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Emittentenhaftung und Entlastung

Zum Entlastungsbeweis nach § 97 Abs. 2 WpHG

Bertus, Jana

Schriften zum Wirtschaftsrecht, Vol. 315

(2020)

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About The Author

Jana Bertus studierte Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln. Während ihrer Promotion am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Deutsches und Internationales Handels-, Wirtschafts- und Bankrecht, Internationales Privatrecht und Rechtsvergleichung (Prof. Dr. Klaus Peter Berger, LL.M.) der Universität zu Köln arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Wirtschaftskanzlei. Seit Juni 2019 ist sie Rechtsreferendarin am Landgericht Köln und absolvierte zuletzt eine Stage an der Deutschen Botschaft in Tokio. Zurzeit ist sie im Rahmen der Rechtsanwaltsstation in einer Wirtschaftskanzlei tätig. Jana Bertus studied law at the University of Cologne. During her doctorate at the Institute for Domestic Private Law, German and International Commercial, Corprate and Banking Law, International Private Law and Comparative Law (Prof. Dr. Klaus Peter Berger) of the University of Cologne she worked as a research associate at a corporate law firm. Since June 2019 she is a trainee lawyer at the District Court of Cologne and last completed a practical training at the Embassy of the Federal Republic of Germany in Tokyo. As part of her legal clerkship she is currently working in a corporate law firm.

Abstract

Der Haftungstatbestand des § 97 WpHG für die Verletzung der Ad-hoc-Publizitätspflichten nach Art. 17 der Marktmissbrauchsverordnung (Verordnung (EU) Nr. 596/2014) birgt für Emittenten ein immenses Haftungspotential. Diese Arbeit widmet sich der Entwicklung eines Entlastungsbeweises des Emittenten von dem Vorwurf der Verletzung der Veröffentlichungspflichten aufgrund der Unkenntnis des Emittenten von der Insiderinformation. Hierzu werden die Voraussetzungen des Haftungstatbestandes unter Einbeziehung der Anforderungen an die Erfüllung der Ad-hoc-Publizitätspflichten untersucht. Unter Heranziehung der Theorien zur Wissensvermittlung innerhalb juristischer Personen kommt die Arbeit zu dem Ergebnis, dass eine Entlastung möglich ist, und gibt auf der Grundlage von Compliance-Strukturen Hinweise zur praktischen Umsetzung des Entlastungsbeweises sowie zur Darlegungs- und Beweislast. »Issuer Liability and Exoneration – The Proof of Exoneration According to Par. 97 Sec. 2 Securities Trading Act«

