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Die Moderne und der Kirchenstaat

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Elm, V. (2001). Die Moderne und der Kirchenstaat. Aufklärung und römisch-katholische Staatlichkeit im Urteil der Geschichtsschreibung vom 18. Jahrhundert bis zur Postmoderne. Duncker & Humblot. https://doi.org/10.3790/978-3-428-50344-5
Elm, Veit. Die Moderne und der Kirchenstaat: Aufklärung und römisch-katholische Staatlichkeit im Urteil der Geschichtsschreibung vom 18. Jahrhundert bis zur Postmoderne. Duncker & Humblot, 2001. Book. https://doi.org/10.3790/978-3-428-50344-5
Elm, V (2001): Die Moderne und der Kirchenstaat: Aufklärung und römisch-katholische Staatlichkeit im Urteil der Geschichtsschreibung vom 18. Jahrhundert bis zur Postmoderne, Duncker & Humblot, [online] https://doi.org/10.3790/978-3-428-50344-5

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Die Moderne und der Kirchenstaat

Aufklärung und römisch-katholische Staatlichkeit im Urteil der Geschichtsschreibung vom 18. Jahrhundert bis zur Postmoderne

Elm, Veit

Historische Forschungen, Vol. 72

(2001)

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Abstract

Säkularisierung, Verwissenschaftlichung und Fortschritt galten lange als Grundtendenzen der neuzeitlichen Geschichte. Diese Auffassung wurde von der postmodernen Geschichtstheorie grundsätzlich in Frage gestellt. Ihrzufolge unterscheidet sich die Selbstinterpretation der Moderne als Zeitalter fortschreitender Verwissenschaftlichung nicht wesentlich von den mythischen Weltdeutungen, die die moderne Geschichtswissenschaft abzulösen vorgab.

Der Autor verfolgt das Verhältnis der modernen Geschichtswissenschaft zu einer vormodernen Lebensform wie der der Religion von den Anfängen moderner Geschichtstheorie in der Aufklärung bis zur Postmoderne. Am Beispiel der Einschätzung der Zukunftsfähigkeit des Kirchenstaates im Zeitalter der Aufklärung soll verdeutlicht werden, wie das Konzept der Modernisierung, die im 18. Jahrhundert als Überwindung konfessioneller Staatlichkeit gedacht wurde, angesichts der Beharrungskraft von Papsttum und Katholizismus im Verlauf der letzten zweihundert Jahre revidiert wurde. Es zeigt sich, daß die moderne Geschichtswissenschaft ihre Haltung zur weltgeschichtlichen Rolle von Wissenschaft und Religion permanent revidiert hat. Im Anschluß an die postmoderne Kritik, die die moderne Wissenschaft als typisch neuzeitliches Machtinstrument versteht, werden die verschiedenen Deutungen des Gegensatzes von Papsttum und Aufklärung nach ihrem Verhältnis zu der politischen Auseinandersetzung um die Rolle von Wissenschaft und Religion in der Gesellschaft befragt. In Anlehnung an die postmodernen Kritiker, die die Erzählung vom wissenschaftlichen Fortschritt als neue Form des Mythos bezeichnen, werden die Geschichten von Papsttum und Aufklärung mit dem Instrumentarium der Erzählforschung untersucht.

