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Richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen

Münder, Matthias

Schriften zum Sozial- und Arbeitsrecht, Vol. 365

(2021)

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About The Author

Matthias Münder studierte Rechtswissenschaften an der Bucerius Law School in Hamburg und an der Boston University School of Law, USA. Im Anschluss an das Erste Staatsexamen arbeitete er von Januar 2015 bis Juni 2020 am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Arbeitsrecht und Zivilprozessrecht von Prof. Dr. Matthias Jacobs an der Bucerius Law School. Während dieser Zeit entstand die von Prof. Jacobs betreute Dissertation. Seit Februar 2020 absolviert Münder den juristischen Vorbereitungsdienst am Hanseatischen Oberlandesgericht mit Stationen u.a. beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales und am Landesarbeitsgericht Hamburg. Matthias Münder studied law at Bucerius Law School in Hamburg and at Boston University School of Law, USA. After passing the First State Exam he worked for Prof. Dr. Matthias Jacobs at the Chair of Civil Law, Labour Law and Law of Civil Procedure at Bucerius Law School from January 2020 until June 2020. During this period, he wrote his dissertation under the supervision of Prof. Jacobs. Since February 2020 he is a clerk at the Hanseatic Higher Regional Court, Hamburg and in that capacity has worked i.a. for the German Federal Ministry of Labour and Social Affairs and at the Regional Labour Court Hamburg.

Abstract

Es ist seit langer Zeit anerkannt, dass Gesetze richtlinienkonform auszulegen und fortzubilden sind. Ob auch Tarifverträge richtlinienkonform ausgelegt und fortgebildet werden müssen, ist jedoch ungeklärt. Die Tarifnormen wirken zwar ähnlich wie Gesetze. Zugleich sind Tarifverträge aber privatrechtliche Verträge.

Die Arbeit beantwortet die Forschungsfragen differenziert. Die Gerichte für Arbeitssachen sind weder aufgrund des nationalen Rechts noch des Unionsrechts verpflichtet, Tarifverträge privater Tarifvertragsparteien richtlinienkonform auszulegen und fortzubilden. Demgegenüber sind Tarifverträge staatlicher Tarifvertragsparteien zugunsten der Arbeitnehmerseite richtlinienkonform auszulegen und fortzubilden. Abschließend beleuchtet die Arbeit den Richtlinieneinfluss in Konstellationen, in denen die Exekutive die Geltung tarifvertraglicher Regelungen erstreckt – also den Einfluss auf allgemeinverbindliche Tarifverträge sowie Rechtsverordnungen, die auf Grundlage von §§ 7, 7a AEntG erlassen werden.


Die Arbeit wurde mit dem Dissertationspreis des Hamburger Vereins für Arbeitsrecht und dem KLIEMT.Arbeitsrecht-Dissertationspreis ausgezeichnet.
»Interpretation of Collective Bargaining Agreements in Conformity with EU Directives«

National statutes must be interpreted in conformity with EU Directives. This dissertation explores whether national courts are obligated to also interpret collective bargaining agreements in conformity with directives according to Article 288 (3) TFEU or German national law. Collective bargaining agreements, on the one hand, often influence employment relationships in a similar fashion as statutes. On the other hand, these agreements are negotiated by private parties on whom directives in general may not impose obligations.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Vorwort 7
Inhaltsübersicht 9
Inhaltsverzeichnis 13
Abkürzungsverzeichnis 25
Einleitung 29
A. Beispielsfall 31
B. Gang der Untersuchung 35
1. Teil: Grundlagen der Untersuchung 37
1. Kapitel: Richtlinien als Form der Rechtsetzung der EU 37
A. Umsetzungspflicht 38
B. Frustrationsverbot 39
C. Unmittelbare Wirkung von Richtlinien 40
I. Voraussetzungen der unmittelbaren vertikalen Wirkung von Richtlinien 40
II. Begründung des EuGH für die unmittelbare vertikale Wirkung von Richtlinien 41
