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Poetik und Ästhetik des Augenblicks

Studien zu einer neuen Literaturauffassung auf der Grundlage von Ernst Blochs literarischem und literaturästhetischem Werk. Anhang mit unveröffentlichten oder verschollenen Texten von Ernst Bloch

Czajka, Anna

(2006)

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Abstract

Fast 30 Jahre nach dem Tod von Ernst Bloch (1885-1977) nimmt sich die Autorin vor, das Denken eines der wichtigsten Autoren des vergangenen Jahrhunderts (dessen erstes Werk Geist der Utopie 1918 im Verlag Duncker und Humblot erschien) im Hinblick auf seine weitgehend vernachlässigten Poetizität und Ästhetik darzustellen. Sie geht dem "Geheimnis" der Blochschen Sprache nach, rekonstruiert die Momente des "narrativen Denkens", versucht sie als Poetik des Augenblicks zu identifizieren und auf dem Hintergrund von Blochs ästhetischen Grundgedanken und von anderen literaturwissenschaftlichen Augenblickskonzepten des 20. Jahrhunderts darzulegen. Das Hauptanliegen des Buches ist die werkimmanente Rekonstruktion der Probleme, Beschaffenheiten und Verfahrensweisen in Blochs literarischen Texten, wobei große Fragen der "Geisteswissenschaften" unseres Zeitalters ins Licht treten: der Sinn der "ästhetischen Wende" in der Erneuerung der Metaphysik als Einlösung des Problems der Zeitlichkeit, die poetisch-ästhetische Dimension der Frage "was der Mensch sei" und die Koordinaten ihrer Beantwortung. Das Buch enthält einen Anhang mit unveröffentlichten oder verschollenen Texten von Ernst Bloch.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Inhaltsverzeichnis 7
Einleitung 11
1. Ausgangsfrage und Forschungsbericht 11
2. Problemstellung und Aufbau der Arbeit 27
I. Das rhetorisch-poetische Anliegen der Sinnbildung im Werk von Ernst Bloch 35
1. Musik, Poesie, Essay und System in der Entwicklung des Werkes 35
a) Grunderfahrung des Dunkels des gelebten Augenblicks und ästhetische Erfahrung (Geist der Utopie) 35
b) Geschichte, Gegenwart und Ungleichzeitigkeit (Thomas Münzer, Durch die Wüste, Erbschaft dieser Zeit) 47
c) Literarische Aufsätze 56
d) Bilder im System und in der Enzyklopädie (Logos der Materie, Das Prinzip Hoffnung) 63
2. Probleme und Perspektiven der Rezeption 70
II. Spuren - das Buch des „narrativen Denkens 79
1. Das Erzählbuch und die Schwierigkeiten seiner Zuordnung 79
2. „Fabelnd denken\" und die Dialektik: Bin-Selbst 83
3. Charakteristik des Buches 85
4. Erste Annäherung an die Poetik von Spuren: die Reise des unruhigen Bin durch die „noch unfertige Welt 92
5. Entstehungs- und Textgeschichte 96
6. Zur Rezeption: zwei Kreise der Spuren-Forschung 100
7. Der neue Ansatz 111
III. Begegnungen mit den Texten und ihrer Sache 115
1. Das Kleine 115
2. Schein und Wiedererkennen, Blendwerk und Glanz 125
3. Das Leben in fieri und sein Sinn 143
4. Die Natur als Andersheit und als Bild 161
5. Probleme der Identität: Denken oder Tun und die Weisheit der Musen - Gegenwärtigsein und Glück im Bild 177
IV. Poetik des Augenblicks am Werk 190
1. „Abfall\" und „komisches System\" - Das Material des Erzählens 190
a) Peripheres zentral: vom Geheimnis des Grashalms zu Schmutz und Märchen 190
b) „Schwebende Stoffe\", „fahrende Leute 192
c) „Abseits geht's auf: Intertextualität 195
d) Komische Formen - Formen des Glücks 197
e) Gegen die Kahlheit der modernen Kunst 206
2. „Das Spiel der Blicke\" - Die Konstruktion des Erzählens 211
a) Das Selbe im Anderen - Die Kraft der Verfremdung 211
b) „Flüchtig\" und „wie am Sockel\": Rhetorik der Nacherzählung 215
c) Der sich verändernde Blick - Jeweilige Fügung um das Bin 226
d) Architektonik des Gelungenseins 236
3. Das „Unerhörte\" des Menschseins - Funken des Wesens 238
a) Das Wiedererkennen und der tönende Augenblick 238
b) „Der lange Blick\" in der Wortkunst - Rückkehr ins Jetzt und Augenblick der Konkordanz 239
c) Kombinatorik des Humanum - Das „Durchtönen des Staunens und des Endzustands 243
d) Augenblick als Höchstes Gut - Bruch und Wunder 246
e) Die „Moral\" des Erzählens im Wesensbild (ästhetische Vernunft) 250
V. Blochs Poetik im Streit der literaturwissenschaftlichen Augenblickskonzepte 252
1. Augenblick und Dichtung: ein Problem der Literaturwissenschaft 252
2. Still belebende Augenblicke: Jahrhundertwende bei Hofmannsthal (1902) 253
3. Ohnmacht des Augenblicks in Lukács' Theorie des Romans (1920) 257
4. Lichtung des Augenblicksdunkels bei Bloch 261
a) Sinnschichten und -richtungen des Augenblicksbegriffs 261
b) Dunkel, Triebe, Affekte und Träume; Hoffnungsbilder 263
c) Lichtung in Erzählung und Bildern 271
5. Augenblickskonzepte in der Literaturforschung und -theorie 282
a) Epiphanie in der Immanenz bei Joyce und in der neueren Literatur (Ziolkowski 1961, Höllerer 1961, Erzgräber 1980, Zaiser 1995) 282
b) Plötzlichkeit und absolutes Präsens (Bohrer 1978, 1981, 1994) 286
c) Ekstatische Seinspräsenz (Wohlfart 1983, 1986) 290
d) Mystischer Spiegel der Präsenz bei Rilke (Wagner-Egelhaaf 1989) 295
e) Selbstauflösung und -begegnung bei Celan (Ledanff 1981, Vollbrecht 1989) 299
f) Ewiger und prägnanter Augenblick bei Goethe (Anglet 1991) 306
g) Front der Mobilmachung bei D'Annunzio (Gumbrecht 1996) 315
h) Momente innerweltlicher Transzendenz bei Richardson (Kilian 1997) 318
i) Ekstatisches Ewigkeitserlebnis bei Benn (Hillebrand 1999) 320
6. Vielfalt und Dialektik der Augenblicksbilder bei Bloch: Konfrontation und Fazit 322
VI. Zusammenfassung und Schluß 329
1. Ein Philosoph erzählt 329
2. Erzählen und Augenblick, Rehabilitierung des Subjekts 330
3. Rettung des Erzählens und der Philosophie 334
4. Emanzipation des Bildes 338
5. Zum Schluß: Für eine Poetik des Menschseins 340
Anhang 344
Literatur 358
Namensregister 375