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Die erdrückende Last des ewig Gültigen

Der sunnitische Islam in dreißig Porträtskizzen. 2 Teilbände. Bd. I: Erster und Zweiter Teil; Bd. II: Dritter und Vierter Teil

Nagel, Tilman

(2018)

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Abstract

In Sure 6, Vers 38, wird dem Muslim versichert, dass Allah im Koran »nichts ausgelassen« habe. Diese Worte beziehen sich auf Allahs Kenntnis von allen Vorgängen in seiner Schöpfung. Im sunnitischen Islam liest man aus ihnen heraus, dass Allah im Koran und in den durch ihn selber inspirierten Worten und Taten Mohammeds das Geschehen in der Welt und die Daseinsordnung der Menschen vollständig und endgültig dargelegt habe. Das Sunnitentum, das dank dem Auftreten des Propheten Wirklichkeit geworden sei, verkünde seit dessen Tod diese unveränderliche Wahrheit und stehe für deren Anwendung gerade.

In der quellennahen Studie analysiert Nagel die theologischen und gesellschaftsbezogenen Grundideen von dreißig Personen, die für die Geschichte des sunnitischen Islams von erstrangiger Bedeutung waren. Es wird erstmalig sichtbar, wie sich über Jahrhunderte das sunnitische Selbstverständnis herausgebildet hat und welchen Veränderungen es unterlag. Die gebührende Aufmerksamkeit widmet Nagel dem Sunnitentum der Neuzeit und legt dabei die mittelalterlichen Wurzeln frei, aus denen dessen Charakteristika wuchsen.
»The Crushing Burden of Eternal Directives«

