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Das gewerkschaftliche Streikmonopol

Der Streik zwischen Verfassung und Völkerrecht

Reinbach, Hubertus

Schriften zum Sozial- und Arbeitsrecht, Vol. 353

(2018)

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About The Author

Hubertus Reinbach hat von 2008 bis 2012 Rechtswissenschaften an der Bucerius Law School in Hamburg und der National Law School of India University in Bangalore studiert. Nach Promotion im Arbeitskampfrecht bei Prof. Dr. Matthias Jacobs leistete er von 2016 bis 2018 das Referendariat am Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg mit Stationen am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, in der arbeitsrechtlichen Abteilung einer internationalen Wirtschaftskanzlei und im Bereich »Arbeits- und Sozialrecht« der BMW AG in München ab. Ende 2018 wurde seine Arbeit mit dem Dissertationspreis des Hamburger Vereins für Arbeitsrecht e.V. ausgezeichnet. Hubertus Reinbach studied law at Bucerius Law School in Hamburg from 2008 to 2012. Meanwhile he completed an exchange program at the National Law School of India University in Bangalore. After he concluded his dissertation on industrial action law he conducted his legal clerkship at the Higher Regional Court of Hamburg with stations at the German Federal Constitutional Court in Karlsruhe, at the department of labour law of an international law firm and at BMW AG in Munich. For his dissertation he was awarded the 2018 Prize of the Hamburg Association for Labour Law.

Abstract

Die Arbeit befasst sich mit der Zulässigkeit des nicht gewerkschaftlichen Streiks (»Wilder Streik«) in Deutschland. Sie erörtert, ob das in Deutschland geltende Recht das Streikrecht zwingend an tariffähige Gewerkschaften bindet. Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass diese Streikform entgegen der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts in engen Grenzen zulässig ist, wo Gewerkschaften nicht ausreichend Schutz bieten. Die Zulässigkeitsfrage stellt sich insbesondere vor dem Hintergrund verschiedener völkerrechtlicher Verträge, die auch den nicht gewerkschaftlichen Streik schützen. Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel zwischen Völkerrecht, dem Grundgesetz und dem arbeitskampfrechtlichen Richterrecht des Bundesarbeitsgerichts und arbeitet heraus, in welchem Verhältnis diese Rechtsquellen zueinander stehen. Damit liefert sie einen Beitrag zu den dogmatischen Grundlagen des deutschen Arbeitskampfrechts unter Berücksichtigung völkerrechtlicher Vorgaben.

Die Arbeit wurde mit dem Dissertationspreis des Hamburger Vereins für Arbeitsrecht e.V. ausgezeichnet.
»The Monopoly of Trade Unions in German Strike Law«

