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Das »Archiv Rechtsaltertümer in der deutschen Landschaft«

Ein Sammlungsprojekt der SS 1937–1942

Hartmann, Constanze

Schriften zur Rechtsgeschichte, Vol. 194

(2021)

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About The Author

Constanze Hartmann studierte von 2004 bis 2010 Rechtswissenschaften in München und Verona, Italien. Den juristischen Vorbereitungsdienst absolvierte sie von 2010 bis 2012 am Oberlandesgericht München, u.a. mit einer Station in Mailand, Italien. Nach dem zweiten Staatsexamen 2012 promovierte sie bei Prof. Dr. Hans-Georg Hermann an der Ludwig-Maximilians-Universität München und war promotionsbegleitend als juristische Mitarbeiterin im Bereich Insolvenzrecht bei einer international tätigen deutschen Wirtschaftskanzlei in München angestellt. Seit 2016 arbeitet Constanze Hartmann im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus, mittlerweile als Oberregierungsrätin. Constanze Hartmann studied law in Munich and Verona, Italy, from 2004 to 2010. From 2010 to 2012, she completed her legal clerkship at the Higher Regional Court of Munich, which included inter alia a stage in Milan, Italy. After the second state examination 2012, she wrote her doctoral thesis under the guidance of Prof. Dr. Hans-Georg Hermann at the Ludwig Maximilian University of Munich. Whilst completing her doctorate, she worked as a research assistant in the field of insolvency law for an internationally operating German corporate law firm in Munich. Since 2016, she has been working at the Bavarian State Ministry of Education and Cultural Affairs.

Abstract

Ein bislang weitgehend unerforschtes Kapitel der wissenschaftlichen Bemühungen des NS-Regimes stellt das »Archiv Rechtsaltertümer in der deutschen Landschaft« dar. Himmler selbst initiierte die Sammlung sämtlicher in Deutschland noch vorhandener Rechtsaltertümer (heute: Rechtsdenkmäler), für die zunächst das Rasse- und Siedlungshauptamt, später das »Ahnenerbe« der SS verantwortlich zeichnete. Das der Untersuchung zugrundeliegende, bisher unerschlossene Archivmaterial der Ludwig-Maximilians-Universität München wird mit zwei weiteren bedeutenden Beständen (Bundesarchiv, Institut für Zeitgeschichte) in Zusammenhang gebracht, um so den Entstehungsprozess der Sammlung zu analysieren und das Vorhaben kritisch zu hinterfragen. Material für das Archiv lieferten sowohl SS-Einheiten als auch staatliche Stellen – wie die Landesämter für Denkmalpflege –, Museen, Vereine und Privatpersonen, zunächst im Rahmen ausgedehnter Korrespondenz, später auch mittels Fragebögen, die das »Ahnenerbe« versandte. Im umfangreichen Anhang wird die Sammlung erstmalig erschlossen. »The »Archive of Legal Antiquities in the German Landscape«. A Collection Project of the SS 1937–1942«

