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Die Einbeziehung der Rechtsgüter von EU-Mitgliedstaaten in den Schutzbereich deutscher Straftatbestände

Bogusch, Kerstin

Beiträge zum Internationalen und Europäischen Strafrecht / Studies in International and European Criminal Law and Procedure, Vol. 29

(2017)

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About The Author

Die Autorin studierte Rechtswissenschaft mit dem Wahlfach internationales Privatrecht in Köln. Nach dem Rechtsreferendariat im Oberlandesgerichtsbezirk Köln, u.a. mit Station bei der europäischen Vertretung der Bundesrechtsanwaltskammer in Brüssel, promovierte sie am Lehrstuhl für Internationales Strafrecht und Strafprozessrecht sowie Internationales und Europäisches Strafrecht der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und war währenddessen am Lehrstuhl für Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn tätig. Heute ist sie Rechtsanwältin in einer Kanzlei in Düsseldorf.

Abstract

Der EuGH hat dem in Art. 4 Abs. 3 EUV normierten Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit die Pflicht der EU-Mitgliedstaaten entnommen, ihr nationales Strafrecht in den Dienst der EU zu stellen, um die europäischen Rechtsgüter zu schützen und damit die strafrechtliche Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten gegenüber der EU formuliert. Die Autorin untersucht, inwieweit die EU-Mitgliedstaaten dementsprechend zum strafrechtlichen Schutz ihrer Rechtsgüter auf mitgliedstaatlicher Ebene im Sinne einer wechselseitigen strafrechtlichen Assimilierungspflicht verpflichtet sein können und die Rechtsgüter der anderen EU-Mitgliedstaaten insoweit in den Schutzbereich deutscher Straftatbestände einzubeziehen sind. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit die EU-Mitgliedstaaten zum wechselseitigen strafrechtlichen Schutz ihrer Allgemeinrechtsgüter verpflichtet, wobei zwischen den kollektiven und den staatlichen Allgemeinrechtsgütern zu unterscheiden ist.»The Inclusion of the EU Member States' Legal Goods by the German Penal Legislation«

