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Recht ist kein Text

Studien zur Sprachlosigkeit im verfassten Rechtsstaat. Mit einem Vorwort von Friedrich Müller

Editors: Vogel, Friedemann

Sprache und Medialität des Rechts / Language and Media of Law, Vol. 1

(2017)

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About The Author

Friedemann Vogel is Professor for media linguistics at the department of Medienkulturwissenschaft at the University of Freiburg since 2012 and Coordinator of the »Heidelberger Gruppe der Rechtslinguistik« (Heidelberg group for legal linguistics). He studied German Philology, Psychology and Philosophy and graduated to Dr. Phil. at the new-philology faculty at the University of Heidelberg in 2011. Since 2016 he is Visiting Professor at University of Siegen. Friedemann Vogel ist Juniorprofessor für Medienlinguistik an der Universität Freiburg i.Br. und Koordinator der Heidelberger Gruppe der Rechtslinguistik. Er studierte Germanistik, Psychologie und Philosophie und wurde 2011 an der Universität Heidelberg promoviert. Die Dissertation wurde mit dem Preis »Sprache und Recht« der Universität Regensburg ausgezeichnet. An der Universität Freiburg leitet er das Forschungsprojekt JuReko zum Aufbau eines Referenzkorpus des deutschsprachigen Rechts. Friedemann Vogel hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den Lehrpreis »Innovatives Studium« der Universität Freiburg (2017).

Cited By

  1. Angebote zur Rezension

    Zeitschrift für Angewandte Linguistik, Vol. 2018 (2018), Iss. 69 P.154

    https://doi.org/10.1515/zfal-2018-0014 [Citations: 0]
  2. Angebote zur Rezension

    Zeitschrift für Angewandte Linguistik, Vol. 2018 (2018), Iss. 68 P.181

    https://doi.org/10.1515/zfal-2018-0010 [Citations: 0]

Abstract

Der moderne Rechtsstaat ist in Sprache verfasst. Er befriedet soziale Konflikte, indem er rohe Gewalt in den durch Verfahren geleiteten semantischen Kampf um das bessere Argument zwingt. Die Heidelberger Gruppe der Rechtslinguistik widmet sich seit über 30 Jahren den damit verbundenen Herausforderungen für Theorie und Methodik – sei es mit Blick auf Vertextungsprozesse in der Gesetzgebung, auf die Konkretisierung von Normtexten im Gericht oder die interaktive Sinnherstellung zwischen den Verfahrensbeteiligten. Während diese sprachpragmatische Perspektive Anfang der 80er Jahre noch weitestgehend als Neuland galt, ist sie heute vielfach Konsens: Recht ist Text. Der vorliegende Band lenkt mit der Antithese – Recht ist kein Text! – den Fokus auf jene Aspekte, die empirisch ebenso die Praxis des Rechts prägen, die das Sprachliche des Rechts begleiten oder auch überformen: Zwang, Deal, Abspaltung, Sprachlosigkeit, Medialität. Die Beiträge blicken zurück und zeigen Desiderata auf. »Law is not text«