III. Rezeption der EuGH-Rechtsprechung in der deutschen Rechtsprechung und Wissenschaft – Rechtsfortbildung durch den EuGH 42
IV. Keine unmittelbare horizontale Wirkung von Richtlinien 43
D. Zusammenfassung zu Richtlinien als Form der Rechtsetzung der EU 45
2. Kapitel: Grundsätze richtlinienkonformer Auslegung und Rechtsfortbildung 46
A. Richtlinienkonforme Rechtsfindung in der Rechtsprechung des EuGH 47
I. Geltungsgrund der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 47
II. Inhalt der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 48
III. Zeitlicher Beginn der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 50
IV. Grenzen der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 51
V. Zusammenfassung zur richtlinienkonformen Rechtsfindung in der Rechtsprechung des EuGH 53
B. Richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung von Gesetzen in der Rechtsprechung des BAG und BVerfG 54
I. Geltungsgrund der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 54
II. Umsetzung der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung in der deutschen Methodenlehre 55
III. Zeitlicher Beginn der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 57
IV. Grenzen der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 57
V. Zusammenfassung zur richtlinienkonformen Rechtsfindung in der Rechtsprechung des BAG und BVerfG 59
C. Richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung von Gesetzen im deutschen Schrifttum 60
I. Geltungsgrund der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 60
1. Unionsrechtlicher Geltungsgrund 60
a) Art. 288 Abs. 3 AEUV 60
b) Art. 4 Abs. 3 EUV 62
c) Art. 288 Abs. 3 AEUV i. V. m. Art. 4 Abs. 3 EUV 63
d) Rang des Unionsrechts 63
2. Nationalrechtlicher Geltungsgrund 63
a) Art. 20 Abs. 3, 23 Abs. 1 S. 1 GG 63
b) Analogie zu Art. 36 EGBGB 64
c) Umsetzungswille des nationalen Gesetzgebers 64
II. Umsetzung der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung in der deutschen Methodenlehre 65
1. Richtlinienkonforme Auslegung 65
a) Interpretatorische Vorrangregel 66
b) Ergebnisvorrang 67
2. Richtlinienkonforme Rechtsfortbildung 68
a) Unvollständigkeit des Gesetzes 68
b) Planwidrigkeit als vom Ziel der Gesetzesauslegung abhängige Voraussetzung der Rechtsfortbildung 69
aa) Durch Widerspruch zwischen nationalem Gesetz und Richtlinie begründete Planwidrigkeit bei Maßgeblichkeit des objektivierten gesetzgeberischen Willens 70
bb) Gesetzgeberischer Umsetzungswille als Maßstab bei (mutmaßlicher) Maßgeblichkeit des objektiverten gesetzgeberischen Willens 71
cc) Nationaler gesetzgeberischer Plan als alleiniger Maßstab bei subjektivem Auslegungsziel 73
III. Zeitlicher Beginn der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 74
IV. Grenzen der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 75
1. Verbot der Rechtsfindung contra legem – nationale Methodenlehre als Grenze 75
2. Rechtssicherheit und Vertrauensschutz 77
3. Grundrechte als indirekte Grenze 79
V. Zusammenfassung zur richtlinienkonformen Rechtsfindung im deutschen Schrifttum 80
D. Prämissen für die weitere Untersuchung zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung in Gesetzen 81
I. Geltungsgrund der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 81
1. Art. 288 Abs. 3 AEUV als unionsrechtlicher Geltungsgrund 81
2. Ablehnung des Art. 4 Abs. 3 EUV als Geltungsgrund richtlinienkonformer Rechtsfindung 82
3. Ablehnung einer dem Grundgesetz entspringenden Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 83
4. Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung aufgrund des gesetzgeberischen Umsetzungswillens abhängig vom Ziel der Gesetzesauslegung 83
5. Mittelbare Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung aufgrund des Rangs des Umsetzungsbefehls 85
II. Inhalt der unionsrechtlichen Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 85
