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Der additive Grundrechtseingriff

Ruschemeier, Hannah

Schriften zum Öffentlichen Recht, Vol. 1403

(2019)

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Studium der Rechtswissenschaften in Münster und Athen von 2008 bis 2013. Wissenschaftliche Beschäftigte am Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf von 2014 bis 2018. Seit 2017 Rechtsreferendarin am Landgericht Düsseldorf. Promotion im Sommersemester 2018. Hannah Ruschemeier has studied Law in Münster and Athens. She completed her first state law examination in 2013 and worked as a senior research assistant at the Heinrich Heine University in Düsseldorf from 2014–2018. Since 2017 she is a legal clerk in the court district of Düsseldorf. She obtained her doctorade in 2018.

Abstract

Die Freiheitssicherung als Funktion der Grundrechte wird nicht nur durch staatliches Handeln in einer neuen Qualität, sondern auch durch die Quantität staatlicher Maßnahmen in einer Rechtsordnung herausgefordert, in der nahezu jeder Lebensbereich rechtlich reguliert ist. Nicht jede Kumulation oder Gesamtbetrachtung staatlicher Belastungen stellt dabei einen additiven Grundrechtseingriff dar. Erarbeitet werden Kriterien zur Bestimmung des additiven Grundrechtseingriffs und die dogmatische Herleitung aus einem erweiterten Eingriffsverständnis. Dabei liegt ein Fokus der Arbeit auf der Frage, ob die Kriterien eines klassischen Grundrechtseingriffsbegriffs den Ausgangspunkt einer Gesamtbetrachtung staatlichen Handelns bilden können. Der additive Grundrechtseingriff wird auf seine Relevanz in den verschiedenen Grundrechtsfunktionen und -dimensionen überprüft. Zentraler Schwerpunkt der Bearbeitung ist die Entwicklung verfassungsrechtlicher Grenzen additiver Grundrechtseingriffe und deren prozessuale Überprüfbarkeit. »The Additive Interference with Fundamental Rights in German Constitutional Law«