With the overriding understanding »law is text«, the field of legal linguistics for the past decades has produced an abundance of empirical researches on the linguistic constitutiveness of modern constitutional states. Against this background, this volume turns to the opposite side and focuses on aspects reversing the transparency of language and law: force, deal, speechlessness, media. The contributions discuss the fabric of language, law and power and show ways for further research.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
In the beginning 5
Inhaltsverzeichnis 9
Friedemann Vogel: Zur Einleitung: (Un)‌Recht jenseits von Text und Sprache? – Vom Text zum Subtext 11
Abstract 11
I. Seit über dreißig Jahren: Recht ist Text 11
II. Sprachloses Unrecht? oder: Die Frage nach dem „Subtext“ 13
III. Aufbau des Bandes und Gegenstand seiner Beiträge 17
Literatur 21
Dietrich Busse: Ungeschriebenes (im) Recht – über die Rolle des ‚zwischen-den-Zeilen-Lesens‘ 25
Abstract 25
I. 25
II. 26
III. 27
IV. 30
V. 33
VI. 35
VII. 37
VIII. Literatur 40
Thomas Coendet: Dialektik der Textarbeit. Eine Kritik der Strukturierenden Rechtslehre 43
Abstract 43
I. Eine Relektüre der Strukturierenden Rechtslehre am Leitfaden der Textarbeit 43
II. Kritiken der Strukturienden Rechtslehre 45
1. Strukturierende Rechtslehre als Regelskeptizismus? 45
2. Strukturierende Rechtslehre als traditionelle Theorie? 46
III. Textarbeit – eine Relektüre 47
1. Kapitel: Rechtstext – Vertextung 48
2. Kapitel: Textarbeit – Gewalt – Normativität 49
3. Kapitel: Textstruktur – Souveränität – Reflexivität 55
IV. Das Andere der Textarbeit 60
V. Literatur 64
Thomas-Michael Seibert: Recht ist Zwang. Ein Modell der Rechtsphilosophie 67
Abstract 67
I. Recht als Text 67
1. Die Theorie der Normbefehle 68
2. Der innere äußere Zwang 70
3. Der Justizapparat 71
II. Körperlicher Zwang 74
III. Kontexte im Text von Textanalysen 78
IV. Literatur 80
Peter Schiffauer: Universalität und Partikularität in der textuellen Programmierung transnationaler Integration. Überwiegt in der Europäischen Union die Politik das Recht? 83
Abstract 83
I. Verstummen rechtliche Diskurse vor der Masse der Rechtsvorschriften? 83
II. Perfektionierung der Gesetzgebungstechnik 87
III. Steuerung der Europäischen Währungsunion 92
IV. Relokalisierung von Flüchtlingen 95
V. Gegenseitige Anerkennung als Rechtsproblem 97
VI. EU-Grundfreiheiten und Widersprüche zwischen Wertesystemen 103
VII. Schlussbemerkungen 104
VIII. Literatur 106
Ina Pick: Wie Verständigung wortreich scheitert. Ein Plädoyer für die Entwicklung eines methodisch kontrollierten Umgangs mit gesprochener Sprache im Recht 109
Abstract 109
I. Sachverhaltstransformation: Der erlebte Sachverhalt des Mandanten und seine Aufbereitung für die Bearbeitung in der juristischen Institution 109
II. Die Sachverhaltsbegutachtung im anwaltlichen Mandantengespräch 111
III. Analysen: Die Sachverhalte und deren Falltransformationen anhand zweier Beispiele 113
1. Fall I: Offene Nicht-Übernahme der anwaltlichen Einschätzung 114
2. Fall II: Verdeckte Nicht-Übernahme der anwaltlichen Einschätzung 121
IV. Diskussion und Fazit 128
V. Literatur 131
Hanjo Hamann: Text, Kontext und Textualismus in der juristischen Auslegung. Frank Easterbrook neu gelesen und übersetzt 135
Abstract 135
I. Einleitung 135
1. Anliegen des Beitrags 135
2. Der Autor 136
3. Der Text 139
4. Editorische Vorbemerkungen 139
II. „Text, Geschichte und Systematik in der Gesetzesauslegung“ (Easterbrook 1994) 140
III. Literatur 149
