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Die Geschichte der polnischen Lehre vom Irrtum im Strafrecht

Unter besonderer Berücksichtigung des Irrtums über die Rechtfertigungsgründe

Lewandowski, Robert

Schriften zum Strafrecht, Vol. 123

(2001)

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Abstract

Gegenstand der Arbeit ist die Darstellung der Entwicklung der polnischen Irrtumslehre mit besonderer Berücksichtigung des Irrtums über Rechtfertigungsgründe. Die Untersuchung umfaßt vorwiegend den Zeitraum von 1918 bis 1997. Neben der Genese der Irrtumslehre liefert der Autor auch ein Stück polnischer Dogmengeschichte. Der Schwerpunkt der Darstellung wird dabei auf den Zeitraum von 1918 bis 1939 gesetzt. Ein wichtiges Anliegen der Abhandlung ist die kritische und zeitimmanente Auseinandersetzung mit dem historischen Stoff. Der Verfasser verfolgt keine rechtsvergleichende Zielsetzung. Vielmehr wird angestrebt, das polnische Irrtumsrecht primär aus den eigenen Gesetzesquellen zu erschließen.

Die Geschichte der polnischen Irrtumslehre stellt einen wechselvollen und lebhaften Prozeß dar. So ist die Zwischenkriegszeit durch die Entdeckung subjektiver Unrechtselemente, die Einbeziehung des Unrechtsbewußtseins in den Schuldbereich und den Übergang vom psychologischen zum normativen Schuldbegriff gekennzeichnet. Die Nachkriegszeit manifestiert sich in den Auseinandersetzungen um das neue Verbrechensmerkmal der sozialen Gefährlichkeit und Bestrebungen, den Deliktsvorsatz dem Tatbestandsbereich zuzuordnen. Die gesamte Bewegung kulminiert schließlich in dem Versuch, den Irrtum über die Rechtfertigungsgründe im künftigen Strafgesetzbuch zu regeln.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 17
A. Einleitung 19
B. Historischer Überblick über die Gesetzeslage in Polen bis 1932 22
I. Einführung 22
II. Besatzungszeit (1772–1918) 23
1. Strafrecht in Galizien 23
2. Strafrecht in dem von Preußen annektierten Land 23
3. Strafrecht im Herzogtum Warschau und im Königreich Polen 23
III. Der Zeitraum von 1918 bis 1932 25
C. Polnische Verbrechens- und Irrtumslehre im 19. Jahrhundert 26
D. Der Zeitraum von 1918 bis 1932 30
I. Dogmengeschichtlicher Hintergrund 30
II. Allgemeines über die damalige Verbrechenslehre 31
III. Irrtumslehre 33
Vorbemerkung 33
1. Zum Begriff des Irrtums 34
2. Die Stellung des Irrtums im Verbrechensaufbau. 34
3. Der Stand der polnischen Irrtumsdogmatik 34
a) Rechtslehre 34
b) Rechtsprechung 38
aa) Allgemeines 38
bb) Die reichsgerichtliche Lehre vom außerstrafrechtlichen und strafrechtlichen Rechtsirrtum und Tatirrtum 38
cc) Die Stellungnahme in der deutschen Lehre zu der Irrtumsunterscheidung des Reichsgerichts 39
dd) Die Rechtsprechung des Obersten Polnischen Gerichts 40
(1) Urteile vom 25.06. und 20.04.1921 (zu § 59 RStGB) 40
(2) Urteil vom 14.11.1921 (zu Art. 43 russ. StGB) 41
(3) Urteil vom 13.06.1922 (zu Art. 43 russ. StGB) 42
(4) Urteil vom 18.10.1922 (zu § 59 RStGB) 43
(5) Urteil vom 27.11.1922 (zu Art. 43 russ. StGB) 44
(6) Urteil vom 11.02.1929 (zu § 59 RStGB) 44
c) Zusammenfassung 47
4. Die Behandlung von Rechtfertigungsgründen und Rechtswidrigkeit 48
a) Stellungnahmen zum Stand der Forschung in der Lehre 48
b) Zusammenfassung 49
5. Der Irrtum über die Rechtfertigungsgründe 50
a) Rechtslehre 50
b) Zusammenfassung 53
c) Rechtsprechung 53
aa) Urteil vom 7.01.1919 (zu Art. 43 russ. StGB) 53
bb) Urteil vom 22.11.1920 (zu Art. 43, 45 russ. StGB) 54
cc) Urteil vom 28.10.1921 (zu Art. 43, 45 russ. StGB) 54
dd) Urteil vom 5.02.1925 (zu § 59 RStGB) 55
ee) Urteil vom 30.06.1927 (zu Art. 43 russ. StGB) 55