III. Umsetzung in der deutschen Methodenlehre 86
1. Richtlinienkonforme Auslegung als interpretatorische Vorrangregel 86
2. Richtlinienkonforme Rechtsfortbildung 86
IV. Zeitlicher Beginn der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 88
V. Grenzen der Pflicht zur richtlinienkonformen Rechtsfindung 89
1. Verbot der Rechtsfindung contra legem – nationale Methodenlehre als Grenze 89
2. Rechtssicherheit und Vertrauensschutz 90
3. Kapitel: Maßstäbe der Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 91
A. Maßstäbe der Tarifvertragsauslegung in Rechtsprechung und Schrifttum 92
I. Auslegung des normativen Tarifvertragsteils 92
1. „Gesetzesgleiche“ Auslegung durch die Rechtsprechung und Teile des Schrifttums 92
2. „Vertragsauslegung“ durch Teile der Literatur 94
II. Auslegung des schuldrechtlichen Tarifvertragsteils in Rechtsprechung und Schrifttum 98
B. Maßstäbe der Tarifvertragsfortbildung in Rechtsprechung und Schrifttum 99
I. Fortbildung des normativen Tarifvertragsteils 99
1. Begrifflichkeiten 99
2. Lücke als Voraussetzung der Tarifvertragsfortbildung 100
3. Lückenfeststellung und -schließung durch die Gerichte 100
4. Zulässigkeit der Tarifvertragsfortbildung bei mehreren Möglichkeiten zur Lückenschließung 103
5. Aussetzung des Verfahrens bis zur Neuregelung durch die Tarifvertragsparteien 104
II. Ergänzende Auslegung des schuldrechtlichen Tarifvertragsteils 106
C. Prämissen für die weitere Untersuchung zu den Maßstäben der Tarifvertragsauslegung und Tarifvertragsfortbildung 107
I. Auslegung des normativen Tarifvertragsteils 107
II. Auslegung des schuldrechtlichen Tarifvertragsteils 108
III. Fortbildung des normativen Tarifvertragsteils 108
IV. Ergänzende Auslegung des schuldrechtlichen Tarifvertragsteils 110
4. Kapitel: Maßstäbe der Rechtsfindung im Primärrecht 112
A. Ziel der Auslegung des Primärrechts 112
B. Mittel bei der Auslegung des Primärrechts 114
C. Keine Wortlautgrenze für das Normverständnis des Primärrechts – Zulässigkeit der Rechtsfortbildung nach deutschem Methodenverständnis 118
D. Unterscheidung zwischen Auslegung und Rechtsfortbildung 120
E. Möglicher Wortsinn aller 24 Sprachfassungen als Grenze zwischen Auslegung und Rechtsfortbildung 122
F. Voraussetzungen der Primärrechtsfortbildung 124
G. Grenzen der Primärrechtsfortbildung 125
H. Prämissen für die weitere Untersuchung zu den Maßstäben der Rechtsfindung im Primärrecht 128
2. Teil: Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 131
1. Kapitel 131
Richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen in Rechtsprechung und Schrifttum 131
A. Fehlende Stellungnahme des EuGH 131
B. Spärliche Rechtsprechung deutscher Arbeitsgerichte 133
I. Neunter Senat des BAG erwägt richtlinienkonforme Tarifvertragsauslegung 133
II. Vereinzelt halten LAG richtlinienkonforme Tarifvertragsauslegung für möglich 135
C. Geteilte Meinungslandschaft im deutschen Schrifttum 136
I. Befürworter einer richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 136
II. Gegner einer richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 138
D. Zusammenfassung zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen in Rechtsprechung und Schrifttum 139
E. Exkurs: Andere „Konformauslegungen“ von Tarifverträgen 140
I. Verfassungskonforme Rechtsfindung in Tarifverträgen 140
1. Verfassungskonforme Tarifvertragsauslegung 140
2. Verfassungskonforme Tarifvertragsfortbildung? 141
II. Gesetzeskonforme Tarifvertragsauslegung 144
F. Mögliche Ansatzpunkte für eine Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 144
2. Kapitel: Richtlinienbindung der Tarifvertragsparteien 146
A. Auffassungen in Rechtsprechung und Schrifttum 146
I. EuGH: Entwicklung der Rechtsprechung hin zu Richtlinienbindung der Tarifvertragsparteien 146
1. Gleichbehandlung von Frauen und Männern – erste Äußerungen zum Verhältnis von Richtlinien und Tarifverträgen 146
