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Wallenstein

Mensch – Mythos – Memoria

Editors: Emich, Birgit | Niefanger, Dirk | Sauerer, Dominik | Seiderer, Georg

Historische Forschungen, Vol. 117

(2018)

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About The Author

Birgit Emich studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Freiburg, wurde mit einer Studie zur päpstlichen Behördenorganisation zwischen Bürokratie und Klientelismus promoviert und befasste sich in ihrer mit dem Heidelberger Akademiepreis ausgezeichneten Habilitationsschrift am Beispiel des Kirchenstaates mit dem Problem territorialer Integration in der Frühen Neuzeit. Nach Lehrstuhlvertretungen in Münster, Dresden und Freiburg war sie von 2010 bis 2016 Inhaberin des Lehrstuhls für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2017 hat sie diese Funktion an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main inne.

Dirk Niefanger wurde an der Universität Tübingen promoviert; er habilitierte sich an der Universität Göttingen mit einer Studie zum »Geschichtsdrama der Frühen Neuzeit. 1495–1773«. Nach Lehr- und Forschungstätigkeiten in Berlin und Braunschweig hat er seit 2003 den Lehrstuhl für Neuere deutsche Literatur an der Universität Erlangen-Nürnberg inne. Seine wichtigsten Forschungsgebiete sind die Kultur der Frühen Neuzeit und die Literatur der Wiener Moderne. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen das Lehrbuch »Barock« (2012) und die Neuedition von Grimmelshausens »Simplicissimus« (2017).

Dominik Sauerer studierte Deutsch, Geschichte und Sozialkunde in Erlangen. Nach Betätigung als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft begann er 2016 an der FAU im Rahmen eines DFG-Projekts seine Promotion »Territorialisierung von unten? Zugehörigkeit und Staatsbildung in Leipzig 1485–1806«. Seit März 2017 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Frau Prof. Dr. Birgit Emich an der Goethe-Universität Frankfurt. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind Staatsbildungprozesse, die Kulturgeschichte der Verwaltung, Zugehörigkeit und Identität sowie Raum, Raumwahrnehmung und Territorialität.

Georg Seiderer studierte Geschichte und Philosophie in Heidelberg und Erlangen. Er wurde mit einer Arbeit über die Aufklärung in den fränkischen Städten und Territorien Ansbach, Bamberg und Nürnberg promoviert und habilitierte sich in München mit einer Untersuchung über Verfassungspolitik und Verwaltungsreform im österreichischen Neoabsolutismus unter Alexander Bach 1848–1859. Nach einer Lehrstuhlvertretung in Augsburg lehrt er seit 2008 als Professor für Neuere Bayerische und Fränkische Landesgeschichte und Volkskunde an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Birgit Emich studied History and Political Sciences in Freiburg. She received her PhD with a thesis on the administrative system of the Early Modern Roman Curia between bureaucratization and nepotism. Her habilitation treatise, which was awarded with the Prize of the Heidelberg Akademie der Wissenschaften, discussed problems of territorial integration in the Early Modern period. She has held a DFG-Heisenberg Fellowship and was interim professor in Münster, Dresden, and Freiburg. She held the chair of Early Modern History at the University of Erlangen-Nuremberg from 2010 until she transferred to Goethe University (Frankfurt am Main) at the beginning of 2017.

Dirk Niefanger received his PhD from the University of Tübingen and his habilitation qualification from University of Goettingen with his thesis »Historical Drama in the Early Modern Age 1495–1773«. Following research and teaching posts in Berlin and Brunswick, he took up the Chair in Literary Studies at the University of Erlangen-Nuremberg in 2003. His main fields of research are early modern culture and the literature of Viennese modern age. Among his recent publications are an introduction in the literature of »Barock« (2012) and an edition of Grimmelshausen's »Simplicissimus« (2017).

Dominik Sauerer graduated from the University of Erlangen-Nuremberg with a degree in German Language and Literature Studies, Social Studies, and History. After having worked as a student research assistant and graduate research assistant, he started his DFG-funded PhD project »Territorialization from below? Belonging and state-building in Leipzig (1485–1806)« at the University of Erlangen-Nuremberg in 2016. Since March 2017, he is a research associate to Prof. Dr. Birgit Emich at the Goethe-University in Frankfurt. His research focuses on state-building processes, the cultural history of administration, belonging and identity as well as space, spatial cognition, and territorialization.

Georg Seiderer studied History and Philosophy in Heidelberg and Erlangen. He received his PhD with a thesis on enlightenment in the Franconian cities and territories Ansbach, Bamberg and Nuremberg. His habilitation thesis examines constitutional politics and administrative reform in the Habsburg Empire during the ministry of Alexander Bach 1848–1859. After an interim professorship in Augsburg, he is since 2008 a Professor for Modern Bavarian and Franconian History and Folkloristics at the Friedrich-Alexander University of Erlangen-Nuremberg.

