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Religionsfreiheit und Strafrecht

Köhler, Philipp

Strafrechtliche Abhandlungen. Neue Folge, Vol. 297

(2021)

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Philipp Köhler studierte Rechtswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Nach dem Abschluss des 1. Staatsexamens im Jahr 2017 arbeitete er bis 2019 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strafrecht, Kriminologie, Strafvollzugsrecht und Jugendstrafrecht von Prof. Dr. Florian Knauer an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im November 2019 nahm er seinen Vorbereitungsdienst im Bezirk des Landgerichts Erfurt auf. Philipp Köhler has studied jurisprudence at the Friedrich-Schiller-Univerity in Jena. After completing his first state exam in the year 2017, he was insolved in the research work till the end of 2019 in the position of a research assistant, in the professorship for criminal law, criminology, enforcement of sentence as well as criminal law relating to young offenders under the guidance of Professor Dr. Florian Knauer at the Friedrich-Schiller-Univerity in Jena. In November 2019 he commenced with preliminary services in the sector oft he regional court of Erfurt.

Abstract

In einer durch Mobilität und Globalisierung geprägten Gesellschaft kommt es zu einer immer größeren Vielfalt der Religionen und zu einem individuelleren Ausleben des Glaubens. Das Verhältnis von Religion und Strafrecht ist dabei enger und konfliktreicher, als es auf den ersten Blick scheint und wirft eine Reihe bedeutsamer Fragen auf, die sich im Kern um die Auswirkungen der verfassungsrechtlichen Gewährleistung aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG auf die Strafrechtsdogmatik drehen. So stellen sich unter anderem die Fragen: Ob die Religionsfreiheit ein anerkanntes Rechtsgut innerhalb des Strafgesetzbuches ist? Ob religiöse Vorstellungen des Täters bei der Auslegung normativer Tatbestandsmerkmale Beachtung finden können? Oder ob die Religionsfreiheit im Rahmen der bestehenden Rechtfertigungs- und Entschuldigungsgründe berücksichtigt werden kann? Die vorliegende Arbeit versucht diese aufgeworfenen Fragen zu beantworten und untersucht die Bedeutung der Religionsfreiheit für das materielle Strafrecht. »Freedom of Faith and Criminal Law«