2. Verbot der Altersdiskriminierung als allgemeiner Grundsatz des Gemeinschaftsrechts 148
3. Rechtssache Rosenbladt: Richtlinienbindung der Tarifvertragsparteien oder bloß richtlinienkonforme Auslegung nationaler Gesetze? 149
4. Rechtssache Hennigs: Richtlinienbindung der Tarifvertragsparteien 151
5. Rechtssachen Prigge, Tyrolean Airways, Hay, Bowman, Abercrombie & Fitch Italia und Bedi: Bestätigung der Richtlinienbindung der Tarifvertragsparteien 155
6. Qualität der Bindung an RL 2000/78/EG – Unterlassungspflicht 158
7. Arbeitszeit- und Urlaubsrichtlinie 2003/88/EG kann Tarifverträgen entgegenstehen 159
8. Verhältnis der Tarifvertragsparteien zu weiteren Richtlinien 162
9. Zusammenfassung: Differenzierung bei Richtlinienbindung der Tarifvertragsparteien zwischen Richtlinien 164
II. BAG 164
1. RL 2000/78/EG und die Tarifvertragsparteien 164
2. RL 2003/88/EG und die Tarifvertragsparteien 167
3. RL 1999/70/EG und die Tarifvertragsparteien 169
4. Zusammenfassung: Keine einheitliche Linie am BAG 170
III. Deutsches Schrifttum 171
IV. Zusammenfassung zur Richtlinienbindung der Tarifvertragsparteien in Rechtsprechung und deutschem Schrifttum 172
B. Abgrenzung privater Tarifvertragsparteien von staatlichen Tarifvertragsparteien 173
C. Richtlinienbindung privater Tarifvertragsparteien als unzulässige Fortbildung des Art. 288 Abs. 3 AEUV 173
I. Begriff der Richtlinienbindung 174
II. Keine allgemeine Richtlinienbindung nach Auslegung des Art. 288 Abs. 3 AEUV 174
III. Keine allgemeine Richtlinienbindung durch Fortbildung des Art. 288 Abs. 3 AEUV 180
1. Systematik spricht gegen Planwidrigkeit 180
a) Vergleich zwischen Art. 288 Abs. 2 und Abs. 3 AEUV 180
b) Mitwirkung der Sozialpartner an der Rechtsetzung im Sozialen Dialog 181
aa) Überblick über den Sozialen Dialog 181
bb) Keine einem Mitgliedstaat vergleichbare Rolle im Rechtsetzungsverfahren 183
c) Kein Verstoß gegen Diskriminierungsverbot bei fehlender Richtlinienbindung 185
d) Zwischenergebnis 185
2. Teleologische Erwägungen 185
a) Effektivität des Art. 288 Abs. 3 AEUV – Übertragbarkeit der Argumentation zur Anwendbarkeit des Entgeltdiskriminierungsverbots und der Niederlassungsfreiheit auf Tarifverträge? 186
b) Gesetzgeberähnliche Stellung privater Tarifvertragsparteien gegenüber ihren Mitgliedern 189
aa) Zwecke der Unterlassungspflicht des Gesetzgebers 190
bb) Übertragbarkeit auf private Tarifvertragsparteien 190
c) Zwischenergebnis 191
3. Überschreiten der Rechtsfortbildungsgrenzen 191
a) Kompetenzgrenze des Art. 153 Abs. 5 AEUV nicht einschlägig 191
b) Überschreiten der allgemeinen Rechtsfortbildungsgrenze aus Art. 5 Abs. 2, 48 EUV 192
c) Zwischenergebnis 192
4. Ergebnis: Keine allgemeine Richtlinienbindung privater Tarifvertragsparteien analog Art. 288 Abs. 3 AEUV 193
IV. Unzulässigkeit der Richtlinienbindung auf Grundlage einzelner Richtlinienbestimmungen 193
V. Richtlinienbindung bei Übertragung der Richtlinienumsetzung an die Sozialpartner, Art. 153 Abs. 3 AEUV 194
VI. Zusammenfassung: Keine Richtlinienbindung privater Tarifvertragsparteien 194
D. Richtlinienbindung staatlicher Tarifvertragsparteien 195
E. Exkurs: Für staatliche Tarifvertragsparteien geltendes Frustrationsverbot 197
F. Zusammenfassung zur Richtlinienbindung der Tarifvertragsparteien 197
3. Kapitel: Nationale Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 199
A. Wille der Tarifvertragsparteien zur richtlinienkonformen Regelung als Anknüpfungspunkt 199
I. Maßgeblichkeit des Willens der Tarifvertragsparteien bei der Auslegung und Fortbildung des Tarifvertrags 201
II. Wege zur Willensermittlung 201
1. Rückgriff auf die Auslegungsmittel 201
2. Tarifauskunft als unzulässiger Weg der Willensermittlung 202
III. Keine Vermutung des Willens zur richtlinienkonformen Regelung 203
1. Keine Rechtfertigung der Vermutung aus nationaler Perspektive 203
