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Die strafrechtliche Verantwortlichkeit des Ausfuhrverantwortlichen

Lehner, Stefan

Beiträge zum Wirtschaftsstrafrecht, Vol. 1

(2020)

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About The Author

Stefan Lehner studierte von Oktober 2011 bis Juli 2016 Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Wirtschafts-, Medizin- und Steuerstrafrecht an der Universität Bayreuth. Im Anschluss daran arbeitet er seit September 2016 am Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und internationales Strafrecht der Universität Bayreuth. Dort erfolgte auch seine Promotion unter der Betreuung von Frau Prof. Dr. Nina Nestler im November 2019. Stefan Lehner studied law from October 2011 to July 2016 with a focus on commercial, medical and tax criminal law at the University of Bayreuth. Subsequently, he has been working at the Chair for Criminal Law and Criminal Procedure Law, Commercial Criminal Law and International Criminal Law of the University of Bayreuth since September 2016. There he also received his doctorate under the supervision of Prof. Dr. Nina Nestler in November 2019.

Abstract

Stefan Lehner untersucht, ob bzw. inwieweit Bundesregierung und BAFA als Ausfuhrbehörden durch den sog. Ausfuhrverantwortlichen eine strafrechtliche Sonderverantwortlichkeit geschaffen haben. Da der Ausfuhrverantwortliche im Außenwirtschaftsrecht nicht unmittelbar zum Gegenstand von Haftungsnormen gemacht worden ist, stellen sich grundlegende Fragen strafrechtlicher Zurechnung. Die Arbeit behandelt insoweit die täterschaftliche Verantwortung des Ausfuhrverantwortlichen bei aktiver Begehung im Rahmen funktional-sozialer Täterschaftsermittlung, dessen Garantenstellung und -pflichten im Rahmen der Unterlassungshaftung, die spezielle Verantwortlichkeit für Compliance-Organisationsmaßnahmen im Unternehmen sowie insbesondere den Einfluss von Verwaltungsvorschriften als Sondernormen auf die Ausfuhrdelikte und den Pflichtenkreis des Ausfuhrverantwortlichen. »Criminal Liability of the ›Ausfuhrverantwortlicher‹ (Person Responsible for Export Control)«

