Menu Expand

Das beschleunigte Strafverfahren gem. §§ 417 ff. StPO

Schröer, Eike

Schriften zum Prozessrecht, Vol. 140

(1998)

Additional Information

Book Details

Pricing

Abstract

Durch das Verbrechensbekämpfungsgesetz vom 28.10.1994 wurde das beschleunigte Verfahren in den §§ 417ff. StPO neu geregelt. Die Neuregelung soll eine vermehrte Anwendung dieser Verfahrensart erreichen und zur Justizentlastung beitragen. Sie wird in der Rechtslehre kontrovers diskutiert.

Die Arbeit stellt den Ablauf des beschleunigten Verfahrens vom Abschluß des Ermittlungsverfahrens bis hin zum erstinstanzlichen Urteil und zu möglichen Rechtsmitteln dar. Dabei wird jeweils der Bezug zum Regelverfahren hergestellt und untersucht, ob trotz der Verfahrensvereinfachungen noch ein rechtsstaatliches Strafverfahren gewährleistet ist. Nach einem geschichtlichen Rückblick werden die rechtlichen Voraussetzungen der Neuregelung erarbeitet. Die Auseinandersetzung mit den prozessualen Rahmenbedingungen bejaht die Verfassungsmäßigkeit des durch Gesetz vom 17.7.1997 neu in die Strafprozeßordnung eingefügten § 127b StPO. Auf die Prüfungskompetenzen des Gerichts und die Reaktionsmöglichkeiten auf einen Antrag auf Durchführung des beschleunigten Verfahrens wird eingegangen. Es folgen eine Erörterung der Fälle einer notwendigen Verteidigung und eine Darstellung der Vorbereitung der Hauptverhandlung. Der Ablauf der Hauptverhandlung wird eingehend behandelt, insbesondere werden die Einschränkungen der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme und die erleichterte Ablehnungsmöglichkeit von Beweisanträgen untersucht.