Abstract

Albrecht von Wallenstein gilt als eine der faszinierendsten Figuren des Dreißigjährigen Krieges. In einem interdisziplinären Zugriff widmen sich die 28 Beiträge des aus dem internationalen Nürnberger Symposium »Wallenstein. Mensch. Mythos. Memoria.« hervorgegangenen Sammelbandes seiner Persönlichkeit und seinem Mythos im Wandel der Zeiten. Sie gelten dem Alltag des Krieges ebenso wie dem Wirken eines zentralen Akteurs als Kriegsunternehmer und Landesherr. Zugleich erschließen sie die Bilder, die von Wallenstein seit dem 17. Jahrhundert in der Literatur, Kunst und Musik, im Film und in der aktuellen Vermarktung verbreitet werden. In der Verknüpfung von Fragestellungen und Erkenntnissen verschiedener nationaler und disziplinärer Wissenschaftskulturen werden auf dem aktuellen Stand der Forschung Desiderate ebenso sichtbar wie die methodischen Schwierigkeiten des Zugangs zu einer Zentralgestalt der europäischen Geschichte und ihrer Rezeption, die sie als schillerndes Diskursphänomen zeigt. »Wallenstein. Life, Legend and Legacy«

Following an interdisciplinary approach, the 28 essays in this volume focus on one of the most fascinating figures of the Thirty Years' War: Albrecht von Wallenstein. The everyday life during war and Wallenstein's role as a military contractor become as visible as the myth that the visual and performative arts, literature, music, film and contemporary marketing are continuously producing since the 17th century, forming this key figure of European history into an opalescent discourse phenomenon.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Inhalt V
Birgit Emich et al.: Einführung 1
1. Kriegsalltag 1
2. Wallenstein-Bilder im 17. Jahrhundert 2
3. Wallenstein – Persönlichkeit und Selbstverständnis 3
4. Wallenstein-Rezeption 5
5. Erinnerungskultur und Marketing 6
Geoff Mortimer: Die Suche nach Wallenstein – Mensch oder Mythos? 11
Kriegsalltag 29
Horst Carl: Logistik in Zeiten des Krieges: Der Kriegsunternehmer Wallenstein und das Geschäft der Heeresversorgung 31
1. Obsessionen – Wallenstein als Kriegsunternehmer und die militärgeschichtliche Forschung 31
2. Brot – Pulver – Waffen – Transport 35
3. Kontributionen – Heeresversorgung aus der Logik der Winterquartiere 42
4. Alte Veste 1632 – Krieg als logistische Auseinandersetzung 45
Jan Kilián: Militärische Gewalt in böhmischen Städten zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges 49
Arne Homann: Trümmer, Gräber, Schlachtfelder – Ein Blick auf die Archäologie des Dreißigjährigen Krieges 67
1. Einleitung 67
2. Zur Archäologie des Dreißigjährigen Krieges 68
3. Der Krieg und die Stadt 71
4. Der Krieg auf dem Land 78
5. Verborgene Dinge – Schätze und Depots 79
6. Feldlager und Feldbefestigungen 81
7. Orte des Todes – Schlachtfelder 85
a) Das einsame Grab – Schlachtfeldbestattungen 86
b) Streuungen von Schlachtrelikten – Fingerabdrücke des Kampfgeschehens 91
c) Das Projekt Lutter am Barenberge (1626) 93
8. Abschließende Betrachtung 94
Marian Füssel: Kommentar 97
Wallenstein Bilder 101
Silvia Serena Tschopp: Albrecht von Wallenstein in der zeitgenössischen Publizistik. Zu den Rahmenbedingungen und Konjunkturen medialer Kommunikation im Kontext des Dreißigjährigen Krieges 103
1. 105
2. 116
3. 120
Hans Medick: Wallensteins Tod. Zeitgenössische Wahrnehmungen in Medien und Selbstzeugnissen 131
Arne Karsten: „Gut römisch und ein Mameluck“: Das Wallenstein-Bild in der konfessionellen Auseinandersetzung 149
Bernhard Jahn: Wallenstein oder die Grenzen des allegorischen Theaters – Zur Figur des Friedländers im Drama der 1630er Jahre (Johann Rudolph Fischer und Johann Micraelius) 157
1. 159
2. 163
Christoph Kampmann: Kommentar 171
Wallenstein – Persönlichkeit und Selbstverständnis 177
Wolfgang Mährle: Der gewalttätige Student. Wallenstein an der Hohen Schule in Altdorf 179
1. Wallenstein in Altdorf 1599 / 1600 – Chronologie der Ereignisse 180
2. Wallensteins Studienaufenthalt in Altdorf im bildungshistorischen Kontext 189
3. Der Nürnberger Rat, die Altdorfer Hohe Schule und die studentische Gewalt im Dezember 1599 und Januar 1600 194
