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Die Vertragsstrafe und ihre Grenzen

Eine rechtsvergleichende Untersuchung des deutschen und englischen Rechts

Brendler, Uwe

Studien zum vergleichenden Privatrecht / Studies in Comparative Private Law, Vol. 6

(2019)

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About The Author

Uwe Brendler studierte Rechtswissenschaften an der Technischen Universität Dresden und beendete sein Studium mit Auszeichnung als Jahrgangsbester 2009. Seit Abschluss seines Referendariats in 2011 ist der Autor als Rechtsanwalt in einer internationalen Wirtschaftskanzlei im Bereich des Gesellschaftsrechts tätig. Zugleich begann er mit der Arbeit an seiner Dissertation. Von September 2014 bis August 2015 absolvierte Uwe Brendler ein Masterstudium im Bereich International Business Law am King’s College London. Uwe Brendler studied law at Technische Universität Dresden graduating with award for the best of student of 2009. Upon competition of his legal clerkship in 2011, he has worked as a lawyer in an international law firm in the field of corporate law. Uwe Brendler also began to work on his Ph.D. From September 2014 until August 2015, he completed a Masters in International Business Law at King’s College London.

Abstract

Der Vertragsstrafe kommt eine bedeutende Rolle für die Sicherstellung der Leistungserbringung und die Erleichterung der Schadloshaltung im Falle von Vertragsverletzungen zu. Demgegenüber steht die Unsicherheit im Hinblick auf eine rechtssichere Ausgestaltung einer Vertragsstrafe. Die Arbeit beschäftigt sich mit den rechtlichen Grenzen der Vertragsstrafe im Spannungsfeld zwischen Schuldnerschutz und Vertragsfreiheit. Im deutschen Recht stehen das Herabsetzungsrecht nach § 343 BGB, die Sittenwidrigkeit nach § 138 Abs. 1 BGB und das richterrechtlich geschaffene Herabsetzungsrecht nach § 242 BGB im Mittelpunkt. Im englischen Recht wird das Durchsetzungsverbot von Strafversprechen gemäß der ›penalty doctrine‹ in Abgrenzung zu ›liquidated damages‹ insbesondere durch die Entscheidungen ›Dunlop Pneumatic Tyre‹ sowie ›Cavendish Square Holding‹ untersucht. In beiden Rechtsordnungen manifestiert sich in der jüngeren Rechtsprechung eine Entkoppelung von Verbraucherverträgen und b2c-Sachverhalten. »Penalty Clauses and their Limitation. A Comparative Study of German and English Law«