Ralph Christensen: Textualismus oder Wo bleibt der Wille des Gesetzgebers? Ein transatlantischer Vergleich 151
Abstract 151
I. Findet man in den Materialien den Willen des Gesetzgebers? 152
1. Kann der Autor festlegen, was er meint? 152
2. Bildet das Gesetz ein von den Absichten unabhängiges System? 153
II. Können die Materialien für die Rechtsanwendung hilfreich sein? 155
1. Wie legitim ist die Verwendung von Materialien? 156
2. Sind die Materialien verwirrend? 157
III. Wie muss man die Materialien ordnen? 158
1. Wie muss man bei den Materialien vorgehen? 158
2. Gibt es Zwecke des Gesetzgebers? 161
IV. Gesetzesbindung statisch: Ist der Richter an den Sprachgebrauch des historischen Gesetzgebers gebunden? 162
1. Wird unser Sprechen durch Regeln gesteuert? 162
2. Können wir die Sprache des Gesetzes versteinern? 164
V. Gesetzesbindung dynamisch: Kann sich der Richter im Hypertext des Rechts orientieren? 165
1. Die Bindung an die Sprache des Gesetzes 165
2. Bindungen finden wir im Sprechen der Anderen 168
VI. Literatur 170
Berichte aktueller Forschungsprojekte deutschsprachiger Rechtslinguistik 175
Isabelle Gauer / Friedemann Vogel / Hanjo Hamann: Juristische Semantik messend verstehen. CAL²Lab – Eine computergestützte Forschungs- und Experimentierplattform als Beitrag zu einer datengestützten Rechtslinguistik 177
Abstract 177
I. Erkenntnisinteresse und Ziele 177
II. Datengrundlage 179
III. Methode 179
IV. Literatur 182
Jana Werner: Semantische Kämpfe um das Existenzminimum in Rechtswissenschaft und Rechtsprechung 185
Abstract 185
I. Problemaufriss und Gegenstand 185
1. Erkenntnisinteresse 187
2. Korpus und Methode 188
3. Hypothesen 189
4. Resümee 191
II. Literatur 191
Lennart Keding: Zur Vermittlung rechtssprachlichen Handelns. Ein didaktischer Konzeptualisierungsversuch einer Fachwissenschaft 193
Abstract 193
I. Die rechtslinguistische Forschung auf dem Prüfstand 193
1. Der Wunsch nach einer Didaktik der Rechtslinguistik wächst 194
2. Erste Gehversuche einer Didaktik der Rechtslinguistik 196
3. Fazit 199
II. Literatur 199
Fabian Maroska: Juristische Textarbeit im Deutschunterricht 203
Abstract 203
Literatur 207
Aza Gleichmann: Konstituierung von Wissen in rechtlicher Kommunikation. Eine linguistische Analyse am Beispiel der Rundfunkgebühren 209
Abstract 209
I. Einleitung 209
II. Ziele und Aufgabenstellungen 210
III. Theoretische und methodische Zugänge 210
IV. Modellierung der Wissenskonstituierung zu Rundfunkgebühren: ein erstes Ergebnis 213
V. Zusammenfassung 215
VI. Literatur 215
Florian Kuhn: Argument Mining für deutsche Gerichtsurteile. Dissertationsprojekt 217
I. Einführung und Forschungsinteresse 217
II. Verwandte Arbeiten und Projekte 218
III. Sprachliche Merkmale der Gerichtsentscheidungen am Beispiel des Zivilrechts 218
IV. Datengrundlage und Vorverarbeitung 219
V. Textuelle Realisierung der Argumentation und ihr Modell 219
VI. Arbeitsstand und geplantes Vorgehen 220
VII. Abschlussbemerkung 221
VIII. Literatur 221
Rezensionen rechtslinguistischer Neuerscheinungen 223
Pick, Ina, Das anwaltliche Mandantengespräch. Linguistische Ergebnisse zum sprachlichen Handeln von Anwalt und Mandant (Jan C. Schuhr) 225
Lindroos, Emilia, Im Namen des Gesetzes. Eine vergleichend rechtslinguistische Untersuchung zur Formelhaftigkeit in deutschen und finnischen Strafurteilen (Yinchun Bai) 231
Dießelmann, Anna-Lena, Ausnahmezustand im Sicherheits- und Krisendiskurs. Eine diskurstheoretische Studie mit Fallanalysen (Janine Luth) 237
Die Autoren des Bandes 243