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Die Rezeption des kontinental-europäischen Privatrechts in Lateinamerika

am Beispiel der allgemeinen Vertragslehre in Costa Rica

Scholl, Thilo

Schriften zur Europäischen Rechts- und Verfassungsgeschichte, Vol. 26

(1999)

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Abstract

Die Arbeit hat die Rezeption des kontinental-europäischen Zivilrechts in Lateinamerika am Beispiel der allgemeinen Vertragslehre in Costa Rica zum Gegenstand. Einleitend nimmt der Autor eine rechtsvergleichende und rechtsgeschichtliche Einordnung der lateinamerikanischen Privatrechtsordnungen vor. Anschließend folgt eine Einführung in die Privatrechtsgeschichte Costa Ricas sowie in das costaricanische Schuldrecht. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen mit den vertraglichen Wirksamkeitsvoraussetzungen, den Willensmängeln, den Leistungsstörungen und der Ungültigkeit von Rechtsgeschäften ausgewählte Materien des allgemeinen Vertragsrechts, anhand derer die kontinental-europäischen Einflüsse auf das costaricanische Privatrecht nachgezeichnet werden.

Die gewonnenen Ergebnisse tragen dazu bei, die Frage nach dem Selbstverständnis der lateinamerikanischen Privatrechtsfamilie zu beantworten. Thilo Scholl schließt die Untersuchung mit einem Ausblick auf die lateinamerikanischen Bemühungen zur Privatrechtsvereinheitlichung.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 18
Einleitung 21
Kapitel 1: Einordnung der lateinamerikanischen Rechtsfamilie 24
I. Einführung 24
II. Die „eurozentrischen“ Darstellungen 24
III. Die „lateinamerikanische“ Rechtsfamilie 27
IV. Der Ansatz von Merryman 31
V. Bewertung 32
Kapitel 2: Privatrechtsentwicklung in Lateinamerika 34
I. Überblick 34
II. Zeitalter des präkolumbianischen Amerika 35
III. Zeitalter der Eroberung und Kolonisation 35
1. Rechtsquellen des „Derecho indiano“ 36
2. Einfluß des ius commune 37
3. Privatrecht in Gesetzgebung und Literatur 38
IV. Zeitalter der Unabhängigkeit 39
1. Kurzer geschichtlicher Abriß 39
2. Privatrechtsentwicklung im 19. Jahrhundert 39
a) Frühe Kodifikationsphase: Vorbildfunktion des Code Napoléon 41
b) Bello, Teixera de Freitas und Vélez Sarsfield 44
(1) Der chilenische Código Civil von Andrés Bello 45
(2) Der „Esboço“ von Augusto Teixera de Freitas 48
(3) Der argentinische Código Civil von Dalmacio Vélez Sarsfield 49
c) García Goyena und das spanische Zivilgesetzbuch 51
3. Privatrechtsentwicklung im 20. Jahrhundert 56
a) Brasilien, Peru (1936), Mexiko und Venezuela 57
b) Bolivien, Peru (1984), Paraguay und Kuba 59
V. Ergebnis 62
VI. Anhang: Überblick über die Privatrechtskodifikationen in Lateinamerika 62
Kapitel 3: Privatrechtsgeschichte in Costa Rica 65
I. Überblick 65
II. Altspanisches Recht 67
III. Código General von 1841 („Código de Carrillo“) 68
1. Politischer Hintergrund 68
2. Entstehungsgeschichte 69
a) Bekannter Sachverhalt 69
b) Kontroverse um die Urheberschaft 69
c) Rezipiertes Recht 71
3. Inhalt 72
a) Buch 1 („De las personas“) 72
b) Buch 2 („De los bienes y de las diferentes modificaciones de la propiedad“) 73
c) Buch 3 („De las diferentes maneras de adquirir la propiedad“) 74
4. Weitere Entwicklung 76
