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Spanien im Kalkül der deutschen Außenpolitik

von den letzten Jahren der Ära Bismarck bis zum Beginn der Wilhelminischen Weltpolitik (1883-1899)

Havemann, Nils

Quellen und Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, Vol. 11

(1997)

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Abstract

Spanien galt im 19. Jahrhundert als eine schwache Monarchie, die gehalten werden mußte, um angesichts der engen Verzahnung der internationalen Revolutionsbewegung in den romanischen Staaten vor allem die Throne in Portugal und Italien nicht der Gefahr von inneren Unruhen auszusetzen. In der vorliegenden Dissertation zeigt der Autor zum einen auf, wie Bismarck - Symbolfigur des Konservativismus - die Revolutionsbewegung in den romanischen Staaten zum Ende seiner Regierungszeit auch auf die Gefahr eines Auseinanderbrechens des Dreibundes gezielt förderte, um die nachlassende Solidarität unter den Dreikaisermächten Rußland, Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich zu festigen. Zum anderen weist die Arbeit nach, daß auch Wilhelm II. mit Ausnahme der Jahre 1890-1894 auf den Sturz der spanischen Monarchie und damit mittelbar auch auf den Sturz der Dynastien in Portugal und Italien hinarbeitete, um Erbe des spanischen Kolonialreiches zu werden.