Penalty clauses are contractual provisions in conflict between freedom of contract and protection of the debtor. The thesis focuses on the judicial reduction rights pursuant to § 343 German Commercial Code (BGB) and § 242 BGB, as well as on invalidity pursuant to § 138 BGB. With regard to English law, the unenforceability of penalty clauses in virtue of the penalty doctrine is examined, in particular with regard to the rulings »Dunlop Pneumatic Tyre« and »Cavendish Square Holding«.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 12
Einleitung und Problemstellung 15
A. Problemstellung 15
B. Gegenstand, Zielsetzung und Grenzen der Untersuchung 21
C. Gang der Untersuchung 22
Erster Teil: Die länderspezifischen Grundlagen der Vertragsstrafe und der penalty clauses 24
§ 1 Historische und systematische Gegenüberstellung 24
A. Gemeinsamkeiten der europäischen Rechtshistorie 24
I. Deutsche Besonderheiten 25
1. Ursprung im römischen Recht 25
2. Weiterentwicklung im römisch-kanonischen ius commune 28
3. Humanistisches Recht des 16. Jahrhunderts 29
4. Allgemeines Landrecht für die preußischen Staaten 30
II. Englische Besonderheiten 32
B. Gesetzliche Kodifikation versus Richterrecht 35
I. Deutsche Gesetzgebung zur Vertragsstrafe 35
II. Englisches Rechtsbehelfssystem bei Vertragsverletzung 37
C. Rechtsvergleichende Gesamtbetrachtung 38
§ 2 Erlaubte Druckausübung und verbotene Sanktion 40
A. Deutsches Recht 41
I. Bifunktionalität der Vertragsstrafe 41
1. Absicherung der ordnungsgemäßen Vertragserfüllung 41
2. Erleichterung der Schadloshaltung 42
II. Sanktionsfunktion 45
B. Englisches Recht 48
C. Rechtsvergleichende Betrachtung 50
§ 3 Konträre Rechtsfolgen trotz ähnlichen Anwendungsbereichs 51
A. Voraussetzungen 51
I. Anforderungen nach deutschem Recht 51
1. Rechtswirksame Vereinbarung 51
a) Vertragsschluss 52
b) Formerfordernis 52
c) Bestimmtheit der Leistungspflicht 53
d) Gestaltungsarten von Vertragsstrafen 55
2. Bestehen der strafbewehrten Verpflichtung 57
a) Sicherungsfähiger Anspruch 57
b) Abgrenzung zum selbstständigen Strafversprechen 59
3. Verletzung der strafbewehrten Verpflichtung 61
a) Charakteristika und Nachweis des Verstoßes 62
b) Vertretenmüssen 64
c) Schaden 65
4. Vorbehaltserklärung 66
II. Anforderungen des englischen Rechts 68
1. Rechtswirksame Vereinbarung 68
2. Vertragsverletzung 69
3. Verschulden und Schaden 70
B. Rechtsfolgen 71
I. Zahlungspflicht nach deutschem Recht 71
1. Zahlung anstelle oder neben Erfüllungsverlangen 72
2. Vertragsstrafe als Mindestschaden 74
II. Durchsetzungsverbot nach englischem Recht 75
C. Rechtsvergleichende Gesamtbetrachtung 77
§ 4 Abgrenzung zu verwandten Rechtsinstituten 78
A. Deutsches Recht 78
I. Pauschalierter Schadensersatz 79
1. Zum Rechtsinstitut 79
2. Unterschiede zur Vertragsstrafe 80
II. Verfallklausel 83
III. Reugeld 84
IV. Draufgabe 85
V. Vereins- und Verbandsstrafen 86
B. Englisches Recht 86
I. Liquidated damages 87
II. Forfeiture clauses und deposits 90
C. Rechtsvergleichende Betrachtung 92
Zweiter Teil: Rechtliche Grenzen der Vertragsstrafe 94
§ 5 Herabsetzung der Vertragsstrafe nach § 343 BGB 95
A. Sonderstellung als richterliche Billigkeitskontrolle 95
B. Unverhältnismäßigkeit der Vertragsstrafe 97
I. Zusammenschau der abzuwägenden Aspekte 97
II. Ermittlung des berechtigten Gläubigerinteresses 100
III. Bewertung von Gesichtspunkten auf Schuldnerseite 104
1. Vorteil durch Vertragsverletzung 104
2. Wirtschaftliche Verhältnisse des Schuldners 104
3. Art und Weise der Zuwiderhandlung 107
IV. Zusammentreffen mehrerer Verstöße 108
C. Reduktion auf angemessenen Betrag 112
I. Die richterliche Ermessensentscheidung 112
II. Antrag auf Herabsetzung 114