The paper under consideration analyses the significance of the fundamental right of religions of freedom in the case of criminal law. Taking into consideration a viewing of the historical development of penal law, in connection to religion, and in addition to the relevance of influence which the freedom of faith has in context to the effective criminal order system. The question arises whether the unclaimed penal order system in the problem-focused coping with religions conflicts can really cope with such problems, or partial reform requirements have to be taken into consideration.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 5
Inhaltsübersicht 7
Inhaltsverzeichnis 9
Abkürzungsverzeichnis 16
Einführung 19
I. Anlass der Arbeit 19
II. Gegenstand der Arbeit 24
1. Begrifflichkeit 24
a) Religion und Religionsfreiheit 24
b) Strafrecht 29
2. Abgrenzung 30
III. Ziel der Arbeit 33
A. Verfassungsrechtliche Grundlagen 35
I. Abwehrfunktion der Religionsfreiheit 35
1. Schutzbereich 35
a) Sachlicher Schutzbereich 35
aa) Kulturadäquanzformel 37
bb) Kultus- und Glaubenshandlungen i. e. S. 38
cc) Ausschluss sozialschädlicher Handlungen 39
dd) Stellungnahme 40
b) Persönlicher Schutzbereich 43
2. Eingriff 44
3. Grundrechtsschranken 45
a) Verfassungsimmanente Schranken 46
b) Allgemeiner Gesetzesvorbehalt gem. Art. 140 GG i. V. m. Art. 136 Abs. 1 WRV 46
c) Stellungnahme 47
II. Schutzpflichtfunktion der Religionsfreiheit 49
III. Gesamtbetrachtung 52
B. Historische Entwicklung 54
I. Entwicklung der Gesetzgebung bis 1871 54
II. Entwicklung der Gesetzgebung von 1871 bis 1945 60
III. Entwicklung der Gesetzgebung von 1945 bis heute 61
IV. Gesamtbetrachtung 69
C. Geltendes Recht 75
I. Die Religionsfreiheit als Angriffsziel strafrechtlichen Verhaltens 75
1. Religionsdelikte im engeren Sinne 77
a) Bekenntnisbeschimpfung (§ 166 StGB) 77
aa) Allgemeines 77
bb) Schutzgut von § 166 StGB 79
(1) Bisheriger Diskussionsstand 79
(a) Religion als Schutzgut 79
(b) Religiöse Gefühle als Schutzgut 81
(c) Identitätsschutz als Schutzgut 82
(d) Öffentlicher Frieden als Schutzgut 83
(e) Religionsfreiheit als Schutzgut 84
(f) Fehlen eines Schutzguts 85
(2) Stellungnahme 86
cc) Folgen der Schutzgutbestimmung für die Auslegung von § 166 StGB 93
b) Störung der Religionsausübung (§ 167 StGB) 95
aa) Allgemeines 95
bb) Störung des Gottesdienstes oder einer gottesdienstlichen Handlung (§ 167 Abs. 1 Nr. 1 StGB) 96
cc) Verübung beschimpfenden Unfugs (§ 167 Abs. 1 Nr. 2 StGB) 99
c) Störung einer Bestattungsfeier (§ 167a StGB) und Störung der Totenruhe (168 StGB) 101
d) Zwischenergebnis 104
2. Religionsdelikte im weiteren Sinne 105
a) Straftatbestände aus dem StGB 105
aa) Volksverhetzung (§ 130 Abs. 1 und 2 StGB) 105
(1) Allgemeines 105
(2) Schutzgut von § 130 StGB 107
(a) Bisheriger Diskussionsstand 107
(aa) Öffentlicher Frieden als Rechtsgut 107
(bb) Menschenwürde als Rechtsgut 108
(cc) Individualrechtsgüter als Rechtsgut 109
(b) Stellungnahme 110
bb) Kirchendiebstahl (§ 243 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 StGB) 113
cc) Gemeinschädliche Sachbeschädigung an Gegenständen religiöser Verehrung (§ 304 Abs. 1 Var. 1 und 2 StGB) 116
dd) Schwere Brandstiftung an der Religionsausübung dienenden Gebäuden (§ 306a Abs. 1 Nr. 2 StGB) 118
(1) Allgemeines 118
(2) Schutzgut von § 306a Abs. 1 Nr. 2 StGB 119
(a) Bisheriger Diskussionsstand 119
(aa) Leib und Leben als Rechtsgüter 119
(bb) Religion als Rechtsgut 120
(b) Eigene Stellungnahme 121
b) Straftatbestände aus dem VStGB 123
aa) Völkermord (§ 6 VStGB) 123