The author analysis whether the principle of loyal collaboration prescribed in Art. 4 Para. 3 of the EUV binds the EU member states – in accordance with their obligation of criminal assimilation towards the EU – to protect their legal goods at member states' level by their criminal law. In addition, it is considered whether the legal goods of the other EU member states insofar have to be included in the German penal legislation.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 14
1. Kapitel: Einführung 19
2. Kapitel: Gang der Untersuchung 23
3. Kapitel: Zum Untersuchungsobjekt 25
A. Das Rechtsgut und seine Bedeutung für das deutsche Strafrecht 25
I. Rechtsgüterschutz als Aufgabe des Strafrechts 25
II. Der Begriff des Rechtsguts 27
III. Funktionen des Rechtsgutsbegriffs 28
B. Arten von Rechtsgütern 30
I. Individualrechtsgüter 30
II. Allgemeinrechtsgüter 31
1. Staatliche Allgemeinrechtsgüter 32
2. Kollektive Allgemeinrechtsgüter 37
III. Abgrenzungsprobleme 40
1. Mischformen zwischen Individualrechtsgütern und kollektiven Allgemeinrechtsgütern 40
2. Staatliche Allgemeinrechtsgüter mit kollektivem Bezug 43
IV. Folgerungen und Zwischenfazit 44
C. Die Bestimmung der Auslandseigenschaft eines Rechtsguts 47
4. Kapitel: Der Schutz ausländischer Rechtsgüter durch das deutsche Strafrecht – Grundsätze 49
A. Die Bedeutung des transnationalen Strafrechts (§§ 3 ff. StGB) 49
B. Ausgangspunkt: Der originäre innerstaatliche Bezug des deutschen Strafrechts 51
C. Traditionelle Grundsätze zur Schutzbereichsbestimmung deutscher Strafvorschriften 53
I. Grundsätzlicher Schutz ausländischer Individualrechtsgüter 53
II. Kein Schutz ausländischer staatlicher Allgemeinrechtsgüter 58
III. Schutz ausländischer kollektiver Allgemeinrechtsgüter? 61
1. Problemaufriss 61
2. Lösungsansätze 61
IV. Zwischenfazit 65
D. Der Grundsatz der individuellen Auslegung 66
5. Kapitel: Die ausdrückliche Einbeziehung ausländischer Rechtsgüter in den Schutzbereich deutscher Straftatbestände 68
A. Ausdrückliche Schutzbereichserweiterungen deutscher Straftatbestände auf ausländische Allgemeinrechtsgüter 68
I. Ausdrückliche Schutzbereichserweiterungen auf ausländische staatliche Allgemeinrechtsgüter 68
1. §§ 89a, 89b, 91 StGB 68
2. §§ 102 bis 104a StGB 70
3. § 108e StGB 72
4. § 132a StGB 74
5. § 152 StGB 75
6. § 162 Abs. 1 StGB 76
7. § 335a Abs. 1 Nr. 1, 2 lit. b, Abs. 2 StGB (ex § 2 IStGHGleichstG) 77
8. NTSG, § 335a Abs. 1 Nr. 2 lit. b, c, Abs. 3 StGB 79
9. § 335a Abs. 1 Nr. 1, 2 lit. a, b, c (ex Art. 2 § 1 IntBestG) 82
10. Art. 42 SDÜ, Art. 15 EU-RhÜbk 85
II. Ausdrückliche Schutzbereichserweiterungen auf ausländische kollektive Allgemeinrechtsgüter 87
1. § 129b StGB 87
2. § 261 Abs. 8 StGB 89
3. § 299 StGB 92
4. § 330d Abs. 1 Nr. 1 StGB 94
5. Art. 2 § 2 IntBestG 95
6. § 96 Abs. 4 AufenthG 97
B. Zwischenfazit und Folgerungen 98
C. Ausdrückliche Schutzbereichserweiterungen deutscher Straftatbestände auf Allgemeinrechtsgüter der EU-Mitgliedstaaten 102
I. Ausdrückliche Schutzbereichserweiterungen auf staatliche Allgemeinrechtsgüter der EU-Mitgliedstaaten 106
1. § 335a Abs. 1 Nr. 1, 2 lit. a StGB (ex Art. 2 § 1 Abs. 1 Nr. 1 lit. a, Nr. 2 lit. a EUBestG) 106
2. § 370 Abs. 6 S. 2 AO 109
3. § 52 Abs. 3 Nr. 4 WaffG 111
4. § 18 Abs. 5 AWG 113
II. Ausdrückliche Schutzbereichserweiterungen auf kollektive Allgemeinrechtsgüter der EU-Mitgliedstaaten 114
1. § 330d Abs. 2 StGB 114
2. § 38 WpHG 116
D. Zwischenfazit 120
6. Kapitel: Der Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit i. S. d. Art. 4 Abs. 3 EUV als unionsrechtliche Grundlage einer wechselseitigen strafrechtlichen Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten 122