In 2019, executive board members of well-known German defence companies had to face criminal charges for illegal arms exports. Under the impression of such »export scandals«, the German export authorities regularly issue administrative regulations in which they define the due diligence duties of the so-called Ausfuhrverantwortlicher (person responsible for export control). Stefan Lehner therefore investigates whether a special criminal liability was created in this way.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 13
Teil 1: Einleitung 19
A. Anlass der Untersuchung 19
B. Gang der Untersuchung 24
Teil 2: Rechtliches Fundament 26
A. Außenwirtschaftsfreiheit und ihre Grenzen 27
B. Zuverlässigkeit des Antragstellers 30
C. Zuverlässigkeitsgrundsätze 33
I. Erschließung und Bewertung des Regelungsgehalts 35
1. Präambel 35
2. Zuverlässigkeitsgrundsätze 37
a) Anwendungsbereich (Nr. 1) 37
b) Ausfuhrverantwortlicher (Nr. 2) 39
c) Aussetzung des Genehmigungsverfahrens (Nr. 3) 42
d) Ablehnung von Anträgen (Nr. 4) 43
e) Absehen von Maßnahmen nach Nr. 3, 4 (Nr. 5) 44
f) Widerruf von Genehmigungen (Nr. 6) 45
g) Versehen mit Nebenbestimmungen (Nr. 7) 45
3. Analyse und Bewertung 46
II. Rechtliche Verbindlichkeit 47
1. Zuverlässigkeitsgrundsätze als normkonkretisierende Verwaltungsvorschriften 47
a) Norminterpretierender Bestandteil der Zuverlässigkeitsgrundsätze 52
aa) Überwiegende Auffassung im Schrifttum 53
bb) Auffassung der Genehmigungspraxis 54
cc) Differenzierender Ansatz Hinders 55
dd) Analyse und Bewertung 56
b) Kriterien der Normkonkretisierung 59
aa) Explizite Ermächtigung zur Konkretisierung 61
bb) Umfangreiches Beteiligungsverfahren 63
cc) Sicherstellung einer einheitlichen Verwaltungspraxis 65
dd) Implizite Ermächtigung zur Konkretisierung 67
c) Zwischenergebnis 76
2. Zuverlässigkeitsgrundsätze als Rechtsverordnung 77
a) Formelle Kriterien 78
b) Materielle Kriterien 82
c) Fehlende rechtliche Verbindlichkeit 86
d) Zwischenergebnis 87
D. Zertifizierungskriterien gemäß § 2 Abs. 2 AWV 88
I. Erschließung und Bewertung des Regelungsgehalts 89
II. Rechtliche Verbindlichkeit 92
E. ICP-Merkblatt 94
I. Erschließung und Bewertung des Regelungsgehalts 94
II. Rechtliche Verbindlichkeit 97
1. ICP-Merkblatt als Rechtsverordnung 97
2. ICP-Merkblatt als Verwaltungsakt bzw. Allgemeinverfügung 98
3. ICP-Merkblatt als informelles Verwaltungshandeln bzw. Verwaltungsvorschrift 99
F. Ergebnisse – Teil 2 103
Teil 3: Allgemeine Ausfuhrverantwortlichkeit 106
A. Verantwortlichkeit für Begehungsdelikte 106
I. Zurechnungsdefizite innerhalb illegaler Ausfuhrvorgänge 108
1. Ausfuhr und Handlungsverantwortung 112
a) „Ausfuhr“ und „Verbringung“ nach dem AWG, der AWV und dem KWKG 113
b) „Ausfuhr“ nach der Dual-Use-VO 115
c) Zwischenergebnis 117
2. Ausfuhr und Entscheidungsverantwortung 117
a) Fehlende Eigenhändigkeit der Tathandlung 118
b) Mittelbarer Täterschaft bei Ausfuhr und Verbringung 120
aa) Wissensherrschaft 121
bb) Willensherrschaft 125
cc) Organisationsherrschaft 126
c) Mittäterschaft bei Ausfuhr und Verbringung 131
aa) Tatherrschaft aufgrund von Vorbereitungshandlungen 131
bb) Gemeinsamer Tatplan bei vertikalen Organisationsstrukturen 139
d) Anstiftung zu Ausfuhr und Verbringung 140
3. Zwischenergebnis 142
II. Bewältigung der Zurechnungsdefizite 143
1. Ausfuhrdelikte als Sonderdelikte 144
a) Befürworter des Sonderdeliktscharakters 145
b) Auffassung des BGH 146
c) Analyse und Bewertung 147
2. Ausfuhrdelikte als Organisationsdelikte 149
a) Organisationsdelikte nach Schünemann 150
aa) Beschreibung einer besonderen Regelungstechnik 150
bb) Unerlaubte Ausfuhr als „Musterbeispiel“ 153
b) Organisationsdelikte nach Auffassung des BGH 155
aa) Lederspray-Fall 155
bb) Rabta-Fall 158
cc) Geländewagen-Fall 159
dd) Nuklearprogramm-Fall 160
ee) Analyse und Bewertung 161
c) „Ausführer“ als faktischer Zurechnungsmotor 165
aa) Grammatikalische Auslegung 167
bb) Systematische Auslegung 169
cc) Historische Auslegung 171
dd) Teleologische Auslegung 173
ee) Zwischenergebnis 179
3. Fördertatbestände des KWKG 180
4. Zwischenergebnis 182
B. Verantwortlichkeit für Unterlassungsdelikte 183
I. Schutzpflicht zugunsten der Schutzgüter des Außenwirtschaftsrechts 189
1. Originäre Schutzpflicht des Ausfuhrverantwortlichen 191
a) Enge persönliche Verbundenheit 191
b) Organ- bzw. Gesellschafterstellung 192