a) Neuauflage im Jahr 1858 76
b) Lehrbuch von Salvador Jiménez 76
IV. Código Civil von 1886 76
1. Politischer Hintergrund 76
2. Entstehungsgeschichte 77
3. Inhalt 81
a) Buch 1 („De las personas“) 81
b) Buch 2 („De los bienes y de la extensión y modificaciones de la propiedad“) 82
c) Buch 3 („De las obligaciones“) 82
d) Buch 4 („De los contratos y cuasi-contratos y de los delitos y cuasidelitos como causa de obligaciones civiles“) 82
4. Die Lehrbücher von Alberto Brenes Córdoba 83
V. Von der Kodifikation bis zur Gegenwart 83
1. Gesetzgeberische Tätigkeit im 20. Jahrhundert 83
2. Entwicklung einer Rechtswissenschaft 84
3. Die Rolle der Rechtsprechung 85
VI. Reformbestrebungen 87
Kapitel 4: Einführung in das Schuldrecht 89
I. Einleitung 89
II. Die Stellung des Schuldrechts innerhalb des Privatrechtssystems 90
1. Gesetzesplan 90
2. Synoptische Gegenüberstellung 90
a) Personenrecht (Buch 1) 91
b) Sachenrecht (Buch 2) 92
c) Schuldrecht (Bücher 3 und 4) 93
3. Hintergrund 95
III. Die Begründung von Schuldverhältnissen 97
1. Zugrundeliegende Fünfteilung der Obligation 97
2. Entstehung durch Vertrag 99
3. Entstehung durch Quasi-Vertrag 100
4. Entstehung durch Delikt und Quasi-Delikt 101
IV. Ergebnis 102
Kapitel 5: Abschluß, Inhalt und Gültigkeit des Vertrages 105
I. Einführung 105
1. Die Rezeption der Rechtsgeschäftslehre 105
2. Wirksamkeitsvoraussetzungen des Vertrages 107
II. Die Einigung („consentimiento“) 110
1. Vertragsschluß durch Angebot und Annahme 110
2. Erlöschen des Angebots 111
a) Ablehnung des Angebots 111
b) Ablauf der Annahmefrist 111
c) Tod oder Geschäftsunfähigkeit des Antragstellers 112
d) Widerruf des Angebots 113
3. Wirksamwerden des Angebots 116
4. Hintergrund 117
III. Die Geschäftsfähigkeit 118
1. Geschäftsfähigkeit als „requisito esencial“ 118
2. Regelung im 1. Buch 119
3. Grenzen der Geschäftsfähigkeit 119
4. Hintergrund 121
IV. Der Gegenstand einer Obligation 122
1. Inhalt einer Obligation 123
2. Anforderungen an den Gegenstand 123
a) Existenz 123
b) Erlaubtheit 123
c) Bestimmtheit 124
d) Einklagbarer Wert 124
e) Möglichkeit des Erfolgs 124
3. Hintergrund 125
V. Die „causa“ als Gültigkeitserfordernis 127
1. Die gesetzliche Regelung 127
2. Die fehlende „causa“ 128
3. Die verbotene „causa“ 129
4. Hintergrund 130
VI. Form 132
VII. Ergebnis 133
Kapitel 6: Willensmängel („vicios del consentimiento“) 135
I. Irrtum („error“) 135
1. „Error obstativo“ 136
2. „Error-vicio del consentimiento“ 136
3. „Error indiferente“ 138
4. Hintergrund 138
II. Furcht („fuerza o miedo grave“) 140
1. Gewalt oder physischer Zwang („fuerza o coacción física“) 141
2. Einschüchterung oder psychischer Zwang („intimidación o fuerza moral“) 141
3. Einfache Furcht („simple temor“) 142
4. Hintergrund 142
III. Arglistige Täuschung („dolo“) 143
1. Beachtlicher dolus 144
a) Dolus malus 144
b) Täuschung durch die Vertragspartei 144
c) Dolus principalis 145
2. Unbeachtlicher dolus 145
3. Hintergrund 145
IV. Kein Verzicht für die Zukunft 146
V. Ergebnis 147
Kapitel 7: Leistungsstörungen 148
I. Überblick 148
II. Einheitlicher Tatbestand der Nichterfüllung 149
1. Der Begriff der Nichterfüllung 149
2. Hintergrund 150
III. Nichterfüllung im einseitigen Schuldverhältnis 150