4. Was blieb von Altdorf? Der Studienaufenthalt an der Academia Norica als Lebensstation Wallensteins 202
5. Fazit 208
Robert Rebitsch: Wallenstein als Politiker und Diplomat 211
1. Politiker und Diplomat? 211
2. Aktionsfeld I: Die Verhandlungen zum Lübecker Frieden 212
3. Aktionsfeld II: Die Verhandlungen mit Kursachsen 225
4. Schlussbemerkungen 237
Ronald G. Asch: Albrecht von Wallenstein: Der letzte der großen Kriegsunternehmer? 239
Fritz Dross: Wallensteins Zipperlein 253
1. Keplers Horoskop und Wallensteins Krankheiten 254
2. Die Ungarische Krankheit 259
3. Wallensteins Zipperlein 264
Petr Fidler: Waldstein als Bauherr, Mäzen und „Hausvater“ 271
Martin Holý: Wallenstein als Bildungsmäzen des 17. Jahrhunderts 289
Anuschka Tischer: Kommentar 297
Wallenstein-Rezeption 301
Daniele Vecchiato: Wallenstein vor Schiller. Die literarische Darstellung des Generalissimus im späten 18. Jahrhundert 303
1. Vom „unentwickelten Charakter“ zum populären literarischen Helden 303
2. Die Rezeption des Dreißigjährigen Kriegs und Wallensteins Charakterbild im ausgehenden 18. Jahrhundert 304
3. Die Rehabilitierung des historischen Wallenstein in der Literatur 307
a) Psychologisierung und Vermenschlichung des ‚Verräters‘ 307
b) Wallenstein als politischer Märtyrer 310
c) Wallenstein als Aufklärer ante litteram 311
d) Wallenstein und die Jesuiten 313
4. Schillers Konturierung des Generals vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Wallenstein-Literatur 316
Peter-André Alt: Die dunkle Seite. Zur Psychologie des Okkulten und Astrologischen in Schillers „Wallenstein“ 321
1. Motivierung durch astrologisches Wissen. Wallensteins Porträt in der Geschichtsschrift 321
2. Verblendung durch Prophezeiung. Astrologische Deutungsspiele in der Trilogie 324
3. Psychologische Hintergründe einer Fehlsteuerung. Wallensteins Sturz und Ende 332
4. Dramentheoretisches Resümee 335
Jörg Krämer: Klassikerkult. Wallenstein in der Musik 339
1. Schauspielmusiken und Lieder 342
2. Oper 346
a) Wallenstein in der italienischen Oper 346
b) Jaromír Weinbergers tschechischer Valdštejn 352
c) Wallensteins Lager bei Meyerbeer und Verdi 357
3. Sinfonische Dichtung 357
a) Bedřich Smetanas Valdštýnův tábor op. 14 357
b) Josef Gabriel Rheinbergers Wallenstein op. 10 359
c) Vincent d’Indys Wallenstein. Trilogie symphonique op. 12 361
d) Sonstige Orchestermusik 364
4. Wallenstein jenseits von Schiller: Hindemiths Die Harmonie der Welt 365
5. Fazit 371
Ursula Kocher: Ganz und gar real. Alfred Döblins Roman Wallenstein 373
1. Das bezwingende Bild 373
2. „[W]en kümmert der Dreißigjährige Krieg?“ – Die Überrealität des Epischen 375
3. „ganz und gar kein Schillerscher ‚Held‘ “ 378
a) Wallenstein, „ein Raffke“ 379
b) Wallenstein, Fürst und Naturgewalt 381
c) Wallenstein – Satanas, Drache, Drachentöter 385
4. Ein Ende? 388
Bettina Brandl-Risi: Von der Kraft der Geschichte auf dem Theater – Überlegungen zu Wallenstein im Theater der Gegenwart 391
Peter Burschel: Kommentar 405
Erinnerungskultur und Marketing 409
Jiří Hrbek: Die Erinnerung an Wallenstein in der Familie Waldstein im 17. und 18. Jahrhundert 411
Victoria Gutsche: Wallenstein auf der Leinwand – Stratege, Politiker, Egomane, Bürgerlicher 431
1. Die ersten Wallenstein-Filme – Ansichten von Festspielen und Aufführungen 433
2. Wallenstein 1925 – Der Feldherr Wallenstein und die Liebe 439
3. Wallenstein im Fernsehen – Drei Versuche: Zweimal Schiller, einmal Mann 448
4. Resümee 457
Jörg Wesche: Living and Playing History – Wallenstein in der populären Event- und Medienkultur 459
1. Grundmodi der Verlebendigung von Geschichte 460
2. Mythomotorische Multimodalität historischer Verlebendigung und populäre Dokumentation von Event-Kultur am Beispiel der Memminger Wallensteinwoche 462
3. Umgang mit historischen Dyschronie-Effekten 465
4. Spielfigur Wallenstein. Zur Kommerzialisierung des Mythos 467
5. Geschichte als Spielsystem 469
Ulrike Ludwig: Kommentar 473
Kulinarische Kultur im Krieg 479
Josef Matzerath: Kulinarisches aus dem Krieg. Zur Ästhetik der exquisiten Kochkunst des frühen 17. Jahrhunderts 481
Quellenverzeichnis 495
Literaturverzeichnis 505
Personenregister 559
Ortsregister 569