The publication is the first comprehensive study of the most important religious and political group within Islam. The author identifies four major stages of the history of Sunnism: 1. It took about four centuries until Sunnism succeded in being recognized as the legitimate continuation of the Medinian community founded by the prophet Mohammed. 2. This success enabled Sunnism to overcome the challenge of the philosophical traditions of antiquity. 3. Since the 13th century A.D. the belief that Mohammed was still present among the Sunni moslems became widely spread. 4. Yet it is already since the 11th century that we can trace out the denial of that popular tenet, a denial which has become characteristic of contemporary Sunnism.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 9
Einführung: Koranische Grundlagen der islamischen Heilsgewißheit 17
1. Die „beste Gemeinschaft“ 17
2. Die Heilsbotschaft des Islams 20
3. Die „Gemeinwesenreligion“ und ihr weltweiter Geltungsanspruch 31
4. Der ganze Erdboden, ein Ort des rituellen Gebets 39
5. Zusammenfassung der Grundzüge der mohammedschen Verkündigungen 51
Erster Teil: Die Einhegung des Daseins durch die ewige Wahrheit 57
Zu den biographischen Skizzen des ersten Teils 59
I. ʿUmar b. al-Ḫaṭṭāb (ca. 583–644) – Der Befestiger der Macht des Islams 72
1. Die Sehnsucht nach dem idealen Muslim 72
2. Mohammed und ʿUmar 73
3. ʿUmar b. al-Ḫaṭṭāb als Herrscher 80
4. Ausblick 90
II. ʿAlī Ibn abī Ṭālib (ca. 600–660) – Schwiegersohn des Propheten, Ahnherr der Schia 92
1. ʿAlīs Stellung zu Lebzeiten Mohammeds 92
2. Die politische Entwicklung bis zum Kalifat ʿAlīs 94
3. Die Wiederkehr Mohammeds 100
4. Die Ermordung ʿUṯmāns und das Kalifat ʿAlī b. abī Ṭālibs 102
5. ʿAlī, Zauderer oder Kämpfer? 107
III. ʿAbd al-Malik b. Marwān (646–705) – Der Erbauer des Felsendoms 110
1. Der Aufstieg des Propheten in die sieben Himmel 110
2. Der neue Glaube und die Macht der Stämme 118
3. Das Ende der Kampfgemeinschaft 124
4. Die „einträchtige Gemeinschaft“ der Muslime 129
5. Erste Spuren des ḥadīṯ 133
6. Der Felsendom und die „fünf Säulen des Islams“ 136
IV. Hārūn ar-Rašīd (766–809) – Die „goldene Zeit“ des islamischen Reiches? 142
1. Die Märchengestalt 142
2. Der zwielichtige Weg zum Kalifat 143
3. Verdeckte Schwierigkeiten und äußerer Glanz 148
5. Vorboten eines sunnitischen Rechtssystems 153
6. Der Sturz der Barmakiden 158
7. Eine Epoche des Übergangs 162
V. Aš-Šāfiʿī (767–820) – Die Mohammedanisierung des Daseins 165
1. Eine vielbesuchte Grabstätte 165
2. Ein Lebenslauf in der Epoche der Vollendung der Prophetenüberlieferung 166
3. Die vermeintliche Unzulänglichkeit des Überlieferten 167
4. Das Eindringen des ḥadīṯ in die Praxis 171
5. Die theoretische Durchdringung der Anwendung des ḥadīṯ 176
6. Die Tragweite der Lehren aš-Šāfiʿīs 186
VI. Muḥammad b. Ismāʿīl al-Buḫārī (810–870) – Das „gesunde“ ḥadīṯ 188
1. Worum es geht 188
2. Das „gesunde“ ḥadīṯ 190
3. Zur Entstehungsgeschichte des „gesunden“ ḥadīṯ 205
4. Der islamische Kosmos 213
5. Al-Buḫārīs Theologie 220
6. Der Mann an der Wende der sunnitischen Geschichte 229
VII. Abū l-Ḥasan al-Ašʿarī (gest. 935) – Die Grenze zwischen göttlichem und geschaffen werdendem Sein 238
1. Ein Bekehrungserlebnis? 238
2. Die Billigung des rationalen Argumentierens 242
3. Sunnitische Metaphysik 245
4. Die „rituell Betenden“ 255
5. Die aschʿaritische Schule 260
VIII. Abū ʿAbd ar-Raḥmān as-Sulamī (936–1021) – Die Vertiefung der sunnitischen Frömmigkeit 265
1. Mohammeds frömmste Genossen 265
2. Die Geschichte der vertieften Frömmigkeit 269
3. Bruderschaft und Entmächtigung des Selbst 276
Anmerkungen zum ersten Teil 288
Zweiter Teil: Fluchtwege: Die Wirklichkeit und das verborgene Sein 313
Zu den biographischen Skizzen des zweiten Teils 315
1. Rückblick 315
2. Die Thematik des zweiten Teils 319
Exkurs über den verborgenen Seinsbereich 325
Fortsetzung des Überblicks über die Thematik dieses Teils 330