§ 97 WpHG holds a significant issuer liability risk. This work develops a proof of exoneration based on the lack of awareness of the inside information by the issuer. It examines the liability provisions taking into account the requirements of public disclosure of inside information’s according to Art. 17 Regulation (EU) No. 596/2014. Using the theories of knowledge transfer in legal entities under German law this work comes to the conclusion that a proof of exoneration is possible and gives advice regarding the practical application based on compliance structures.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 13
Einleitung 17
1. Kapitel: Rechtliche Grundlagen der Ad-hoc-Publizitätspflichten und der Haftung 21
A. Rechtliche Grundlagen des § 97 WpHG 21
I. Regelungsgegenstand und Normzweck 21
1. Regelungsgegenstand 21
2. Normzweck 22
II. Rechtsnatur des § 97 WpHG 24
III. Wesentliche Neuerungen durch \ndas 1. Finanzmarktnovellierungsgesetz 26
1. Adressatenkreis 28
2. Bekanntgabe „so bald wie möglich“ 28
3. Selbstbefreiung nach Art. 17 Abs. 4 MAR 28
4. Selbstbefreiung aufgrund der Gefährdung der Systemstabilität 31
5. Zwischenergebnis der Neuerungen durch das 1. FiMaNoG 31
B. Haftungsvoraussetzungen des § 97 WpHG 31
I. Objektiver Tatbestand 32
1. Den Emittenten unmittelbar betreffende Insiderinformation 32
a) Insiderinformation 32
aa) Begriff der Information 33
bb) Kein ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal des Drittbezugs 35
cc) Präzise Information 38
(1) Bereits eingetretene Umstände und Ereignisse 38
(2) Zukünftige Umstände und Ereignisse 39
(3) Gestreckte Geschehensabläufe und Zwischenschritte 40
(4) Kursspezifität 40
dd) Nicht öffentlich bekannt 41
ee) Kursrelevanz 44
b) Unmittelbare Betroffenheit 47
2. Unterlassung der Veröffentlichung 49
a) Pflicht zur Veröffentlichung nach Art. 17 MAR 49
aa) Adressat der Veröffentlichungspflicht 49
bb) Kenntnis ist Tatbestandsmerkmal 51
(1) Keine Kenntnis nach dem Wortlaut 51
(2) Kenntnis nach der Systematik 52
(3) Kenntnis nach der historischen Auslegung 54
(4) Kenntnis nach dem Telos 54
cc) Zeitraum bis zur Veröffentlichung 56
dd) Selbstbefreiung nach Art. 17 Abs. 4 MAR 57
b) Unterlassen 60
3. Aktivlegitimation des Anspruchsinhabers 61
a) Aktivlegitimierte Erwerber 62
b) Aktivlegitimierte Veräußerer 62
II. Verschulden 62
III. Kausalität und Schaden 63
1. Kursdifferenzschaden 63
2. Vertragsabschlussschaden 65
C. Zwischenergebnis der gesetzlichen Grundlagen und Haftungsvoraussetzungen des § 97 WpHG 66
2. Kapitel: Insiderspezifische Compliance 68
A. Begriff der Insiderspezifischen Compliance 68
I. Compliance nach dem 2. FFG 69
II. Compliance nach dem 4. FFG 69
III. Compliance nach dem DCGK 70
IV. Compliance nach § 33 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 WpHG a. F. 70
V. Zwischenergebnis zur Definition der Insiderspezifischen Compliance 72
B. Aufgaben von Compliance 72
I. Überwachung 73
II. Schutz 74
III. Beratung 75
IV. Marketing 75
C. Elemente der Ausgestaltung von Compliance-Systemen nach IDW PS 980 76
I. Compliance-Kultur 78
II. Compliance-Ziele 79
III. Compliance-Risiken 79
1. Identifikation 80
2. Priorisierung 81
3. Bewertung 82
4. Steuerung 82
5. Überwachung und Berichterstattung 83
IV. Compliance-Programm 84
V. Compliance-Organisation 85
VI. Compliance-Kommunikation 87
VII. Überwachung und Verbesserung 88
D. Bedeutung von Compliance am Kapitalmarkt 89
E. Compliance und Haftungsrisiken nach § 97 WpHG 90