The thesis reviews the legal ban on wildcat strikes in Germany and discusses its legal permissibility in view of international law, the German Basic Law (»Grundgesetz«) and German case law. While the interaction between these three legal sources is closely analysed the findings of the thesis show that wildcat strikes in Germany are permissible under narrow conditions where trade unions do not provide enough protection.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsübersicht 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 17
Einleitung 19
Gang der Untersuchung 23
1. Teil: Grundlagen der Untersuchung 25
1. Kapitel: Streik als Untersuchungsgegenstand 25
A.  Arbeitskampf als rechtlicher Begriff und soziales Phänomen 25
I.  Rechtlicher Begriff des Arbeitskampfes 26
II.  Arbeitskampf als soziales Phänomen 27
B.  Begriff des Streiks 28
C.  Begriff des „wilden Streiks“ 32
2. Kapitel: Streik in Deutschland 33
A.  Historische Entwicklung des Streiks 33
I.  Einführung 34
II.  Mittelalter 35
III.  Industrialisierung und Kaiserreich 37
IV.  Weimarer Zeit 39
V.  Bundesrepublik Deutschland 41
B.  Bewertung des Streiks durch das Bundesarbeitsgericht 42
3. Kapitel: Nichtgewerkschaftlicher Streik 45
A.  Verbot des nichtgewerkschaftlichen Streiks durch das Bundesarbeitsgericht 46
I.  Gewerkschaftsbegriff in Deutschland 46
II.  Deliktsrechtliche Einordnung des nichtgewerkschaftlichen Streiks 49
III.  Arbeitsvertragliche Einordnung des nichtgewerkschaftlichen Streiks 51
B.  Möglichkeiten der Streikträgerschaft 55
C.  Soziale Bedeutung des nichtgewerkschaftlichen Streiks und Rechtsvergleichung 56
4. Kapitel: Ergebnisse 60
2. Teil: Völkerrecht 62
1. Kapitel: Überblick zum Völkerrecht 63
A.  Streikrechtliche Quellen im Völkerrecht 64
B.  Bedeutung völkerrechtlicher Verträge im nationalen Recht 65
I.  Innerstaatliche Geltung 66
II.  Unmittelbare Anwendbarkeit 66
III.  Grundsatz völkerrechtsfreundlicher Auslegung 67
C.  Auslegung völkerrechtlicher Verträge 70
2. Kapitel: Nichtgewerkschaftlicher Streik im Völkerrecht 72
A.  Art. 6 Nr. 4 Europäische Sozialcharta 72
I.  Schutzbereich 75
1.  Wortlaut 76
2.  Systematische Auslegung 80
3.  Teleologische Auslegung 82
4.  Spruchpraxis des Europäischen Komitees \nfür soziale Rechte und des Ministerkomitees 83
5.  Ergebnis 85
II.  Beschränkungsmöglichkeit nach Art. 31 Abs. 1 Europäische Sozialcharta 85
1.  Einschränkung durch Richterrecht? 86
2.  Rechtfertigung der Einschränkung 87
III.  Stellung des Art. 6 Nr. 4 Europäische Sozialcharta in der deutschen Rechtsordnung 89
1.  Unmittelbare Anwendbarkeit 89
2.  Mittelbare Anwendbarkeit 92
B.  Art. 11 Europäische Menschenrechtskonvention 93
I.  Schutzbereich 95
1.  Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte 97
2.  Prognose zum nichtgewerkschaftlichen Streik 103
II.  Beschränkungsmöglichkeiten nach Art. 11 Abs. 2 und Art. 14 Europäische Menschenrechtskonvention 109
III.  Stellung des Art. 11 Europäische Menschenrechtskonvention in der deutschen Rechtsordnung 114
C.  UN-Menschenrechtspakte 117
I.  Schutzbereich des Art. 8 Abs. 1 lit. d Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte 120
II.  Beschränkungsmöglichkeiten 123
III.  Stellung des Art. 8 Abs. 1 lit. d Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte in der deutschen Rechtsordnung 125
D.  ILO-Übereinkommen Nr. 87 126
I.  Schutzbereich des Art. 3 ILO-Übereinkommen Nr. 87 129
II.  Beschränkungsmöglichkeiten 135
III.  Stellung des ILO-Übereinkommens Nr. 87 in der deutschen Rechtsordnung 136
3. Kapitel 137
Exkurs: Nichtgewerkschaftlicher Streik im Unionsrecht 137
A.  Schutzbereich des Art. 28 Europäische Grundrechtecharta 138
I.  Auswirkungen des Zusatzes 138
II.  Eigenständige Gewährleistung 140