2. Kein unionsrechtliches Gebot zur Vermutung einer richtlinienkonformen Regelungsabsicht 205
a) Äußerungen des EuGH zum gesetzgeberischen Umsetzungswillen als Grundlage 206
b) Vermutung des gesetzgeberischen Willens zur Richtlinienkonformität als unzulässige Rechtsfortbildung 206
c) Ergebnis: Vermutung des Willens der Tarifvertragsparteien zur Richtlinienkonformität als unzulässige Rechtsfortbildung 208
3. Ergebnis: Keine Vermutung eines Konformitätswillens der Tarifvertragsparteien 208
IV. Keine Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung eines Tarifvertrags bei ermitteltem Konformitätswillen 209
V. Ergebnis: Wille der Tarifvertragsparteien zur richtlinienkonformen Regelung als untauglicher Anknüpfungspunkt 210
B. Keine richtlinienkonforme Tarifvertragsfortbildung aufgrund etwaiger Ermessensreduzierung 212
C. Nationale Vorrangregel zum Erhalt der Tarifvertragsanwendbarkeit – Auswirkungen unmittelbarer Richtlinienwirkung 213
I. Begründung verfassungskonformer Rechtsfindung 214
1. Begründung der verfassungskonformen Gesetzesauslegung 214
2. Begründung der verfassungskonformen Gesetzesfortbildung 216
II. Nationale Vorrangregel als Konsequenz drohender Unanwendbarkeit in Anlehnung an die verfassungskonforme Auslegung und Fortbildung von Gesetzen 219
1. Unanwendbarkeit richtlinienwidriger Tarifvertragsbestimmungen als Folge unmittelbarer vertikaler Richtlinienwirkung 220
a) Unmittelbare Richtlinienwirkung auch gegenüber Tarifvertragsbestimmungen 220
b) Unterschied zwischen normativem und schuldrechtlichem Tarifvertragsteil bei unmittelbarer Richtlinienwirkung 221
c) Reichweite unmittelbarer Richtlinienwirkung und damit einer etwaigen Vorrangregel 222
d) Keine Vorrangregel bei privaten Arbeitgebern und Tarifvertragsparteien denkbar mangels unmittelbarer Richtlinienwirkung 223
e) Zusammenfassung 223
2. Richtlinienkonforme Tarifvertragsauslegung aus Respekt vor den Tarifvertragsparteien und zum Erhalt ihrer Autorität und Autonomie 223
a) Richtlinienkonforme Auslegung des normativen Tarifvertragsteils bei staatlichem Arbeitgeber 224
b) Richtlinienkonforme Auslegung des schuldrechtlichen Tarifvertragsteils bei staatlicher Tarifvertragspartei auf Arbeitgeberseite 227
3. Begrenzte richtlinienkonforme Tarifvertragsfortbildung 227
III. Zusammenfassung zur nationalen Vorrangregel zum Erhalt der Tarifvertragsanwendbarkeit 229
D. Ergebnis: Nationale Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen im Gleichlauf zur unmittelbaren Richtlinienwirkung 231
4. Kapitel 233
Unionsrechtliche Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 233
A. Keine generelle unionsrechtliche Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 233
I. Rechtsprechung des EuGH zur Reichweite der judikativen Umsetzungspflicht 234
II. Meinungsbild im Schrifttum zur Begründung der richtlinienkonformen Tarifvertragsauslegung über die Umsetzungspflicht der Gerichte 235
III. Ähnlich gelagerte Diskussionen im deutschen Recht 237
1. Kontrolle von Kollektivverträgen anhand der Grundrechte 237
a) Kontrolle von Tarifverträgen anhand der Grundrechte 237
aa) Inhalts-, Abschluss- und Beendigungsnormen 238
bb) Betriebsnormen 239
b) Kontrolle von Betriebsvereinbarungen anhand der Grundrechte 242
c) Zusammenfassung: Legitimation der Normwirkung als Argumentationstopos 244
2. Beschränkte Grundrechtsbindung der Zivilgerichte 245
a) Reichweite der Grundrechtsbindung der Gerichte gemäß Art. 1 Abs. 3 GG 246
b) Differenzierung nicht unmittelbar übertragbar – Schutz der Privatautonomie als Argumentationstopos 251
3. Zusammenfassung: Erkenntnisse aus Diskussionen zum deutschen Recht für die Auslegung von Art. 288 Abs. 3 AEUV 252
IV. Auslegung des Art. 288 Abs. 3 AEUV – Inhalt der judikativen Umsetzungspflicht 253
1. Richtlinien als mitgliedstaatsgerichtete Normen 253
a) Verbindlichkeitsgrenze – keine Verbindlichkeit von Richtlinien gegenüber Privaten 254