Die Arbeit ergibt, daß den dem beschleunigten Verfahren anhaftenden rechtsstaatlichen Bedenken durch eine restriktive Auslegung begegnet werden kann. Ein Bericht über Erfahrungen in der Praxis zeigt, daß die Erwartungen des Gesetzgebers trotz guter Ansätze noch nicht erfüllt werden.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 17
1. Kapitel: Einleitung 23
A. Arten von vereinfachten Verfahren 23
B. Ziel der Arbeit 25
2. Kapitel: Historische Grundlagen des beschleunigten Verfahrens 27
A. Vom kanonischen Recht bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts 27
I. Erste Formen eines abgekürzten Verfahrens 27
II. Der deutsche Strafprozeß des Mittelalters 29
III. Mitte des 19. Jahrhunderts 31
B. Von der Reichsstrafprozeßordnung bis zum Verbrechensbekämpfungsgesetz von 1994 33
I. Die Reichsstrafprozeßordnung 33
II. Verordnungen bis 1945 36
1. „Emminger-Notverordnung\" vom 4.1.1924 36
2. Notverordnungen von 1931 bis 1933 37
a) Verordnung vom 28.3.1931 38
b) Verordnung vom 6.10.1931 39
c) Verordnungen vom 1.8.1931, 17.11.1931 und vom 8.12.1931 39
d) Erste Verordnung vom 14.6.1932 40
e) Zusammenfassung 40
3. 1933 bis 1939 41
4. Kriegsgesetzgebung 42
a) Verordnung vom 1.9.1939 42
b) Zuständigkeitsverordnung vom 21.2.1940 43
c) Verordnung vom 13.3.1940 45
III. Die Nachkriegsjahre 45
IV. Das Vereinheitlichungsgesetz vom 12.9.1950 46
V. Die Zeit bis zum Verbrechensbekämpfungsgesetz von 1994 47
C. Zusammenfassung zur bisherigen Entwicklung und Praxis 49
I. Entwicklung 49
II. Praxis der fünfziger und sechziger Jahre 49
III. Praxis bis 1994 51
D. Das Verbrechensbekämpfungsgesetz von 1994 52
I. Ablauf des Gesetzgebungsverfahrens 52
II. Gesetzgeberisches Ziel der Neuregelung des beschleunigten Verfahrens in den §§ 417-420 StPO 53
III. Systematische Stellung in der Strafprozeßordnung 53
IV. Kurzer Überblick über den Ablauf des beschleunigten Verfahrens gem. §§ 417 ff StPO 54
V. Praxis seit Erlaß des Verbrechensbekämpfungsgesetzes 55
3. Kapitel: Das Rechtsstaatsprinzip im Strafverfahren 58
4. Kapitel: Voraussetzungen des beschleunigten Verfahrens 63
A. Anwendungsbereich des beschleunigten Verfahrens 63
I. Amtsgerichtlicher Anwendungsbereich 63
1. Grundsatz 63
2. Aufteilung zwischem dem Strafrichter und dem Schöffengericht nach dem Gerichtsverfassungsgesetz 63
a) Zuständigkeit des Strafrichters auch bei Verbrechen? 64
b) Begrenzung der strafrichterlichen Zuständigkeit auf Sachen von minderer Bedeutung? 65
3. Erweitertes Schöffengericht gem. § 29 II GVG 70
II. Begrenzung durch § 419 I StPO 71
III. Verhältnis zum Strafbefehlsverfahren 72
IV. Ausschluß des beschleunigten Verfahrens 73
B. Eignung für das beschleunigte Verfahren 73
I. Erfordernis eines einfachen Sachverhalts oder einer klaren Beweislage 74
1. Eignung aufgrund eines einfachen Sachverhalts 74
2. Eignung aufgrund klarer Beweislage 79
a) Verhältnis zur Eignungsvariante des einfachen Sachverhalts 79
b) Klare Beweislage 80
II. Möglichkeit sofortiger Verhandlung 81
III. Strafrahmenbegrenzung gem. § 419 I StPO 84
1. Als Bestandteil der Eignungsprüfung 84
2. Strafrahmenbegrenzung des § 419 I 2 StPO und Gesamtstrafe 85
5. Kapitel: Ablauf des beschleunigten Verfahrens 88
A. Vorläufige Festnahme und Hauptverhandlungshaft gem. § 127b StPO 88
I. Grundsätzliches 88
II. Die vorläufige Festnahme gem. § 127b I StPO 90
1. Zur Festnahme berechtigter Personenkreis 91
2. Auf frischer Tat betroffen oder verfolgt 91
3. Festnahmegründe 91
a) § 127b I Nr. 1 StPO 91
b) § 127b I Nr. 2 StPO 93
4. Ungeschriebene Voraussetzung: Gefahr im Verzug? 95
III. Die Hauptverhandlungshaft gem. § 127b II StPO 96
1. Voraussetzungen 96
a) Dringender Tatverdacht 97
b) Haftgrund 97
c) Verhältnismäßigkeitsprinzip 98
2. Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz? 101
3. Erlaß, Vollstreckung und Vollzug 103
B. Das Ermittlungsverfahren 104
C. Antrag auf Durchfuhrung des beschleunigten Verfahrens 105
I. Grundsätzliches 105
II. Prozessuale Bedeutung des Antrags nach § 417 StPO 105
III. Zeitpunkt der Antragstellung 106
IV. Rücknahme des Antrags 107
V. Form und Inhalt 108
VI. Anklageerhebung 109
D. Prüfungskompetenz des Gerichts 110
I. Überprüfung der Geeignetheit für das beschleunigte Verfahren 111
1. Besondere Voraussetzungen des beschleunigten Verfahrens 111
a) Inhalt 111
b) Art der Entscheidung bei Fehlen der besonderen Eignungsvoraussetzungen 111
aa) Vor Rechtshängigkeit 111
bb) Nach Rechtshängigkeit 112