ff) Urteil vom 24.10.1929 (zu § 2 öStGB) 56
gg) Urteil vom 10.12.1930 56
d) Zusammenfassung 56
6. Gesetzentwürfe zum neuen polnischen Strafgesetzbuch 57
E. Der Zeitraum von 1932 bis 1939 59
I. Entstehungsgeschichte des ersten polnischen Strafgesetzbuches 59
II. Entwürfe und die Endfassung des polnischen Strafgesetzbuches von 1932 60
1. Der Vorentwurf zum Strafgesetzbuch von Makarewicz 60
2. Der Vorentwurf zum Strafgesetzbuch nach der ersten Lesung 63
3. Der Vorentwurf zum Strafgesetzbuch nach der zweiten Lesung 64
4. Der Vorentwurf zum Strafgesetzbuch nach der dritten Lesung 68
5. Der Gesetzentwurf der Strafrechtskommission der Polnischen Gesellschaft für Kriminalgesetzgebung 68
6. Der Gegenentwurf von Makowski 69
7. Das polnische Strafgesetzbuch von 1932 in seiner Endfassung 71
III. Zum Verbrechensaufbau in der polnischen Lehre dieser Zeit 72
1. Die Auffassung von Glaser und Mogilnicki 72
2. Die Auffassung von Wolter 73
3. Die Auffassung von Śliwiński 75
4. Zusammenfassung 76
IV. Die Irrtumslehre 76
1. Zum Begriff des Irrtums 76
2. Zum Stand der polnischen Irrtumslehre (allgemeine Übersicht) 77
a) Rechtslehre 77
b) Die Rechtsprechung des Obersten Polnischen Gerichts 78
aa) Urteil vom 23.08.1934 78
bb) Urteil vom 10.01.1935 78
cc) Urteil vom 20.04.1936 79
c) Zusammenfassung 80
V. Auslegung der Art. 14 § 1 und Art. 20 § 2 pStGB 80
1. Die Auffassung von Wolter 81
2. Die Auffassung von Makarewicz 83
3. Die Auffassung von Pławski 85
4. Die Auffassung von Bzowski 87
5. Die Auffassung von Aker 88
6. Die Auffassung von Śliwiński 90
7. Die Auffassung des Obersten Polnischen Gerichts – Urteil vom 21.04.1934 93
8. Kritik 95
a) Exkurs zu den Begriffen der „Straftat“ und „gerechtfertigt“ 95
aa) Der Begriff der „Straftat“ 96
bb) Der Begriff „gerechtfertigt“ in Art. 20 § 2 98
b) Kritischer Teil und eigener Lösungsversuch 99
VI. Rechtfertigungsgründe und die Frage der Rechtswidrigkeit 103
1. Das Verhältnis der Rechtswidrigkeit zum Tatbestand 103
2. Die subjektiven Rechtfertigungselemente 105
3. Zu der Lehre von den Konträrtypen 108
VII. Der Irrtum über die Rechtfertigungsgründe 110
1. Zur Rechtsnatur der Notwehr- und Notstandshandlung 110
a) Die Notwehrhandlung 110
b) Die Notstandshandlung 111
aa) Meinungsstand in der polnischen Lehre 111
bb) Standpunkt der Rechtsprechung 112
2. Putativrechtfertigung 113
a) Rechtslehre 113
aa) Die Auffassung von Makarewicz 113
bb) Die Auffassung von Glaser 114
cc) Die Auffassung von Wolter 115
(1) Zum Irrtum über die Rechtfertigungsgründe im allgemeinen 115
(2) Exkurs: Die zeitliche Struktur der Rechtfertigung und die Umkehr des Verhältnisses von Wissen und Wollen bei Vorsatz und Rechtfertigungsbewußtsein. Einige kritische Anmerkungen zur These von Wolter 118
(3) Zum Irrtum über ein wertbezogenes und deskriptives Rechtfertigungselement 120
dd) Die Auffassung von Berger und Śliwiński 122
(1) Berger 122
(2) Śliwiński 128
ee) Putativnotstand 130
b) Zusammenfassung 132
c) Rechtsprechung 132
aa) Urteil vom 6.12.1932 132
bb) Urteil vom 27.06.1933 133
cc) Urteil vom 28.11.1933 133
dd) Urteil vom 16.05.1935 134
ee) Urteil vom 20.04.1936 134
ff) Urteil vom 7.05.1937 135
d) Zusammenfassung 135
F. Der Zeitraum von 1945 bis 1969 138
I. Verbrechenslehre 139
1. Das Kriterium der sozialen Gefährlichkeit und seine Funktion 140
2. Das Verhältnis zwischen sozialer Gefährlichkeit und Rechtswidrigkeit 143
3. Die Diskussion um den Schuldbegriff 147
4. Zusammenfassung 148
II. Irrtumslehre 150
1. Rechtslehre 150
a) Allgemeines 150
b) Der Irrtum über die Rechtfertigungsgründe 153
aa) Allgemeines über die Behandlung von Rechtfertigungsgründen in der Lehre 153