bb) Verbrechen gegen die Menschlichkeit (§ 7 Abs. 1 Nr. 10 VStGB) 128
cc) Kriegsverbrechen des Einsatzes verbotener Methoden der Kriegsführung (§ 11 Abs. 1 Nr. 2 VStGB) 131
3. Zusammenfassung und Folgerungen 132
II. Die Religionsfreiheit als Angriffsgrund strafrechtlichen Verhaltens 136
1. Religionsfreiheit und Tatbestandsmäßigkeit 137
a) Straftatbestände mit einem generellen Bezug zur Religionsfreiheit (ethnisch-kulturell motivierte Delikte) 138
aa) Verstümmelung weiblicher Genitalien (§ 226a StGB) 138
(1) Allgemeines 138
(2) Bezüge der Vorschrift zur Religionsfreiheit 140
(3) Verfassungsmäßigkeit der Vorschrift 143
(a) Verstoß gegen Art. 4 Abs. 1 und 2 GG 143
(b) Verstoß gegen Art. 3 Abs. 3 S. 1 Var. 1 GG 145
(4) Rechtspolitische Würdigung 147
bb) Zwangsheirat (§ 237 StGB) 150
b) Straftatbestände mit Bezügen zur Religionsfreiheit bei der Gesetzesanwendung im Einzelfall 151
aa) Äußerungsdelikte (§§ 130, 185 ff. StGB) 151
(1) Bisheriger Diskussionsstand zur Berücksichtigung der Religionsfreiheit 152
(2) Stellungnahme 154
bb) Mord aus niedrigen Beweggründen (§ 211 Abs. 1 Gruppe 1 Var. 4 StGB) 156
(1) Bezüge des Tatbestandsmerkmals der niedrigen Beweggründe zur Religionsfreiheit 157
(2) Bisheriger Diskussionsstand zur Berücksichtigung der Religionsfreiheit 161
(a) Berücksichtigung auf der objektiven Tatseite 161
(b) Berücksichtigung auf der subjektiven Tatseite 163
(c) Normative Konkretisierung der niedrigen Beweggründe 165
(3) Stellungnahme 166
cc) Unterlassene Hilfeleistung (§ 323c StGB) 171
(1) Bezüge des Tatbestandsmerkmals der Zumutbarkeit zur Religionsfreiheit 171
(2) Bisheriger Diskussionsstand zur Berücksichtigung der Religionsfreiheit 174
(3) Stellungnahme 175
c) Zusammenfassung und Folgerungen 179
2. Religionsfreiheit und Rechtswidrigkeit 181
a) Allgemeines 181
b) Rechtfertigungsgründe mit spezifischen Bezügen zur Religionsfreiheit 184
aa) Geistlichenprivileg bei der Nichtanzeige geplanter Straftaten (§ 139 Abs. 2 StGB) 184
(1) Bezüge der Vorschrift zur Religionsfreiheit 185
(2) Gesetzgeberische Reaktion 186
bb) Ausnahmegenehmigung vom Verbot des Schächtens aus religiösen Gründen (§ 4a Abs. 2 Nr. 2 TierSchG) 191
(1) Bezüge der Vorschrift zur Religionsfreiheit 192
2) Gesetzgeberische Reaktion 194
cc) Rechtfertigende Einwilligung der Eltern in die religiöse Knabenbeschneidung (§ 1631d BGB) 197
(1) Allgemeines 197
(2) Bezüge der Vorschrift zur Religionsfreiheit 200
(3) Gesetzgeberische Reaktion 203
c) Religionsfreiheit selbst als Rechtfertigungsgrund 209
aa) Grundsätzliche Möglichkeit einer rechtfertigenden Wirkung der Religionsfreiheit 209
(1) Bisheriger Diskussionsstand 209
(2) Stellungnahme 213
bb) Methodische Überlegungen zur Berücksichtigung der Religionsfreiheit in der Rechtswidrigkeitsprüfung 217
(1) Bisheriger Diskussionsstand 218
(a) Unmittelbare Anwendbarkeit von Art. 4 Abs. 1 und 2 GG als verfassungsrechtlicher Rechtfertigungsgrund 218
(b) Berücksichtigung von Art. 4 Abs. 1 und 2 GG bei der Anwendung des rechtfertigenden Notstands gem. § 34 StGB 220
(2) Stellungnahme 221
(3) An der Religionsfreiheit orientierte Auslegung des rechtfertigenden Notstands gem. § 34 StGB 224
(a) Notstandslage 225
(aa) Notstandsfähiges Rechtsgut 225
(bb) Gegenwärtige Gefahr 226
(b) Notstandshandlung 227
(aa) Erforderlichkeit 228
(bb) Interessenabwägung 229
d) Zusammenfassung und Folgerungen 235
3. Religionsfreiheit und Schuld 238
a) Religionsfreiheit und Schuldfähigkeit 239
aa) Bisheriger Diskussionsstand 239
(1) Fehlende Steuerungsfähigkeit des Gewissenstäters 239