A. Einführung in den Regelungsgehalt des Art. 4 EUV 122
I. Art. 4 Abs. 1 EUV – „Mitgliedstaatenzentrierte Kompetenzordnung“ 123
II. Art. 4 Abs. 2 EUV – „Wahrung der Staatlichkeit der Mitgliedstaaten“ 124
B. Art. 4 Abs. 3 EUV – Der Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit 127
I. Genese des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit 127
1. Entwicklung zu einem allgemeinen Rechtsgrundsatz 127
2. Der Terminus „Unionstreue“ und seine Bedeutung für den Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit 129
a) Ursprung des Begriffs der Unionstreue 129
b) Die Bundestreue und ihre Bedeutung im deutschen Verfassungsrecht 130
c) Inhaltliche Auswirkungen der parallelen Begriffswahl? 131
II. Funktion des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit 135
III. Regelungsgehalt des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit 137
1. Anwendungsbereich 137
2. Adressaten 140
3. „Verpflichtungen“ i. S. d. Art. 4 Abs. 3 EUV 141
4. Rechtswirkungen 142
IV. Zwischenfazit 143
C. Der Grundsatz der loyalen Zusammenarbeit i. S. d. Art. 4 Abs. 3 EUV als Grundlage einer wechselseitigen strafrechtlichen Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten? 144
I. Fehlende Konkretisierung des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit zu einer wechselseitigen strafrechtlichen Schutzpflicht der EU-Mitgliedstaaten 144
II. Existenzberechtigung einer wechselseitigen strafrechtlichen Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten als Ausprägung des Grundsatzes der loyalen Zusammenarbeit 145
1. Vorüberlegung 145
2. Die strafrechtliche Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten gegenüber der Europäischen Union 147
a) Rechtsentwicklung 147
b) Erforderlichkeit – Supranationale Strafrechtssetzungskompetenz der EU? 150
c) Schutzobjekte: Supranationale europäische Rechtsgüter 151
d) Europäisierung des Rechtsgutskonzepts? 153
e) Unionsrechtliches Rahmensystem 155
aa) Obergrenze: Allgemeine Rechtsgrundsätze des Unionsrechts 156
bb) Untergrenze: Gleichstellungsgebot und Mindesttrias 157
(1) Gleichstellungsgebot 157
(2) Mindesttrias 158
f) Vertragskonformität 159
aa) Die immanente Grenze des Art. 4 Abs. 3 EUV i. V. m. Art. 5 Abs. 1 S. 1, Abs. 2 EUV, Art. 4 Abs. 1 EUV – Mitgliedstaatliche Strafrechtssetzungskompetenz 160
bb) Die immanente Grenze des Art. 4 Abs. 3 EUV i. V. m. Art. 4 Abs. 2 S. 1 EUV – Strafrechtsspezifisches Schonungsgebot 162
g) Ausprägungen 164
aa) Schaffung von Straftatbeständen 164
bb) Unionsrechtskonforme Auslegung 166
D. Erforderlichkeit einer wechselseitigen strafrechtlichen Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten zur Erfüllung ihrer strafrechtlichen Assimilierungspflicht gegenüber der EU? 169
I. Wechselseitige strafrechtliche Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten bezüglich kollektiver Allgemeinrechtsgüter 171
1. Verpflichtung der EU-Mitgliedstaaten zum wechselseitigen strafrechtlichen Schutz ihrer Umwelt 171
a) Überformung der mitgliedstaatlichen Rechtsgüter durch ein supranationales europäisches Rechtsgut 171
b) Erforderlichkeit des wechselseitigen strafrechtlichen Schutzes der Umwelt durch die EU-Mitgliedstaaten 173
c) Das Auswirkungsprinzip im europäischen Wettbewerbsrecht als Argument für einen wechselseitigen strafrechtlichen Rechtsgüterschutz durch die EU-Mitgliedstaaten 174
2. Verpflichtung der EU-Mitgliedstaaten zum wechselseitigen strafrechtlichen Schutz ihrer Kapitalmärkte 177
