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Anspruch und Wirklichkeit

Probleme spätantiker Richteraktivität im Spiegel des Codex Theodosianus

Leneis, Anna Theresa

Schriften zur Rechtsgeschichte, Vol. 192

(2020)

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About The Author

Anna Theresa Leneis studierte von 2007 bis 2014 Rechtswissenschaften sowie von 2008 bis 2014 Mittelalterliche und Alte Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Den juristischen Vorbereitungsdienst absolvierte sie zwischen 2014 und 2016 am Oberlandesgericht München u.a. mit einer Station in Melbourne, Australien. Anschließend promovierte sie bei Prof. Dr. Rudolf Haensch an der Ludwig-Maximilians-Universität München und war promotionsbegleitend als Anwältin im Bereich Immobilien- und Baurecht tätig. Seit 2020 ist Anna Theresa Leneis Regierungsrätin im Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Anna Theresa Leneis studied law, medieval and ancient history at the Ludwig Maximilian University of Munich between 2007 and 2014. Following her legal clerkship at the Higher Regional Court of Munich, which included an assignment in Melbourne, Australia, she wrote her doctoral thesis under the guidance of Prof. Dr. Rudolf Haensch at the Ludwig Maximilian University of Munich. Whilst completing her doctorate, she worked as a lawyer in the fields of real estate and construction law. Since 2020 she is working at the Bavarian State Ministery for Science and the Arts.

Abstract

Die Rechtsprechung stellte in der vormodernen Herrschaftsorganisation des Imperium Romanum die zentrale öffentliche Aufgabe dar. Herrschaftsausübung und Jurisdiktion waren dabei in der römischen Antike eng verknüpft – eine Gewaltenteilung war dem römischen Staat fremd. Effizienz und Funktionalität des spätantiken Gerichtswesens hingen mithin entscheidend von den Amtsträgern in den Provinzen ab, die sich in dem Versuch, all ihren Verpflichtungen nachzukommen, in einem Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit wiederfanden. Die der Untersuchung zugrundeliegenden, ausgewählten Kaiserkonstitutionen aus der Zeit von Konstantin bis zum Ende der Theodosianischen Dynastie betreffen allesamt unrechtmäßige Handlungspraktiken bei Gericht, formulieren teils Vorwürfe an den direkt angesprochenen, zuständigen Richter oder allgemein, gerichtet an iudices ordinarii und greifen »Missstände« auf, die schlussendlich alle in den breiten Kontext der »Verfahrensverzögerung und -umgehung« und fehlenden »Richteraktivität« zu stellen sind. »Theory and Reality. Difficulties of Late Antique Administration of Justice as Mirrored by the Theodosian Code«

The efficiency and functionality of the late antique judicial system depended to a large extent on the governors in the provinces. The emperor's constitutions examined in this study contain unlawful practices in court, contain, among other things, accusations against the governors and their officia, and address different types of maladministration, all of which must ultimately be placed in the broad context of »procedural delay and circumvention of procedure«.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 11
A. Einleitung 13
I. Jurisdiktion, Herrschaftspraxis und „Missbrauch“ in der Spätantike? 13
II. Zeitraum, Quellen und Zielsetzung 20
B. Von Macht und Zeit: Umgehung des Erkenntnis- und Vollstreckungsverfahrens 25
I. Die neglegentia iudicum 25
1. Terminologie und jurisdiktiver Kontext 25
a) Culpa, neglegentia et diligentia 26
2. Die neglegentia iudicum im Codex Theodosianus 33
a) Fragestellung 34
b) Kontrolle durch das officium 40
II. Die gratia iudicum 43
1. Terminologie und jurisdiktiver Kontext 43
2. Die gratia iudicum im Codex Theodosianus 57
a) Fragestellung 57
b) Die gratia iudicum und die Störung des ordentlichen Verfahrensablaufs 59
c) Gratia und pecunia 63
d) Iudices und honorati 67
e) Die gratia iudicum und die Desertion 69
f) Die gratia iudicum und die Strafvollstreckung 73
g) Die gratia iudicum im Kontext der „Religionsgesetzgebung“ 77
III. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ – Inhaftierung als Alternative zu Verfahrensführung und -vollstreckung? 84
1. Fragestellung 84
2. Zur Untersuchungs- und Strafhaft in der Spätantike 88
a) Zu den verschiedenen Funktionen der Gefängnishaft 90
b) Das Gefängnis als empfundene poena 92
3. Die Inhaftierung als Mittel der „Verfahrensumgehung“ im Codex Theodosianus 97
a) Kontrolle durch regelmäßigen Bericht 97
b) Kontrolle durch „Haftprüfung“ 106
C. Von Gewalt und Unterdrückung: Die Umgehung der Rechtsmittelinstanz 114
I. Inhaftierung und Anwendung von Gewalt zur Unterbindung der Rechtsmitteleinlegung 114
1. Die erstmalige Inhaftierung vor/bei Rechtsmitteleinlegung im Codex Theodosianus 115
a) Die Inhaftierung als Ausübung magistraler Koerzitionsgewalt 115
b) Custodia militaris und custodia libera 117
c) Inhaftierung bei Rechtsmitteleinlegung im Codex Theodosianus 120
d) Bürgschaft oder Inhaftierung 121
e) Carcer und custodia 124
2. Die Gewaltanwendung bei Rechtsmitteleinlegung im Codex Theodosianus 126
a) Officium und iniuria 126
b) Öffentlichkeit als Korrektiv 133
c) Furcht vor contumelia 137
II. Iudex appellatio non recipitur 140
1. Das Rechtsmittel der appellatio in der Spätantike 140
2. Die Nichtannahme von Appellationen im Codex Theodosianus 147
a) Zulässigkeit von Appellationen in (Zivil- und) Strafverfahren 147
b) Entwicklung der Strafhöhe 152
III. Die transmissio suppressa 157
1. Zur Bedeutung der Schriftlichkeit im Rechtsmittelverfahren 157
2. Die Unterdrückung entscheidungsrelevanter Gerichtsakten im Codex Theodosianus 160
a) Zur Vollständigkeit der zu übersendenden Gerichtsakten 160
b) Consultatio (ante sententiam) 161
c) Relatio, supplicatio und appellatio 166
d) Nachbesserungsmöglichkeit bei Unvollständigkeit? 171
e) Imperiale Gegenmaßnahme: Fristen 177
D. Zusammenfassung und Ausblick 187
Literaturverzeichnis 195
Stichwortverzeichnis 223