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Guarantees of Non-Repetition

Die Anordnung struktureller Reformen durch den Inter-Amerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte

Stöckle, Philipp

Veröffentlichungen des Walther-Schücking-Instituts für Internationales Recht an der Universität Kiel, Vol. 202

(2021)

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Abstract

Der Inter-Amerikanische Gerichtshof für Menschenrechte (IAGMR) trifft unter dem Titel der »Guarantees of Non-Repetition« weitreichende Anordnungen, mit denen er auf strukturelle Menschenrechtsprobleme in den seiner Gerichtsbarkeit unterliegenden Staaten Lateinamerikas reagiert. Die Anordnungen verpflichten zu Reformen auf legislativer, administrativer oder institutioneller Ebene, deren Umsetzung der Gerichtshof selbst überwacht. Als eine Maßnahme, die sich nicht den traditio-nellen Rechtsfolgenanordnungen internationaler Gerichte zuweisen lässt, werfen die Guarantees of Non-Repetition des IAGMR zahlreiche formell- wie materiellrechtliche Fragen auf. Die Arbeit untersucht die Theorie und Praxis der Guarantees of Non-Repetition und geht dabei besonders auf die Kompetenz des IAGMR zur Anordnung struktureller Reformen ein. »Guarantees of Non-Repetition. Structural Remedies and the Inter-American Court of Human Rights«