Main subject of the thesis is the analysis of untapped archive material concerning the so-called »Archive of legal antiquities in the German landscape«, an unexplored chapter of the scientific efforts of the NS regime. Himmler himself initiated this collection of all the remaining legal antiquities in Germany. First, the Race and Settlement Main Office, later the NS cultural organization »Ahnenerbe« was in charge of the project. The author takes a critical look at the background of the collection and, for the first time, makes the archive available for research via an extensive annex.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsübersicht 9
Inhaltsverzeichnis 11
Abbildungsverzeichnis 17
Abbildung 1: Gerichtsstätte „Nonnenköpfel“, Reiskirchen. 32
Abbildung 2: Dorflinde, Breitau bei Sontra, Kreis Witzenhausen. 33
Abbildung 3: Dingstätte, Trautliebersdorf, Kreis Landeshut/Schlesien. 34
Abbildung 4: Thie, Hajen, Kreis Hameln-Pyrmont. 35
Abbildung 5: Gogericht, Eilsdorf am Huy. 35
Abbildung 6: Halseisen bei Groß-Felda, Oberhessen. 36
Abbildung 7: Staupsäule in Trachenberg bei Breslau, Schlesien. 37
Abbildung 8: Richtstätte auf dem Markt von Lüneburg. 38
Abbildung 9: Galgen, Beerfelden, Odenwald. 39
Abbildung 10: Richtschwert von Baden-Baden. 40
Abbildung 11: Roland, Stendal. 41
Abbildung 12: Ausschnitt des Gliederungsplans des RuSHA, angefertigt nach BArch, NS2/101. 45
Abbildung 13: Schmidt-Klevenow während der Nürnberger Prozesse. 51
Abbildung 14: Gekürzter Aufbau des „Ahnenerbes“ in den Jahren 1943/1944, angefertigt nach IfZ, MA 294/ XXXIII/ 562962 80
Abbildung 15: SS Oberabschnitte 1938 149
Abbildung A1: LWI, Fragebögen, Nr. 10. 253
Abbildung A2: LWI, Fragebögen, Nr. 38. 256
Abbildung A3: LWI, Fragebögen, Nr. 88. 258
Abbildung A4: LWI, Bildarchiv, 1 – Gerichtsstätten: Beispiel für die Auswahl des passenden Fotos für die Diaherstellung. 260
Abbildung A5: LWI, Bildarchiv, 1 – Gerichtsstätten. 261
Abbildung A6: LWI, Bildarchiv, 2 – Rolande. 262
Abbildung A7: LWI, Bildarchiv, 4 – Pranger. 263
Abbildung A8: LWI, Bildarchiv, 10 – Pranger. 264
Abbildung A9: LWI, Bildarchiv, 7 – Pranger. 265
Abbildung A10: LWI, Bildarchiv, Kasten 19. 266
Abbildung A11: LWI, Bildarchiv, Kasten 20. 267
Abbildung A12: LWI, Bildarchiv, Kasten 25. 268
Abbildung A13: LWI, Bildarchiv, Blätter ohne zugehörige Dias, Mappe Nr. 1. 269
Abbildung A14: LWI, Bildarchiv, 3 – Verschiedenes: Beispiel für den Umgang mit inhaltlich nicht zur Sammlung passenden Fotos. 270
Abbildung A15: LWI, Bildarchiv, 4 – Pranger: Beispiel für Umgang mit unklarer Klassifizierung als Rechtsaltertum im Sinne der Sammlung. 271
Abbildung A16: LWI, „Archiv“, Gerichtsstätten Rhein. 272
Abbildung A17: LWI, „Archiv“, Gerichtsstätten Main. 273
Abbildung A18: LWI, „Archiv“, Gerichtsstätten Nord. 274
Abbildung A19: LWI, „Archiv“, Gerichtsstätten Süd. 275
Abbildung A20: LWI, „Archiv“, Richtstätten Nord. 276
Abkürzungsverzeichnis 19
A. Einleitung 21
B. Aufbau des „Archivs Rechtsaltertümer in der deutschen Landschaft“ 23
I. Vorbemerkungen 23
1. Kurzüberblick zu Entstehung und Organisation der SS 23
2. Untersuchungsgegenstand des Rechtsaltertümer-Archivs 26
a) Die Begriffe „Rechtsaltertümer“ und „Rechtsdenkmäler“ 27
b) Wissenschaftliche Teildisziplinen mit Bezug auf Rechtsaltertümer 28
aa) Rechtsarchäologie 28
bb) Rechtliche Volkskunde 29
cc) Rechtsikonographie 30
c) Einordnung der Sammeltätigkeit der SS nach heutigen Maßstäben 30
d) Erläuterung der am häufigsten gemeldeten Rechtsaltertümer 31
aa) Gerichtsstätte 31
bb) Linde 32
cc) Ding 32
dd) Tie 34
ee) Go 34
ff) Pranger 36
gg) Richtstätte 37
hh) Galgen 38
ii) Richtschwert 40
jj) Rolandstandbilder 41
kk) Steinkreuz 42
ll) Sühnekreuz 42
mm) Flurnamen 42
II. Zuständigkeit für das Rechtsaltertümer-Archiv 43
1. Zuständigkeit des Rasse- und Siedlungshauptamtes 43
a) Entstehung, Aufbau und Aufgabenbereich des Rasse- und Siedlungshauptamtes 43
