Menu Expand

Legitimität des § 398a AO im System des privilegierenden Nachtatverhaltens und verfassungsrechtliche Kompatibilität der Norm

Thoma, Philipp

Schriften zum Strafrecht, Vol. 344

(2019)

Additional Information

Book Details

Pricing

About The Author

Philipp Thoma studierte Rechtswissenschaft und parallel Betriebswirtschaftslehre an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht. 2013 absolvierte er ein Auslandssemester an der University of Adelaide. 2016 legte er die Erste Juristische Staatsprüfung (Hessen) ab. 2017 schloss er sein Masterstudium erfolgreich ab und begann seine Promotionsarbeit an der Universität Potsdam unter der Betreuung von Prof. Dr. Georg Steinberg. Derzeit befindet er sich im juristischen Vorbereitungsdienst am OLG Karlsruhe mit Station in Freiburg i.Br. Philipp Thoma studied law and business at the EBS University of business and law. In 2013 he spent a term abroad at the University of Adelaide. In 2016 he passed the first state exam (Erste Juristische Staatsprüfung) in Hessen. He finished his master’s degree in business 2017 and started his doctorate at the University of Potsdam under the supervision of Prof. Dr. Georg Steinberg. Currently he is located in Freiburg i.Br. due to the preparation for the second state exam (juristischer Vorbereitungsdienst) at the OLG Karlsruhe.

Abstract

Der Gesetzgeber vollzog 2011 einen Paradigmenwechsel, indem er ergänzend zur materiellen Selbstanzeigeregelung eine verfahrensrechtliche Norm, namentlich § 398a AO, implementierte. Es handelt sich um eine Kompromissstruktur, die insbesondere versucht, staatspolitisch motivierte Interessen zu berücksichtigen. Dass dadurch rechtliche Spannungsfelder entstehen, liegt auf der Hand. Vor diesem Hintergrund werden einleitend – unter dem Blickwinkel der gesetzgeberischen Intention − die einzelnen Regelungsteile des § 398a AO punktuell erarbeitet, um im Anschluss bewerten zu können, inwieweit die Norm mit dem System des privilegierenden Nachtatverhaltens und der Verfassung kompatibel ist. Insofern hat sich herauskristallisiert, dass § 398a AO nicht nur eine komplizierte Vorschrift ist, sondern darüber hinaus sowohl inhaltliche, rechtsdogmatische sowie rechtssystematische Verwerfungen mit sich bringt. Die gefundenen Ergebnisse sprechen letztlich für eine Änderung der bestehenden Regelung, zugleich aber nicht für eine Abschaffung. »Legitimacy of § 398a AO in the System of Privileged Statues in Criminal Law and the Constitutional Compatibility of the Norm«