D. Keine Herabsetzung bei Strafversprechen eines Kaufmanns 116
E. Bewertung 117
§ 6 Sittenwidrigkeit nach § 138 Abs. 1 BGB 119
A. Dualistisches Anforderungsprofil 121
I. Entwicklung der höchstrichterlichen Rechtsprechung 122
II. Unverhältnismäßigkeit der Vertragsstrafe 127
III. Hinzutretender Umstand als die Sittenwidrigkeit auslösender Faktor 131
B. Primat der Nichtigkeit 132
I. Klauselbezogene Betrachtung 132
II. Vertragsbezogene Betrachtung 136
C. Bewertung 137
§ 7 Herabsetzung der Vertragsstrafe nach § 242 BGB 139
A. Hintergrund der richterlichen Rechtsfortbildung 140
I. § 242 BGB als Durchsetzungshindernis der Vertragsstrafe 140
II. Verfassungsrechtliche Pflicht zur richterlichen Inhaltskontrolle 142
B. Die Kinderwärmekissen-Entscheidung des Bundesgerichtshofs 146
C. Reduktion zur Beseitigung der Unverhältnismäßigkeit 148
D. Bewertung 149
§ 8 Inhaltskontrolle von Vertragsstrafen nach §§ 305ff. BGB 152
A. Grundlagen des AGB-Rechts 153
B. Anwendung des AGB-Rechts im b2c- und b2b-Verhältnis 154
C. Verbotsnorm des § 309 Nr. 6 BGB im b2c-Bereich 155
D. Allgemeine Inhaltskontrolle nach § 307 BGB 155
I. Abweichung von dispositiven Gesetzesrecht als Benachteiligung 156
II. Unangemessene Strafhöhe als Benachteiligung 156
III. Unwirksamkeit als starre Rechtsfolge 158
E. Bewertung 159
§ 9 Durchsetzungsverbot von penalty clauses 160
A. Traditionelle penalty doctrine nach Dunlop Pneumatic Tyre Co Ltd v New Garage & Motor Co Ltd. 160
B. Schrittweise Einschränkung der penalty doctrine durch die nachfolgende Rechtsprechung 163
I. Eckpunkte der wesentlichen Entscheidungen 163
1. Philips Hong Kong Ltd v Attorney General of Hong Kong (1993) 163
2. Lordsvale Finance Plc v Bank of Zambia (1996) 165
3. Robophone Facilities Ltd v Blank (1996) 166
4. Cenargo Ltd v Empresa Nacional Bazan de Construcciones Navales Militares (2002) 167
5. Murray v Leisureplay Plc (2005) 168
II. Bewertung 169
C. Neuausrichtung der penalty doctrine durch Cavendish Square Holding BV v Talal El Makdessi/ Parking Eye Ltd v Beavis 171
I. Sachverhalte aus b2b- und b2c-Bereich 172
II. Aufrechterhaltung des Durchsetzungsverbots aus Gründen des Schuldnerschutzes und der Rechtstradition 173
III. Fortgeltung des Erfordernisses der Vertragsverletzung 176
IV. Änderung der Abgrenzungsdogmatik zu liquidated damages 179
D. Bewertung 183
§ 10 Rechtsvergleichende Gesamtbetrachtung 186
Dritter Teil: Perspektiven einer europäischen Rechtsangleichung 190
§ 11 Notwendigkeit einer Rechtsangleichung 190
A. Nutzen der vertraglichen Regelung von Vertragsverletzungsfolgen 190
B. Möglichkeit der Rechtswahl 192
C. EU-Austritt von Großbritannien als Risiko und Chance 195
§ 12 Entwicklung der Rechtsangleichung 196
A. Resolution on Penal Clauses in Civil Law 196
B. Principles of European Contract Law 197
C. Draft Common Frame of Reference 200
D. Common European Sales Law 201
§ 13 Bewertung der Aussichten 203
Fazit und Perspektiven 206
A. Die länderspezifischen Grundlagen der Vertragsstrafe und der penalty clauses 208
I. Historische und systematische Unterschiede 208
II. Druckausübung als Kernelement 209
III. Vergleichbare Anwendungsbereiche 210
IV. Abgrenzung zur Schadenspauschalierung bzw. liquidated damages 210
B. Rechtliche Grenzen der Vertragsstrafe 211
I. Deutsches Recht 212
1. Richterliche Herabsetzung nach § 343 BGB 213
2. Sittenwidrigkeit der Vertragsstrafe 213
3. Richterliche Herabsetzung nach § 242 BGB 214
4. Inhaltskontrolle nach §§ 305ff. BGB 215
II. Englisches Recht 215
C. Perspektiven einer europäischen Rechtsangleichung 217
I. Notwendigkeit einer Rechtsangleichung 217
II. Entwicklung der Rechtsangleichung 218
III. Bewertung der Aussichten 218
Literaturverzeichnis 221
Stichwortverzeichnis 231