Die narratologische Untersuchung macht deutlich, wie die Verwendung bestimmter Erzählmodelle unabhängig von der politischen und konfessionellen Ausrichtung des Autors die Deutungen der geschichtlichen Rolle von Wissenschaft und Religion beeinflußt hat. Sie zeigt, daß sich die Geschichtsschreibung bei der Darstellung der Interaktion von Wissenschaft, Staat, Kultgemeinschaft und Individuum über den gesamten Untersuchungszeitraum der narrativen Schemata bedient hat, die schon den alttestamentarischen, christlichen und humanistischen Erzählungen von der geschichtlichen Rolle des »wahren Wissens« zugrunde lagen. Am Schluß legt Veit Elm dar, inwieweit die Kontroversen der Forschung auf politische Gegensätze bzw. auf die Unverbeinbarkeit der drei Erzählmuster zurückzuführen sind.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
A. Einleitung: Modernisierungstheorie und Religion 11
I. Die Verwissenschaftlichung der Welt als Paradigma moderner Geschichtswissenschaft 11
II. Wissenschaft und Religion in der postmodernen Geschichtstheorie 13
III. Die Selbstbehauptung der Religion und die Revision der Modernisierungstheorie 15
IV. Säkulares Fortschrittsdenken und katholische Staatlichkeit im Zeitalter der Aufklärung 16
V. Die Metamorphosen der Modernisierungstheorie und die Wandlungen katholischer Staatlichkeit von der Restauration bis ans Ende des 20. Jahrhunderts 24
VI. Die Rolle der Geschichtswissenschaft in den Auseinandersetzungen um die Säkularisierung von Staat und Gesellschaft 28
VII. Die Geschichten von Papsttum, Wissenschaft und Fortschritt aus der Perspektive der Narratologie 28
B. Moderne Geschichtsschreibung und moderne Politik: Kirchenstaat, Aufklärung und päpstliche Reformpolitik im Urteil der Geschichtsschreibung von der Aufklärung bis in die Gegenwart 31
I. Der Kirchenstaat des 18. Jahrhunderts im Urteil der Zeitgenossen 31
1. Die Geschichtsschreibung der Aufklärung 31
a) Montesquieus sozialpsychologische Zyklentheorie 33
b) Voltaires rationalistische Fortschrittsgeschichte 35
2. Die protestantische Geschichtsschreibung des 18. Jahrhunderts 43
II. Der Untergang des Kirchenstaates aus der Sicht der ersten französischen Republik 45
1. François de Bourgoing: Die Revolution und das Ende des Kirchenstaates als Bestätigung der rationalistischen Fortschrittstheorie 45
III. Aufklärung, Papsttum und Kirchenstaat in den Geschichtsentwürfen des Risorgimento 60
1. Carlo Botta: Vom jansenistischen Antitemporalismus zur Versöhnung im Zeichen des Klassizismus 64
2. Cesare Balbo: Kirchenstaat und Papsttum als Garanten von Freiheit und nationaler Selbstbestimmung 77
3. Vincenzo Gioberti: Der Kirchenstaat als Vorbild für den italienischen Nationalstaat 83
IV. Die Beurteilung der Reformpäpste von der Gründung des Nationalstaates bis zur Wiederherstellung des Kirchenstaates durch Mussolini 88
1. Die liberale Staatswissenschaft und die historische Schule der Nationalökonomie 88
2. Von der liberalen zur faschistischen Wirtschaftsgeschichtsschreibung: Die Verantwortung der Päpste für den Verfall der römischen Landwirtschaft 94
a) Werner Sombart: Päpstliche Interventionspolitik als Vorbild für den Kampf gegen den wilden Kapitalismus 94
b) Cesare de Cupis: Die ewig-römische Staatstradition als Grundlage für den Ausgleich von Katholizismus und Sinistra storica 107
c) Federico Marconcini: Der katholische Personalismus als gemeinsame Grundlage von katholischer Soziallehre und faschistischer Bevölkerungs- und Bodenpolitik 109
3. Päpste und Aufklärer in der politischen Geschichtsschreibung 125
a) Davide Silvagni: Die aufklärerischen Wurzeln des laizistischen Radikalismus 125
b) Alfredo Oriani: Aufklärer und römisches Volk erzwingen die Reformen 128
c) Louis Madelin: Napoleon als Vollender der päpstlichen Reformpolitik 130
d) Illario Rinieri S. J.: Päpste und römisches Volk verteidigen den katholischen Wohlfahrtsstaat 132
V. Aufklärung und Papsttum in der Ära des Faschismus 133
1. Gioacchino Volpe, Carlo Morandi, Carlo Maria Ghisalberti, Amintore Fanfani: Die Reformpäpste in der Nuova Storiografia Italiana 133
