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Staat und Wirtschaft im Ersten Weltkrieg

Kriegsgesellschaften als kriegswirtschaftliche Steuerungsinstrumente

Roth, Regina

Schriften zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Vol. 51

(1997)

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Abstract

Der Erste Weltkrieg spielte sich nicht nur auf den Schlachtfeldern ab, sondern führte auch im Innern der betroffenen Staaten zu heftigen Verteilungs- und Machtkämpfen. Die Umstellung der Wirtschaft von Friedens- auf Kriegsproduktion unter völlig veränderten außenwirtschaftlichen Konstellationen warf die Frage nach staatlicher Intervention ebenso auf wie nach der Verteilung der daraus entstehenden Lasten. Eine Antwort darauf war die Gründung von Kriegsgesellschaften, die knappe Güter bewirtschaften sollten. Die Autorin untersucht anhand der Kriegsgesellschaften, die sich mit Eisen und Stahl, Nichteisenmetallen und Chemikalien befaßten, die Konflikte, die aus Reglementierung und Kontrolle der Rohstoffwirtschaft resultierten.

Es wird gezeigt, daß die Bereitschaft staatlicher Stellen zur Intervention in den Wirtschaftsablauf sich im Laufe des Krieges verstärkte, während gleichzeitig der Spielraum zur Realisierung solcher Regulierungsmaßnahmen beständig abnahm. Treibende Kraft waren die neu errichteten militärischen Institutionen, allen voran die Kriegsrohstoffabteilung, teilweise auch das Waffen- und Munitionsbeschaffungsamt. Sie mußten sich nicht allein mit den Vertretern der Wirtschaft, sondern oft auch mit den zivilen Behörden auseinandersetzen. Was die Lastenverteilung anging, gab es eine Reihe von Maßnahmen, um die Wirtschaft an den Kosten und Risiken des Krieges zu beteiligen, wie beispielsweise die immer wieder aufflammende Diskussion um die Beschränkung von Preisen und Gewinnen deutlich macht. Aufs Ganze gesehen scheiterten diese Versuche weitgehend, denn die Befürworter, die sich auch hier vorwiegend in den neu geschaffenen militärischen Behörden fanden, trieben keine stringente Verteilungspolitik. Vielmehr standen sie ständig im Konflikt zwischen Sicherung des Rüstungsbedarfs und Sicherung des sozialen Friedens, zwei Zielen, die kaum miteinander zu vereinbaren waren.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungen 9
Einleitung 15
I. Die Verteilung von Kompetenzen in der Rohstoffbewirtschaftung 28
1. Rechtliche und organisatorische Grundlagen 28
2. Die Rolle der zivilen Behörden 40
3. Die Kriegsrohstoffabteilung und die Leitung der Rohstoffwirtschaft 52
4. Einbindung wirtschaftlicher Interessenvertreter 75
II. Kriegsgesellschaften als neue Institutionen 103
1. Gründung 103
2. Organisationsstrukturen 116
3. Kompetenzen 146
III. Beschaffung von Rohstoffen 157
1. Kauf in- und ausländischer Rohstoffe 157
2. Melde- und Auskunftspflicht 166
3. Beschlagnahme und Enteignung 174
a) Gesetzliche Grundlage 175
b) Handhabung 179
c) Grundsätze der Entschädigungsregelung 189
4. Produktionsförderung 193
a) Projekte 194
b) Finanzierung 206
c) Preisfestsetzung 217
d) Regelung des Absatzes 226
IV. Verteilungsmechanismen 232
1. Zuweisung und Mengenkontingentierung 232
a) Formen der Einflußnahme auf die Verteilung 233
b) Verteilungspolitik 245
2. Ausfuhr 257
3. Staatliche Preispolitik 275
a) Preissteigerungen 276
b) Begrenzung von Preisen 287
c) Gewinnbegrenzung 306
V. Kontrollmechanismen in der Kriegswirtschaft 320
1. Direkte Kontrolle durch die Militärbehörden und ihre Abteilungen 321
2. Delegation von Kontrollfunktionen an eigenständige Institutionen 340
3. Parlamentarische Kontrolle 367
4. Sanktionen 373
VI. Der Abbau der Rohstoffbewirtschaftung 391
Schlußbetrachtung 411
Quellen 422
Literatur 426
Register 441