IX. Avicenna (Ibn Sīna) (980–1037) – Die Entdeckung der Seele 334
1. Die Seele und der Tod 334
2. Die Ungewißheit des Jenseitsschicksals 337
3. Die Seele als in sich selber subsistierende geistige Substanz 340
4. Vertiefung der gewonnenen Einsicht 347
5. Die Vollendung 352
X. Ibn Ḥazm (994–1064) – Ein sunnitischer Rechtsgelehrter liest das Neue Testament 363
1. Eine Religionsgeschichte der Menschheit 363
2. Die vermeintliche Bodenlosigkeit der christlichen Überlieferung 367
3. Genealogie und Gemeinwesen als Voraussetzungen für Überlieferung 374
4. Allahs Wort und das Schöpfungswerk 377
5. Der Mensch in der Schöpfung 381
XI. Al-Ġazālī (1058–1111) – Die Krise der sunnitischen Heilsgewißheit 384
1. Politischer Triumph und innere Widersprüchlichkeit des Sunnitentums 384
2. Der Wahrheitsanspruch des Überlieferten 387
3. Die Wiederherstellung der Einheit von Wissen und Handeln 395
4. Philosophie und Urreligiosität 399
5. Urreligiosität und Nachahmung des Propheten 405
6. Die erneuerte Eingottbezeugung 409
7. Wiedererrungene Heilsgewißheit 413
8. Angst vor der eigenen Courage 420
XII. ʿAbd al-Qādir al-Ǧīlānī (1077–1166) – Das Verborgene im Offenkundigen 424
1. Ein befremdlicher Text 424
2. ʿAbd al-Qādirs Berufung 426
3. ʿAbd al-Qādir und das Hanbalitentum 430
4. Die Zugegenheit Allahs in seiner Schöpfung 436
5. Bürgen der Zugegenheit: \rdie Gottesfreunde und ihre Hierarchie 448
XIII. Saladin (Ṣalāḥ ad-Dīn) (1138–1193) – Ein Streiter für den sunnitischen Islam 457
1. Die Idealisierung Saladins 457
2. Die Kreuzzüge und die Anfänge der Aijubiden 459
3. Legitime sunnitische Machtausübung und Dschihad 461
4. Saladins Herrschaft über Ägypten 468
5. Die syrischen Affären und das Bagdader Kalifat 473
6. Der scheinbare Triumph 477
7. Saladins Erbe 481
XIV. Faḫr ad-Dīn ar-Rāzī (1149–1210) – Die autoritativen Texte und der Verstand des Menschen 483
1. Beschreibung eines schwierigen Verhältnisses 483
2. Die Wahrheit der durch den Verstand gewonnenen Erkenntnisse 486
3. Die Grundlage der Heiligung 495
4. Ein vergleichender Blick auf Averroes (1126–1198) 504
5. Faḫr ad-Dīn ar-Rāzī und Avicenna 513
6. Faḫr ad-Dīn ar-Rāzī und seine Bedeutung \rfür das Sunnitentum 521
XV. Ibn ʿArabī (1165–1240) – Die eigentliche Wahrheit des Islams 527
1. Der Verworfene 527
2. Die Vollendung des Islams 528
3. Ibn ʿArabīs Vorstellung vom Kosmos 533
4. Die Heilssicherheit des Geschaffenwerdenden 541
5. Die mohammedsche Ausprägung des Wissens 555
6. Die Entmächtigung der Textgelehrsamkeit 561
7. Rückblick und Ausblick 564
Anmerkungen zum zweiten Teil 567
Inhaltsverzeichnis VI
Dritter Teil: Der Äon des fleischgewordenen Mohammed 589
Zu den biographischen Skizzen des dritten Teils 591
1. Zweimal Mohammed 591
2. Von Kaʿb b. Zuhair zu al-Būṣīrī 599
2. Zu den Biographien des dritten Teils 617
XVI. Abū Zakarjā an-Nawawī (1233–1277) – Die alltägliche und die numinose Kraft des ḥadīṯ 622
1. Die Wiesen der Frommen 622
2. Das Gottesgedenken und der Alltag 633
3. Die ḥadīṯ-Gelehrsamkeit 645
4. An-Nawawī und die Machthaber 655
XVII. Ibn Taimīja (1263–1328) – Das Vorbild der Altvorderen 663
1. Streit um des Streites willen? 663
2. Allah auf dem Thron 665
3. Gegen Ibn ʿArabīs Lehre von der „Vereintheit des Seins“ 674
4. Hören vor Sehen 677
5. Gehorchen 684
XVIII. Ibn Ḫaldūn (1332–1406) – Das verborgene Wesen der Geschichte 693
1. Der Mißbrauch eines Gelehrten 693
2. Grundlagen seines geistigen Profils 695
3. Ein Lebenslauf in unruhiger Zeit 699
4. Grundzüge der Ideen Ibn Ḫaldūns, erster Teil 704
5. Grundzüge der Ideen Ibn Ḫaldūns, zweiter Teil 708
6. Grundzüge der Ideen Ibn Ḫaldūns: dritter Teil 717
XIX. Al-Maqrīzī (1363–1442) – Unsicherheit und Sicherheit des Daseins 725
1. Zuckermonopol 725
2. Die Herrschaft der Mamluken 727
3. Die Kosten des Militärs und der Wert des Geldes 730
4. Gründe für den Niedergang 736
5. Al-Maqrīzī und die Geschichte 739
