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Der Vertraulichkeitsschutz von Mediationsinhalten

Schroth der Zweite, Amelie

Schriften zum Prozessrecht, Vol. 265

(2020)

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Nach dem Jurastudium an der Humboldt-Universität zu Berlin und der Absolvierung des Referendariats am Berliner Kammergericht, wurde Amelie Schroth der Zweite im September 2017 als Rechtsanwältin zugelassen. Von Oktober 2017 bis Mai 2019 promovierte sie an der Universität Potsdam. Seit August 2019 arbeitet Amelie Schroth der Zweite in einer Wirtschaftskanzlei in München als Rechtsanwältin und zertifizierte Mediatorin mit Spezialisierung im Familien- und Erbrecht. After studying law at the Humboldt University in Berlin and completing her legal clerkship at the Berlin Court of Appeal, Amelie Schroth der Zweite was admitted to the bar in September 2017. From October 2017 to May 2019 she received her doctorate at the University of Potsdam. Since August 2019, Amelie Schroth der Zweite has been working in a law firm in Munich as a lawyer and certified mediator specializing in family and inheritance law.

Abstract

Nach einer Analyse des materiell- und prozessrechtlichen Istzustandes des Vertraulichkeitsschutzes von Mediationsinhalten kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass das Schutzniveau auf personeller Ebene derzeit unzureichend gewährleistet und in der Praxis ohne einen einheitlichen Mindeststandard umgesetzt wird. Ein allein an den Interessen der Medianden ausgerichteter Vertraulichkeitsschutz verkennt, dass Vertraulichkeit auch als verfahrenssystematische Grundlage von Mediation schützenswert ist. Es sollten daher u.a. alle Beteiligten einer Mediation zur Wahrung der Vertraulichkeit derjenigen Informationen verpflichtet werden, von denen sie nur aufgrund der Durchführung des Mediationsverfahrens Kenntnis erlangt haben. Zur Umsetzung dieser Erweiterung und der weiteren Ergebnisse der Erörterung des Sollzustandes, schließt die Arbeit mit einem Formulierungsvorschlag zur Umgestaltung von § 4 MediationsG sowie einer Mustervereinbarung für die Mediationsbeteiligten als privatautonome Schutzergänzung. »The Confidentiality Protection of Mediation Content«