b) Präzisierung der Verbindlichkeitsgrenze – Abgrenzung zulässiger von unzulässigen Richtlinienwirkungen gegenüber Privaten 256
aa) Abgrenzung zulässiger von unzulässigen Richtlinienwirkungen gegenüber Privaten durch den EuGH 257
(1) Keine Bedenken bei richtlinienkonformer Rechtsfindung 257
(2) Verbot unmittelbarer Horizontalwirkung 258
(3) Belastende Richtlinienwirkungen gegenüber Privaten 258
(a) Rechtsstreit zwischen Privaten im Ausgangsverfahren 259
(b) Rechtsstreit zwischen einem Privaten und dem Staat im Ausgangsverfahren 260
(c) Zusammenfassung: Zulässigkeit belastender Richtlinienwirkungen gegenüber Privaten 262
(4) Systematisierung der EuGH-Rechtsprechung zur belastenden Richtlinienwirkungen gegenüber Privaten durch das Schrifttum 262
(a) Unterscheidung zwischen negativer und positiver Richtlinienwirkung 263
(b) Unterscheidung zwischen Unmittelbarkeit und Mittelbarkeit der belastenden Richtlinienwirkung 264
(5) Zusammenfassung: EuGH ohne klares Konzept zur Abgrenzung zulässiger von unzulässigen Richtlinienwirkungen gegenüber Privaten 266
bb) Abgrenzung zulässiger von unzulässigen Richtlinienwirkungen gegenüber Privaten im Schrifttum 267
(1) Unterschiede zwischen richtlinienkonformer Rechtsfindung und unmittelbarer horizontaler Richtlinienwirkung 267
(2) Zulässige Auswirkungen unmittelbarer Richtlinienwirkung auf Private 269
(3) Zusammenfassung: Unterscheidung zulässiger von unzulässigen Richtlinienwirkungen gegenüber Privaten nach der (Un-)Mittelbarkeit der Belastung 271
cc) Eigene Auffassung: Unzulässige Richtlinienwirkung gegenüber Privaten bei unmittelbarer Einwirkung der Richtlinie auf das Rechtsverhältnis und Verschlechterung der rechtlichen Situation 271
c) Verletzung der Verbindlichkeitsgrenze durch richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 274
aa) Unverbindlichkeit der Richtlinie gegenüber tarifgebundenen Arbeitsvertragsparteien 274
bb) Unzulässige Verbindlichkeit der Richtlinie gegenüber Tarifvertragsparteien 275
cc) Unverbindlichkeit der Richtlinie bei Tarifvertragsabschluss durch staatliche Tarifvertragspartei und richtlinienkonformer Rechtsfindung zugunsten der Arbeitnehmerseite 277
dd) Ergebnis: Überschreitung der Verbindlichkeitsgrenze durch richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 278
d) Ergebnis: Grundsätzliche Unzulässigkeit der richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen aufgrund Überschreitung der Verbindlichkeitsgrenze 278
2. Teleologische Auslegung 279
a) Zweck des Rechtsetzungsinstruments Richtlinie und daraus folgende Anforderungen an die Umsetzung 279
b) Zweck der judikativen Umsetzungspflicht: Sicherungsfunktion der Judikative bei der Umsetzung durch den Mitgliedstaat 281
c) Ausfluss der Sicherungsfunktion: Staatliche Rechtsakte als Bezugsobjekt der judikativen Umsetzungspflicht 282
d) Keine Ausnahme bei heteronomer Tarifvertragsgeltung 283
e) Ergebnis: Richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen widerspricht Zweck der judikativen Umsetzungspflicht 284
3. Systematische Auslegung – Berücksichtigung von Art. 28 Var. 1 GRCh 284
a) Eröffnung des Anwendungsbereichs der Grundrechtecharta, Art. 51 GRCh 286
b) Gewährleistungsgehalt von Art. 28 Var. 1 GRCh 288
aa) Persönlicher Schutzbereich 288
bb) Sachlicher Schutzbereich 290
(1) Schutzbereichsbestimmung nach nationalem Recht oder nach der Charta? 291
(a) „Inhaltsleere“ des Art. 28 GRCh – Schutzbereichsbestimmung allein nach nationalem Recht 291
(b) Eigenständiger sachlicher Schutzbereich mit Kopplung an nationale Vorschriften zur Durchführung kollektiver Verhandlungen 292
(c) Eigenständiger sachlicher Schutzbereich des Art. 28 Var. 1 GRCh mit Ausgestaltungsvorbehalt zugunsten der Mitgliedstaaten 293
(d) Bestimmung des Schutzbereichs anhand der Charta 295
(e) Ergebnis: Schutzbereichsbestimmung allein anhand der Charta 296