1. Vorrang der Erfüllungspflicht, Art. 693 CC 150
2. Übergang zur Schadensersatzpflicht, Art. 702 CC 151
3. Hintergrund 152
IV. Nichterfüllung im gegenseitigen Vertrag 153
1. Voraussetzungen des Art. 692 S. 2 CC 154
a) Nichterfüllung 154
b) Wesentliche Vertragsverletzung 154
c) Verschulden 155
d) Eigene Vertragstreue 156
2. Rechtsfolgen des Art. 692 S. 2 CC 156
a) Wahlrecht 156
b) Ausübung durch gerichtliche Geltendmachung 156
c) Grenzen des Wahlrechts 157
3. Einrede des nichterfüllten Vertrages 157
4. Sonderregel im Kaufrecht 158
5. Hintergrund 158
V. Entlastung des Schuldners bei nicht zu vertretender Unmöglichkeit 160
1. Voraussetzungen des Art. 830 CC 160
a) Speziesschuld 161
b) Untergang der geschuldeten Sache 161
c) Kein Verschulden 161
d) Kein Schuldnerverzug 161
e) Keine gestohlene Sache 162
2. Rechtsfolgen 162
a) Erlöschen der Leistungspflicht 162
b) Abwicklung im gegenseitigen Vertrag 162
3. Sonderregel im Kaufrecht 163
4. Hintergrund 163
VI. Exkurs zum Kaufrecht 165
1. Nichterfüllung wegen anfänglicher Unmöglichkeit 165
2. Rechtsmängelhaftung 166
3. Sachmängelhaftung 167
4. Hintergrund 168
VII. Ergebnis 171
Kapitel 8: Die Ungültigkeit von Rechtsgeschäften 173
I. Die Nichtigkeit („nulidad absoluta“) 174
1. Geltendmachung 174
2. Fallgruppen des Art. 835 CC 174
a) Fehlendes Wirksamkeitserfordernis 175
b) Nichtbeachtung gesetzlicher Formvorschriften 175
c) Geschäftsunfähigkeit 175
3. Berücksichtigung im Prozeß 175
II. Die Anfechtbarkeit („nulidad relativa“) 176
1. Geltendmachung 176
2. Fallgruppen des Art. 836 CC 177
a) Willensmangel 177
b) Fehlendes Form- oder Verfahrenserfordernis 177
c) Beschränkte Geschäftsfähigkeit 177
3. Berücksichtigung im Prozeß 178
III. Hintergrund 178
1. Entwurf von 1885 178
2. Gesetzestext von 1886 180
IV. Ergebnis 182
Kapitel 9: Bewertung und Ausblick 183
I. Einflüsse im einzelnen 183
1. „Cours de Droit Civil Français“ von Aubry und Rau 183
2. Código Civil von Portugal (1867) 184
3. Code Civil 185
4. Código Civil von Bello 185
5. „Concordancias“ von García Goyena 185
6. „Esboço“ von Freitas 186
7. „Répétitions“ von Mourlon 186
8. Weitere Einflüsse 186
II. Bewertung der Einflüsse 186
1. Die eklektische Arbeitsweise des Gesetzgebers 186
2. Einfluß des romanischen Rechtskreises 187
3. Einfluß des deutschen Rechtskreises 187
III. Kritik 188
1. Formale Gesichtspunkte 188
a) Denkstil des Gesetzes 188
b) Sprache des Gesetzes 189
c) Systematik des Gesetzes 189
2. Materielle Vertragsgerechtigkeit 191
3. Exegetische Methode als Hemmnis für die Rechtsfortbildung 193
IV. Selbstverständnis der lateinamerikanischen Privatrechtsfamilie 193
1. Von der Literatur angeführte Merkmale 193
2. Typische Emanation der civil law-Tradition 194
a) Geltung des ius commune in Lateinamerika 194
b) Charakter des gemeinen Rechts 195
c) Aufrechterhaltung der Tradition 195
3. „Fondo común“ der lateinamerikanischen Privatrechtsfamilie 197
V. Bestrebungen zur Privatrechtsvereinheitlichung in Lateinamerika 199
1. Vision einer politischen Union 199
2. Frühe Bemühungen der Rechtsangleichung 199
3. Die Wirtschaftsgemeinschaft des „Mercosur“ 200
4. Vorbild Europa? 201
5. Ausblick 203
Literaturverzeichnis 206
Sachwortverzeichnis 225