I. Compliance-Systeme als praktische Grundlage der Entlastung nach § 97 WpHG 91
II. Compliance-Verstöße als eigenständige Insiderinformation 92
F. Keine Pflicht zur Einrichtung einer Insiderspezifischen Compliance 93
I. Keine Pflicht nach Art. 22 Delegierte VO (EU) 2017/565 93
II. Keine Pflicht nach § 130 OWiG 94
III. Keine Pflicht nach § 91 Abs. 2 AktG 94
IV. Keine Pflicht nach dem DCGK 95
V. Keine Pflicht nach der Siemens/Neubürger-Entscheidung des LG München I 96
G. Prüfung von Compliance-Systemen nach IDW PS 980 97
I. Konzept und Vorteile einer Prüfung durch einen Abschlussprüfer 97
II. Prüfungsarten 100
1. Konzeptionsprüfung 100
2. Angemessenheitsprüfung 100
3. Wirksamkeitsprüfung 101
H. Zwischenergebnis der Bedeutung und Ausgestaltung der Insiderspezifischen Compliance 102
3. Kapitel: Grundlagen der Entlastung nach § 97 Abs. 2 WpHG 103
A. Verschuldensvorwurf des § 97 WpHG 103
I. Anknüpfung des Verschuldens 103
II. Verschuldensformen 104
1. Vorsatz 104
2. Grobe Fahrlässigkeit 104
III. Organverschulden und seine Rechtsfolgen 105
IV. Beurteilungszeitpunkt für das Verschulden 105
B. Gesetzliche Möglichkeit der Entlastung nach § 97 Abs. 2 WpHG 106
I. Unkenntnis der Insiderinformation 106
1. Keine positive Kenntnis 106
2. Keine grob fahrlässige Unkenntnis 107
II. Fehleinschätzung des Kursbeeinflussungspotentials 108
III. Verspätete Veröffentlichung 108
IV. Irrtum über einen Selbstbefreiungstatbestand 108
C. Voraussetzungen der Entlastung durch die Unkenntnis des Emittenten von der Insiderinformation 109
I. Trennung von Wissenszurechnung und Zurechnung schuldhaften Verhaltens 109
II. Definition der Wissenszurechnung 111
III. Wissenszurechnung innerhalb der Haftung nach § 97 WpHG 113
IV. Dogmatik der Wissenszurechnung 114
1. Telos der Wissenszurechnung 114
2. Theorien zur Wissenszurechnung nach deutschem Recht 117
a) Vertretertheorie 118
b) Organtheorie 120
c) Wissensorganisationstheorie 121
aa) Informationsweiterleitungspflicht 124
bb) Informationsabfragepflicht 125
cc) Informationsspeicherungspflicht 125
3. Wissen oder Wissenmüssen als Zurechnungsvoraussetzung 126
4. Erfasster Personenkreis 127
a) Vorstand 128
aa) Gesamtvorstand 128
bb) Einzelnes Vorstandsmitglied 128
b) Aufsichtsrat 129
aa) Ausgangskonstellation hinsichtlich § 97 WpHG i. V. m. Art. 17 MAR 129
bb) Zurechnung innerhalb der Zuständigkeit 129
cc) Zurechnung außerhalb der Zuständigkeit 131
dd) Ausnahmsweise Zurechnung im Hinblick auf § 97 WpHG 132
c) Nachgeordnete Mitarbeiter 135
V. Auslegung der Wissensorganisationstheorie innerhalb von § 97 WpHG 135
1. Geltung innerhalb des § 97 WpHG i. V. m. Art. 17 MAR 136
2. Anwendbarkeit im Deliktsrecht 138
3. Auslegung innerhalb des § 97 WpHG 139
D. Zwischenergebnis zu den Grundlagen einer Entlastung 142
4. Kapitel: Kenntnisbezogene Entlastung durch Insiderspezifische Compliance-Systeme 143
A. Herleitung des Entlastungsbeweises aufgrund der Unkenntnis von der Insiderinformation 143
I. Kernthese der Herleitung 143
II. Allgemeine Reichweite und Grenzen der Wissensorganisationspflicht und ihre Ausprägung im Haftungssystem des § 97 WpHG 146
1. Inhaltliche Reichweite der Wissensorganisationspflicht 146
2. Persönliche Reichweite der Wissensorganisationspflicht 147
3. Gesetzliche Grenze der Wissensorganisationspflicht 148
a) Einheit der Rechtsordnung 149
b) Keine Gefährdungshaftung 150
c) Telos der Wissenszurechnung 150
d) Telos des § 97 WpHG i. V. m. Art. 17 MAR 151