c) Rechtsstellung aufgrund des Außenwirtschaftsrechts 193
aa) Ausfuhrdelikte 194
bb) Ausfuhrgenehmigungsrecht 195
cc) Zwischenergebnis 198
2. Derivative Schutzpflicht der Ausfuhrbehörden 198
a) Schutzpflicht der Ausfuhrbehörden 199
aa) Öffentlich-rechtlicher Schutzauftrag 199
bb) Strafrechtliche Einstandspflicht 200
cc) Zwischenergebnis 204
b) Tatsächliche, freiwillige Übernahme durch den Ausfuhrverantwortlichen 205
c) Zwischenergebnis 207
3. Derivative Schutzpflicht des Exportunternehmens 207
4. Zwischenergebnis 211
II. Überwachungspflicht hinsichtlich des eigenen Unternehmens 211
1. Verantwortlichkeit für Sachgefahren 213
2. Verantwortlichkeit für Personalgefahren 215
a) Auffassung der Rechtsprechung 216
aa) Auffassung des RG 217
bb) Auffassung des BGH 217
b) Auffassungen im Schrifttum 221
aa) Befehlsgewalt und Herrschaftswissen 222
bb) Erweiterung des eigenen Verkehrskreises 225
cc) Ingerenz 226
dd) Überwachung von Gefahrenquellen im übernommenen Organisationskreis 229
ee) Analyse und Bewertung 232
c) Zwischenergebnis 235
III. Delegation und Restverantwortung 235
1. Freizeichnung der übrigen Geschäftsleitung durch horizontale Delegation? 236
a) Grundsatz der Generalverantwortung und Allzuständigkeit 237
b) Vertrauensgrundsatz und Restverantwortung 239
c) „Aufleben“ der Generalverantwortung und Allzuständigkeit 243
d) Zwischenergebnis 245
2. Garantiehaftung des Ausfuhrverantwortlichen infolge vertikaler Delegation? 245
a) Gestaltungsmöglichkeiten 246
aa) Delegation von Verantwortung an den Exportkontrollbeauftragten 248
bb) Übereinstimmung mit der Delegation an den Compliance-Beauftragten 251
b) Anwendbarkeit des Vertrauensgrundsatzes 253
c) Umfang der Restverantwortung 258
d) Zwischenergebnis 263
C. Ergebnisse – Teil 3 264
Teil 4: Besondere Ausfuhrverantwortlichkeit 266
A. Besonderes Pflichtenprogramm 268
I. Organisationspflicht 273
1. Aufbauorganisation 273
a) Ausweisung der Exportkontrolle und Kompetenzverteilung 273
aa) Pflicht zur Kompetenzverteilung 274
bb) Anforderungen an die Kompetenzverteilung 277
b) Durchsetzungskraft 279
2. Ablauforganisation 281
a) Information 281
b) Instruktion 284
c) Dokumentation 287
3. Zwischenergebnis 291
II. Überwachungspflicht 292
1. Prozessbezogene Überwachung 292
2. Systembezogene Überwachung 294
3. Zwischenergebnis 296
III. Personalauswahlpflicht 297
IV. Weiterbildungspflicht 299
V. Zwischenergebnis 301
B. Strafrechtlicher Sorgfaltsmaßstab 303
I. Einfallstore für das besondere Pflichtenprogramm 304
1. Blankettausfüllende Vorschriften 305
2. Normative Tatbestandsmerkmale 310
a) Einstandspflicht, § 13 Abs. 1 StGB 311
b) Fahrlässigkeitsvorwurf 313
aa) Objektiver Fahrlässigkeitsvorwurf 314
bb) Subjektiver Fahrlässigkeitsvorwurf 316
c) Vermeidbarkeit des Verbotsirrtums 318
d) Umfang der gehörigen Aufsicht gemäß § 130 OWiG 320
3. Strafzumessung 321
4. Zwischenergebnis 324
II. Wirkungsweise des besonderen Pflichtenprogramms 325
1. Verbindlichkeit 326
2. Irrelevanz 329
3. Indizwirkung 330
a) Beweisregeln 332
b) „Antizipiertes Sachverständigengutachten“ 337
aa) Beweisgegenstand 339
bb) Beweisverfahren 343
cc) Zwischenergebnis 347
c) System der Beweiserleichterung 348
d) Zwischenergebnis 351
III. Berücksichtigung des besonderen Pflichtenprogramms 352
1. Neutralität des Normsetzers 354
2. Ausdruck besonderen Sachverstands und hohe Richtigkeitsgewähr 356
3. Hoher Verbreitungsgrad und Vertrauensschutz 360
4. Einheitliches Schutzgutkonzept 365
a) Schutzzweckidentität von Ausfuhrdelikten und Zuverlässigkeitsgrundsätzen 368
aa) „Ursprüngliche Trias“ 369
bb) Genehmigungsvorbehalt 372
cc) „Restriktive Rüstungspolitik“ 374
(1) Inhalt der Politischen Grundsätze 375
(2) Bewertung des Inhalts 377
(3) Menschenrechte im Schutzgefüge des Außenwirtschafts(straf)rechts 378
dd) Zwischenergebnis 388
b) Schutzzweckidentität zwischen Ausfuhrdelikten und ICP-Merkblatt 389
c) Zwischenergebnis 392
5. Verfassungsmäßigkeit 393
a) Befürworter der Verfassungswidrigkeit 395
b) Befürworter der Verfassungsmäßigkeit 399
c) Analyse und Bewertung 400
aa) Teilrechtswidrigkeit und Gesamtrechtswidrigkeit 401
bb) Kompetenzkonflikt 404
d) Zwischenergebnis 409
6. Zusammenfassung 410
C. Ergebnisse – Teil 4 410
Teil 5: Zusammenfassung, Bewertung und Ausblick 414
A. Zusammenfassung der Ergebnisse 414
B. Bewertung und Ausblick 419
Anlage I 422
Anlage II 426
Literaturverzeichnis 429
Stichwortverzeichnis 477