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Briefe und Tagebücher zwischen Text und Quelle

Geschichts- und Literaturwissenschaft im Gespräch II

Editors: Depkat, Volker | Pyta, Wolfram

(2021)

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Wolfram Pyta studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Bonn und Köln. Seit 1999 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart; 2008 erhielt er den renommierten Landesforschungspreis für Grundlagenforschung des Landes Baden-Württemberg. Seine wichtigsten Publikationen (»Hindenburg«, 2007; »Hitler«, 2015) sind methodisch einer Kulturgeschichte des Politischen verpflichtet. Insbesondere interessiert sich Pyta für die Politikmächtigkeit von Literatur und forscht daher an der Schnittstelle von Geschichts- und Literaturwissenschaft. Wolfram Pyta studied history, political science, and philosophy at the universities of Bonn and Cologne. He holds the chair of modern history at the University of Stuttgart since 1999. In 2008 he was awarded Baden-Württemberg's distinguished »Landesforschungspreis für Grundlagenforschung«. His most important publications (»Hindenburg«, 2007; »Hitler«, 2015) are methodically indebted to a cultural history of the Political. Professor Pyta is particularly interested in the political effectiveness of literature and, therefore, positions his work at the confluence of historiography and literary criticism.

Abstract

Johann Wolfgang von Goethe rechnete die Briefe »unter die wichtigsten Denkmäler, die der einzelne Mensch hinterlassen kann« und Friedrich Hebbel bezeichnete das Tagebuch als »Notenbuch meines Herzens«. Für den vorliegenden Band haben sich HistorikerInnen und LiteraturwissenschaftlerInnen zusammengetan, um Briefe und Tagebücher jenseits solcher poetischen Topoi zu erkunden. Der Band spiegelt den gegenseitigen Lernprozess wider: Historiker profitieren von literaturwissenschaftlicher Expertise, indem sie für den literarischen Charakter von Tagebüchern und Briefen sensibilisiert werden, in die Gattungstraditionen und -konventionen eingelassen sind. Literaturwissenschaftler profitieren in ihrer Textanalyse vom Kontextwissen der Historiker gerade in Hinblick auf die Pragmatik dieser Textsorten. Auf diese Weise entsteht ein Panorama der Briefkultur und des diaristischen Schreibens von der Frühen Neuzeit bis in das 20. Jahrhundert. Im Ergebnis zeigt sich, dass das interdisziplinäre Gespräch zwischen Geschichts- und Literaturwissenschaften die Textanalyse produktiv voranbringen kann, ohne die unterschiedlichen Erkenntnisinteressen einzuebnen. In this volume, historians and literary critics jointly explore the literary genres of letters and diaries, which, for historians, are a key historical source. This interdisciplinary perspective opens up new epistemological opportunities, and it demonstrates, how stimulating an interdisciplinary conversation about genres can be. The volume presents a multi-facetted panorama of epistolary and diaristic cultures from the early modern period to the twentieth century.

