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Die Sondergerichtsbarkeit des Polnischen Untergrundstaates

Szerkus, Oscar

Schriften zur Rechtsgeschichte, Vol. 183

(2019)

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About The Author

Der Autor ist deutsch-polnischer Jurist und Schriftsteller. Im Jahre 2002 zog er mit seinen Eltern nach Deutschland. Nach dem Abitur in Berlin studierte er Rechtswissenschaften an der Europa-Universität Viadrina, danach an der Freien Universität Berlin, wo er ein rechtsgeschichtliches Schwerpunktstudium absolvierte. Während seines Promotionsvorhabens bei Prof. Dr. Ignacio Czeguhn an der Freien Universität war er auch Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Oliver L. Knöfel (Europa-Universität Viadrina). Er publizierte zahlreiche juristische Fachartikel; Anfang 2018 erschien sein erster Roman. Seit August 2018 ist er Rechtsreferendar im Kammergerichtsbezirk Berlin. Oscar Szerkus is a Berlin-based lawyer and novelist. In 2002 he moved with his parents from Poland to Germany, where he attended high school and college. After graduating from Freie Universität Berlin, Faculty of Law, he started independent research with Prof. Dr. Ignacio Czeguhn on wartime jurisdiction in occupied Poland in WWII. During this time, he retained a position as research assistant in Private International Law with Prof. Dr. Oliver L. Knöfel at Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). He is the author or co-author of numerous academic papers; in 2018 he published his first novel.

Abstract

Nach der Flucht seiner Regierung ins Exil setzte Polen ab Ende September 1939 den Verteidigungskampf fort. Zusammen mit der Exilregierung bildete die im okkupierten Inland omnipräsente Widerstandsorganisation ZWZ/AK den Polnischen Untergrundstaat. Neben strikt militärischen und ziviladministrativen Branchen fand im Schatten der besatzungstypischen Gewaltregimes des Dritten Reiches und der Sowjetunion eine »rein polnische« Gerichtsbarkeit statt. Sie stützte sich auf das geltende Vorkriegsrecht, das von kriegsbedingter Spezialgesetzgebung flankiert wurde. Überwiegend konzentriert in den Ballungszentren Warschau und Krakau sprachen jene Sondergerichte Recht im Namen der Republik Polen.

Die Untersuchung stellt den bisher ersten Versuch einer monographischen Erfassung der Thematik aus juristischer Sicht dar. Unter Berufung auf teilweise neu erschlossenem Quellenmaterial analysiert der Autor die rechtliche Dimension des Faktischen – des Überlebenskampfes einer existenzbedrohten Nation.
»Special Courts of the Polish Underground State«