The Inter-American Court of Human Rights (IACtHR) frequently orders structural remedies as guarantees of non-repetition which aim at resolving the legislative, administrative or cultural problems lying at the root of individual human rights violations. This work provides an analysis of the IACtHR’s practice with a particular focus on the Court’s competences pursuant to Art. 63 of the American Convention on Human Rights.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsverzeichnis 7
Abkürzungsverzeichnis 12
Einleitung 13
Teil 1: Die Hintergründe der guarantees of non-repetition in der Praxis des IAGMR 23
§ 1 Die objektive Rechtsschutzfunktion der Menschenrechtsbeschwerde 23
A. Faktische Anknüpfungspunkte der objektiven Rechtsschutzfunktion 24
I. Befassung des IAGMR mit paradigmatischen Beschwerdeverfahren 24
II. Begrenzte Ressourcen und „aktivistische“ Richterpersönlichkeiten 32
B. Rechtliche Anknüpfungspunkte der objektiven Rechtsschutzfunktion 35
I. Die Vorlagebefugnis der Inter-Amerikanischen Menschenrechtskommission 35
1. Konzentration auf strukturell begründete Rechtsverletzungen 35
2. Vertretung objektiv-rechtlicher Interessen im Beschwerdeverfahren 37
II. Die privilegierte Rolle von NGOs im Inter-Amerikanischen System 38
1. Befugnis von NGOs zur strategischen Prozessführung 38
2. Beteiligungsrechte von NGOs im Verfahren vor dem IAGMR 40
3. Besondere Bedeutung von amicus curiae-Schriftsätzen 41
C. Ausprägungen der objektiven Rechtsschutzfunktion in den Urteilswirkungen 42
I. Urteilswirkung im konkreten Fall: Befolgungspflicht des verurteilten Staats 42
II. Urteilswirkung in Parallelfällen: conventionality control-Doktrin und guarantees of non-repetition 44
§ 2 Die Rechtsfolgenanordnungen des IAGMR 46
A. Die Rechtsfolgenkompetenzen des IAGMR nach Art. 63 Abs. 1 AMRK 47
B. Das Konzept der reparación integral 49
I. Ein opferzentriertes Verständnis der Wiedergutmachung 53
II. Institutionelle Hintergründe im Verfahren der Urteilsüberwachung 56
III. Konzeptionelle Hintergründe im Transitional Justice-Diskurs 58
C. Guarantees of non-repetition im Kontext der weiteren Rechtsfolgenanordnungen 61
I. Maßnahmen zum Ausgleich und zur Wiederherstellung im konkreten Fall 61
1. Berechtigte der Wiedergutmachungsanordnungen 63
2. Ersetzbare Schäden 64
3. Die Anordnungen des IAGMR 68
a) Restitution 68
b) Rehabilitation 70
c) Entschädigung (compensation) 71
II. Symbolische Maßnahmen: Öffentlichkeitswirksame Anerkennung und Erinnerung (satisfaction) 76
1. Die Praxis des IAGMR 76
2. Individuelle und kollektive Dimensionen der satisfaction 79
III. Strafverfolgung individuell verantwortlicher Personen 83
Teil 2: Die guarantees of non-repetition des IAGMR 88
§ 1 Begriff und Typologie der guarantees of non-repetition 88
A. Der Begriff der guarantees of non-repetition 89
I. Guarantees of non-repetition in den Sondervoten Cançado Trindades 90
II. Guarantees of non-repetition als Synonym für präventive Dimensionen der Wiedergutmachung 93
III. Guarantees of non-repetition als Sammelbegriff für strukturelle Anordnungen 96
B. Die Typologie der guarantees of non-repetition 97
I. Anpassung der Rechtslage an die Konvention 97
1. Aufhebung und/oder Neuregelung von Gesetzen 98
2. Erlass von Gesetzen 101
3. Anwendungssperren für konventionswidrige Gesetze 103
4. Feststellung der Nichtigkeit von Amnestiegesetzen 105
II. Stärkung oder Reform von staatlichen Institutionen 111
1. Stärkung oder Reform bestimmter staatlicher Institutionen 111
2. Allgemein ausgerichtete Reformprogramme 117
III. Aus- und Fortbildungsmaßnahmen für Staatsbeamte und andere Personengruppen 119
IV. Menschenrechtsbildungs- und Sensibilisierungskampagnen 122
§ 2 Die Voraussetzungen der guarantees of non-repetition 124
A. Vorliegen von irreparablen Beeinträchtigungen der Opfer im konkreten Fall 125
B. Verletzung der Pflicht zur effektiven Gewährleistung der Konventionsrechte im innerstaatlichen Rechtsraum (Art. 2 AMRK) 128
I. Die Verknüpfung zwischen den guarantees of non-repetition und Art. 2 AMRK 128
1. Strukturelle Defizite des Menschenrechtsschutzes als Verletzung des Art. 2 AMRK 128
2. Guarantees of non-repetition als nachholende Erfüllung der Pflichten aus Art. 2 AMRK 131
II. Die Verknüpfung der guarantees of non-repetition mit Art. 2 AMRK in der Praxis des IAGMR 138
1. Anknüpfung an Art. 2 AMRK bei der Anpassung der Rechtslage an die Konvention 139
2. Uneinheitliche Praxis bei institutionell ausgerichteten guarantees of non-repetition 141
a) Teilweise Verknüpfung mit der Feststellung einer Verletzung von Art. 2 AMRK 141
b) Überwiegend bloße Verweise auf einen Kontext struktureller Defizite 145
C. Andauern struktureller Defizite bis zur Entscheidung des IAGMR 149
D. Weitere Entscheidungskriterien im Einzelfall 152
I. Die politische Opportunität von Reformanordnungen 153
II. Die Schwere der Konventionsverletzungen 155
III. Der Informationsstand des Gerichtshofs 158
§ 3 Die Bestimmtheit und die Konkretisierung der guarantees of non-repetition 160
A. Bestimmtheit der guarantees of non-repetition 161
B. Konkretisierung der guarantees of non-repetition durch den IAGMR 163
