende Kaufleute 272
(7) Zwischenbetrachtung 274
(8) Indirekter Transfer der Haftungsbeschränkung aus Florenz 276
(a) Beeinflussung Nürnbergs aus Augsburg, Breslau oder anderen Städten 277
(b) Herkunft der Haftungsbeschränkung 278
dd) Ergebnis zur Rechtsübernahme 280
V. Gesetzliche Ausformungen nach Erlass des Privilegs in Nürnberg 283
1. Reformation von 1479 283
2. Reformation von 1564 287
VI. Anwendung der normierten Haftungsbeschränkung in Nürnberg 290
1. „Zufällige“ Gesellschafter 291
2. Aktiv investierende Gesellschafter 295
a) Handelsgesellschaften 296
b) Produktionsgesellschaften 299
3. Zwischenbetrachtung 304
VII. Normierung und Anwendung einer Haftungsbeschränkung in anderen Städten 305
1. Frankfurt am Main 305
2. Lüneburg 313
VIII. Nicht geschäftsführende Gesellschafter in Städten ohne eine Haftungsbeschränkung 317
1. Fälle aus Süd- und Mitteldeutschland 317
a) „Zufällige“ Gesellschafter 317
b) Aktiv investierende Gesellschafter 321
aa) Augsburger Handelsgesellschaften 322
bb) Die Gesellschaft der Popplau (Breslau) 326
cc) Pruner-Rietwieser Gesellschaft (Leipzig / Antwerpen) 327
dd) Eine Handwerksgesellschaft aus Straßburg 328
ee) Die Große Ravensburger Handelsgesellschaft 328
ff) Einlage des Professors Christoph Kuppener (Leipzig / Meißen) 329
2. Fälle aus Norddeutschland 329
3. Gründe für die Ablehnung der Kodifikation einer Haftungsbeschränkung 332
IX. Ergebnis zu den deutschen Regelungen bis ins 16. Jahrhundert 337
F. Schlussbetrachtung 342
Quellen- und Literaturverzeichnis 347
I. Nicht editierte Handschriftenquellen 347
II. Drucke und Quelleneditionen 348
III. Literatur 355
Stichwortverzeichnis 379