Diese Ergebnisse basieren auf der Auswertung von Akten aus 19 Archiven in sieben Ländern. Die Auswertung des umfangreichen, zum großen Teil unbekannten Archivmaterials ermöglichte aber nicht nur, die riskante Haltung des Deutschen Reiches zu den Revolutionsbestrebungen im romanischen Europa zu erhellen, sondern auch zwei Kontroversen schlüssig zu klären, die schon seit Jahrzehnten die internationale Historiographie beschäftigten: zum einen die Frage, ob Spanien mittels einer gezielten Allianzpolitik das Desaster von 1898 hätte verhindern können; zum anderen den gerade in jüngster Zeit wieder entflammten Streit über die Frage, wie sich das Deutsche Reich gegenüber den USA während des spanisch-amerikanischen Krieges verhielt. Dabei versteht es der Autor, dieses Thema in den Zusammenhang der Geschichte der internationalen Beziehungen zu projizieren und vor allem anhand der deutsche Spanienpolitik die Unterschiede zwischen dem System Bismarck, der Ara Caprivi und der Weltpolitik Bülows darzulegen.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 12
Kapitel 1: Einleitung 15
Kapitel 2: Monarchische Solidarität im 19. Jahrhundert und die Bedeutung Spaniens im Mächtesystem 38
A. Vom Wiener Kongreß bis zum Krimkrieg 38
B. Bismarck und das Prinzip monarchischer Solidarität 46
C. Bismarcks Haltung zu Spanien und den übrigen romanischen Monarchien in Europa bis zum Vorabend der Reise Alfonsos XII. nach Deutschland 57
Kapitel 3: Spaniens beschwerlicher Weg ins Mächtekonzert: die deutsch-spanische Annäherung (1883/84) 68
A. Bismarcks Skepsis gegenüber Spanien vor dem Hintergrund der innenpolitischen Verhältnisse auf der Iberischen Halbinsel 68
1. Der Widerstand in Spanien gegen den Handelsvertrag mit dem Deutschen Reich 68
2. Bismarcks Perzeption des spanischen Verfassungssystems 72
3. Der Aufstand von Badajoz als Signum für die innenpolitische Instabilität und militärische Schwäche Spaniens 74
B. Die Reise Alfonsos XII. nach Deutschland und das französische Störfeuer 77
C. Die Reise des deutschen Kronprinzen nach Spanien 85
D. Die Aussprache in den Cortes über die Reise Alfonsos XII. und die spanische Regierungskrise von 1884 89
Kapitel 4: Die deutsch-spanische Entfremdung während der deutschen Kolonialpolitik (1884/85) 96
A. Bismarcks Stellung zur Integrität des spanischen Kolonialbesitzes 96
B. Die Anerkennung der spanischen Souveränität über den Suluarchipel 104
C. Der Streit um die Karolinen 108
1. Die politischen Spannungen im Vorfeld des Streites 108
2. Der Verlauf des Konfliktes 112
Kapitel 5: Bismarcks Spiel mit dem republikanischen Feuer in Südwesteuropa (1885/86) 121
A. Die Krise des Dreikaiserbündnisses 121
B. Bismarck über die Vorzüge der Republikanisierung Südwesteuropas 122
C. Das Schüren der Angst vor der Revolution und der Beginn der Außenpolitik Morets 129
D. Bismarcks Taktieren gegenüber den Umtrieben Ruiz Zorrillas 133
Kapitel 6: Bismarcks unfreiwillige Zustimmung zum spanisch-italienischen Abkommen: Spaniens Eintritt in den Vorhof des Dreibundes (1886/87) 140
A. Die Doppelkrise und der Ausbau des westlichen Bündnissystems 140
B. Das spanisch-italienische Abkommen von 1887 142
1. Morets Ziele und der Beginn der spanisch-italienischen Verhandlungen 142
2. Bismarcks widerwillige Befürwortung des Abkommens 148
Kapitel 7: Die Rückkehr zur Politik der Destabilisierung Spaniens: die riskante Kooperation der alten Kolonialmacht mit dem Dreibund (1887–1890) 156
A. Bismarcks Balanceakt „auf des Messers Schneide“ 156
B. Spaniens gefährliche Scheinverhandlungen mit Frankreich und Morets Projekt einer internationalen Marokkokonferenz (1887) 160
C. Deutschland, Frankreich und die Entsendung von Kriegsschiffen zur Weltausstellung in Barcelona (1888) 168
D. Vega de Armijos Forderung nach einer Revision des Abkommens mit Italien und das Gerücht über einen französisch-spanischen Geheimvertrag (1888) 172
E. Vega de Armijos Orientierungslosigkeit: die scheinbare deutsch-spanische Rivalität in Marokko (1889) 180
F. Die bewußte Gefährdung der Monarchie in Spanien durch Bismarcks Haltung zur Revolution in Brasilien (1889) 185
Kapitel 8: Deutschlands Neuer Kurs: die Verlängerung des spanisch-italienischen Abkommens (1890/91) 193
A. Die zentrale Bedeutung des Dreibundes für den Neuen Kurs und die Furcht vor der Revolution in Südwesteuropa 193
B. Der spanische Irrtum in der Providencia-Frage 197
C. Die Regierung Cánovas und die Verlängerung des spanisch-italienischen Abkommens 200
Kapitel 9: Im Strudel der deutschen Allianzpolitik: Spanien zwischen den Fronten in Europa (1891–1894) 205
A. Die Bemühungen der Wilhelmstraße um die britische Kooperation und die Folgen des deutschen Kurswechsels für den monarchischen Zusammenhalt in Europa 205
B. Der Plan einer militärischen Intervention in Portugal zur Bekämpfung der Revolution in Südwesteuropa (1891) 211
1. Berlins Bemühungen um ein Mandat 211
2. Madrids Bemühungen um ein Mandat 219
C. Der Versuch der Instrumentalisierung Spaniens gegen den französischen Anspruch auf Tuat (1891) 224
D. Die Regierung Cánovas in der Enge: die Krise der französisch-spanischen Wirtschaftsbeziehungen und die Kündigung des deutsch-spanischen Handelsvertrages (1892) 233
E. Die Regulierung der deutsch-spanischen Wirtschaftsbeziehungen und Morets Konfrontationskurs gegen Frankreich nach Zwischenfällen an der Pyrenäengrenze (1893) 244
F. Spaniens erneute Bemühungen um ein Mandat für eine Intervention in Portugal (1893) 248
G. Das Deutsche Reich und die spanisch-marokkanische Krise (1893/94) 252
1. Die Anstrengungen der Wilhelmstraße zur Beilegung des Melilla-Konfliktes und die unbeabsichtigte Kompromittierung der spanischen Monarchie 252
2. Morets wachsende Verunsicherung: der Dreibund, England und die Indemnitätsfrage 261
Kapitel 10: Der Wiederbelebungsversuch des englisch-französischen Gegensatzes: die gezielte Ausgrenzung Spaniens und Destabilisierung seines Kolonialbesitzes (1894/95) 268
A. Die Verschlechterung der deutsch-britischen Beziehungen und die Anfänge deutscher Weltpolitik 268
B. Der Widerstand der Cortes gegen den deutsch-spanischen Handelsvertrag 273
C. Moret am Scheideweg: die Hintertreibung spanischer Kolonialinteressen in Marokko durch das Deutsche Reich 278
D. Der vergebliche Protest Österreich-Ungarns gegen die destruktive Spanienpolitik der Wilhelmstraße 287
E. Berlin und die ersten Gespräche über eine Verlängerung des spanisch-italienischen Abkommens 292
F. Das erwachte Interesse am spanischen Kolonialbesitz: der Gedanke an einen Raub Rio de Oros 302
G. Berlins Veto gegen die Sicherung des spanischen Kolonialbesitzes in Südostasien 305
Kapitel 11: Im Zeichen der anvisierten Aufteilung des spanischen Kolonialbesitzes: das aussichtslose Ringen der Regierung Cánovas um eine diplomatische Beistandsverpflichtung des Dreibundes (1895/96) 313
A. Die zerfallenden Großreiche und die Politik der freien Hand 313
B. Die deutsche Obstruktionspolitik gegen die Verlängerung des spanisch-italienischen Vertrages 319
C. Das endgültige Scheitern der spanisch-italienischen Verhandlungen 325
D. Die deutsche Obstruktionspolitik gegen die Initiative Sir Drummond Wolffs zur Vermittlung im Kuba-Konflikt 338
Kapitel 12: Der unliebsame amerikanische Konkurrent: Deutschland und der Zerfall des spanischen Kolonialreiches (1897–1899) 346
A. Das deutsche Weltmachtstreben 346
B. Wilhelms II. Bemühungen um eine antiamerikanische Front 351
C. Madrids Bitte um eine europäische Intervention 360
D. Bülows Gedanke an einen päpstlichen Schiedsspruch 366
E. Die englische Initiative zur Abwendung des spanisch-amerikanischen Krieges 372
F. Das Deutsche Reich und der spanisch-amerikanische Krieg 378
1. Expansion statt Eindämmung der Revolution: deutsche Ziele im spanischamerikanischen Krieg 378
2. Das ungeduldige Warten in Berlin auf das Ergebnis der Waffenstillstandsverhandlungen 386
3. Der Rivale zur See: Berlin und der englisch-spanische Konflikt um Gibraltar 392
4. Die schmale Beute: der Kauf der Karolinen 397
5. Spaniens getäuschte Hoffnung auf das Ende seiner Isolation: Kontinentalbundgedanke und Ratifizierung des Karolinenvertrages 402
Kapitel 13: Schlußbetrachtung 411
Verzeichnis von Quellen und Literatur 421
Register 458