Table of Contents

Section Title Page Action Price
Inhalt 5
Volker Depkat / Wolfram Pyta: Briefe und Tagebücher zwischen Literatur- und Geschichtswissenschaft 7
Literatur 27
Maria Thurmair / Christian Fandrych: Das Tagebuch aus text(sorten)linguistischer Perspektive 31
I. Einleitung 31
II. Zu Textsorten allgemein 33
1. Kriterien für eine Textsortenbeschreibung 33
a) Kommunikationssituation 33
b) Textfunktion 36
c) Thema 38
d) Sprachlich-formale Gestaltung 38
2. Textsortenbeziehungen 40
III. Das Tagebuch aus textsortenlinguistischer Sicht 42
1. Textsortenspektrum 42
2. Kriterien der Beschreibung in Bezug auf Tagebücher 45
a) Aspekte der Kommunikationssituation 45
b) Funktion(en) des Tagebuchs 50
c) Thema 51
d) Sprachliche Form, Textarchitektur und Textstruktur 51
Literatur 54
Michael Maurer: Tagebücher als Quellen der Geschichtswissenschaft 57
I. Politische Geschichte 58
II. Sozialgeschichte 61
III. Kulturgeschichte 63
IV. Die Situation der Öffentlichkeit heute 65
V. Die Idee des kollektiven Tagebuches 66
Literatur 71
Miriam Nandi: Schreiben in Serie – Überlegungen zu Form und narrativer Identität in englischen Tagebüchern der Frühen Neuzeit 75
I. Das Tagebuch als Textgattung 77
1. Strukturelle Merkmale 77
2. Gattungsgeschichte des Tagebuchs: Das Beispiel England 78
II. Narrative Identität bei Ralph Josselin 81
III. Zusammenfassung 84
Literatur 85
Thomas Stamm-Kuhlmann: Die Tagebücher Karl August von Hardenbergs als Quelle der Geschichtswissenschaft 87
I. Die Kultur der Rechtfertigungsschriften 87
II. Hardenbergs Memoiren 89
III. Plante Hardenberg eine umfassende Autobiografie? Und wann? 92
IV. Hardenbergs Texte nach 1810 93
V. Wie weit reichten Hardenbergs literarische Ambitionen? 97
Literatur 98
Sebastian Rojek: Beglaubigte Selbstrechtfertigung oder skeptische Selbsthistorisierung? – Überlegungen zu Strategien der Einbindung von Briefen und Tagebüchern in Autobiographien des 20. Jahrhunderts 101
I. 101
II. 102
III. 105
IV. 112
Literatur 115
Andrea Albrecht / Wolfram Pyta: Die Tagebücher des Dr. phil. Joseph Goebbels. Überlegungen zu Schreibprozess, Überlieferungsabsicht und Literarizität 121
I. 121
II. 125
III. 132
IV. 138
Literatur 142
Robert Vellusig: Imagination und Inszenierung. Symbolische Distanzregulation in der Briefkultur des 18. Jahrhunderts 145
I. Geschichts- und Literaturwissenschaft im Gespräch 145
II. Schriftliche Gespräche 147
III. Textualität und Rhetorik: Literale Prozeduren 149
IV. Die Sprache des Herzens 153
V. Literale Distanzkommunikation – symbolische Distanzregulation 158
VI. Intimität und „subjektive Tatsachen“ 162
VII. Imagination und Inszenierung 165
VIII. Grade der Wirklichkeit oder: Der Brief als Ego-Dokument 172
Literatur 177
Anita Krätzner-Ebert: Denunziatorische Briefe in der DDR – Form, Intention, Kommunikationsstrategien 183
I. Einleitung 183
II. Briefkommunikation in der DDR 185
III. Der Umschlag 189
IV. Die äußere Form der Briefe 192
1. Signalkarten 192
2. Mittellange Briefe 194
3. Lange Briefe 194
4. Schrift 195
V. Die Denunziation einer vermeintlichen „Republikflucht“ 195
VI. Fazit 199
VII. Literatur 199
Jochen Strobel: Otto von Bismarck. Ein Prominenter des 19. Jahrhunderts in der Briefkultur 203
I. Schreibender „Real-Idealist“ 203
II. Brief und Briefkultur 208
III. Bismarck: Bildung – Autorschaft – Briefe 212
IV. Bismarcks Briefe: Semantisierungen 215
V. Medienwechsel 221
VI. Sammeln – der Name zählt! 222
Literatur 223
Udo Grashoff: Abschiedsbriefe. Letzte Zeilen vor dem Suizid als historische Quellen 227
I. Schreiben oder nicht Schreiben? 228
II. Diagnostischer Optimismus: Abschiedsbriefe als Fenster zur Seele? 230
III. Literarische Heroisierung 232
IV. Abschiedsbrief und Öffentlichkeit 236
V. Gescheiterte Literarizität? 239
VI. Bestimmung von Genremerkmalen 241
VII. Diskursive Strategien 243
Literatur 246
Jens Ebert: Briefeschreiben in Extremsituationen: Feldpost im Zeitalter der Weltkriege 251
Literatur 261
Volker Depkat: Briefe deutscher Amerika-Auswanderer zwischen Text und Quelle 263
Textpragmatik und Auswandererbriefe 266
Auswandererbriefe als Medien transatlantischer Kommunikation 269
Medialität und kommunikative Eigenart der Auswandererbriefe 269
Die Metakommunikation in Auswandererbriefen 274
Die deiktische Organisation der Briefe und die Sprecher-Origo 277
Schluss 281
Literatur 283
Maria Zens: Autorpositionierungen – zur „inneren Geschichte“ der Vermarktung schöner Literatur 285
I. Zugänge zur „inneren Geschichte“ des Literaturhandels 288
II. Literatur als prekäre Ware 290
III. Das literarische Feld als sozialästhetischer Handlungsraum 293
IV. Maßzahlen und Konvertibilität der ‚Währungen‘ 295
V. Demarkationen 298
VI. Beruf: Schriftsteller 300
VII. Beruf: Literaturverleger 303
1. Julius Campe – der politische Verleger 305
2. Georg von Cotta – Klassik, Lyrik und Journale 306
3. Otto Janke – der moderne Erfolgsverleger 308
VIII. Fazit 310
Literatur 311
Sebastian Hansen: Offene Briefe als Auslöser von Medienskandalen in Deutschland seit 1945 315
I. 315
II. 318
III. 319
IV. 327
Literatur 330