This paper examines the current state of protection of confidentiality of information obtained by parties to a mediation process as a result of the mediation procedure, both in substantive law and in civil procedure, and then discusses the desired state of this protection. The results of the investigation are implemented in a proposed wording for the amendment of § 4 MediationsG and in a model agreement as an autonomous private supplement.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Danksagung 7
Inhaltsübersicht 9
Inhaltsverzeichnis 11
Abkuerzungsverzeichnis 18
Erster Teil: Einführung in Gegenstand und Gang der Untersuchung 21
Zweiter Teil: Untersuchung des Vertraulichkeitsschutzes 26
Kapitel 1: Vertraulichkeitsschutz im Mediationskontext 26
A. Vertraulichkeitsbegriff 26
I. Überblick zu Ursprung und Entwicklung des Begriffs im Allgemeinen 26
II. Horizontale Vertraulichkeitsbereiche im Mediationskontext 27
1. Interne Vertraulichkeit 27
2. Extern-außerprozessuale Vertraulichkeit 28
3. Extern-prozessuale Vertraulichkeit 28
III. Vertikale Schutzebenen im Mediationskontext 29
B. Bedeutung von Vertraulichkeitsschutz für die Mediationspraxis 29
I. Bedeutung für die Mediation als Institution 29
II. Bedeutung für den Mediator 31
III. Bedeutung für die Medianden 31
IV. Bedeutung für beteiligte Dritte 33
C. Zwischenergebnis zu Kapitel 1 34
Kapitel 2: Vertraulichkeitsschutz de lege lata 35
A. § 4 MediationsG und das gesetzgeberische Verständnis von Vertraulichkeitsschutz im Mediationskontext 35
I. Rechtslage vor Inkrafttreten des MediationsG 35
1. Recht der Europäischen Union 35
2. Bundesrecht 36
II. Anwendungsbereich des MediationsG 37
1. Gesetzentwurf der Bundesregierung 38
2. Stellungnahme des Bundesrates 39
3. Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsausschusses 40
4. Beschlussempfehlung des Vermittlungsausschusses 41
5. Ergebnis des Gesetzgebungsverfahrens 43
6. Diskussionsstand und Zwischenergebnis 44
III. Materiell rechtlicher Regelungsinhalt von § 4 MediationsG 47
1. § 4 S. 1 MediationsG (Regelungsadressaten) 47
a) Mediator 48
aa) Kritik an Legaldefinition des Mediators 48
bb) Abhilfe durch Definition von Mediation 48
cc) Definition des Mediators 50
dd) Rollenverständnis des Mediators 50
(1) Grundannahmen 51
(2) Verschiedenheit 52
ee) Quasi-Berufsrecht des Mediators 54
ff) Begriffliche Verortung des Anwaltsmediators 56
gg) § 4 MediationsG als lex specialis 62
b) Hilfspersonen 62
aa) Restriktive Auslegung des Personenkreises 62
bb) Der vom Mediator beauftragte Rechtsanwalt 63
c) Anwaltliche Verschwiegenheitspflicht 64
2. § 4 S. 2 MediationsG (inhaltliche Reichweite) 66
3. § 4 S. 3 MediationsG (Ausnahmen) 67
a) § 4 S. 3 Nr. 1 MediationsG (Umsetzung und Durchsetzung) 67
aa) Anwendungsfälle von Nr. 1 68
bb) Voraussetzungen von Nr. 1 68
(1) Vollstreckung einer Mediationsvereinbarung 68
(2) Offenlegung durch den Mediator gegenüber Dritten 69
(3) Erforderlichkeit 69
cc) Erweiternde Auslegung von Nr. 1 70
dd) Stellungnahme und Ergebnis 70
b) § 4 S. 3 Nr. 2 MediationsG (vorrangige Gründe) 71
c) § 4 S. 3 Nr. 3 MediationsG (keine Geheimhaltungsbedürftigkeit) 72
aa) Offenkundiges 72
bb) Bedeutungsloses 73
cc) Fehlende Geheimhaltungsbedürftigkeit anonymisierter Tatsachen 74
dd) Ergebnis 74
4. § 4 S. 4 MediationsG 74