Having collapsed in September 1939, the Polish government reconvened in London, from where it continued legislative business. It organised the resistance in occupied Poland and supervised its jurisdiction. In accordance with distinct provisions in the Polish constitution, the Underground State became the only successor of pre-war Poland. Special Courts were the courts of the Polish Underground State. In an unprecedented approach this study examines the legal grounds for a Polish jurisdiction and their practical implementation under the dire circumstances of continued war and occupation.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 11
Einleitung 15
§ 1 Gegenstand und Ziele der Untersuchung 19
§ 2 Forschungsstand 26
§ 3 Quellenlage 34
§ 4 Terminologie und Übersetzungen 36
A. Terminologie 37
I. Untergrundstaat, Untergrundgerichte 37
II. Exilregierung 42
III. Andere Begriffe 43
B. Übersetzungen 43
§ 5 Aufbau der Arbeit 50
Kapitel 1: Polskie Państwo Podziemne – der Polnische Untergrundstaat 51
§ 1 Entstehung und Vorgänge im Ausland 53
A. Errichtung der Exilregierung in Frankreich 58
I. Paris 58
II. Angers 72
B. Exilregierung in London 80
I. Neuanfang 81
II. Verantwortung für die Evakuation 97
III. Goldreserven des Bank Polski 106
IV. Pokłosie: Die Folgen der Eigenwilligkeit des Regierungschefs 111
V. Ausblick 123
§ 2 Vorgänge im Inland: Fortsetzung der Heimatverteidigung 123
A. Begriff des Widerstandes und der Verteidigung 125
B. Fortsetzung des Verteidigungskampfes 129
I. SZP 133
II. ZWZ 156
III. Armia Krajowa 174
§ 3 Zwischenergebnis 185
Kapitel 2: Untergrundgerichtsbarkeit 187
§ 1 Grundriss 190
A. Ziele 190
I. Gerichtsbarkeit als Tradition 190
1. Konzeption in der SZP 191
2. Konzeption im ZWZ 193
3. Konzeption in der AK 194
4. Konzeption in der Regierungsdelegatur 194
II. Gerichtsbarkeit als Instrument 194
1. Staatlichkeit 195
2. Gerechtigkeit 195
3. Widerstand 196
4. Disziplinierung 203
B. Aufbau 209
I. Gerichtsbarkeit der II. Rzeczpospolita 210
1. Besondere Gerichtsbarkeit 211
2. Insbesondere: Militärgerichtsbarkeit 212
a) Grundzüge der Organisation 212
b) Verbindlichkeit und Adaptivität 214
c) Zusammensetzung der Spruchkörper 215
d) Ordentliche Gerichtsbarkeit 217
II. Gerichtsbarkeit Untergrundpolens 222
1. Horizontaler Aufbau 222
a) Aufbau nach dem Verfahrenskodex von 1940 225
b) Kompetenzerweiterung nach dem Verfahrenskodex von 1940 225
c) Aufbau nach den Statuten von 1941 bzw. 1942 228
2. Vertikaler Aufbau 232
a) Aufbau nach dem Verfahrenskodex von 1940 234
b) Aufbau nach den Statuten von 1941 bzw. 1942 235
c) Approbationsstelle als Instanz 236
C. Zuständigkeiten 238
I. Vorkriegsgerichte 240
1. Militärgerichte 240
2. Strafgerichte 246
a) Allgemeines 246
b) Verhältnis zur militärischen Strafgerichtsbarkeit 248
3. Zivilgerichte 250
II. Untergrundgerichte 252
1. Örtlich 253
a) Gesamtzuständigkeit 253
b) Allgemeiner Gerichtsstand nach dem Verfahrenskodex von 1940 255
c) Allgemeiner Gerichtsstand nach dem MilGerStat 260
d) Allgemeiner Gerichtsstand nach dem ZivGerStat 264
2. Sachlich 267
3. Persönlich 277
4. Instanziell 282
§ 2 Genese und Institutionalisierung 285
A. Si vis pacem, para iustitiam 288
B. Ubi civitas, ibi ius 301
§ 3 Untergrundgerichtsbarkeit als echte Gerichtsbarkeit 313
A. Rechtsprechung in der Aprilverfassung von 1935 314
I. Stellung und Funktion der Rechtsprechung 314
II. Maßgeblichkeit der Aprilverfassung von 1935 318
1. Verfassungsinhärentes Kontinuitätsgebot 318
2. Völkerrechtlicher Maßstab 322
B. Untergrundgerichtsbarkeit als rechtmäßige Sondergerichtsbarkeit 327
I. Verfassungsmäßigkeit 327
1. Prinzip der Gesamtterritorialität 328
2. Prinzip der Exklusivität 330
3. Prinzip der (personellen) Universalität 332
4. Prinzip der Legalität 334
5. Prinzip der Professionalität 337
6. Prinzip der Bevölkerungsdisziplinierung 340
7. Problem der Instanzlosigkeit 341
8. Problem der Fremdkontrolle 342
9. Ergebnis 343
II. Sonstige Gesetzmäßigkeit 344
§ 4 Zwischenergebnis 350
Kapitel 3: Verfahren vor dem Untergrundgericht 353
§ 1 Rechtsquellen 353
A. Polnisches Vorkriegsrecht 354
I. Verweise 354
II. Praxis 356
B. Autonomes Recht Untergrundpolens 359
§ 2 Verfahrensablauf 361
A. Ermittlungen 361
I. Einleitung und Durchführung 361
II. Beweismittel 367
III. Abschluss 373
B. Verhandlung 379
C. Urteil 381
I. Beispiel eines konzisen Urteils 385
II. Beispiel eines ausführlichen Urteils 386
III. Bestätigung und Promulgation 389
D. Vollstreckung 391
E. Kontroversen 394
F. Ergebnis 396
Gesamtergebnis 397
Anhänge 403
Anhang 1: Verfassung der Republik Polen vom 23. April 1935 404
Anhang 2: Organisationsstatut des ZWZ (Auszug), 4. Dezember 1939 419
Anhang 3: Beschluss des Ministerkomitees für Heimatangelegenheiten vom 16. April 1940 über Kapturgerichte in der Heimat 423
Anhang 4: Verfahrenskodex der Kapturgerichte beim Verband für den Bewaffneten Kampf 424
Anhang 5: Materielle Vorschriften zum Verfahrenskodex der Kapturgerichte 429
Anhang 6: General Rowecki an General Sikorski, Meldung Nr. 88 vom 20. November 1941 (Auszug) 430
Anhang 7: Statut der Militärischen Sondergerichte 431
Anhang 8: Statut der Zivilen Sondergerichte 434
Literaturverzeichnis 437
Archivmaterial 461
Gesetzesverzeichnis 462
Personen- und Sachverzeichnis 467