Menu Expand

Die Untreuerelevanz von Verstößen gegen Compliance-Regelungen

Falk, Richard

Schriften zum Strafrecht, Vol. 354

(2020)

Additional Information

Book Details

Pricing

About The Author

Richard Falk studierte Rechtswissenschaften an der Universität Leipzig und am King‘s College London und promovierte unter Betreuung von Prof. Dr. Katharina Beckemper. Er absolvierte sein Referendariat am Kammergericht Berlin und ist als Rechtsanwalt tätig. Richard Falk studied law at the University of Leipzig and Kings’s College London and did his doctorate under the supervision of Prof Dr Katharina Beckemper. He completed his legal clerkship at the Berlin Court of Appeal and is working as an attorney at law.

Abstract

§ 266 StGB hat seit jeher den Ruf, eine »Superverbotsnorm« zu sein. Diese Kritik hat neue Nahrung bekommen durch die flächendeckende Einführung von Compliance-Regelwerken. Diese Regelungen gestalten die Pflichten von Angestellten aus und können durch § 266 StGB strafrechtliche Bedeutung erlangen. Die Arbeit untersucht, welche Grenzen einer »Verstrafrechtlichung« privater Rechtssetzung durch den Untreuetatbestand gesetzt sind. Zunächst werden die zivilrechtlichen Anforderungen wirksamer Compliance-Regelungen erarbeitet. Sodann wird das akzessorische Verhältnis der Untreuepflichtwidrigkeit zum Compliance-Verstoß beleuchtet und die Forderung nach einem »gravierenden« Pflichtverstoß abgelehnt. Stattdessen wird der Blick auf den »Schutzzweckzusammenhang« zwischen betreutem Vermögen und verletzter Pflicht gelenkt und argumentiert, dass nur Pflichten, die auch den Schutz des Vermögens bezwecken, untreuerelevant sind. Schließlich wird die Untreuerelevanz von Compliance-Regelungen untersucht und einer Verstrafrechtlichung Grenzen gesetzt. »Breach of Compliance-Clauses and its Relevance for Embezzlement«