I. Inhaltsbestimmung durch Verweis auf den Schutzbereich des verletzten Rechts 164
II. Einzelhinweise zur Umsetzung der Anordnungen 167
III. Verbindlicherklärung konkreter Reformvorhaben 170
§ 4 Die Verbindlichkeit der guarantees of non-repetition und ihre Überwachung durch den IAGMR 171
A. Verbindlichkeit aus Sicht des IAGMR und des Rechts der Konventionsstaaten 172
I. Die Verbindlichkeit aus Sicht des IAGMR 172
II. Die Verbindlichkeit nach dem Recht der Konventionsstaaten – ein Überblick 174
B. Überwachung der Urteilsumsetzung durch den IAGMR (Compliance-Phase) 177
I. Hintergrund und Entwicklung der Compliance-Phase 177
II. Das Verfahren in der Compliance-Phase 181
C. Die Umsetzung und die Wirksamkeit der guarantees of non-repetition 184
Teil 3: Guarantees of non-repetition und die Befugnisse des IAGMR 190
§ 1 Strukturelle Menschenrechtsverletzungen als Gegenstand der Gerichtsbarkeit des IAGMR 190
A. Der Maßstab der Gerichtsbarkeit ratione materiae des IAGMR (Art. 62 AMRK) 193
B. Die funktionale Bestimmung der Gerichtsbarkeit 195
C. Die Überprüfung struktureller Menschenrechtsverletzungen als Teil der Funktio‍nen der Gerichtsbarkeit des IAGMR 199
I. Die subjektive Rechtsschutzfunktion 199
II. Die objektiv-rechtlichen Funktionen 204
III. Die narrative Funktion 208
§ 2 Die Befugnis des IAGMR zur Anordnung struktureller Reformen 213
A. Der Ansatz des IAGMR: Rückgriff auf das völkerrechtliche Institut der guarantees of non-repetition 214
I. Art. 63 Abs. 1 AMRK als Verweis auf das allgemeine Völkerrecht 214
II. Guarantees of non-repetition im allgemeinen Recht der Staatenverantwortlichkeit 218
1. Entwicklung als Projekt der ILC – rudimentäre positiv-rechtliche Anerkennung heute 218
2. Fragmentarische Ausgestaltung in den ARSIWA 231
3. Zwischenergebnis mit Blick auf die Anordnungsbefugnisse des IAGMR 235
III. Guarantees of non-repetition in den UN-Grundprinzipien 237
1. Entwicklung der UN-Grundprinzipien im Transitional Justice-Kontext 237
2. Fokus auf schwere Rechtsverletzungen und Transitionsprozesse 239
3. Unsichere positiv-rechtliche Geltung jenseits des Transitional Justice-Kontexts 241
4. Zwischenergebnis mit Blick auf die Anordnungsbefugnisse des IAGMR 243
B. Die Grundlage der guarantees of non-repetition in Art. 63 Abs. 1 AMRK 243
I. Art. 63 Abs. 1 AMRK als lex specialis für die Anordnungsbefugnisse des IAGMR 244
II. Die Rechtsnatur der guarantees of non-repetition 248
1. Strukturelle Anordnungen als Form der Wiedergutmachung 248
2. Strukturelle Anordnungen als nachholende Erfüllung von Art. 2 AMRK 256
3. Zwischenergebnis: Die Doppelnatur der guarantees of non-repetition 258
III. Strukturelle Anordnungen als Teil der Befugnisse nach Art. 63 Abs. 1 AMRK 259
1. Strukturelle Anordnungen als Teil der subjektiven Rechtsschutzfunktion 259
a) Nachholende Erfüllung eines verletzten Rechts, Art. 63 Abs. 1 S. 1 AMRK 259
b) Wiedergutmachung zugunsten der Opfer im Einzelfall, Art. 63 Abs. 1 S. 2 AMRK 261
2. Strukturelle Anordnungen als Teil der objektiv-rechtlichen Funktionen von Art. 63 Abs. 1 AMRK 262
C. Anforderungen an die Anordnung struktureller Reformen durch den IAGMR 267
I. Ausdrückliche Anknüpfung struktureller Anordnungen an Art. 2 AMRK 267
II. Größere Transparenz bei der Ermessensausübung 268
D. Zusammenfassung 269
§ 3 Die inhaltliche Reichweite der Anordnungsbefugnisse des IAGMR 269
A. Die Anordnungskompetenzen des IAGMR und der Umsetzungsspielraum der Konventionsstaaten 272
I. Grundlage und Grenzen des Umsetzungsspielraums der Konventionsstaaten 272
II. Strukturelle Anordnungen als Eingriff in den Umsetzungsspielraum 275
B. Die Steuerung der Anordnungsbefugnisse durch das Subsidiaritätsprinzip 277
I. Das Subsidiaritätsprinzip im internationalen Menschenrechtsschutz 277
II. Das Subsidiaritätsprinzip in der AMRK und in der Praxis des IAGMR 280
1. Grundsätzlich geringe Bedeutung des Subsidaritätsprinzips 282
2. Ansätze zur Subsidiarität in der jüngeren Praxis des IAGMR 289
III. Die Maßstäbe des Subsidiaritätsprinzips für die Anordnungen des IAGMR 292
1. Die Anwendbarkeit des Subsidiaritätsprinzips 295
2. Berücksichtigung der Realitäten des Inter-Amerikanischen Menschenrechtsschutzes 296
IV. Zwischenfazit 300
C. Die guarantees of non-repetition im Lichte des Subsidiaritätsprinzips 300
I. Vereinbarkeit der wesentlichen Parameter mit dem Subsidiaritätsprinzip 300
II. Die Grenzen des Subsidiaritätsprinzips und des IAGMR 303
Schlussbetrachtung 309
A. Der Hintergrund der guarantees of non-repetition 309
B. Inhalte, Voraussetzungen und Verfahren 311
C. Die Befugnisse des IAGMR 312
D. Fazit 314
Literaturverzeichnis 315
Dokumentenverzeichnis 345
A. Völkerrechtliche Verträge 345
B. Resolutionen/Beschlüsse/ Dokumente Internationaler Organisationen 345
I. OAS 345
II. Vereinte Nationen allgemein 346
III. ILC 348
C. Urteile und Beschlüsse internationaler Gerichte 349
I. Urteile des IAGMR, inkl. Sondervoten 349
II. Gutachten des IAGMR 361
III. Beschlüsse des IAGMR 362
IV. Urteile/Beschlüsse/Verfahrenshandlungen des IGH und StIGH 363
V. EGMR 364
VI. Sonstige Gerichte/Institutionen 365
Stichwortverzeichnis 366