aa) Selbstbefreiung nach Art. 17 Abs. 4 MAR 152
bb) Unmittelbarkeitskriterium nach Art. 17 Abs. 1 MAR 152
e) Grundsatz: Ultra posse nemo obligatur 153
f) Vergleich zu den Mechanismen deliktischer Verkehrssicherung 154
aa) Inhalt und Umfang der Verkehrssicherungspflichten 155
bb) Übertragung auf die Wissensorganisationspflicht 156
g) Verhältnismäßigkeit der Haftungsrisiken 156
4. Tatsächliche Grenze der Wissensorganisationspflicht 157
5. Wertende Grenze der Wissensorganisationspflicht 159
6. Zwischenergebnis zur allgemeinen Reichweite und den allgemeinen Grenzen der Wissensorganisationspflicht im Rahmen des § 97 WpHG 160
III. Spezifische Grenzen der Insiderspezifischen Wissenszurechnung 160
1. Verschwiegenheitspflichten 161
2. Privat erlangtes Wissen 162
a) Privates Wissen des Vorstands 162
b) Privates Wissen des Aufsichtsrats 164
c) Privates Wissen nachgeordneter Mitarbeiter 165
3. Verbot der unrechtmäßigen Offenlegung von Insiderinformationen 166
4. Vertraulichkeitsbereiche 167
5. Datenschutzrechtliche Grenzen 168
6. Eigener Rechtsverstoß und Nemo-tenetur-Grundsatz 169
IV. Inhalt und Ausgestaltung des Entlastungsbeweises 171
1. Positiver Entlastungsbeweis: Ordnungsgemäße Insiderspezifische Wissensorganisation durch Compliance-Strukturen 172
a) Anwendbarkeit von Compliance 173
b) Entlastungswirkung von Compliance 174
aa) Präventionszweck von Haftungsnormen 176
bb) Rechtsvergleich zum Anglo-amerikanischen Rechtssystem 176
(1) Rechtsvergleich zu den US Sentencing Guidelines 177
(2) Rechtsvergleich zu dem UK Bribery Act 177
(3) Folgerungen für die Enthaftungswirkung 178
cc) Vergleich zum vergaberechtlichen Prinzip der Selbstreinigung 178
dd) Vergleich zu den Grundlagen der Bußgeldbemessung nach § 30 OWiG 179
ee) Vergleich zu Gesetzesvorschlägen zur Compliance-Anerkennung 181
(1) Vergleich zum VerbStrG-E 182
(2) Vergleich zum Änderungsvorschlag der §§ 30, 130 OWiG durch den Bund der Unternehmensjuristen 183
(3) Vergleich zum CompAG-E 183
(4) Folgerungen für die Entlastungswirkung in § 97 WpHG 183
ff) Zwischenergebnis zur Entlastungswirkung von Compliance-Systemen im Rahmen des § 97 WpHG 184
c) Ausgestaltung des Insiderspezifischen Wissensorganisationssystems 185
aa) Insiderspezifische Ziele 185
bb) Insiderspezifische Kultur 186
cc) Insiderspezifische Risikoanalyse 186
dd) Insiderspezifisches Programm 188
(1) Richtlinie in Form eines Code of Conduct 188
(2) Präventive Maßnahmen 190
ee) Insiderspezifische Organisation 190
ff) Insiderspezifische Kommunikation 191
gg) Insiderspezifische Überwachung und Verbesserung 192
d) Zwischenergebnis des positiven Entlastungsbeweises 192
2. Negativer Entlastungsbeweis: Grenzen der Insiderspezifischen Wissensorganisation 193
B. Zwischenergebnis 194
C. Darlegungs- und Beweislast in der Entwicklung vom Haftungstatbestand zum Entlastungsbeweis 195
I. Allgemeine Beweislastverteilung 195
1. Haftungsbegründende Tatbestandsmerkmale 195
2. Beweislastverteilung für die Kenntnis des Emittenten von der Insiderinformation 196
a) Beweislast des Anlegers 196
b) Keine Anwendbarkeit der Beweislastumkehr des § 97 Abs. 2 WpHG 197
c) Sekundäre Darlegungslast des Emittenten 198
II. Beweislastverteilung für den Entlastungsbeweis 199
1. Beweislast des Emittenten 200
2. Fehlendes Compliance-System als Verschuldensindikator 201
D. Wesentliches Ergebnis 201
E. Zusammenfassende Thesen 203
Literaturverzeichnis 205
Stichwortverzeichnis 223