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»Staatenverantwortlichkeit für Völkermord«

Unter besonderer Berücksichtigung der Ereignisse der Jahre 1915–1923 im Hinblick auf die armenisch-türkischen Beziehungen

Petrossian, Gurgen

Schriften zum Völkerrecht, Vol. 231

(2019)

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About The Author

Gurgen Petrossian, LL.M., studierte Rechtswissenschaften in Jerewan/Armenien und Heidelberg. 2010 war er als Jurist im Justizministerium der Republik Armenien und in der Menschenrechtsorganisation »Helsinki Assoziation« tätig. Nach dem Magisterabschluss an der Universität Heidelberg war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien beschäftigt. Seit 2016 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle Völkerstrafrecht an der Friedrich-Alexander Erlangen-Nürnberg Universität tätig, wo er im Juli 2018 promovierte. Gurgen Petrossian, LL.M., studied law in Yerevan/Armenia and Heidelberg. In 2010 he worked as a lawyer in the Ministry of Justice of the Republic of Armenia and the human rights organization »Helsinki Association«. After graduating from the University of Heidelberg, he worked as research assistant at the International Nuremberg Principles Academy and since 2016 at the International Criminal Law Research Unit at the Friedrich-Alexander-University Erlangen-Nürnberg, where he completed his doctorate in July 2018.