2. Ettore Rota: Der römischen Jansenismus als italienische Alternative zu Lumières und Revolution 135
3. Luigi Dal Pane: Die freihändlerischen Reformen Benedikts XIV. und die Dynamik des Wirtschaftsbürgertums 138
4. Antonio Gramsci: Die Krise der italienischen Aufklärung und die Ursprünge der klerikal-faschistischen Reaktion aus der Perspektive des kommunistischen Widerstandes 157
5. Aufklärerischer Rationalismus und christliche Tradition im liberalsozialistischen und im katholischen Widerstand 159
VI. Das Modell der Reformpäpste im Zeitalter von Christdemokratie und kapitalistischer Industrialisierung 160
1. Vittorio Franchini: Die Reformpäpste als Vorreiter der pragmatischen Entwicklungspolitik 160
2. Enzo Piscitelli: Die Reformpäpste als Stellvertreter des internationalen Kapitals 166
3. Franco Venturi: Die antiaufklärerische Wende des Papsttums und die Degeneration der Aufklärung in Jakobinismus und Kommunismus 172
4. Vittorio Emanuele Giuntella: Die kapitalistische Reformpolitik der Päpste und die verpaßte Chance einer katholisch-kommunistischen Revolution 187
5. Nicola La Marca: Die Modernität der päpstlichen Entwicklungspolitik und der Widerstand der „vested interests“ 199
C. Die narratologische Untersuchung der Geschichten von Papsttum und Moderne: Das Erzählmodell als Organisationsform von Wissenschaftsbegriff, Staats- und Kirchenverständnis 212
I. Die weltgeschichtliche Rolle des Kirchenstaates in der rationalistischen und der christlichen Fortschrittsgeschichte 214
1. Jenseitsglaube und Staatsunfähigkeit in der rationalistischen Fortschrittsgeschichte 215
2. Von der rationalistischen Fortschrittsgeschichte zur wissenschaftlichen Heilsgeschichte 215
3. Wahres Christentum und Fortschritt zur Freiheit in der protestantischen Fortschrittsgeschichte Carlo Bottas 216
4. Der Petrusprimat als Garant des Fortschritts in Vincenzo Giobertis katholischer Fortschrittsgeschichte 219
5. Päpstliche Eigenstaatlichkeit und englischer Parlamentarismus als Garanten christlichen Fortschritts bei Cesare Balbo 221
6. Gemeinsame Grundlagen und signifikante Unterschiede rationalistischer und christlicher Fortschrittsgeschichte 224
II. Die weltgeschichtliche Rolle von Staat, Wissenschaft und Kirche in den Erzählmodellen der Fortschrittsgeschichte 225
1. Modernisierung als Überwindung der Staatlichkeit 226
a) Die Bedeutung der Endzeitnähe für das Verhältnis von Staat und Kirche bei Gioberti, Balbo, Rinieri und Giuntella 226
b) Die Bedeutung des Übergangs von der vorletzten zur letzten Klassenherrschaft für das Verhältnis von Kirche, Staat und Wissenschaft bei Gramsci, Dal Pane und Piscitelli 228
2. Modernisierung als revolutionäre Erneuerung des Staates 231
a) Staat, Individuum, Kultgemeinschaft und revolutionäres Wissen bei François Bourgoing und Carlo Botta 231
b) Der Durchbruch der Wissenschaft und die revolutionäre Erneuerung des Staates von Carlo Botta bis Franco Venturi 232
III. Der Dualismus von Staat und Gesellschaft im Erzählmodell der klassizistischen, katholischen und staatswissenschaftlichen Etatisten 235
1. Carlo Botta: Die Selbstbehauptung der Päpste und das römisch-italienische Staatswissen 235
2. Werner Sombart: Das römisch-katholische Staatsbewußtsein als Vorläufer moderner Staatswissenschaft 237
3. Luigi Cossa: Die Verdrängung der katholischen durch die universale Staatswissenschaft 238
4. Federico Marconcini, Vittorio Franchini, Nicola La Marca: Der Katholizismus als höchste Form staatlicher Rationalität 239
5. Gemeinsame Grundmuster und divergierende Urteile des klassizistischen, katholischen und staatswissenschaftlichen Etatismus 241
D. Schluß: Mythische Erzählmodelle in Politik und Geschichtsschreibung 243
I. Die Herkunft der Erzählmodelle der modernen Geschichtsschreibung aus der jüdischen, christlichen und antiken Mythologie 244
II. Gemeinsamkeiten und Unterschiede von wissenschaftlicher und mythischer Erzählung 247
III. Die hermeneutische Funktion der Fortschreibung der jüdischen, christlichen und humanistischen Erzählungen vom wahren Wissen 248
Literaturverzeichnis 253
Personen- und Sachregister 299