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Fremdenfeindliche Straftaten

Polizeiliche Registrierung und justizielle Erledigung - am Beispiel Köln und Wuppertal

Kubink, Michael

Kölner Kriminalwissenschaftliche Schriften, Vol. 21

(1997)

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Abstract

Die Schrift behandelt ein brisantes und zugleich politisch bedrückendes Thema. Sie analysiert den Umgang der Instanzen sozialer Kontrolle (Polizei, Staatsanwaltschaften, Jugendgerichte, -gerichtshilfen) mit Straftaten, die als fremdenfeindlich qualifiziert worden sind. Ausgangspunkt bilden 1027 polizeiliche Ermittlungsverfahren, die im Jahre 1993 in den Landgerichtsbezirken Köln und Wuppertal eingeleitet wurden. Untersucht werden die polizeilichen Merkmalserfassungen sowie teilweise auch die anschließende justizielle Erledigung.

Die Ergebnisse der Studie sind ernüchternd, aber auch weiterführend. Sowohl eine sehr offen gehaltene Definition der "fremdenfeindlichen Straftat" als auch geringe Aufklärungsquoten von ca. 35 % ermöglichen weite Interpretationsspielräume, die politisch recht "frei" genutzt werden können. Schnelle und oberflächliche Zuordnungen zur Fremdenfeindlichkeit lassen erkennen, wie sehr die betreffende Kriminalität von problematischen Etikettierungen abhängt. Die zutage tretenden Befunde liefern keine Argumente für eine "Aufrüstung" der Justiz.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Zum Geleit 5
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Tabellenverzeichnis 14
Schaubildverzeichnis 16
Abkürzungsverzeichnis 19
Ausgangssituation und Fragestellung 21
A. Die Erhebungen bei den Polizeibehörden 24
I. Datenbasis und Stichprobenbildung 24
II. Auswertung der Befunde 25
1. Zeitliche Verteilung der polizeilichen Ermittlungsvorgänge 25
a) Befunde in Köln und Wuppertal 25
b) Kontrast mit Bundes- und Landeswerten im Zeitverlauf 26
c) Häufigkeitsziffern fremdenfeindlicher Straftaten differenziert nach Bundesländern 29
d) Erste Erklärungen für die zeitliche Verteilung der Registrierung fremdenfeindlicher Delikte 32
2. Die Entdeckung der fremdenfeindlichen Straftat 34
a) Kategorienbildung 35
b) Kategorienverteilung 37
aa) Die Kölner Stichprobe 37
bb) Die Wuppertaler Verfahren 39
cc) Das Kölner Gesamtaufkommen 40
dd) Kontrast mit Bundes- und Landeswerten hinsichtlich der Deliktsverteilung 43
c) Kategorienverteilung im Zeitverlauf 48
d) Zeitliche Verteilung der Kategorien differenziert nach dem Kölner und Wuppertaler Stadtgebiet und dem jeweiligen Umfeld 49
3. Die Definition der fremdenfeindlichen Straftat – Motivbewertungen bei den einzelnen Kategorien 54
a) Motivbewertung im Vergleich der Kölner Stichprobe und der Wuppertaler Verfahren 55
b) Motivbewertung bezogen auf das Kölner Gesamtaufkommen 58
c) Veranschaulichung der Motivattribution anhand ausgewählter Beispiele aus Köln und Wuppertal 64
aa) Definitionskriterien bei verdeckten Taten der K1 und K2 64
bb) Definitionskriterien bei offen begangenen Taten der K3 71
cc) Definitionskriterien bei Gewaltdelikten der K4–K6 74
dd) Definitionskriterien bei Diebstählen der K7 83
ee) Gebrauch der Definition bei Taten unter Ausländern (K8) 84
ff) Definitionskriterien im Grenzbereich fremdenfeindlicher Taten (K10) 87
d) Zusammenfassende Kritik der Definition – praktische Bedeutung für die statistische Erfassung fremdenfeindlicher Straftaten 89
4. Fremdenfeindliche Straftaten und Täterermittlung 92
a) Aufklärungsquote 93
b) Verhältnis von Täterermittlung und Motivbewertung 101
c) Einzelne Ermittlungsstrategien 105
5. Art der Verfahrenseinleitung 108
6. Tatort und äußere Tatsituation 115
7. Innerer Tatrahmen – Sozialdaten, Entstehungszusammenhänge 120
a) Tätermerkmale 120
b) Opfermerkmale 129
c) Innere Tatgenese 137
aa) Täter-Opfer-Beziehungen 137