XX. Ǧalāl ad-Dīn as-Sujūṭī (1445–1505) – Die Gegenwärtigkeit Mohammeds unter den Muslimen 753
1. In Freiheit vor Allah? 753
2. Ein sunnitisches Gelehrtenleben 754
3. Der Streit mit dem Rivalen 757
4. Zwei Auffassungen von der Gegenwart der verstorbenen Propheten 760
5. Der sunnitische Kosmos 764
6. Die Welt der Toten und die Welt der Dämonen 769
7. Die Warnung der Gebildeten vor den Lügen der Erzähler 776
XXI. Ibn Ḥaǧar al-Haitamī (1504–1566) – Eine Βestandsaufnahme des sunnitischen Islams 786
1. Hören geht vor Sehen 786
2. Ein Blick in die Geschichte des Sunnitentums 794
3. Muʿāwija und die Verschiebung des Weltenendes 806
4. Mohammed, der Garant der Fortdauer der islamischen Geschichte 816
XXII. ʿAlī b. Burhān ad-Dīn al-Ḥalabī (1567 / 8–1635) – Sunnitische Gelehrsamkeit und ihr spiritueller Boden 824
1. Sunnitische Gelehrsamkeit – der Verstand im Käfig des Wissens 824
2. Wort und Wirklichkeit 833
3. ʿAlī b. Burhān ad-Dīn, der Bruder 837
Anmerkungen zum dritten Teil 846
Vierter Teil: Die Reform des sunnitischen Islams \rund ihre Reichweite 869
Zu den Portraits des vierten Teils 871
1. Wider die Vermittlerinstanzen 871
2. Die sunnitische „Objektivität“ 877
3. Die Reform des sunnitischen Islams 892
4. Sunnitischer Islam ohne die Schariagelehrten? 896
5. Gamāl ʿAbd an-Nāṣir (Nasser), ein Verfechter des Säkularismus? 902
6. Der islamische Staat 918
7. Eine vom Westen induzierte „Moderne“? 924
XXIII. Muḥammad b. ʿAbd al-Wahhāb (1702 / 3–1792) – Die Reform des sunnitischen Islams, erster Teil 934
1. Die Drei Prinzipien, ein Schulungstext 934
2. Die Lehre von der Einsheit Allahs 942
3. Geistiger Kampf 952
4. Der Kampf mit der Waffe 960
XXIV. Muḥammad ʿAlī (1769–1849) – Die befohlene Modernisierung 966
1. Die Meinung eines Reisenden 966
2. Die Anfänge der Herrschaft Muḥammad ʿAlīs 967
3. Ägyptens Eintritt in die große Politik 970
4. Die erzwungene Blüte der Wirtschaft 973
5. Der Krieg gegen den Sultan 977
6. Die Deutungshoheit der sunnitischen Gelehrten 980
7. Eine mehrdeutige Bilanz 991
XXV. Muḥammad ʿAbduh (1849–1905) – Die Reform des sunnitischen Islams, zweiter Teil 995
1. Scharfe Kritik an Muḥammad ʿAlī 995
2. Die Abhandlung über die Einsheit 999
3. Die Islamisierung der Menschheit und der Stillstand der Geschichte 1010
4. Wider die Rechtsschulen und wieder die Spiritualität 1022
5. Muḥammad ʿAbduh in der Auslegung Muḥammad Rašīd Riḍās 1028
XXVI. Amīn al-Ḫūlī (1895–1966) – Die Wahrheit der Botschaft des Korans 1034
1. Eine zurückgewiesene Doktorarbeit 1034
2. Amīn al-Ḫūlī und die „Entwicklung“ des Religiösen 1041
3. Die zwei Ebenen der Botschaft des Korans 1049
4. Zur Rezeption der Lehren Amīn al-Ḫūlīs 1057
XXVII. Saijid Quṭb (1906–1966) – Die ewige Wahrheit des Islams 1065
1. Eine Auslegung von Sure 6, Vers 74 bis 94 1065
2. Die gerechte, die islamische Gesellschaft 1073
3. „Die Zukunft gehört dem Islam“ 1086
4. Die Zeichen auf dem Weg zum Triumph 1094
XXVIII. Abū l-Aʿlā Maudūdī (1903–1979) – Der islamische Staat 1100
1. Die Unverträglichkeit des Islams 1100
2. Auf dem Weg zu einer islamischen Gesellschaft 1104
3. Eine sunnitische Revolution? 1114
4. Der islamische Staat 1119
XXIX. Muḥammad Mutawallī aš-Šaʿrāwī (1911–1998) – Der Erlebnishorizont der sunnitischen Weltauslegung 1132
1. Eine segensreiche Herkunft 1132
2. Für die Anerkennung des Verborgenen streiten 1137
3. Mohammed 1146
4. Durch Fremdbestimmung zur Freiheit der Entscheidung? 1157
5. „Die Rückkehr des Geistes“ 1162
XXX. Muḥammad ʿĀbid al-Ǧābirī (1935–2010) – Und der Koran ist doch die Wahrheit! 1169
1. Die Verleihung des Ibn Ruschd-Preises an al-Ǧābirī, eine deutsche Szene 1169
2. Arabische Rationalität 1175
3. Die Aufhebung der Ungleichzeitigkeit 1188
4. Der Koran ist ewig wahr 1194
Epilog 1207
Anmerkungen zum vierten Teil 1227
Indices 1264
I. Themen 1264
II. Personen 1282
III. Zitierte bzw. erwähnte Koranverse 1292
IV. Arabische Termini 1300
Zur Transliteration der arabischen Wörter 1307