bb) Die überwiegende Auffassung in der Lehre 155
cc) Die Auffassung von Andrejew 156
dd) Die Auffassung von Zoll (Frühwerk) 156
ee) Die Auffassung von Wolter und Mącior 158
(1) Der frühe Wolter 158
(2) Mącior 160
(3) Der spätere Wolter 165
c) Zur Kritik der Lehre von den negativen Tatbestandsmerkmalen 172
d) Zusammenfassung 174
2. Rechtsprechung 174
a) Zum Irrtum im allgemeinen 174
aa) Urteil vom 24.01.1946 175
bb) Urteil vom 24.09.1946 175
cc) Urteil vom 4.10.1946 175
dd) Urteil vom 22.06.1950 176
ee) Urteil vom 23.06.1954 176
ff) Urteil vom 20.09.1958 176
b) Der Irrtum über die Rechtfertigungsgründe 178
aa) Urteil vom 17.07.1945 178
bb) Urteil vom 12.07.1966 178
cc) Urteil vom 9.07.1968 179
III. Gesetzentwürfe zum polnischen Strafgesetzbuch 180
1. Der Entwurf von Śliwiński 181
2. Der Entwurf von 1951 183
3. Der Entwurf von 1956 186
4. Der Entwurf von 1963 189
5. Der Entwurf von 1968 und das Strafgesetz von 1969 193
G. Der Zeitraum von 1969 bis 1989 196
I. Die Verbrechenslehre 196
1. Allgemeines 196
2. Der Schuldbegriff und die Diskussion um die finale Handlungslehre 197
3. Der Begriff der „verbotenen Tat“ i. S. des Art. 120 § 1 pStGB 198
4. Die Auffassung von Zoll 199
5. Zum Kriterium der sozialen Gefährlichkeit 200
6. Die Funktion der sozialen Schädlichkeit und Gefährlichkeit 202
7. Zum Unrechtsbegriff 204
8. Zusammenfassung 206
II. Die Irrtumslehre 206
1. Zur Regelung des Irrtums im neuen Strafgesetzbuch 206
2. Zum Irrtum über die „normativen Klauseln“ 208
3. Zum Irrtum über die wertenden Merkmale 210
4. Zum Irrtum über die Rechtswidrigkeit der Tat 210
5. Der Irrtum über das Kriterium der sozialen Gefährlichkeit 212
III. Die Rechtfertigungsgründe 213
1. Zur Lehre von den Konträrtypen und zur Stellung der Rechtfertigungsgründe im Verbrechensaufbau 213
2. Zum Problem der subjektiven Rechtfertigungselemente 214
3. Der Irrtum über die Rechtfertigungsgründe 216
a) Die Auffassung von Wolter und die Lehre von den negativen Tatbestandsmerkmalen 216
b) Analoge Anwendung des Art. 24 § 1 auf den Fall der Putativrechtfertigung 217
c) Putativrechtfertigung als Verbotsirrtum 219
d) Die Auffassung von Zoll 219
4. Das Handeln in Unkenntnis der objektiven Voraussetzungen der Rechtfertigung 224
5. Zusammenfassung 225
IV. Die Rechtsprechung 225
1. Die Behandlung des Tatbestands- und Verbotsirrtums 225
a) Urteil vom 1.03.1982 225
b) Urteil vom 9.03.1983 225
2. Der Irrtum über die Rechtfertigungsgründe 227
a) Urteil vom 13.03.1974 227
b) Urteil vom 22.06.1979 228
3. Zusammenfassung 229
V. Entwürfe 230
H. Der Zeitraum von 1990 bis 1997 232
I. Verbrechensaufbau 232
1. Allgemeines 232
2. Zum Problem der Rechtswidrigkeit 233
3. Die Schuld 234
4. Zusammenfassung 235
II. Die Irrtumslehre 235
1. Zum Begriff des Irrtums 235
2. Der Tatbestandsirrtum 236
a) Die Rechtsfolge 236
b) Zum Irrtum über die normativen Klauseln 236
3. Zum Begriff des Irrtums über die Rechtfertigungsgründe 238
4. Der Irrtum über die soziale Gefährlichkeit 239
III. Der Entwurf des Strafgesetzbuches und das Gesetz 240
1. Einiges zur Entstehungsgeschichte 240
2. Der neue Gesetzestext 241
3. Die amtliche Begründung 242
4. Die Diskussion über den Entwurf in der polnischen Lehre 245
a) Verbrechensaufbau 245
aa) Zum Begriffspaar: Sozialgefährlichkeit – Sozialschädlichkeit 245
bb) Zur Stellung des Vorsatzes 246
b) Die Behandlung des Irrtums 247
aa) Der Verbotstatbestandsirrtum 247
bb) Der Irrtum über die Rechtfertigungsgründe und Entschuldigungsgründe 248
cc) Der Verbotsirrtum 250
IV. Schlußwort 251
Anhang: Wichtige Rechtsquellen 253
Literaturverzeichnis 257
Materialien zur Strafrechtsreform 273
Sachwortverzeichnis 275