III.  Suspendierendes Streikrecht? 143
B.  Beschränkungsmöglichkeiten 144
4. Kapitel 146
Ergebnisse 146
3. Teil: Grundgesetz 148
1. Kapitel: Verortung des Streiks im Grundgesetz 148
A.  Verortung in Art. 9 Abs. 3 Grundgesetz 149
B.  Verortung außerhalb von Art. 9 Abs. 3 Grundgesetz 151
C.  Zwischenergebnis 152
2. Kapitel: Art. 9 Abs. 3 Grundgesetz im Überblick 152
A.  Personeller Schutzbereich der Koalitionsfreiheit 152
I.   „Jedermann-Grundrecht“ 153
II.  Doppelgrundrecht 153
III.  Koalitionsbegriff 156
1.  Begriff der Vereinigung 156
2.  Bedeutung des Koalitionszwecks 160
3.  Zusammenfassung 162
B.  Subjektiv-rechtliche Dimension: Koalitionsfreiheit als Abwehrrecht 163
I.  Abstrakte Einordnung der Grundrechte als Abwehrrechte 163
II.  Abwehrrechtlicher Inhalt der Koalitionsfreiheit 165
1.  Schutz der Bildungsfreiheit 165
2.  Schutz der Betätigungsfreiheit 167
a)  Wortlaut 168
b)  Systematische Auslegung 169
c)  Historisch-genetische Auslegung 171
d)  Teleologische Auslegung 172
e)  Ergebnis 174
C.  Objektiv-rechtliche Dimension der Koalitionsfreiheit 174
D.  Zwischenergebnis 176
3. Kapitel: Streik als Element der abwehrrechtlichen Dimension 176
A. Streik als Element der Betätigungsfreiheit 177
I.  Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts 178
1.  Vom Kernbereich zu einem weiten Grundrechtsverständnis 178
2.  Der Streik in der Rechtsprechung des BVerfG 181
II.  Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts und Ansichten in der Literatur 186
1.  Koalitionszweck als gemeinsamer Nenner aller Ansichten 187
2.  Enge Tatbestandstheorie: Weitere Voraussetzungen 188
a)  Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts 188
b)  Herrschende Meinung in der Literatur 194
aa)\tWortlautbezogene Argumentation und teleologische Erwägungen 196
bb)\tFunktionsbezogene Argumentation mit Tarifautonomie im Zentrum 197
cc)\tAbgrenzung zur allgemeinen Handlungsfreiheit 198
dd)\tTatbestandlicher Ausgleich widerstreitender Grundrechte 199
ee)\tEinfachrechtliche Argumentation 199
3.  Weite Tatbestandstheorie: keine weiteren Voraussetzungen 200
a)  Tarifvertrag nicht alleiniges Mittel der Koalitionseinigung 201
b)  Arbeitskampf als Mittel zur Verfolgung des Koalitionszwecks 202
c)  Historische Argumentation 202
d)  Abwehrrechtlicher Ansatz 203
e)  Trennung zwischen natürlicher und normativer Freiheit 204
III.  Stellungnahme: umfassender Schutz des Streiks 207
1.  Wortlaut 208
2.  Systematische Auslegung 209
a)  Koalitionsfreiheit und andere Normen 209
b)  Allgemeine Grundrechtssystematik 211
3.  Historisch-genetische Auslegung 214
4.  Teleologische Auslegung 218
5.  Ergebnis 220
IV.  Einfluss des Völkerrechts? 221
V.  Zusammenfassung 223
B.  Streik als natürliche und normative Freiheit 223
I.  Einordnung 223
1.  Natürliche Freiheit 224
2.  Normative Freiheit 226
a)  Keine unmittelbare Drittwirkung der Grundrechte 228
b)  Unmittelbare Drittwirkung gemäß Art. 9 Abs. 3 S. 2 GG 229
c)  Zivilrechtliche Generalklauseln als Einfallstore für eine Suspendierungswirkung 233
d)  Vergleich mit Erklärungsmodellen zum tariflichen Normsetzungsrecht 235
e)  Zusammenfassung zur normativen Freiheit 237
3.  Auswirkungen 238
4.  Zusammenfassung 240
II.  Abwehrrechtlicher Schutz 240
1.  Natürliche Freiheit 240
2.  Normative Freiheit 241
3.  Zusammenfassung 244
C.  Zwischenergebnis 245
4. Kapitel: Streik als Element der objektiv-rechtlichen Dimension 245
A.  Streik als Einrichtungsgarantie 247
B.  Streik als Bezugspunkt von Verfahrens- und Organisationsgarantien 250
C.  Streik als Bezugspunkt der Schutzpflicht 251
I.  Grundrechtliche Schutzpflicht im Allgemeinen 251
II.  Grundrechtliche Schutzpflicht in Bezug auf den Streik 254
D.  Einfluss des Völkerrechts 258
