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Das politische Denken von Christian Thomasius

Staat, Gesellschaft, Bürger

Kühnel, Martin

Beiträge zur Politischen Wissenschaft, Vol. 120

(2001)

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Abstract

Der Aufklärer Christian Thomasius (1655-1728) gilt bislang kaum als politischer Denker von ideengeschichtlicher Bedeutung, und die in der Literatur zwischen "absolutistisch" oder "liberal" schwankenden Urteile sind aufgrund ihrer Materiallage selten verallgemeinerungsfähig.

Dem Kernproblem eines fehlenden politiktheoretischen Hauptwerks stellt sich der Autor der vorliegenden Untersuchung mit einem systematischen Rekonstruktionsversuch seiner Staats- und Gesellschaftstheorie aus politikwissenschaftlicher Perspektive. Die abschließenden Charakterisierungen eines "rechtsstaatlichen Absolutismus" und eines "strukturkonservativen Sozialmodells mit emanzipatorischen, bürgerlich-individualistischen Potentialen" stehen für die paradigmatische Ambivalenz seines politischen Denkens im Umbruch zum 18. Jahrhundert. Zugleich deuten sie die von Thomasius' Gesamtwerk ausgehenden wesentlichen Impulse für die Entwicklung der modernen bürgerlichen Gesellschaft an, die nachdrücklich Beachtung verdienen.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Geleitwort 5
Inhaltsverzeichnis 9
Einleitung 13
I. Die zwei Ansätze des Thomasischen Naturrechts 26
1. Das Naturrecht der „Göttlichen Rechtsgelahrheit“ 28
a) Das gesellige Vernunftrecht 28
b) Naturrecht und positives göttliches Recht 36
2. Das Naturrecht der „Grundlehren“ 41
a) Vom Primat des Verstandes zum Primat des Willens: Die Bedeutung des anthropologischen Paradigmenwechsels für das Naturrecht 41
b) Das individualistische Naturrechtsprinzip 48
c) Die normative Ausdifferenzierung des Naturrechts 52
d) Die Unterscheidung von Recht und Moral 58
3. Zwischenfazit 65
II. Die theoretische Grundlegung des Staatswesens 68
1. Die kontraktualistische Begründung des säkularen Staates 69
a) Naturzustand und Unschuldszustand 70
b) Der Charakter des Naturzustandes zwischen socialitas und Kriegszustand 75
c) Staatszweck und Vertragsmodell 80
d) Majestät und Volkssouveränität 88
e) Die Säkularität staatlicher Herrschaft 92
f) Staatsform und Souveränität 95
2. Die rechtsstaatliche Begründung 101
3. Nachtrag: Die Kontinuität des rechtsstaatlichen Motivs 113
III. Handlungstheoretische Grundlagen der Politik 118
1. Zum Begriff der Politik 118
a) Die Affektenlehre als Instrument der Politik 121
b) Politik als Klugheit (prudentia) 124
2. Gesetzgebung aus der Perspektive der allgemeinen Klugheit 127
a) Zwecke 127
b) Mittel 131
3. Zum Thomasischen Verständnis von Politik 136
4. Die Grundformen politischer Ämter: Fürst und Lehrer 140
a) Das Verhältnis der Weisen zu den Narren 141
b) Das Verhältnis zwischen Fürst und Lehrer bzw. Rat 146
IV. Kirchenpolitik, Justizpolitik, Wirtschaftspolitik 153
1. Die Trennung von Kirche und Staat 153
a) Die säkulare Emanzipation der staatlichen Macht aus dem „Politischen Papstthum“ und die Wiederherstellung der Souveränität 158
b) Religiöse Toleranz 165
2. Justizwesen und Justizreform 173
3. Wirtschaftspolitik und Ökonomie 184
V. Umrisse einer Gesellschaftstheorie in der ständischen Gesellschaft: die Lehre des Decorum 191
1. Das Decorum als soziohistorisches Phänomen und als systematisches Problem der Philosophia practica 193
2. Das Decorum als Produkt der Ständegesellschaft 200
3. Das Decorum politicum 208
4. Das natürliche Decorum 213
a) Der systematische Ort des natürlichen Decorum im Naturrecht 213
b) Die inhaltliche Substanz des natürlichen Decorum: Normen für den transständischen Umgang 218
5. Zur gesellschaftspolitischen Bedeutung der Decorum-Konzepte 227
VI. Die Praxis des sozialen Umgangs: Gesellschaftsstruktur und Sozialverhalten 233
1. Umgangsformen für die ständische Gesellschaft 234
2. Die Beziehungen der Geschlechter und die gesellschaftliche Stellung der Frau 243
Exkurs: Frauen im Kontext der Hexenprozeß-Argumentation 256
3. Eltern, Kinder, Erziehung: Umrisse eines aufgeklärten pädagogischen Konzepts 260
Exkurs: Die Konkurrenz pädagogischer Konzepte - die Kontroverse zwischen Thomasius und Francke 271
VII. Das Individuum im Staat 279
1. Der einzelne als Untertan 279
a) Zum allgemeinen Verhältnis des Untertanen zur Obrigkeit 279
b) Der Beamte im Fürstenstaat: Subordination und Freiheit 282
2. Persönlichkeitsbildung als Reformvoraussetzung: Die staats- und gesellschaftspolitischen Aufgaben der Universität 294
VIII. Bürger und Gesellschaft 310
1. Das Subjekt der Ethik: gesellschaftstheoretische Implikationen 310
a) Die Verflechtung von Menschen- und Gesellschaftsbild in der Affektenlehre 314
b) Die bürgerliche Individualisierung der Ständegesellschaft 322
2. Besitz und Arbeitsethik: Das bürgerliche Potential der Klugheitslehre 329
3. Das Subjekt des Privatrechts: Die Gesellschaft der Besitzindividualisten 340
a) Die Entstehung des Eigentums 341
b) Markt und Preise 347
IX. Schlußbetrachtung: Thomasius' ideengeschichtlicher Standort 356
Quellen- und Sigelverzeichnis von Christian Thomasius 365
Literatur und sonstige Quellen 376
Sachregister 397