bb) Entstehungs- und Thematisierungsbedingungen – vom Fremdenhaß zur “Fremdenfeindlichkeit” 140
8. Tauglichkeit des Merkmals “fremdenfeindliche” Straftat 144
a) Begriffliche Ungenauigkeit 144
b) Verzicht auf “Fremdenfeindlichkeit” – Einbußen bei der Strafverfolgung? 146
c) Kooperationsbedürfnisse 147
B. Die Erhebungen bei den Justizbehörden 149
I. Aufgabenstellung und Methodik 149
II. Auswertung der Befunde 150
1. Ermittlungstätigkeit der Staatsanwaltschaft – “Werdegang” der Verfahren 150
2. Staatsanwaltschaft als Anklage- und Erledigungsbehörde 155
a) Verfahrenseinstellungen gemäß § 170 Abs. 2 StPO 159
b) Verfahrenseinstellungen gemäß § 153 Abs. 1 StPO 164
c) Verfahrenseinstellungen gemäß § 153a StPO 165
d) Verfahrenseinstellungen gemäß § 376 StPO 167
e) Verfahrenseinstellungen gemäß §§ 154, 205 StPO 168
f) Informelle Sanktionen nach dem Jugendstrafrecht 169
3. Verurteilungen nach dem allgemeinen Strafrecht 171
a) Verurteilungen in Köln 171
b) Verurteilungen in Wuppertal 172
4. Verurteilungen nach dem Jugendstrafrecht 173
a) Verurteilungen in Köln 173
b) Verurteilungen in Wuppertal 174
5. Anklageerhebung, Eröffnungsbeschluß und Verfahrensdauer 178
6. Entscheidungsgründe – Berücksichtigung von Täterpersönlichkeit und Tatmotiv 180
7. Anwaltliche Vertretung – Beteiligung der JGH 183
III. Bestandsaufnahme justizieller Sanktionen 187
C. Dogmatischer Teil 189
I. Kriminalpolitische Aspekte der Fremdenfeindlichkeit 189
II. Strafrechtssystematische Aspekte der Fremdenfeindlichkeit 190
III. Reaktionsmodell für fremdenfeindliche Straftaten 192
1. Straftaten der Kl und K2 193
a) Im Zweifel für die eingriffsschwächere staatliche Maßnahme 194
b) Stigmatisierung durch Ausgrenzung 196
c) Episodenhaftigkeit von Jugendkriminalität 196
d) Normalität von Jugendkriminalität 197
e) Zusammenfassung der Sanktionsvorschläge für leichtere fremdenfeindliche Delikte im Vergleich mit der justiziellen Praxis 198
2. Straftaten der K3 und K5 200
a) Die forensische Praxis – Arbeitsweisung gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 4 JGG 201
b) Täter – Opfer – Ausgleich gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 7 JGG 202
aa) Zielsetzung 202
bb) Anwendbarkeit auf fremdenfeindlich motivierte Taten 203
cc) Mitwirkungsbedürfnisse von Täter und Opfer 204
3. Straftaten der K4 und K6 208
a) Betreuungsweisung gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 5 JGG 208
aa) Anwendungsvoraussetzungen und Ziele 208
bb) Chancen der Betreuungsweisung 209
b) Sozialer Trainingskurs gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 6 JGG 211
aa) Anwendungsvoraussetzungen und Ziele 211
bb) Möglichkeiten gegenüber fremdenfeindlichen Gewalttätern 212
cc) Elemente pädagogischer Jugendarbeit im einzelnen 215
c) Zuchtmittel – insbesondere der Jugendarrest 219
aa) Allgemeine Aspekte 219
bb) Jugendarrest gemäß § 16 JGG 219
cc) Geldbuße gemäß § 15 Abs. 1 Nr. 4 JGG 222
dd) Arbeitsauflage gemäß § 15 Abs. 1 Nr. 3 JGG 222
ee) Zweckmäßigkeit von Zuchtmitteln bei fremdenfeindlichen Straftaten 223
d) Jugendstrafe gemäß § 17 JGG 223
aa) Jugendstrafe aufgrund von schädlichen Neigungen gemäß § 17 Abs. 2 1. Alt. JGG 224
bb) Jugendstrafe aufgrund der Schwere der Schuld gemäß § 17 Abs. 2 2. Alt. JGG 226
(1) Schuldbegriff 227
(2) “Schwere der Schuld” als Konzept der Generalprävention 228
(3) (Jugend-)Strafrechtliche Bedenken gegen das Konzept der Generalprävention 231
cc) Gestaltungsmöglichkeiten der Jugendstrafe 232
dd) Jugendstrafe und kriminalpolitische Forderungen 234
(1) Das besondere Strafbedürfnis des “Fremdenfeindes” 234
(2) Kriminalpolitische Aspekte des Konzepts der Generalprävention – Moralunternehmertum 239
IV. Antworten auf die dogmatischen und rechtspolitischen Fragen 241
Gesamtbewertung 244
Literaturverzeichnis 253