This book examines the preconditions and legal consequences of the concept of additive interferences with fundamental rights guaranteed by the German constitution. It traces the incremental development of the concept of interference from its narrow classic interpretation to a wider modern understanding that takes into account interferences through aggregated state action and their procedural enforcement. The analysis also includes an overview of the possible additive interferences with fundamental rights in public international law.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsübersicht 7
Inhaltsverzeichnis 11
Erstes Kapitel: Einleitung 17
A. Problemaufriss 17
B. Gang der Untersuchung und Methodik 22
C. Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes 24
I. Allgemeines 24
II. Vorfragen und Abgrenzungen 25
1. Abgrenzung von Kollisionsregeln und gelösten Belastungskumulationen 25
a) Kompetenz und Rechtswirksamkeit 27
b) Grundrechtskonkurrenz und Grundrechtskollision als Vorfragen von Gesamtbelastungen 28
c) Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung 30
2. Kombinationsgrundrechte und Schutzverstärkungen 31
3. Folgewirkungen, Gegenwirkungen und Fernwirkungen 35
4. Normkonflikte in mehrstufigen Normsystemen 37
III. Mögliche Anwendungsgebiete des additiven Grundrechtseingriffs 38
1. Steuerrecht 38
2. Umweltrecht und Naturschutz 39
a) Waldeigentum 40
b) Jagdrecht 41
3. Verhaltenssteuerndes staatliches Verhalten 42
Zweites Kapitel: Der additive Grundrechtseingriff und die Gesamtbetrachtung von Grundrechtseinwirkungen in der Rechtsprechung 45
A. Bundesverfassungsgericht 45
I. Prävention: Ermittlungsmaßnahmen der Sicherheitsbehörden 45
1. Global Positioning System Daten 45
2. BKA-Gesetz 48
II. Repression: Freiheitsstrafe 49
III. Steuern und Abgaben: Belastungen von Eigentum und Vermögen 52
1. Personenbezogene Kapitalgesellschaft 53
2. Steuerfreiheit des Existenzminimums 54
3. Einheitswert und Vermögenssteuer (Halbteilungsgrundsatz) 56
4. Abkehr vom Halbteilungsgrundsatz 57
5. Beitragssicherungsgesetz 58
6. Gesundheitsreform 2007 59
7. Krankenkassenbeiträge 62
IV. Richterbesoldung 64
V. Arbeitswelt: die Freiheit des Berufes 65
1. Wettbewerbsverbot 65
2. Spielhallen und Glücksspiel 66
a) Prüfung der Gesamtbelastung für Spielhallenbetreiber 67
b) Gesamtbelastung durch Übergangsregelungen für Bestandsspielhallen 68
c) Ablehnung der Drei-Stufen-Theorie bei Gesamtbelastungen 69
VI. Zusammenfassung 71
B. Verwaltungsgerichtsbarkeit 72
C. Ordentliche Gerichtsbarkeit: Zivilgerichte 76
D. Ergebnis 77
Drittes Kapitel: Analyse der Grundlagen 79
A. Additiver Grundrechtseingriff und allgemeine Grundrechtsdogmatik des Grundrechtseingriffs 79
I. Singularität als Komponente des Eingriffsbegriffs 82
1. Klassisches Eingriffsverständnis 84
a) Imperativ 84
b) Rechtsförmlich 86
c) Final 87
d) Unmittelbar 89
e) Zwischenergebnis 91
2. Entwicklung des modernen Eingriffsverständnisses als Parallele zur Entwicklung eines additiven Grundrechtseingriffs 92
a) Schutzbereichsbezug des erweiterten Eingriffsbegriffs 97
b) Eingriffsäquivalenz: Intensität als entscheidendes Kriterium 99
c) „Erweiterung“ des erweiterten Eingriffsbegriffs 103
3. Gegenargumente 105
a) Kritik am modernen Eingriffsverständnis und anderen dogmatischen Weiterentwicklungen als Gegenargumente eines additiven Grundrechtseingriffs 105
b) Ablehnung eines additiven Grundrechtseingriffs 107
II. Die Einordnung des additiven Grundrechtseingriffs als Eingriff als Konsequenz der Effektivierung des Grundrechtsschutzes 109
III. „Grundrechtswidriger Effekt“ 113
IV. Grundrechtliche Gesamtbelastungen als Grundrechtsgefährdungen 115
V. Kompensationsprinzip und additiver Grundrechtseingriff 116
VI. Eingriffsunabhängige Grundrechtsdogmatik und Gesamtbelastungen 119
VII. Objektive Grundrechtsfunktion und Schutzpflichten als Grenze des additiven Grundrechtseingriffs 122
B. Andere Grundrechtsdimensionen und Gesamtbelastungen 125
I. Schutzpflichten 125
II. Leistungspflichten 127
C. Ergebnis 128
Viertes Kapitel: Kriterien und Varianten 130
A. Kriterien des additiven Grundrechtseingriffs 130
I. Mehrere Eingriffe 130
1. Der iterative Grundrechtseingriff 132
2. Der inkrementelle Grundrechtseingriff 135
II. Gleiches Grundrecht 136
III. Gleicher Grundrechtsträger 140
IV. Gleiche Zielrichtung/gleicher Zweck/ gleich ausgerichtete Finalität 141
V. Gleichzeitig auftretende Belastungswirkung 148
1. Zeitspanne 148
2. Variante: Fortgesetzter additiver Eingriff 149
VI. Handlungsverantwortlichkeit 150
1. Additiver Grundrechtseingriff durch den gleichen Hoheitsträger 150
2. Additiver Grundrechtseingriff durch verschiedene Hoheitsträger 151
a) Besonderheiten bei Bund und Ländern 154
b) Belastungskumulationen verschiedener Länder 160
c) Begrenzung der Handlungsverantwortlichkeit in zeitlicher Hinsicht: Ausschöpfung eines Eingriffskontingents 161