(2) Inhaltliche Bestimmung des sachlichen Schutzbereichs von Art. 28 Var. 1 GRCh 296
(3) Ergebnis: Schutz auch des Bestands und Inhalts von Kollektivverträgen 298
cc) Ergebnis: Keine Beeinträchtigung des Schutzbereichs von Art. 28 Var. 1 GRCh durch angenommene Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 298
c) Ergebnis: Keine Bedeutung von Art. 28 Var. 1 GRCh für die Frage nach unionsrechtlicher Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 300
4. Ergebnis: Keine generelle Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen nach Auslegung des Art. 288 Abs. 3 AEUV 301
V. Ergebnis: Keine generelle unionsrechtliche Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 302
B. Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen bei Tarifgeltungserstreckung durch die Exekutive 305
I. Gemäß § 5 TVG für allgemeinverbindlich erklärte Tarifverträge 306
1. Grundlegendes zur Allgemeinverbindlichkeit gemäß § 5 TVG 306
a) Ablauf und Rollenverteilung bei der Allgemeinverbindlicherklärung 307
b) Rechtsnatur der Allgemeinverbindlicherklärung 308
c) Keine Teil-Allgemeinverbindlicherklärung eines Tarifvertrags 309
d) Inhaltliche Maßgeblichkeit des allgemeinverbindlichen Tarifvertrags im Arbeitsverhältnis der Außenseiter und anders organisierten Arbeitgeber und Arbeitnehmer 312
e) Inhalt der Allgemeinverbindlicherklärung und Regelungswille der Exekutive 312
f) Zusammenfassung 314
2. Literatur: Beachtlichkeit von Richtlinien für die Allgemeinverbindlicherklärung 314
3. Richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung allgemeinverbindlicher Tarifverträge 315
a) Keine richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung des allgemeinverbindlichen Tarifvertrags 315
b) Keine automatische Beschränkung der Allgemeinverbindlicherklärung auf die richtlinienkonformen Tarifnormen 316
c) Richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung der Allgemeinverbindlicherklärung 316
aa) Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung der Allgemeinverbindlicherklärung 317
bb) Keine praktischen Auswirkungen der Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung der Allgemeinverbindlicherklärung 318
4. Ergebnis: Unionsrechtliche Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung nur der Allgemeinverbindlicherklärung, nicht des für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrags 321
II. Tarifvertragsgeltung kraft Rechtsverordnung (§§ 7, 7a AEntG) 322
1. Grundlegendes zur Tarifgeltungserstreckung durch Rechtsverordnungen gemäß §§ 7, 7a AEntG 323
a) Ablauf, Voraussetzungen und Rechtsfolgen des Rechtsverordnungserlasses gemäß §§ 7, 7a AEntG 323
b) Maßgeblichkeit der Rechtsverordnung im Arbeitsverhältnis der Außenseiter oder anders organisierten Arbeitgeber und Arbeitnehmer 324
c) Keine Geltung der Rechtsverordnung im bereits kraft Mitgliedschaft an den Tarifvertrag gebundenen Arbeitsverhältnis 327
2. Richtlinienkonforme Auslegung und Fortbildung von Rechtsverordnungen gemäß §§ 7, 7a AEntG 328
a) Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung der Rechtsverordnungen 328
b) Praktische Auswirkungen der Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung 330
3. Ergebnis: Unionsrechtliche Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung einer AEntG-Rechtsverordnung 332
III. Ergebnis: Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung bei exekutiver Tarifgeltungserstreckung abhängig vom Auslegungsgegenstand 333
C. Ergebnis: Keine generelle unionsrechtliche Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen, unionsrechtliche Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Allgemeinverbindlicherklärungen und AEntG-Rechtsve 333
Zusammenfassung der wesentlichen Prämissen und Ergebnisse 335
1. Teil: Grundlagen der Untersuchung 335
2. Teil: Pflicht zur richtlinienkonformen Auslegung und Fortbildung von Tarifverträgen 337
Literaturverzeichnis 341
Sachverzeichnis 372