E.  Zwischenergebnis 260
5. Kapitel: Ergebnisse 261
4. Teil: Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts 263
1. Kapitel: Verfassungsrechtliche Bewertung 264
A.  Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zum nichtgewerkschaftlichen Streik: Eingriff oder Ausgestaltung? 264
I.  Begriffliche Einführung zu den Kategorien Eingriff und Ausgestaltung 265
II.  Eingriff und Ausgestaltung in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts 266
III.  Eingriff und Ausgestaltung in der Rechtsprechung \ndes Bundesarbeitsgerichts 270
IV.  Ansichten in der Literatur zu Eingriff und Ausgestaltung 272
1.  Stimmen gegen eine Unterscheidung von Eingriff und Ausgestaltung 273
2.  Unterscheidung nach Intensität 277
3.  Unterscheidung nach subjektivem Kriterium 277
4.  Unterscheidung nach „Ob“ und „Wie“ 278
5.  Unterscheidung nach Hemmung grundrechtlicher Prinzipien 279
6.  Unterscheidung nach Erforderlichkeit einer Grundrechtsabwägung 280
7.  Ausgestaltung bei normativem Verhalten und als Koordinierungsmittel 280
8.  Ausgestaltung bei normativer Freiheit und Eingriff \nbei natürlicher Freiheit 282
9.  Eingriff bei Aktivierung des Abwehrrechts 283
V.  Abschließende Stellungnahme: Differenzierung zwischen Eingriff und Ausgestaltung anhand des Abwehrrechts 285
VI.  Abschließende Einordnung der Rechtsprechung \ndes Bundesarbeitsgerichts zum nichtgewerkschaftlichen Streik 287
1.  Nichtgewerkschaftlicher Streik und Deliktsrecht: Grundrechtseingriff 287
2.  Nichtgewerkschaftlicher Streik und Arbeitsvertrag 291
a)  Suspendierungswirkung: Grundrechtsausgestaltung 291
b)  Arbeitsrechtliche Sanktionsmittel: Möglichkeit einer Grundrechtsbeeinträchtigung 293
VII.  Zusammenfassung 296
B.  Verfassungsrechtliche Rechtfertigung der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zum nichtgewerkschaftlichen Streik 296
I.  Abstrakte Darstellung der verfassungsrechtlichen Vorgaben des Art. 9 Abs. 3 GG 297
1.  Grundrechtseingriffe 297
a)  Eingriffsrechtfertigung im Rahmen von Art. 9 Abs. 3 GG 298
b)  Insbesondere: Vorbehalt des Gesetzes und Wesentlichkeitstheorie 299
c)  Ausnahme vom Vorbehalt des Gesetzes und der Wesentlichkeitstheorie? 302
2.  Grundrechtsausgestaltung 306
a)  Grundrechtsausgestaltung im Normalfall 306
b)  Grundrechtsausgestaltung mit Doppelwirkung 311
3.  Zusammenfassung 312
II.  Übertragung auf die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts zum nichtgewerkschaftlichen Streik 313
1.  Deliktsrechtliche Bewertung: Verfassungswidriger Grundrechtseingriff 313
a)  Legitimer Zweck 314
b)  Geeignetheit 318
c)  Erforderlichkeit 320
d)  Angemessenheit 321
e)  Zwischenergebnis 327
2.   Suspendierungswirkung: Verfassungskonforme Grundrechtsausgestaltung 328
a)  Ausgestaltung aus Perspektive des Streikenden 329
b)  Ausgestaltung aus Perspektive des Arbeitgebers 332
2. Kapitel: Einfluss des Völkerrechts 337
A.  Deliktsrechtliche Bewertung: Völkerrechtswidriger Grundrechtseingriff 337
B.  Suspendierungswirkung: \nVorbehalt des Gesetzes vor Völkerrecht? 338
C.  Arbeitsrechtliche Sanktionsmittel: Berücksichtigungspflicht 339
3. Kapitel: Ergebnisse 341
5. Teil: Konsequenzen und Folgeüberlegungen 344
1. Kapitel Suspendierungswirkung für den nichtgewerkschaftlichen Streik? 344
A.  Anordnung durch das Bundesarbeitsgericht 345
B.  Anordnung durch den Gesetzgeber 348
2. Kapitel: Regeln für ein nichtgewerkschaftliches Streikrecht 351
A.  Nichtgewerkschaftliches Streikrecht und Friedenspflicht 351
B.  Formale Regeln eines nichtgewerkschaftlichen Streikrechts 353
3. Kapitel: Allgemeine Überlegungen zum Arbeitskampfrecht 354
4. Kapitel: Ergebnisse 356
Zusammenfassung der Ergebnisse 358
Literaturverzeichnis 362
Stichwortverzeichnis 387