Abstract

Die Arbeit befasst sich mit der Völkerrechtsanalyse des Völkermordes an den Armeniern und der daraus resultierenden staatlichen Verantwortlichkeit für die Republik Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches. Die Komplexität der Ereignisse des Völkermordes erfordert die gleichzeitige Beachtung der verschiedenen Rechtsgebiete. Im Mittelpunkt steht neben der Darstellung des Untersuchungsgegenstandes im Vergleich zu ähnlichen historischen Fällen die juristische Analyse des Tatbestandes des Völkermordes und der Rückwirkung der Konvention. Im Anschluss setzt sich der Autor mit den Fragen auseinander, wie die Staatenverantwortlichkeit für die völkerrechtswidrige Handlung vor 100 Jahren sowie eine Wiedergutmachung auf völkerrechtlicher Ebene aussehen könnten. »State Responsibility for Genocide«
The thesis presents an in-depth analysis of the Armenian Genocide and the state responsibility of the Republic of Turkey as the continuing state of the Ottoman Empire. The focus is on the legal analysis of the Genocide Convention, its retroactivity and state responsibility for internationally wrongful acts committed 100 years ago. Further, the author examines the group of people to be identified as victims of the Genocide in the Ottoman Empire.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Danksagung 5
Inhaltsverzeichnis 7
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis 12
Abkürzungsverzeichnis 13
Einleitung 17
I. Problemstellung 17
II. Gang der Untersuchung 20
A. Historische Darstellung 22
I. Historische Auseinandersetzung mit Ereignissen in Verbindung mit Massenvernichtungen 22
1. Die Antike 23
2. Mittelalter und Kolonialisierung 25
3. Das 20. Jahrhundert 29
a) Osmanisches Reich 29
b) Holodomor 32
c) Holocaust 33
d) Guatemala 35
e) Bangladesch 37
f) Kambodscha 38
g) Jugoslawien 40
h) Ruanda 42
4. Fazit 45
II. Die armenisch-türkischen Beziehungen 47
1. Vorgeschichte 47
2. Das Millet-System 48
3. Das Tanzimat – die Zeit der Reformen 50
4. Das Massaker an den Armeniern 52
5. Die völkerrechtliche Auseinandersetzung in Bezug auf Armenier 59
6. Zivil- und administrativrechtliche Auseinandersetzung mit den Deportierten 65
7. Strafrechtliche Auseinandersetzung nach dem Ersten Weltkrieg mit den Geschehnissen 69
a) Das Sondertribunal 70
aa) Yozgat Prozess (5. Februar 1919–8. April 1919) 72
bb) Trabzon Prozess (26. März 1919–20. Mai 1919) 73
cc) Key Idictment (Taleat et al.) (28. April 1919–5. Juli 1919) 74
dd) Prozess gegen die verantwortlichen Sekretäre und Beauftragten (21. Juni 1919–8. Januar 1920) 78
ee) Harput Prozess (28. Juli 1919–13. Januar 1920) 79
ff) Bayburt Prozess (15 März 1920–20. Juli 1920) 80
gg) Erzincan Prozess (22. Juli 1920 Urteil) 81
b) Fazit 81
III. Ergebnis 83
B. Völkermord 88
I. Die Massenvernichtung 88
II. Völkermord 92
1. Die generelle Bedeutung des Begriffs Völkermord 92
2. Die Kodifizierung des Völkermordes 95
3. Die Völkermordkonvention 100
a) Artikel I 101
aa) […] ist ein Verbrechen gemäß internationalem Recht 101
(1) War das Verbot des Völkermordes vor Unterzeichnung der Konvention Bestandteil des jus cogens? 101
(2) Wirkt das erga omnes-Prinzip auf das Völkermordverbot? 103
bb) […] begangen im Frieden oder im Krieg […] 104
cc) […] sie verpflichten sich zu seiner Verhütung und Bestrafung 104
(1) Verhütung 104
(2) Die Verpflichtung der Drittländer zur Prävention und Bestrafung 104
b) Artikel II 105
aa) […] Absicht zu zerstören 106
bb) […] als solche ganz oder teilweise 107
cc) […] nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe 108
(1)\tNationale Gruppe 109
(2)\tEthnische Gruppe 109
(3)\tRassische Gruppe 109
(4) Religiöse Gruppe 110
dd) Die Einzeltaten 110
(1) Tötung von Mitgliedern der Gruppe 110
(2) Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe 111
(3) Vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen; 112
(4)\tVerhängung von Maßnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind 112
(5) Gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe 113
III. Die Bewertung der Ereignisse im Osmanischen Reich gemäß der Völkermordkonvention 114
1. Objektive Tatbestandsmerkmale 114
a) Ratione temporis 114
b) Ratione loci 116
c) Das Rechtsgut 117
d) Quantität der Opfer 118
e) Die Qualität der Zerstörungshandlungen 119
2. Subjektive Tatbestandsmerkmale 119
a) Etappe I – Vorbereitung 120
aa) Ideologie 120
(1) Pan-Turanismus und der Völkermord an den Armeniern 120
(2) Pan-Islamismus und der Völkermord an den Armeniern 122
(3) Pan-Germanismus und der Völkermord an den Juden 123
(4) Antisemitismus (Völkermord an den Juden) 124
(5) Hutu-Power und Völkermord an den Tutsis 124
bb) Propaganda und Verhetzung 125
(1)\tVölkermord an den Armeniern 125
(2) Völkermord an den Juden 125
(3) Völkermord an den Tutsis 126
cc) Vernichtungsplan 127
(1) Zehn-Punkte-Programm (Völkermord an den Armeniern) 127
(2) Wannseekonferenz und Völkermord an den Juden 128
(3) Die Zehn Hutu Gebote (Völkermord an den Tutsis) 129
dd) Legalisierung 130
(1) Tehcir Gesetz und sein Beitrag am Völkermord an den Armeniern 130
(2) Nürnberger Gesetze und ihr Einfluss auf den Völkermord an den Juden 131
(3) Bahutu Manifesto und sein Einfluss auf den Völkermord an den Tutsis 132
b) Etappe II – Umsetzung der Verbrechen 132
aa) Spezialeinheiten 132
(1) Die Teşkilât-ı Mahsusa und ihr Beitrag am Völkermord an den Armeniern 132
(2) SS-Einsatzgruppen und ihr Einfluss auf den Völkermord an den Juden 133
(3) Interahamwe und ihre Beteiligung am Völkermord an den Tutsis 134
bb) Tathandlungen 134
c) Etappe III – die Konsequenzen 135
3. Fazit 135
IV. Zwischenergebnis 136
C. Staatliche Verantwortlichkeit 138
I. Einführung in die staatliche Verantwortlichkeit 138
II. Das Konzept „Staat“ 141
1. Das Staatsvolk 142
2. Die Staatsgewalt 143
3 Das Staatsgebiet 143
4. Anerkennung 143
III. Allgemeine Vorstellung der staatlichen Verantwortlichkeit 145
1. Historischer Exkurs zur Theorie der staatlichen Verantwortlichkeit 145
2. Die Subjekte der Staatenverantwortlichkeit 149
a) Internationale Organisationen 149
b) Natürliche Personen 150
c) Transnationale Organisationen 151
d) Internationale Gemeinschaft 151
3. Das Wesen der Staatenverantwortlichkeit 152
4. Die Elemente der Staatenverantwortlichkeit 153
a) Legislatives Organ 154
b) Exekutives Organ 155
c) Judikatives Organ 156
5. Die Verletzung einer völkerrechtlichen Verpflichtung 157
6. Die Rolle der Drittstaaten 161
7. Rechtfertigungsgrundlage für die Begehung des völkerrechtswidrigen Handelns 162
8. Haftung des Staates für die völkerrechtswidrige Handlung 164
a) Restitution 167
b) Schadenersatz 168
c) Genugtuung 169
9. Fazit 169
IV. Genozid als völkerrechtswidrige Handlung 170
1. Das Konzept des „Verbrecherstaates“ 173
2. Die Rolle des IGH bei der Feststellung der Staatenverantwortlichkeit für Völkermord 178
a) Pakistan v. Indien 179
b) BuH v. Jugoslawien (Serbien und Montenegro) 179
c) Jugoslawien v. NATO-Mitgliedstaaten 187
d) Kroatien v. Jugoslawien 187
e) Fazit 188
3. Wiedergutmachung für den Völkermord 191
a) Die Frage der zivil-rechtlichen Probleme 191
b) Die Frage der strafrechtlichen Probleme 199
c) Gesellschaftliche Probleme 200
V. Zwischenergebnis 200
D. Wiedergutmachung 203
I. Der armenische Völkermord und die daraus resultierende Verantwortlichkeit 203
1. Die Rechtspersönlichkeit der beteiligten Völkerrechtssubjekte 203
a) Die Rechtspersönlichkeit des Osmanischen Reiches und der Republik Türkei 206
b) Republik Armenien als Anspruchsträger 210
2. Offizielle Ansprüche der Republik Armenien 214
3. Offizielle Stellungnahme der Republik Türkei 215
4. Auslegung der Staatenverantwortlichkeit der Republik Türkei 216
II. Reparationsmöglichkeiten 218
1. Kollektive Wiedergutmachung 220
a) Anerkennung und Gedenken 222
b) Staatliche Entschuldigungen 225
c) Entkriminalisierung der Anerkennung des Völkermordes 226
aa) Dink v. Türkei 229
bb) Akcam v. Türkei 231
cc) Perincek v. Schweiz 231
dd) Fazit 232
d) Wiederherstellung zerstörter armenischer Kulturgüter auf dem Gebiet der heutigen Türkei 235
e) Recht auf Rückkehr 237
2. Individuelle Wiedergutmachung 237
a) Materielle Entschädigung für physische und psychische Schäden 240
b) Materielle Entschädigung für konfisziertes Vermögen 240
c) Materielle Entschädigung für einbehaltene Versicherungsleistungen 242
3. Fazit 243
III. Ergebnis 244
Literaturverzeichnis 247
Stichwortverzeichnis 278