d) Ergebnis 163
3. Berücksichtigung von Maßnahmen der Legislative und Exekutive im Rahmen des additiven Grundrechtseingriffs 164
a) Beschränkung des additiven Grundrechtseingriffs auf Gesetze 164
b) Legislative Maßnahmen als Problemfeld 166
4. Durch Gesetz und aufgrund Gesetzes: Verfahrensfragen 167
a) Verfahrensrechtliche Absicherungen bei Eingriffen aufgrund eines Gesetzes 168
b) Verfahrensrechtliche Absicherungen bei Eingriffen durch Gesetz: Beobachtungspflicht und Gesetzesfolgenabschätzung des Gesetzgebers 170
VII. Eingriffsumfeld 172
B. Ergebnis 173
Fünftes Kapitel: Grenzen 174
A. Einschränkbarkeit von Grundrechten 174
I. Formelle Verfassungsmäßigkeit der Gesamtbelastung 174
II. Konsequenzen des additiven Grundrechtseingriffs für den Vorbehalt des Gesetzes 175
1. Einfache und spezielle Gesetzesvorbehalte 175
2. Ungeschriebene Grenzen der Einschränkbarkeit von Grundrechten 176
B. Rechtfertigung und materiell-verfassungsrechtliche Grenzen des additiven Grundrechtseingriffs 178
I. Erfordernis einer verfassungsrechtlichen Grenze 178
II. Ablehnung des Konzepts der Belastungskumulation 179
III. Explizite verfassungsrechtliche Grenzen 179
1. Verbot der Doppelbestrafung, Art. 103 GG 180
2. Steuerliche Überbelastung, Art. 106 Abs. 3 GG und das Verbot steuerrechtlicher Doppel- oder gleichartiger Belastungen 181
IV. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit als Grenze des additiven Grundrechtseingriffs 182
1. Verhältnismäßigkeit als Schranken-Schranke 182
2. Gesamtverhältnismäßigkeitsprüfung als verfassungsrechtliche Grenze für Belastungskumulationen 183
3. Gesamtverhältnismäßigkeitsprüfung der Belastungskumulation ausschließlich im Zusammenhang mit der Prüfung von Einzeleingriffen 186
V. Kritik 187
1. Anknüpfung an die Prüfung eines Einzeleingriffs und keine Einbeziehung von Belastungskumulationen auf der Ebene des Eingriffs 188
a) Zwingende Anknüpfung an die Einzelfallprüfung 188
b) Keine Einbeziehung auf Eingriffsebene 189
2. Keine Berücksichtigung von Nebenzwecken und die Unmöglichkeit der Ermittlung eines Verhältnisses zwischen verschiedenen Zweckrichtungen 190
3. Keine Berücksichtigung von Zurechnungsfragen 193
VI. Normwirklichkeit und Zumutbarkeit 193
VII. Wesensgehaltgarantie, Art. 19 Abs. 2 GG 194
1. Art. 19 Abs 2 GG als Grenze des additiven Grundrechtseingriffs 195
2. Schutzgehalt des Wesensgehalts aus Art. 19 Abs. 2 GG 199
a) Objektiv-rechtliche Auffassung und Belastungskumulation 200
b) Subjektiv-rechtliche relative Interpretation und Belastungskumulationen 202
c) Subjektiv-rechtliche absolute Interpretation und Belastungskumulationen 203
3. Wesensgehaltsgarantie und Einrichtungsgarantien 210
4. Grenzen der Eigentumsfreiheit, Art. 14 GG, insbesondere „Halbteilungsgrundsatz“ und Wesensgehalt 211
VIII. Dynamische Erhöhung der Rechtfertigungsanforderungen bei additiven Grundrechtseingriffen 214
C. Kompensation und Saldierungsgedanke 216
I. Grundrechtskompensation zur Ermittlung der Gesamtbelastung auf Rechtfertigungsebene 216
II. Berücksichtigung von Begünstigungen bei der Prüfung des additiven Grundrechtseingriffs im Rahmen des Wesensgehalts des Art. 19 Abs. 2 GG 218
III. Gesamtbelastungen und Ausgleichsansprüche im Rahmen des Art. 14 Abs. 1 S. 2 GG 219
D. Verfassungsänderung und „Zitiergebot“ 221
E. Ergebnis 222
Sechstes Kapitel: Gesamtbelastungen im Mehrebenensystem 224
A. Europäische Grundfreiheiten und Gesamtbelastungen 224
B. Grenzen von Gesamtbelastungen im Bereich der europäischen Grundrechte 228
C. Internationaler Menschenrechtsschutz und Gesamtbelastungen 230
Siebtes Kapitel: Prozessuale Fragen 234
A. Individualverfassungsbeschwerde 234
I. Angreifen von Einzelmaßnahmen oder Gesamtrüge des additiven Grundrechtseingriffs 234
1. Der additive Grundrechtseingriff als Beschwerdegegenstand i.S.d. Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG 236
2. Die Beschwerdebefugnis i.S.d. Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG 238
3. Beschwerdefrist, § 93 BVerfGG 240
4. Rechtswegerschöpfung und Subsidiarität 244
II. Entscheidungsfolgen und Urteilstenor des additiven Grundrechtseingriffs 245
1. Unvereinbarkeitserklärung der Gesamtbelastung 246
2. Verfassungswidrigkeit einzelner Maßnahmen 248
3. Verfassungswidrigkeit aller Maßnahmen 249
a) Verfassungswidrigkeit aller Maßnahmen der Belastungskumulation eines Normgebers 249
b) Verfassungswidrigkeit aller Maßnahmen der Belastungskumulation bei verschiedenen Normgebern 251
B. Konkrete und abstrakte Normenkontrolle 253
I. Abstrakte Normenkontrolle, Art. 93 Abs. 1 Nr. 2 GG als Rechtsschutzmöglichkeit gegen den additiven Grundrechtseingriff 253
II. Konkrete Normenkontrolle und additiver Grundrechtseingriff 255
Achtes Kapitel: Fazit und Ausblick 258
A. Ausblick 258
B. Fazit in Thesen 260
Literaturverzeichnis 263
Sachwortverzeichnis 284