5. Zwischenergebnis 75
IV. Disponibilität von § 4 MediationsG 76
V. § 4 MediationsG im Spannungsverhältnis mit Informationsinteressen 77
1. Schutz vorrangiger Interessen des Mediators 77
a) Ausnahmsweise Offenlegung 77
b) Grenze der Verschwiegenheitspflicht 78
2. Informationspflichten gegenüber Dritten 79
VI. § 4 MediationsG im verfahrensrechtlichen Kontext 80
1. Zeugnispflicht 80
2. Zeugnisverweigerungsrechte als Ausnahmeregelung 81
3. Zeugnisverweigerungsrecht des Mediators aus § 383 Abs. 1 Nr. 6 ZPO (berufliche Funktion) 82
a) Geltungsbereich von § 383 Abs. 1 Nr. 6 ZPO 82
aa) Kraft ihres Amtes, Standes oder Gewerbes 83
bb) § 383 Abs. 1 Nr. 6 Fall 2 ZPO 84
cc) § 383 Abs. 1 Nr. 6 Fall 1 ZPO 84
dd) Sonderproblem: Zeugnisverweigerungsrecht des ehrenamtlichen Mediators 85
(1) Ablehnung 85
(2) Befürwortung 85
(3) Stellungnahme und Ergebnis 86
b) Persönlicher Schutzbereich des § 383 Abs. 1 Nr. 6 ZPO 87
c) Rücksichtnahmepflicht des Gerichts aus § 383 Abs. 3 ZPO 88
d) Zusammenfassendes Ergebnis 88
4. Zeugnisverweigerungsrecht des Rechtsanwalts 88
5. Rückausnahme vom Zeugnisverweigerungsrecht 89
a) Problematik: Nichtentbindung des Zeugen 89
b) Behandlung der Problematik 90
aa) In der Rechtsprechung 90
(1) Vorwurf der Beweisvereitelung 90
(2) Folgen einer Beweisvereitelung 92
bb) In der Literatur 93
(1) Regelmäßig kein Vorwurf der Beweisvereitelung 93
(2) Vorwurf der Beweisvereitelung wegen Nichtentbindung des Zeugen abhängig von der Person des Verweigernden 94
(3) Kritik an der Entbindungsmöglichkeit gem. § 385 Abs. 2 ZPO 94
cc) Stellungnahme 95
(1) Zum Vorwurf der Beweisvereitelung 95
(2) Zu den Folgen einer Beweisvereitelung 98
(3) Zur Kritik an der Entbindungsmöglichkeit gem. § 385 Abs. 2 ZPO 99
(4) Zusammenfassung 99
c) Einschätzung zur Tragweite der Thematik 99
6. Ergebnis zu § 4 MediationsG im verfahrensrechtlichen Kontext 100
VII. Zusammenfassendes Ergebnis zum Vertraulichkeitsschutz von § 4 MediationsG 100
B. Folgen von Verletzungen der Verschwiegenheitspflicht aus § 4 MediationsG 101
I. Haftung des Mediators 102
II. Haftung der Hilfspersonen 105
III. Weitere Haftung aus Berufsrecht des Grundberufs 105
IV. Überblick zur Haftung des Rechtsanwalts 106
V. Zusammenfassendes Ergebnis 109
C. Zwischenergebnis zu Kapitel 2 109
Kapitel 3: Vertraulichkeitsschutz de facto 109
A. Extern-außerprozessuale Vertraulichkeit 111
I. Personelle Ebene 111
II. Inhaltliche und gegenständliche Ebene 112
B. Extern-prozessuale Vertraulichkeit 113
I. Prozessvertrag 113
1. Zulässigkeitsgrenze und Rechtsfolgenwirkung privatrechtlicher Gestaltungsfreiheit 114
2. Reichweite von Individualvereinbarungen im Licht prozessualer Mitwirkungspflichten der Parteien 116
II. Inhaltliche, gegenständliche und personelle Ebene 117
C. Zwischenergebnis zu Kapitel 3 118
D. Ergebnis zum Istzustand des Vertraulichkeitsschutzes 118
Kapitel 4: Erforderlichkeit einer Vertraulichkeitsschutzerweiterung 119
A. Ausgangsfrage 120
I. Sollzustand 121
1. Grenzen der Gestaltungsfreiheit 121
2. Bedürfnisorientierter Umfang 122
3. Ergebnis 124
II. Erforderlichkeit der Schutzerweiterung 125
B. Blickwinkel der Mediation als Institution 126
I. Schutz der Integrität des Verfahrens 126
II. Schutz einer verfahrenssystematischen Grundlage 127
III. Verhinderung der Zweckentfremdung 128
IV. Ergebnis 128