Embezzlement, § 266 of the German Criminal Code, is an interface between civil and criminal law. In companies, compliance guidelines are standard and shape the duties of employees. Breaches can become criminally significant through § 266. The question here is, whether every breach can be relevant or only »serious breaches of duty« or breaches of »duties to protect assets«. Furthermore, the boundaries of regularly used compliance regulations are assessed.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Einleitung 15
A. Problemstellung 18
B. Vorgehensweise 19
Kapitel D.: Zivilrechtliche Grenzen von Compliance-Regelungen 19
Kapitel E.: Akzessorietät der Untreuepflichtwidrigkeit 19
Kapitel F.: Rechtsgutsbezogene Einschränkung untreuerelevanter Pflichtverstöße 20
Kapitel G.: Untreuerelevanter Vermögensschutz von Compliance-Regelungen 20
C. Notwendige Vorarbeiten zur Untreuepflichtwidrigkeit 21
I. Die Missbrauchsuntreue 21
II. Die Treuebruchsuntreue 22
III. Vermögensbetreuungspflicht als gemeinsame Voraussetzung 23
IV. Gemeinsame Prüfung mittels des Obergriffs der sog. „Untreuepflichtwidrigkeit“ 26
D. Zivilrechtliche Grenzen von Compliance-Regelungen 27
I. Möglichkeiten der Implementierung und Grenzen 27
1. Implementierung durch Weisung 27
a) Geltungserlangung im Arbeitsverhältnis 28
b) Zulässiger Weisungsinhalt 28
aa) Konkretisierung tätigkeitsbezogener Pflichten 29
bb) Konkretisierung von Rücksichtnahmepflichten 30
cc) Dienstliches Verhalten 31
c) Grenzen des Weisungsrechts 32
aa) Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung und Tarifvertrag 32
bb) Billiges Ermessen 33
cc) Verletzung gesetzlicher Vorschriften 35
d) Rechtsfolgen bei Überschreiten der Grenzen des Weisungsrechts 36
e) Zwischenergebnis 37
2. Implementierung durch Beschäftigungsvertrag 37
a) Formulararbeitsvertrag 38
aa) Grenzen zulässiger arbeitsvertraglicher Regelungen 38
(1) Unangemessene Benachteiligung 39
(2) Transparenzgebot 40
bb) Rechtsfolgen bei Unangemessenheit der Regelung 42
b) Individualarbeits- bzw. Dienstvertrag 43
c) Zwischenergebnis 44
3. Implementierung durch Betriebsvereinbarung 44
a) Geltungserlangung im Arbeitsverhältnis 45
b) Zulässiger Regelungsinhalt 46
c) Grenzen zulässiger Regelungen 47
aa) Inhaltskontrolle der unmittelbar geltenden Betriebsvereinbarung 48
bb) Sonderfall: Kontrolle von AGB-Bezugnahmeklauseln 50
cc) Individuelle Prüfung einzelner Compliance-Regelungen 52
d) Rechtsfolgen bei Unangemessenheit der Regelung 53
e) Zwischenergebnis 53
4. Zusammenfassung der Anforderungen an Compliance-Regelungen 53
II. Wirksamkeit typischer Compliance-Regelungen \nund ihre Verletzung 54
1. Verschwiegenheitsklauseln 55
a) Regelungsbeispiele 56
b) Zulässigkeit und Pflichtumfang der Regelungsbeispiele 57
aa) Wiederholung gesetzlicher Pflichten 57
bb) Konkretisierung gesetzlicher Pflichten 58
cc) Erweiterung gesetzlicher Pflichten 59
dd) Zwischenergebnis 61
c) Pflichtverletzung 61
2. Anzeigepflicht und Whistleblowing 62
a) Regelungsbeispiele 62
b) Zulässigkeit und Pflichtumfang der Regelungsbeispiele 63
aa) Wiederholung gesetzlicher Pflichten 63
bb) Konkretisierung gesetzlicher Pflichten 64
cc) Erweiterung gesetzlicher Pflichten 66
dd) Zwischenergebnis 67
c) Pflichtverletzung 68
3. Anti-Bestechungspflichten 69
a) Regelungsbeispiele 69
b) Zulässigkeit und Pflichtumfang der Regelungsbeispiele 70
aa) Wiederholung und Konkretisierung gesetzlicher Pflichten 70
(1) Arbeitsrechtliches Bestechungsverbot 71
(2) Anzeige bzw. Information korrupter Geschäftspartner 72
bb) Erweiterung gesetzlicher Pflichten 73
(1) Sog. „Zero Tolerance“ 74
(2) Wertgrenzen 75
(3) Zustimmungsvorbehalt 76
(4) Herausgabe erhaltener Zuwendungen 77
cc) Zwischenergebnis 78
c) Pflichtverletzung 79
4. Bilanz- und Buchführung 80
a) Regelungsbeispiele 80
b) Zulässigkeit und Pflichtumfang der Regelungsbeispiele 81
aa) Wiederholung und Konkretisierung gesetzlicher Pflichten 81
bb) Erweiterung gesetzlicher Pflichten 83
cc) Zwischenergebnis 83
c) Pflichtverletzung 84
III. Schlussfolgerungen zum zulässigen Pflichteninhalt von Compliance-Regelungen 84