(2) Rechtsprechung des BGH zum „Motivationsbeherrschungspotenzial“ beim Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe 240
bb) Stellungnahme 241
(1) Fehlende Steuerungsfähigkeit des Gewissenstäters 241
(2) Rechtsprechung des BGH zum „Motivationsbeherrschungspotenzial“ beim Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe 243
b) Religionsfreiheit und Entschuldigung 244
aa) Bisheriger Diskussionsstand 245
(1) Analoge Anwendung von § 35 StGB auf die Religionsfreiheit 245
(2) Religionsfreiheit gem. Art. 4 Abs. 1 und 2 GG als eigenständiger Entschuldigungsgrund 246
bb) Stellungnahme 249
(1) Analoge Anwendung von § 35 StGB auf die Religionsfreiheit 249
(2) Religionsfreiheit gem. Art. 4 Abs. 1 und 2 GG als eigenständiger Entschuldigungsgrund 251
c) Religionsfreiheit und Unrechtsbewusstsein 252
aa) Allgemeine Voraussetzungen eines Verbotsirrtums 253
(1) Fehlen des Unrechtsbewusstseins 253
(2) Vermeidbarkeit des Verbotsirrtums 255
bb) Voraussetzungen eines Verbotsirrtums speziell bei religiös motivierten Tätern 256
(1) Direkter Verbotsirrtum 257
(2) Gültigkeitsirrtum 261
(3) Erlaubnisirrtum 262
d) Zusammenfassung und Folgerungen 264
4. Religionsfreiheit und Strafzumessung 265
a) Allgemeines 265
b) Bisheriger Diskussionsstand 266
aa) Rechtsprechung des BGH zum Einfluss fremdkultureller Wertvorstellungen auf die Strafzumessung 267
bb) Rechtsprechung des BVerfG zur Berücksichtigung der Gewissensfreiheit gem. Art. 4 Abs. 1 GG 269
c) Stellungnahme zur Berücksichtigung der Religionsfreiheit gem. Art. 4 Abs. 1 und 2 GG bei einzelnen Strafzumessungsumständen 270
aa) Religiöse Motive als Beweggründe und Ziele des Täters gem. § 46 Abs. 2 S. 2 StGB 271
bb) Vermindertes Unrechtsbewusstsein des Täters unterhalb der Schwelle des § 17 StGB 273
cc) Verminderte Steuerungsfähigkeit unterhalb der Schwelle des §§ 20, 21 StGB 276
dd) Erhöhter Motivationsdruck des Glaubenstäters unterhalb der Schwelle des § 35 StGB 277
ee) Höhere Strafempfindlichkeit religiöser Täter 282
ff) Strafschärfende Berücksichtigung der negativen Generalprävention 286
gg) Strafschärfende Berücksichtigung der negativen Spezialprävention 289
d) Zusammenfassung 290
III. Gesamtbetrachtung 291
D. Reformüberlegungen 297
I. Reformüberlegungen bezüglich der Religionsfreiheit als Angriffsziel strafrechtlich relevanten Verhaltens 298
1. Reform der Bekenntnisbeschimpfung gem. § 166 StGB 298
a) Bisheriger Diskussionstand 298
aa) Forderung nach einer Streichung von § 166 StGB 298
bb) Forderungen nach einer Ausweitung von § 166 StGB 301
b) Stellungnahme 302
2. Weiterführende Reformüberlegungen 306
a) Einführung eines Globaltatbestandes zum Schutz der Religionsfreiheit 306
aa) Bisheriger Diskussionsstand 306
bb) Stellungnahme 307
b) Änderungen der einzelnen Strafvorschriften zum Schutz der Religionsfreiheit 310
II. Reformüberlegungen bezüglich der Religionsfreiheit als Angriffsgrund strafrechtlich relevanten Verhaltens 312
1. Einführung eines Straftatbestandes der Vollverschleierung 312
a) Bisheriger Diskussionsstand 312
b) Stellungnahme 313
2. Einführung eines allgemeinen Rechtfertigungsgrundes für religiös motivierte Handlungen 315
a) Bisheriger Diskussionsstand 315
b) Stellungnahme 316
3. Einführung einer eigenen Strafzumessungsvorschrift für religiös motivierte Handlungen 317
a) Bisheriger Diskussionsstand 317
b) Stellungnahme 320
III. Gesamtbetrachtung 322
E. Zusammenfassung und Ausblick 323
I. Zusammenfassung 323
1. Ergebnisse zur historischen Entwicklung 323
2. Ergebnisse zum geltenden Recht 324
3. Ergebnisse zu den Reformüberlegungen 326
II. Ausblick 327
Literaturverzeichnis 333
Sachwortregister 364