C. Blickwinkel des Mediators 128
I. Schutz des Mediators vor Aussagezwang 128
1. Schutz des Mediators vor Aussagezwang de lege lata 129
a) Zeugnisverweigerungsrecht aus § 384 ZPO (persönliche Beziehung) 129
aa) § 384 Nr. 2 Alt. 1 ZPO 130
bb) § 384 Nr. 2 Alt. 2 ZPO 131
cc) § 384 Nr. 3 ZPO 131
b) Zeugnisverweigerungsrecht aus Art. 12 GG (Berufsfreiheit) 132
aa) Schutzbereichseröffnung 133
bb) Unzulässiger Eingriff 133
cc) Ergebnis 136
c) Ergebnis 136
2. Gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Schutzes 137
3. Bedeutung des Schutzes aus ethischen Gründen 138
4. Ergebnis 139
II. Arbeitserleichterung 139
III. Ergebnis 140
D. Blickwinkel der Medianden 140
I. Justiziable Verschwiegenheitsverpflichtung der Medianden 140
II. Behebung des Informationsdefizits der Medianden 141
III. Schutz vor Informationsmissbrauch 142
IV. Mittelbarer Schutz vor Vorwurf der Beweisvereitelung 143
V. Ergebnis 143
E. Blickwinkel beteiligter Dritter 143
I. Arbeitserleichterung und vorteilhafte Auswirkung in Haftungsfragen 144
II. Beteiligung an Gerichtsverfahren 144
III. Ergebnis 146
F. Zwischenergebnis zu Kapitel 4 146
Kapitel 5: Vertraulichkeitsschutz de lege ferenda 148
A. Vorgehensweise: Prüfen und Einordnen 148
I. Heteronomer versus autonomen Regelungscharakter 150
1. Diskussionsstand vor und nach Inkrafttreten des MediationsG 150
2. Diskussionsstand nach Evaluationsbericht 152
3. Zusammenfassung und Stellungnahme 154
II. Personenbezogener versus gegenstandsbezogenen Ansatz 155
1. Abwägung 157
2. Ergebnis 158
III. Ergebnis 159
B. Extern-außerprozessuale Vertraulichkeit 159
I. Heteronome Regelungsmöglichkeiten 160
1. Erweiterung des Adressatenkreises von § 4 MediationsG 160
2. Normierung einer Mustervereinbarung als Anhang zum MediationsG 161
3. Normierung von Hinweis oder Empfehlung zum Vertraulichkeitsschutzumfang 162
4. Ausweitung der Informationspflicht aus § 4 S. 4 MediationsG 163
II. Autonome Regelungsmöglichkeiten 163
1. Staatliche Anerkennung ausgewählter privater Repräsentanten 164
2. Individualvereinbarung (mit Bezugnahme-Klausel) 165
3. Erarbeitung einer Mustervereinbarung 166
III. Ergebnis 168
C. Extern-prozessuale Vertraulichkeit 169
I. Heteronome Regelungsmöglichkeiten 170
1. Verfahrensrecht 170
a) Einschränkung des prozessualen Verhandlungsinhalts 170
aa) Aktuelle Rechtslage 170
bb) Normierung eines Katalogs zulässiger Beweise 173
cc) Normierung einer prozessualen Einrede 174
dd) Praxistauglichkeit einer Einschränkung des prozessualen Verhandlungsinhalts 176
b) Normierung eines Vernehmungsverbots 177
c) Erweiterung der ZPO um ein Buch zum Mediationsverfahren 178
2. Materielles Recht 179
a) Normierung eines Verschwiegenheitsrechts des Mediators 179
aa) Referenzpunkt: Rechtslage in Österreich 180
bb) Referenzpunkt: Rechtsanwaltschaft 181
cc) Ergebnis 182
b) Normierung einer materiell rechtlichen Einrede 183
c) Erweiterung der anwaltlichen Verschwiegenheitspflicht 184
II. Autonome Regelungsmöglichkeiten 185
1. Individualvereinbarung mit Prozessvertrag (und Bezugnahme-Klausel) 185
2. Erarbeitung einer Mustervereinbarung mit Prozessvertrag 186
III. Ergebnis 189
Dritter Teil: Gesamtergebnis 192
Literaturverzeichnis 195
A. Aufsätze, Monographien, Lehr- und Praxishandbücher 195
B. Kommentare 206
C. Online-Ressourcen 208
Sachverzeichnis 213