E. Akzessorietät der Untreuepflichtwidrigkeit 87
I. Dogmatische Vorbetrachtung zur Verweisungstechnik der Untreuepflichtwidrigkeit 87
1. Auswirkungen für die Inbezugnahme von Compliance-Regelungen 88
2. Materielle Prüfung der Verweistechnik der Untreuepflichtwidrigkeit 89
a) Bildung einer sinnvollen Bestimmungsnorm der Untreue 90
b) Inbezugnahme des Regelungseffekts des Bezugsobjekts 94
c) Konkludente Inbezugnahme des Ausfüllungsobjekts 95
3. Zwischenergebnis 96
II. Qualitative Umwandlungsvoraussetzungen der Untreuepflichtwidrigkeit 96
1. Sog. „asymmetrische Akzessorietät“ 97
a) Asymmetrische Akzessorietät im Spiegel der Rechtsprechung 99
aa) Forderung einer zusätzlichen strafrechtlichen Intensitätsprüfung 100
(1) Kreditgewährung (BGHSt 46, 30; 47, 148) 100
(2) Unternehmenszuwendungen (BGHSt 47, 187) 102
(3) Zwischenergebnis 106
bb) Forderung der Wahrung des weiten Ermessensspielraums 106
(1) Kompensationslose Anerkennungsprämien (BGHSt 50, 331) 106
(2) Verbandsinterner Kapitaltransfer (BGH, NJW 2006, 453) 109
(3) Zwischenergebnis 112
cc) Forderung einer vorgelagerten zivilrechtlichen Intensitätsprüfung 112
(1) Die Entscheidung des BVerfG (BVerfGE 126, 170) 113
(2) Betriebsratswahlbeeinflussung (BGHSt 55, 288) 117
(3) Verschleiern von Parteispenden (BGHSt 56, 203) 119
(4) Mangelhafte Fondsabsicherung (BGH, NStZ 2013, 715) 120
(5) Zwischenergebnis 121
dd) Zusammenfassung des Rechtsprechungsüberblicks 122
b) Konkretisierungsversuche der asymmetrischen Akzessorietät 124
aa) Asymmetrische Akzessorietät als strafrechtliche Intensitätsprüfung 124
bb) Asymmetrische Akzessorietät als zivilrechtliche Intensitätsprüfung 129
c) Zwischenergebnis 133
2. Sog. „strenge Akzessorietät“ 135
3. Sog. „Zivilrechtsaffinität“ 139
4. Sog. „erweiterte Akzessorietät“ 140
III. Schlussfolgerungen für die Inbezugnahme von Compliance-Regelungen 142
F. Rechtsgutbezogene Einschränkung untreuerelevanter Pflichtverstöße 145
I. Dogmatische Vorbetrachtung zum Schutzzweckzusammenhang 145
1. Rechtsgut und Strafgrund der Untreue 146
2. Untreue und objektive Zurechnung 148
a) Grundsätze objektiver Zurechnung und Schutzzweck der Norm 148
b) Der untreuespezifische Schutzzweck der Norm 152
c) Zwischenergebnis 156
II. Die Anforderungen des Schutzzweckzusammenhangs an die verletzte Pflicht 156
1. Diskussion um den Vermögensschutz der verletzten Pflicht 156
a) Notwendiger Vermögensschutz 157
aa) Sog. „unmittelbarer Vermögensschutz“ 158
bb) Sog. „mittelbarer Vermögensschutz“ 162
b) Sog. „faktischer Vermögensschutz“ 165
c) Sog. „Fremdvermögensbezug“ 168
d) Zwischenergebnis 172
2. Vermögensschutz der verletzten Pflicht im Spiegel der Rechtsprechung 173
a) Verzicht auf den Vermögensschutz der verletzten Pflicht 173
b) Entwicklung der Forderung eines Vermögensschutzes 175
aa) Kreditgewährung (BGHSt 46, 30, 47, 148) 175
bb) Schwarze Kassen und Bestechung (BGHSt 52, 323) 176
(1) Vorinstanz: Kein Vermögensschutz der verletzten Pflicht 176
(2) Revisionsinstanz: Zurückweisung des weiten Pflichtenbegriffs 179
cc) Begünstigung von Betriebsratsmitgliedern (BGHSt 54, 148) 180
c) Forderung eines „faktischen“ Vermögensschutzes der verletzten Pflicht 182
d) Forderung eines „mittelbaren“ Vermögensschutzes der verletzten Pflicht 186
aa) Beeinflussung von Betriebsratswahlen (BGHSt 55, 288) 186
bb) Verschleiern von Parteispenden (BGHSt 56, 203) 190
cc) Darlehenssicherung mit Landesbürgschaften (BGHSt 61, 48) 192
3. Zusammenfassung des Rechtsprechungsüberblicks 193
III. Schlussfolgerungen für die Untreuerelevanz von Compliance-Regelungen 194
G. Der Schutzzweck von Compliance-Regelungen 198
I. Schutzzweck von Compliance-Regelwerken 199
II. Schutzzweck einzelner Compliance-Regelungen 201
1. Schutzzweck von Verschwiegenheitspflichten 201
2. Schutzzweck von Anzeigepflichten und Whistleblowing 206
3. Schutzzweck von Anti-Bestechungspflichten 212
4. Schutzzweck von Buchhaltungspflichten 218
III. Schlussfolgerungen zum Schutzzweck von Compliance-Regelungen 221
H. Zusammenfassung der Ergebnisse der Arbeit 222
Literaturverzeichnis 224
Stichwortverzeichnis 251