The legislator implemented § 398a AO in 2011 and remodelled it in 2015. While the initiative was mostly driven by political reasons it its rather crucial to have a closer look on the legal perspective. For this reason, the work outlines in the first chapters the content of the statue to set the legal framework. It continues raising the question, if there are any frictions with the constitution followed up by an overall comparison to similar privileged laws and their legal backgrounds.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 13
Einführung 19
1. Kapitel: Grundlagen zu § 398a AO 26
A. Entstehungsgeschichte 26
I. Schwarzgeldbekämpfungsgesetz 26
II. Gesetz zur Änderung der AO und des EGAO 27
B. Rechtsnatur: Prozessuales Strafverfolgungshindernis und Einstellungsnorm 29
C. Ziele 31
D. Rechtsgut und Deliktsnatur der Steuerhinterziehung 32
2. Kapitel: Der Regelungsgehalt des § 398a AO auf Voraussetzungsebene 36
A. Tatbestandsvoraussetzungen 36
I. Wirksame Berichtigungserklärung 37
1. Allgemeines 38
2. Anforderungen an die Erklärung 39
3. Vollständigkeit der Selbstanzeige 40
a) Sachlich 40
b) Zeitlich 42
c) Teilselbstanzeigen 43
4. Zwischenergebnis 45
II. Rechtzeitige Berichtigungserklärung 46
III. Vorliegen von § 371 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 und / oder Nr. 4 AO 46
1. § 371 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 AO 46
a) Die Betragsgrenze 47
b) Sachlicher Anknüpfungspunkt zur Bestimmung der 25.000 Euro 48
c) Verhältnis zum deliktischen Gefährdungscharakter 48
d) Kompensationsverbot 51
aa) Inhalt 51
bb) Berücksichtigung? 54
cc) Zwischenfazit 56
e) Steuerhinterziehungen auf Zeit: Nominalbetrag oder Steuerschaden? 56
f) Tatbezogenheit des § 371 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 AO 57
2. § 371 Abs. 2 S. 1 Nr. 4 AO 61
a) Berücksichtigung unbenannter besonders schwerer Fälle 63
b) Sperrwirkung trotz widerlegbarer Indizwirkung? 63
c) Versuchte Regelbeispiele 64
IV. Fristgerechte Nachentrichtung der zu eigenen Gunsten hinterzogenen Steuern nebst Zinsen (§ 398a Abs. 1 Nr. 1 AO) 65
1. Nachzahlungsverpflichteter 65
2. Nachzahlungsumfang 67
a) Hinterzogene Steuern 67
aa) Einordnung des Begriffs 67
bb) Verhältnis zum deliktischen Gefährdungscharakter 69
cc) Berücksichtigung des Kompensationsverbots? 69
dd) Tatbezogenheit 70
ee) Zeitlicher Bezugspunkt 70
b) Hinterziehungszinsen 72
c) Vollständigkeit 73
3. Nachzahlung innerhalb angemessener Frist 74
4. Zusammenfassung 76
V. Fristgerechte Zahlung eines zusätzlichen Geldbetrags (§ 398a Abs. 1 Nr. 2 AO) 77
1. Zahlungsverpflichteter 78
2. Bestimmung des Geldbetrages 78
a) Aufbau des § 398a Abs. 1 Nr. 2 AO 78
b) Geldbetrag 79
aa) Sachlicher Bezugspunkt 79
bb) Verhältnis zum deliktischen Gefährdungscharakter 80
cc) Zeitlicher Bezugspunkt 81
dd) Vollständigkeit 81
c) Hinterziehungsbetrag 82
aa) Bezugspunkt Taterfolg 82
bb) Berücksichtigung des Kompensationsverbots? 83
cc) Tatbezogenheit 84
dd) Schwellenwerte 87
d) Hinterzogene Steuer 88
aa) Bezugspunkt Taterfolg 88
bb) Beachtung des § 370 Abs. 4 S. 3 AO 89
cc) Tatbezogenheit 95
e) Zwischenfazit 95
3. Zahlung innerhalb angemessener Frist 96
B. Besonderheiten bei mehreren Tatbeteiligten 96
I. Anwendung 96
II. Umfang der Verpflichtung nach § 398a Abs. 1 Nr. 1 AO 97
III. Umfang der Verpflichtung nach § 398a Abs. 1 Nr. 2 AO 98
3. Kapitel: Die Rechtsfolgen des § 398a AO 102
A. Verfahrenseinstellung 102
I. Persönlicher Umfang 103
II. Sachlicher Umfang 103
III. Art und Weise der Einstellung 104
B. Wiederaufnahmemöglichkeit nach § 398a Abs. 3 AO 105
I. Strafklageverbrauch 105
1. Ermittlungsverfahren 105
2. Gerichtliches Verfahren 107
II. Wiederaufnahmeprämissen 107
III. Folgen 110
C. Keine Erstattung „wirkungsloser“ Zuschlagsbeträge 110
D. Anrechnung auf Geldstrafen 112
I. Grundregelung 112
II. Folgen 114