b) Das „Archiv der Rechtsaltertümer in der deutschen Landschaft“ im Zuständigkeitsbereich des Rasse- und Siedlungshauptamtes 46
aa) Ursprung des Rechtsaltertümer-Archivs 46
bb) Sinn und Zweck des Aufbaus des Rechtsaltertümer-Archivs 47
cc) Einordnung der Archivtätigkeit in den Aufgabenbereich des Rasse- und Siedlungshauptamtes 48
dd) Bearbeiter des Rechtaltertümer-Archivs 50
(1) Kurt Schmidt-Klevenow 50
(a) Quellen 50
(b) Ausbildung 51
(c) Tätigkeit beim Rasse- und Siedlungshauptamt 52
(d) Veröffentlichungen und politische Haltung 55
(2) Leonore (Lore) Thomass 59
ee) Überblick über den Ablauf der Sammeltätigkeit 59
ff) Unterstützung durch den Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und den Reichsjustizminister 61
gg) Finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 65
2. Zuständigkeit von „Das Ahnenerbe e. V.“ 70
a) Struktur und Wirken von „Das Ahnenerbe e. V.“ 70
aa) Gründung 70
bb) Zielsetzung 71
cc) Wichtige Mitglieder 73
(1) Herman Wirth 73
(2) Richard Walther Darré 75
(3) Wolfram Sievers 76
(4) Walther Wüst 76
(5) Bruno Galke 77
dd) Organisation und Stellenbesetzung 77
ee) Forschungsgebiete 79
ff) Situation während des Zweiten Weltkrieges 81
b) Das „Archiv der Rechtsaltertümer in der deutschen Landschaft“ im Zuständigkeitsbereich des „Ahnenerbes“ 82
aa) Zuständigkeitswechsel 82
bb) Personal 85
(1) Kurt Schmidt-Klevenow 86
(a) Weiterer Werdegang bis 1945 86
(b) Internierung und Entnazifizierungsprozess 89
(2) Leonore (Lore) Thomass 93
(3) Heinrich Appel 93
(4) Theo Komanns 94
(5) Wilhelm Ebel 95
cc) Fortgang der Sammeltätigkeit 96
(1) Weiterbearbeitung durch Heinrich Appel 96
(2) Vorübergehende Einstellung der Sammeltätigkeit 99
(3) Weiterbearbeitung durch Theo Komanns 101
(4) Einstellung der Sammeltätigkeit 105
3. Zusammenfassung 108
III. Wissenschaftliche Bewertung der Arbeit der SS am Rechtsaltertümer-Archiv 109
1. Bisherige Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Rechtsaltertümer-Forschung 109
2. Mit dem Rechtsaltertümer-Archiv vergleichbare, unveröffentlichte Sammlungen 111
a) „Sammlung Amira“ 111
b) „Sammlung Frölich“ 112
3. Wissenschaftlicher Neuwert durch das Sammlungsprojekt der SS 113
C. Ideologischer und wissenschaftsgeschichtlicher Hintergrund der Sammeltätigkeit 115
I. Germanophile und völkische Strömungen vor Beginn des Nationalsozialismus 115
1. Rezeption der „Germania“ des Tacitus ab dem Mittelalter 115
2. Patriotismus und völkische Tendenzen in der deutschen Romantik 116
3. Beginnender Rassismus und Antisemitismus 118
a) Der Alldeutsche Verband 118
b) Rassistische und antisemitische Literatur 118
c) Wiederentdeckung von Tacitus’ „Germania“ 120
d) Völkische Gruppierungen Anfang des 20. Jahrhunderts 120
II. Ahnen- und Germanenkult während der Zeit des Nationalsozialismus 121
1. Völkische und „rassische“ Elemente in der nationalsozialistischen „Weltanschauung“ 121
a) Merkmale der nationalsozialistischen „Weltanschauung“ 121
b) Nationalsozialistische Rassenlehre 122
c) Radikalisierung von bestehendem Gedankengut 124
2. Himmlers Begeisterung für Germanentum und Herrschergestalten des deutschen Mittelalters 124
a) Lektüre in jungen Jahren 124
b) Ablehnung des Christentums und \nBegeisterung für deutsche Herrschergestalten 126
c) Kritik an Karl dem Großen 127
d) Idealisierung des Germanentums 127
e) Gründe für Himmlers Geschichtsbegeisterung 128
3. Streben nach einem großgermanischen Reich 129
a) Traum vom germanischen Weltreich 129
b) Gründe für die großgermanische Reichsidee 130
c) Zentrale Rolle der SS bei der Schaffung eines großgermanischen Reichs 131
4. Ahnenkult statt Christentum 131
a) Verdrängung des Christentums 131
b) Propagierung der Ahnenverehrung 132
5. SS als Vorreiterin bei der Ahnen- und Germanenverehrung 134
a) Abschaffung christlicher Bräuche in der SS 134
b) Etablierung von Kultorten 135
c) Verwendung germanischer Symbolik 135