a) Überformung der mitgliedstaatlichen Rechtsgüter durch ein supranationales europäisches Rechtsgut 177
b) Erforderlichkeit des wechselseitigen strafrechtlichen Schutzes der Kapitalmärkte durch die EU-Mitgliedstaaten 178
II. Zwischenfazit 180
III. Schutzbereichserweiterung deutscher Straftatbestände auf kollektive Allgemeinrechtsgüter anderer EU-Mitgliedstaaten durch Auslegung 180
1. §§ 71, 71a BNatSchG 181
2. § 264a StGB 182
3. § 265 StGB 183
4. § 265b StGB 185
5. § 298 StGB 187
6. §§ 315b ff. StGB, § 21 StVG 189
7. §§ 58, 59 LFGB 191
IV. Wechselseitige strafrechtliche Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten bezüglich staatlicher Allgemeinrechtsgüter? 195
1. Verpflichtung der EU-Mitgliedstaaten zum wechselseitigen strafrechtlichen Schutz ihres Vermögens 197
a) Überformung der mitgliedstaatlichen Rechtsgüter durch ein supranationales europäisches Rechtsgut 197
b) Erforderlichkeit des wechselseitigen strafrechtlichen Schutzes des Vermögens durch die EU-Mitgliedstaaten 199
2. Verpflichtung der EU-Mitgliedstaaten zum wechselseitigen strafrechtlichen Schutz ihrer öffentlichen Verwaltungen 201
a) Überformung der mitgliedstaatlichen Rechtsgüter durch ein supranationales europäisches Rechtsgut 201
aa) Der Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts als Schutzobjekt der strafrechtlichen Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten 204
bb) Die Bedeutung des Prinzips gegenseitigen Vertrauens im Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts 208
b) Erforderlichkeit des wechselseitigen strafrechtlichen Schutzes der öffentlichen Verwaltungen durch die EU-Mitgliedstaaten 210
3. Verpflichtung der EU-Mitgliedstaaten zum wechselseitigen strafrechtlichen Schutz ihres sicherheitsrechtlichen Interesses im Hinblick auf das staatliche Gewaltmonopol im Waffenrecht 212
a) Überformung der mitgliedstaatlichen Rechtsgüter durch ein supranationales europäisches Rechtsgut 212
b) Erforderlichkeit des wechselseitigen strafrechtlichen Schutzes des sicherheitsrechtlichen Interesses im Hinblick auf das staatliche Gewaltmonopol im Waffenrecht durch die EU-Mitgliedstaaten 213
4. Verpflichtung der EU-Mitgliedstaaten zum wechselseitigen strafrechtlichen Schutz ihres sicherheitsrechtlichen Exportkontrollinteresses 215
a) Überformung der mitgliedstaatlichen Rechtsgüter durch ein supranationales europäisches Rechtsgut 215
b) Erforderlichkeit des wechselseitigen strafrechtlichen Schutzes des sicherheitsrechtlichen Exportkontrollinteresses durch die EU-Mitgliedstaaten 217
V. Zwischenfazit 219
VI. Schutzbereichserweiterung deutscher Straftatbestände auf staatliche Allgemeinrechtsgüter anderer EU-Mitgliedstaaten durch Auslegung 220
1. §§ 120 Abs. 1 StGB, 121 Abs. 1 Nr. 2 und 3 StGB 221
2. § 123 Abs. 1 4. Fall StGB 225
3. § 132 StGB 227
4. § 133 StGB 229
5. § 136 StGB 231
6. § 145d StGB 236
7. §§ 153 ff. StGB 238
8. § 164 StGB 240
9. § 258 StGB 242
10. § 261 Abs. 1 und 2 StGB 243
E. Fazit 245
7. Kapitel: Strafanwendungs- und strafverfahrensrechtliche Folgen der wechselseitigen strafrechtlichen Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten 248
A. Die Beschränkung des nationalen Strafanwendungsrechts der EU-Mitgliedstaaten zur Vermeidung positiver Jurisdiktionskonflikte? 248
B. Die Ausdehnung des nationalen Strafanwendungsrechts als Konsequenz der wechselseitigen strafrechtlichen Assimilierungspflicht der EU-Mitgliedstaaten 249
C. Der Grundsatz „ne bis in idem“ als Lösungskonzept für positive Kompetenzkonflikte zwischen den EU-Mitgliedstaaten 251
8. Kapitel: Zusammenfassung und Schlussbetrachtung 259
Literaturverzeichnis 264
Sachverzeichnis 284