4. Kapitel: § 398a AO: eine verfassungsrechtlich zu beanstandende Norm? 116
A. Vereinbarkeit mit dem Schuldprinzip 117
I. Echte Kriminalstrafe? 118
II. Strafähnlicher Charakter? 119
1. Zinsen 119
2. Geldbetrag 120
III. Zwischenfazit 123
B. Rechtsstaatsprinzip – Übermaßverbot 124
I. Zinszahlung 125
II. Hinzutretender Geldbetrag 127
1. Abstrakte Betrachtung 127
2. Bereich der relativierten Hinterziehungen 129
3. Zwischenergebnis 133
C. Art. 14 GG 133
D. Richtervorbehalt und Gewaltenteilungsprinzip 135
E. Ne bis in idem 136
I. Nationale Ebene 136
II. Europäische Ebene 137
F. Art. 3 Abs. 1 GG 139
I. Ungleichbehandlung 140
II. Verfassungsrechtlicher Maßstab 142
III. Verfassungsrechtliche Rechtfertigung 143
G. Zusammenfassung 147
5. Kapitel: Legitimation: § 398a AO als Bestandteil des privilegierenden Nachtatverhaltenssystems? 148
A. Hinführung 148
B. Rechtfertigungsansätze 149
I. Fiskalpolitische Rechtfertigung 149
1. Ausreichendes Interesse für die Begründung von Sicherheit vor Strafverfolgung? 150
2. Die Mehreinnahmen aufgrund des § 398a AO als zentrales Argument 153
3. Der Anreizeffekt als Element des fiskalischen Erklärungsansatzes 157
4. Zwischenergebnis 158
II. Kriminalpolitische Erwägungen 159
1. Hinführung zur Steuerehrlichkeit 159
2. Ermittlungsdefizit 164
a) Transnationale Betrachtung 165
b) Nationale Betrachtung 168
c) Zusammenfassung 169
3. Zwischenfazit 170
III. Strafrechtssystematische Betrachtung 171
1. § 398a AO als Schadenswiedergutmachung und Täter-Opfer-Ausgleich 172
2. § 398a AO als Umkehrleistung des Täters 177
a) Vergleich zu § 24 StGB 178
aa) Freiwilligkeit 178
bb) Einbeziehung deliktischer Stadien 182
cc) Rechtsfolgenvorteil 183
dd) Zusammenfassung 183
b) Vergleich zu Vorschriften der tätigen Reue 183
aa) Bestandsaufnahme 184
(1) §§ 84 Abs. 5 Hs. 2, 98 Abs. 2 S. 2, 129 Abs. 7 Hs. 2, 129a Abs. 7 StGB 184
(2) §§ 264 Abs. 5, 264a Abs. 3, 265b Abs. 2, 298 Abs. 3 StGB 187
(3) §§ 149 Abs. 2, 3, 275 Abs. 3 StGB 189
(4) § 261 Abs. 9 S. 1 StGB 190
(5) § 266a Abs. 6 StGB 191
(6) § 306e Abs. 2 StGB 194
(7) §§ 314a Abs. 3, 320 Abs. 3 StGB 197
(8) § 330b Abs. 1 S. 2 StGB 200
(9) Sonstige Regelungen 201
bb) Wertende Gegenüberstellung 202
(1) Deliktsnatur 202
(2) Einbeziehung deliktischer Stadien 203
(3) Rechtsgutsverletzung 204
(4) Unrechtsgehalt 205
(5) Voraussetzungen 207
cc) Zwischenfazit 210
3. Vergleich zu §§ 153, 153a StPO 211
a) Struktur des § 153a StPO 212
b) Gegenüberstellung 215
aa) Anwendungsbereich 215
bb) Einstellungsverfahren 216
cc) Rechtsfolgen 217
c) Zwischenfazit 218
4. Zwischenergebnis 219
IV. Strafrechtsdogmatische Betrachtung 220
1. Wegfall der Strafe durch Wiedergutmachung 220
a) Strafwürdigkeit und Strafbedürftigkeit 220
b) Entfall durch Wiedergutmachung 223
aa) Resozialisierung 224
bb) Normbekräftigung 226
cc) Schuldausgleich 228
dd) Abschreckung 231
c) Ergebnis 232
2. § 370 AO ein Delikt mit abgeschwächter Strafbedürftigkeit? 233
3. Zwischenfazit 235
V. Nemo tenetur – verfassungsinduzierte Rechtfertigung? 235
1. Mitwirkungspflicht im Steuerrecht 236
2. Die Kollision mit der Selbstbelastungsfreiheit 236
3. Konfliktbeseitigung durch § 398a AO 238
a) Einwand des § 371 Abs. 2 AO 238
b) Einwand der Zahlungsunfähigkeit 239
c) Einwand des Geldbetrages 240
d) Zwischenergebnis 241
4. Ausreichende Sicherung ohne § 398a AO? 241
a) Schutzregelungen 241
b) Unzulänglichkeit der Regelungen 242
5. Alternativlösungen zu § 398a AO 243
6. Zwischenfazit 247
C. Gesamtergebnis 248
D. Rechtliche Konsequenz? 254
6. Kapitel: Ausblick: § 398a AO – de lege ferenda 256
A. Zusammenfassung der Ergebnisse 256
B. Änderungsempfehlungen 263
I. § 398a Abs. 1 Nr. 2 AO (hinterzogene Steuer) 263
II. § 398a Abs. 4 S. 2 AO 264
III. Subjektive Unzweideutigkeit 264
IV. Deckelung 265
V. § 398a Abs. 1 Nr. 1 AO 268
C. Die Norm de lege ferenda 269
Literaturverzeichnis 271
Stichwortverzeichnis 285