d) Ausbau der Machtposition der SS 136
6. Himmlers Weg vom Ahnen- und Germanenkult in die Wissenschaft 136
a) Plan zur „Erschließung des germanischen Erbes“ 136
b) Vorgehensweise bei der „Erschließung des germanischen Erbes“ 138
7. Ausblick: Hitlers Haltung gegenüber der deutschen Geschichte 140
a) Kritik an Himmlers Germanenschwärmerei 140
b) Mittelalterliches Kaiserreich und Antike als Ideale 141
c) Ambivalente Einstellung zum Germanentum 142
III. Zusammenfassung und Bewertung 143
D. Auswertung des Quellenmaterials 147
I. Überblick über das ausgewertete Quellenmaterial 147
II. SS-interne Korrespondenz 148
1. Überblick 148
2. Meldungen aus den einzelnen SS-Oberabschnitten 150
a) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Nordwest 150
b) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Nord 153
c) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Nordost 155
d) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt West 157
e) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Mitte 159
f) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Ost 163
g) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Südost 163
h) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Rhein 165
i) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Fulda-Werra 166
j) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Elbe 170
k) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Südwest 173
l) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Main 175
m) Meldungen aus dem SS-Oberabschnitt Süd 177
3. Auswertung 179
a) Formulierungsweise der Meldungen 179
b) Thematik der Korrespondenz 180
c) Rückschlüsse auf die Vorgehensweise des Rasse- und Siedlungshauptamtes 181
d) Reaktion der SS-Einheiten 182
III. Korrespondenz des Rasse- und Siedlungshauptamts bzw. des „Ahnenerbes“ mit Stellen außerhalb der SS-Organisation 183
1. Überblick 183
2. Korrespondenz mit staatlichen Einrichtungen, Verlagen, Museen und Privatpersonen 185
a) Listen mit Adressaten der versandten Rundschreiben 185
aa) Liste aus dem Bundesarchiv 185
bb) Listen aus dem Institut für Zeitgeschichte 185
cc) Zusammenfassung 187
b) Korrespondenz mit Museen, Sammlungen und Museumsverbänden 187
c) Korrespondenz mit Denkmalämtern und Landesausschüssen für Denkmalpflege 190
d) Korrespondenz mit Landes- und Provinzialkonservatoren 192
e) Korrespondenz mit Heimatpflegern 194
f) Korrespondenz mit Archiven 196
g) Korrespondenz mit der Justiz 199
h) Korrespondenz mit dem Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung 201
i) Korrespondenz mit sonstigen staatlichen Einrichtungen 201
j) Korrespondenz mit kommunalen Stellen 202
k) Korrespondenz mit Verlagen 203
l) Korrespondenz mit Vereinen 204
m) Korrespondenz mit Privatpersonen 204
3. Auswertung 212
a) Formulierungsweise der Meldungen 212
b) Thematik der Korrespondenz 213
c) Rückschlüsse auf die Vorgehensweise des Rasse- und Siedlungshauptamtes bzw. „Ahnenerbes“ 213
d) Reaktion der Adressaten 214
e) Sonstiges 215
IV. Versendung der Fragebögen 216
1. Überblick 216
2. Auswertung 218
a) Form und Ausführlichkeit der Antworten 218
b) Zeitpunkt der Antworten 219
c) Organisatorische Details 219
d) Inhaltliche Details 220
e) Absender der ausgefüllten Fragebögen 222
f) Ergebnis 231
V. „Archiv Rechtsaltertümer in der deutschen Landschaft“ 232
1. Überblick 232
2. Auswertung des Bildarchivs 233
3. Auswertung des sog. „Archivs“ 240
VI. Zusammenfassung 246
E. Schlussbemerkung 247
Anhang 251
I. Titel der Veröffentlichungen Schmidt-Klevenows bis Januar 1939 251
II. Ausgewählte Fragebögen aus dem Leopold-Wenger-Institut 253
III. Ausgewählte Beispiele aus dem Bildarchiv 260
IV. Ausgewählte Beispiele aus dem sog. „Archiv“ 272
V. Tabellarische Übersicht Fragebögen 277
VI. Tabellarische Übersicht Bildarchiv 313
VII. Tabellarische Übersicht „Archiv“ 381
Quellenverzeichnis 403
Literaturverzeichnis 408
Stichwortverzeichnis 415