c) Konsequenz der Ablehnungsentscheidung 112
d) Beschwerde gegen die Ablehnungsentscheidung 112
2. Allgemeine Prozeßvoraussetzungen 113
a) Prüfungspflicht 113
b) Art der Entscheidung 113
aa) Sachliche Zuständigkeit 114
(1) Zuständigkeit des Amtsgerichts 114
(2) Zuständigkeit des Strafrichters oder des Schöffengerichts 115
bb) Örtliche Zuständigkeit 118
(1) Umfang der Prüfungspflicht 118
(2) Art der Entscheidung bei Feststellung der örtlichen Unzuständigkeit 119
cc) Sonstige allgemeine Prozeßvoraussetzungen 120
3. Hinreichender Tatverdacht 121
a) Prüfungsrecht oder Prüfungspflicht 121
b) Art der Entscheidung bei fehlendem hinreichenden Tatverdacht 124
II. Eröffnung der Hauptverhandlung im Regelverfahren gem. § 419 III StPO 126
1. Gewährung rechtlichen Gehörs 127
2. Zusätzliche Beweiserhebungen 128
3. Verfahrensweise bei fehlendem hinreichendem Tatverdacht 130
E. Verteidigerbestellung 130
I. Fälle der notwendigen Verteidigung im beschleunigten Verfahren 131
1. § 418 IV StPO 131
2. § 140 I Nr. 2 StPO 132
3. § 140 II StPO 133
a) Schwere der Tat 133
b) Schwierigkeit der Sach- und Rechtslage 135
c) Der Beschuldigte kann sich nicht selbst verteidigen 137
II. Durchführung der Verteidigerbestellung 139
III. Zeitpunkt der Verteidigerbestellung 142
F. Vorbereitung der Hauptverhandlung 142
I. Vorbereitung der „sofort\" durchgeführten Hauptverhandlung iSv § 418 I 1. Alt StPO 143
1. Vorführung des Beschuldigten 143
a) Verwahrung 143
b) Prüfung der Rechtmäßigkeit der Verwahrung? 144
2. Freiwillige Gestellung 145
3. Probleme der sofort durchgeführten Hauptverhandlung 146
a) Fehlendes rechtliches Gehör vor der Hauptverhandlung? 146
b) Übereilungsgefahr und Einschränkung der Verteidigungsmöglichkeiten? 147
c) Praktische Hemmnisse 149
II. Vorbereitung der Hauptverhandlung in „kurzer Frist\" iSv § 418 I 2. Alt. StPO 150
1. Terminsbestimmung 150
2. Anordnung der Ladungen 151
a) Ladung des Beschuldigten 151
aa) Erfordernis einer Ladung 151
bb) Mitteilung der Anschuldigung 151
cc) Ladungsfrist 152
b) Ladung des Verteidigers 153
c) Ladung von Zeugen und Sachverständigen 154
3. Sonstige Vorbereitung der Hauptverhandlung 154
G. Durchführung der Hauptverhandlung 155
I. Beginn der Hauptverhandlung 155
II. § 420 I – III StPO 156
1. Verlesung von Vernehmungsniederschriften und schriftlichen Äußerungen gem. § 420 I StPO 156
a) Der Grundsatz der Unmittelbarkeit 156
b) Einschränkung durch § 420 I StPO 158
aa) Arten verlesbarer Schriftstücke 158
(1) Vernehmungsniederschriften 158
(2) Urkunden iSv § 420 I StPO 159
bb) Auswirkungen von Zeugnisverweigerungsrechten 160
c) Zustimmungerfordernis gem. § 420 III StPO 163
d) Anordnung der Verlesung 165
e) Unterschied zum Normalverfahren 165
f) Probleme für die Wahrheitsfindung und die Verteidigungsinteressen des Betroffenen 166
g) Weitergeltung der §§ 251 ff StPO 168
2. Verlesung von Erklärungen iSv § 420 II StPO 169
a) Arten von Erklärungen 169
b) Verlesung mit Zustimmung der Verfahrensbeteiligten, § 420 III StPO 171
c) Begrenzung durch die richterliche Aufklärungspflicht 171
III. § 420 IV StPO 173
1. Der Grundsatz der richterlichen Aufklärungspflicht 174
2. Der Beweisantrag in der Hauptverhandlung 174
3. Verhältnis zwischen Beweisantragsrecht und Sachaufklärungspflicht 175
a) Übereinstimmung der Aufklärungspflicht mit dem Antragsrecht? 175
b) Beweisantragsrecht als weitergehendes Recht und eigene Stellungnahme 177
IV. Probleme für das beschleunigte Verfahren, die sich aus allgemeinen Verfahrensvorschriften der Strafprozeßordnung ergeben 185
1. Das Selbstleseverfahren gem. § 249 II StPO 185
a) Grundsätzliches 185
b) Verstoß gegen das Mündlichkeitsprinzip? 186
2. § 257a StPO 189
H. Rechtsmittel 191
I. Berufung 191
1. Gerichtliche Zuständigkeit 191
2. Annahme der Berufung 191
3. Geltung der Vorschriften des beschleunigten Verfahrens in der Berufung 192
a) § 420 StPO 192
b) § 418 IV StPO 197
4. Berufungsgründe 197
a) Fehlerhafte Beurteilung der Eignungsfrage 197
b) Fehlerhafter Antrag der Staatsanwaltschaft 197
c) Überschreitung der Rechtsfolgenkompetenz 198
II. Revision 202
1. Zuständigkeit des Revisionsgerichts 202
2. Besonderheiten im beschleunigten Verfahren 202
a) Überschreitung der Rechtsfolgenkompetenz 202
b) Verletzung der richterlichen Aufklärungspflicht 203
6. Kapitel: Zusammenfassung der Ergebnisse 204
7. Kapitel: Schlußbemerkung 211
Literaturverzeichnis 215
Sachwortverzeichnis 227